Bōjutsu: Die Kunst des Kampfes mit dem japanischen Langstock!

Bōjutsu

Als erfahrener Kampfsportler denkt man beim Lesen dieses Begriffs natürlich sofort an japanische Stab- und Stockkampftechniken. Ausgeführt werden diese mit einem rund 182 cm langen Holzstab. Früher war das Ziel der Kampfkunst den Umgang mit Langwaffen wie Speeren, Schwertern oder auch Schwertlanzen zu verbessern. Als einfacher Farmer oder Händler konnte man sich jedoch keines dieser teuren Kampfgeräte leisten.

Ebendiese bedauernswerte Truppe musste in drakonischen Schlachten und brenzligen Notwehrsituationen mit einem erschwinglichen Holzstock zurechtkommen. Und dies gelang den Menschen mit großem Erfolg. Wer sich heutzutage für das Bo Jutsu lernen interessiert, braucht keinerlei besondere Vorkenntnisse zu besitzen. Sowohl als Anfänger wie auch Fortgeschrittener wird man viel Spaß am japanischen Stockkampf haben.

Nicht zuletzt, da man hier kein austrainierter Top-Sportler sein muss. Mit der Zeit wird man durch das regelmäßige Training aber schnell bemerken, wie die eigenen Sehnen und Bänder geschmeidiger werden. Auch die Muskulatur im Oberkörper wird rasch kräftiger. Darüber hinaus kann man viele der Techniken in einer Notlage mit einem stabilen Regenschirm oder handelsüblichen Stock anwenden.

Die Kunst des Kampfes mit dem Bo stellt einen hochinteressanten Einsteig in die Welt der japanischen Kampfkünste dar. Man erlernt den Kampf mit einer Waffe und wird im Training nicht zu sehr durch Rituale und altbackene Philosophie gebremst. Aber auch als kleine Abwechslung oder Ergänzung zu anderen japanischen Kampfkünsten kann die Ausübung von Bo Jutsu Sinn ergeben.

Alles Wichtige auf einen Blick:
  • Grundlagen: Die Ausübung von Bo Jutsu verbessert nicht nur die eigene Fitness, Koordination oder auch Konzentration. Man lernt darüber hinaus viele Stocktechniken, die man im Rahmen der Selbstverteidigung einsetzen kann. Selbstredend kann man sich aber auch sehr intensiv mit den traditionellen Techniken und Formen der Kampfkunst im Training auseinandersetzen.
  • Training: Die Kunst des Stockkampfes erlernt man in 3 unterschiedlichen Stufen. Den Beginn stellt dabei die Kihon, die sogenannte Grundschule dar. Vermittelt werden hier die absoluten Basics rund um Positionen, Techniken und korrekte Handhabung. Später kommen noch die Kata sowie die Kumite dazu. Die Rede ist also von Bewegungsformen und echtem Kampftraining.
  • Waffe: Zum Einsatz kommt hier ein 1,82 Meter langer Holzstab namens Bō. Gelegentlich hört man aber auch noch die Begrifflichkeiten Kon oder Kun. Gefertigt wird der 2 bis 3 cm dicke Stock aus Bambus, Rattan sowie roter und weißer Eiche. Zu beachten ist hierbei, dass die Fliegengewichte aus Bambus und Rattan sich vor dem Schlag kräftemäßig aufladen.

Wie ist Bōjutsu entstanden?

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Als Bauer oder kleiner Händler konnte man sich kein Schwert zum Selbstschutz leisten. Was man aber immer auf seinen langen Fußmärschen dabei hatte, war ein langer Gehstock. Obwohl man anderes hätte vermuten können, ist diese Kampfsportart also nicht von den Samurai erfunden worden. Viel mehr ist Bōjutsu die Stockkampfkunst des kleinen, japanischen Mannes.

Dieser nutze den langen Holzstab aber nicht nur als Gehhilfe. Meist befestigte man an beiden Enden Behältnisse mit Waren für den Handel auf dem Wochenmarkt. Der Stab hatte dabei eine besondere Funktion. Mit ihm konnte man die hohe Last gleichmäßiger verteilt über Stock und Stein zum nächstgelegenen Marktplatz befördern. Und als wäre das nicht schon praktisch genug, eignete sich der Stab zum Fortkommen mit dem Boot.

Als Händler wurde man auf dem Weg zum Markt aber auch mal vom Gesindel in den Straßen attackiert. Hier bewährte sich der Stock als einfache und kostengünstige Distanzwaffe. Mit ihm kamen die Angreifer gar nicht erst in die Nähe der Ware oder gar des Transporteurs. Derzeit erlernt man den Umgang mit dem Langstock aber weniger zur Selbstverteidigung.

Viel mehr ist Bōjutsu heutzutage eine eigenständige Kampfkunst mit kleiner Fangemeinde oder einfach eine spannende Disziplin im Kobudo. Noch immer interessieren sich nämlich viele Menschen auf der ganzen Welt für den Kampf mit alten Bauernwaffen aus dem japanischen Okinawa. Der 1,82 m lange Bō ist dabei aber nur eines von vielen Kampfgeräten, obwohl ihm stolze 19 von 42 Kobujutsu-Kata gewidmet wurden.


