Bare-Knuckle Boxen: Brutale Boxkämpfe ohne Handschuhe!

Bare-Knuckle

Hinter dem Begriff Bare-Knuckle verbirgt sich Boxsport ohne Schutzhandschuhe. Bei solchen Veranstaltungen wird also mit den bloßen Fingerknöcheln gekämpft. Dies hat sowohl Vor- als auch Nachteile. Viele Zuschauer schätzen die Boxkämpfe vor allem wegen des hohen Verletzungsrisikos bei den beiden Kontrahenten. Da hier die Faust sowie das Ziel ungepolstert sind, enden die meisten Duelle blutig und mit größeren Blessuren. Dies macht den Reiz des Bare-Knuckle Boxing aus.

Allerdings bleiben hier viele Fragen unbeantwortet. Wird diese Form des Boxens noch heute ausgeübt? Gibt es eine Fangemeinde in Deutschland und sind solche Veranstaltungen überhaupt legal? All diese Fragen und noch eine Menge mehr werden wir in diesem Artikel beantworten. So viel sei schon mal vorweggenommen!

Die Geschichte des Bare-Knuckle Boxing:

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Bereits vor tausenden Jahren gab es erste Faustkämpfe ohne Schutzausrüstung. Besonders beliebt waren diese Veranstaltungen in Vorderasien, Afrika aber auch Griechenland. Allerdings wurde am bis in das 19. Jahrundert noch mit den bloßen Fäusten oder lediglich mit einigen Bandagen gekämpft.

Erst als sich die Queensberry-Regeln, sprich die Basisregeln des modernen Boxsports durchsetzten, fanden Boxhandschuhe flächendeckende Anwendung. Aber noch immer gibt es Athleten und Anhänger, die ohne Boxhandschuhe oder Bandagen in den Ring steigen. Die Kämpfe sind aber in vielen Ländern illegal und die hohe Verletzungsgefahr schreckt viele Sportler ab.

Gut zu wissen:
In Südafrika gibt es ebenfalls eine Form des Boxkampfes ohne Handschuhe. Diese wird als Musangwe bezeichnet und die Wurzeln liegen in den alten Traditionen der dort lebenden Hirten begründet.

Wettkämpfe & momentane Situation:

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Heutzutage sind solche Kämpfe die absolute Ausnahme und finden häufig im Untergrund vor relativ kleinen Publikum statt. Hauptsächlich liegt dies an diversen Verboten und der Tatsache, dass Mixed Martial Arts solchen Veranstaltungen den Rang abläuft.

Nichtsdestotrotz werden in Großbritannien, Irland, USA, Deutschland, Polen und Kroatien regelmäßig Wettkämpfe ausgetragen. Allerdings finden diese nicht in großen Hallen oder Stadien statt, sondern in Hinterhöfen und kleineren Gyms. Inzwischen gibt es aber auch wieder größere Veranstaltungen.

So wurde am 2. Juni 2018 in den USA, genauer gesagt in Cheyenne der Hauptstadt des Staates Wyoming eine legale Meisterschaft veranstaltet. Dies war die erste offizielle und damit natürlich auch legale Meisterschaft, die es seit über 130 Jahren in den Vereinigten Staaten gab.

Dies ist aber nur die Sonnenseite der Medaille. Noch immer tragen Familienclans in England und Irland Wettkämpfe in Hinterhöfen von Bars aus. Außerdem kürt die World Bareknuckle Boxing Association noch immer unreguliert und zusätzlich noch illegal Weltmeister. Da es sowohl Zuschauer als auch genügend Athleten gibt, wird dieses Spiel auch so weiter gehen.

Gut zu wissen:
Bei vielen Bare-Knuckle-Kämpfen wird noch immer nach 2 Prinzipien gekämpft. Es gibt kein Rundenlimit und der Fight ist erst dann beendet, wenn ein Kontrahent K.O. geht oder einer der beiden aufgibt. Dies hat zur Folge, dass manche Duelle über mehrere Stunden gehen und zu schweren Verletzungen auf beiden Seiten führen.

Warum Bare-Knuckle Boxen kein Volkssport ist:

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Mixed Martial Arts gibt es noch gar nicht so lange und trotzdem handelt es sich um eine immer populärere werdende Kampfsportart. Die Kämpfe werden inzwischen sogar im Fernsehen ausgestrahlt. Doch warum hört und liest man vom Boxen ohne Handschuhe so wenig? Dies hat verschiedenste Gründe.

So dauern die Kämpfe einfach zu lange. Bis zu 6 Stunden müssen, sich die Zuschauer gedulden bis ein Sieger feststeht. Dies ist einfach eine zu lange Zeitspanne für Fernsehübertragungen. Die Leute verlieren aufgrund dessen zu früh das Interesse am Ausgang des Kampfes. Außerdem sind die Techniken im Verhältnis zu MMA eher begrenzt und das Ganze Gekämpfe wird schnell monoton.

Gerade in Deutschland gibt es aber noch ein weiteres Hindernis. Die Mehrzahl der TV-Zuschauer möchte keine blutenden Boxer sehen, die von unzähligen Cuts im Gesicht gezeichnet sind. Zudem ist die Härte hier nicht jedermanns Sache. Dies hemmt auch MMA vor zu großen Erfolgen. Da man immer noch die Möglichkeit hat normale Boxkämpfe zu sehen, ist die Nachfrage nach Bare Knuckle Wettkämpfen gering.

Und wenn man mal ganz ehrlich ist, stellt sich auch die Frage, inwieweit es moralisch vertretbar ist, die Popularität zu verbessern. Dabei stört nicht die Härte, sondern die Nähe zu Realität und damit die Gefahr der Gewaltverherrlichung. Gerade Kinder und Jugendliche könnten so zu gefährlichen Faustkämpfen auf dem Schulhof verleitet werden.

Gut zu wissen:
Wer sich für Wettkämpfe und Meisterschaften interessiert, kann diese problemfrei im Internet anschauen. Selbst auf der bekannten Plattform YouTube gibt es diverse Videos mit professionellem Kommentator. So findet man dort Fights, Best-ofs und sogar Dokumentation über Bare-Knuckle Boxing.

Modernes Boxen vs. Bare-Knuckle Boxen:

Die Frage welche Variante die bessere ist, wollen wir hier gar nicht beantworten. Dies muss jeder für sich selbst entscheiden. Wir gehen hier der Frage auf den Grund, welche Variante gefährlicher ist. Auf den ersten Blick denkt man natürlich sofort, dass Bare Knuckle Boxen brutaler und damit auch gefährlich ist. Dem ist auch erstmal nichts entgegenzusetzen.

Festhalten sollte man allerdings, dass normale Boxer öfter auf den Kopf schlagen. Bare-Knuckle-Athlethen hingegen vermeiden solche Schläge meist. Zu groß ist die Angst sich die Hand zu brechen. Daher ist die bevorzugte Trefferzone der Oberkörper des Gegners.

Die Boxhandschuhe wurden also nicht nur eingeführt, um die Athleten vor Verletzungen zu schützen. Viel eher war die Intention dahinter, dass Schläge auf den Kopf zunehmen und Wettkämpfe damit schneller und publikumswirksamer beendet werden können.

Kommen wir aber zurück zur Frage, welche Variante gefährlicher ist. Die traurige Wahrheit ist nämlich die, dass beide Varianten gleich aufliegen. Selbst normale Boxer erleiden schwerste Verletzungen und sind nicht selten kurz nach der Karriere körperlich und oft auch geistig eingeschränkt. Des Weiteren sieht man die schweren inneren Verletzungen direkt nach einem Kampf in der Regel gar nicht.

Die Schläge sind nicht die Gleichen:

Bare-Knuckle-Schläge

Boxen ist eben nicht gleich boxen. Wer ohne Handschuhe kämpft, kann sich bei einem Jab schnell einmal die Hand brechen. Daher müssen Bare-Knuckle Boxer anders kämpfen. Um das Risiko von schweren Verletzungen zu verringern, wird das Handgelenk nach hinten gebeugt und mit dem Handballen zu geschlagen. Natürlich geht dadurch im Vergleich zum normalen Boxen die Reichweite etwas verloren.

Dafür wird die Faust mit viel mehr Bedacht eingesetzt und Schläge auf den Kopf gibt es so gut wie gar nicht. Zudem eröffnen sich hier Wege für andere Techniken. Sehr riskant, allerdings auch hocheffizient ist eine Technik, die einer normalen Kopfnuss nicht unähnlich ist.

Hierbei wird eine Kopfnuss ausgeführt mit dem Ziel die Faust des Gegners zu zerschmettern. Nicht selten gelingt dies auch und der Kampf ist beendet. Hat dies nicht geklappt, ist das Ganze auch kein Weltuntergang, schließlich ist man näher an den Gegner herangekommen und kann jetzt 1a kontern.

Gut zu wissen:
Viele Athleten schwören auf verschiedene Methoden, um ihre Fäuste abzuhärten. Der bekannte Sportler Joe Joyce aus der Gypsy Bare-Knuckle Boxing Szene setzt zum Beispiel auf Benzin.

Unser FAQ zum Abschluss:

FAQ

Bare-Knuckle Boxen ist zwar nicht besonders populär, aber im deutschsprachigen Raum findet man noch immer relativ wenige Informationen. Dies ist auch der Grund, warum wir immer mal wieder Fragen zu dieser Form des Boxens bekommen. Damit auch du von unseren Antworten profitieren kannst, haben wir uns hingesetzt und einen kleinen Frage-Antwort-Bereich ins Leben gerufen.

Wie heißen die Stars der Bare-Knuckle Szene?

Sehr bekannt sind die aus England stammenden Männer Lenny McLean, Roy Shaw, Bartley Gorman, „Big“ Joe Joyce, Cliff Fields und Charles Bronson. Sie prägten den Sport, wie keine anderen Athleten. Sie stehen für eine kaum präsente und damit nicht zu fassende Unterwelt aus gebrochenen Nasen, goldenem Herrenschmuck und Kämpfe in zwielichtigen Kneipen.

Allerdings wandelt sich das Blatt so langsam. Das alte Bild stimmt einfach nicht. Schließlich hoffen inzwischen viele Engländer, dass Bare-Knuckle bald so populär, wie MMA wird. Die Szene wächst zumindest in rasantem Tempo. Es gibt offizielle Meisterschaften und weltweit bekannte Bare-Knuckle-Boxer, wie etwa Joey Beltran und Tony Lopez.

Wie viel verdienen Bareknuckle-Sportler?

Die Preisgelder sind gering und nur ein heißer Tropfen auf den Stein. In England werden ungefähr 300 bis 400 Euro für einen Sieg gezahlt. Der unterlegene Kontrahent bekommt etwa 100 bis 150 Euro Startprämie. Das Ganze ist also noch immer eine Sportart ohne Vollprofis.

Die Kontrahenten treten also nicht wegen des Geldes an, sondern um sich abzureagieren und ihren inneren Frieden zu finden. Und eines sollte man dabei nicht unerwähnt lassen, die Romantik und der Kameradschaftsgeist in der Bare-Knuckle-Szene kann nicht verleugnet werden.

Gibt es beim Bare-Knuckle Boxing Regeln?

Vielen Leuten sind die Queenbserry-Regeln, die noch heute gelten bekannt. Beim bloßen Faustkampf gibt es aber keine dieser Regeln. Weder gibt es vorgeschriebene Rundenzeiten noch ein Anzählen. Die Wettkampfregeln kann jeder Veranstalter festlegen, wie er es für richtig hält. Eines ist aber immer gleich.

Über den Ausgang des Kampfes entscheiden zwei Dinge. Einmal der klassische K.O. oder die Aufgabe des Gegners. Ansonsten laufen die Fights solange bis einer der beiden Fälle eintritt. Und das kann schon mal mehrere Stunden dauern.

Über Fabian Wüst, Coach & Berufswaffenträger 88 Artikel
Er ist erfolgreicher Trainer in Sachen Selbstverteidigung und sammelte wichtige Erfahrungen als Geldtransporterfahrer, Bahnschutzmitarbeiter und Objektschützer für das Militär. Auf dieser Webseite teilt er sein erlangtes Know How mit dir. Sein Motto lautet: Schütze Dich und Deine Liebsten.