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Wie kann man in Deutschland Bō Jutsu lernen?

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Im Gegensatz zu vielen anderen Kampfkünsten aus Japan ist das Angebot an Schulen oder Kursen hier nicht besonders groß. Daher kann man sich nicht überall im deutschsprachigen Raum die hohe Kunst des Bo Jutsu aneignen. Oftmals werden die Lehrgänge sogar nur als Zusatzangebot zum normalen Unterricht im Kobujutsu, Karate-Dō, Aikidō, Iaidō, Jiu Jitsu oder dem Ninjutsu angeboten.

Die meisten Angebote stellen also eher eine Ergänzung oder Abwechslung zum normalen Trainingsalltag dar. Hat man allerdings einen passenden Anbieter gefunden, kann es auch schon losgehen. Weder muss man besonders gut trainiert sein, noch braucht man Erfahrungen mit dem Stockkampf vorzuweisen. Beides schadet aber natürlich nicht. Da aller Anfang schwer ist, lernt man zu Beginn einstweilen die Basics.

Kihon – Die Grundschule im Langstockkampf:

Bevor man den Stab zum Ersten mal gekonnt durch die Luft wirbeln kann, müssen natürlich alle Grundlagen sitzen. Die Rede ist also von den Standpositionen, der sicheren Handhabung des Stockes, den wichtigsten Schlag-, Stoß- und natürlich auch Wirbeltechniken. Als Anfänger unterschätzt man oft den Zeitaufwand und langwierigen Lernprozess für die Kihon.

Dabei kommt es gerade hier auf die saubere Durchführung der Techniken an. Es wird einem gerade also detailliert vermittelt, wie man den Langstock richtig umfasst, den Schlag ausführt und wie man überhaupt zu stehen hat. Jeder dieser Schritte hat seine ganz eigenen Feinheiten, wie die Fußstellung, die Handhaltung oder auch die richtige Positionierung der Waffe.

Da sich hier schnell Fehler einschleichen können, trainieren selbst große Meister immer wieder die Grundlagen in der Kihon. Obwohl von Anfängern oft anderes vermutet wird, ist die Grundschule ein unerlässlicher und damit dauerhafter Bestandteil jeder Trainingsstunde. Immer wieder muss man seine erlangten Fertigkeiten vertiefen, damit sie nicht davon schwinden.

Kata – Einstudierte Bewegungsfolgen als Vorstufe zum Duell:

Auch bei dieser Kampfkunst ist die 2. Stufe des Trainings die sogenannte Kata. Gemeint sind damit einstudierte Solotänze als Vorstufe zum richtigen Kampf. Das Hauptaugenmerk liegt bei diesen Übungen auf sauberen Bewegungsmustern und figurenreichen Vorführungen. Hat man hier seine Fähigkeiten unter Beweis gestellt, darf man im Anschluss endlich den nächsten und auch finalen Schritt in der Ausbildung wagen.

Kumite – Nur im Ring lernt man das echte Kämpfen:

Sowohl der Freikampf als auch das einstudierte Gefecht wird als Kumite bezeichnet. Im Gegensatz zu den Formen interagiert man hier immer mit einem realen Partner. Besonders großen Spaß machen hier natürlich die richtigen Zweikämpfe, in denen man seinen Gegner besiegen kann. Mithilfe der richtigen Taktik, Schnelligkeit und Technik kann man hier Punkte erzielen.

Damit es aber nicht zu gravierenden Verletzungen kommt, wird der Langstock mit Schaumstoff ummantelt und natürlich auch eine spezielle Schutzausrüstung getragen. Das Hauptaugenmerk liegt beim Kampfsport schließlich auf einem verletzungsfreien Ausgang. Wir sind schlussendlich nämlich nicht auf einem Schlachtfeld in Japan und kämpfen auch nicht ums blanke Überleben.

Von daher benötigt man für den Freikampf einen Kopf- sowie Brustschutz. Auch Hand- und Fußschützer sind absolut empfehlenswerte Ausrüstungsgegenstände. Je nach Schule und Kurs kann man im Freikampf nicht nur Stock-, sondern auch Hebel- und Wurftechniken benutzen. Bojutsu ist also mehr als nur die Kunst des Langstockkampfes und dies sollte man bereits vor der 1. Trainingsstunde wissen.

Gut zu wissen:
In einer Notsituation kann man auch einen Spazierstock, einen Billardqueue, ein Besen oder auch ein stabiler Regenschirm als Bo nutzen. Das bedeutet nichts anderes als, dass viele der Techniken im Rahmen der Selbstverteidigung eingesetzt werden können. Vor allem die Stiche und Stöße haben sich mit den kürzeren Alltagswaffen als besonders effektiv herausgestellt. Kräftige Hiebe auf Nervenpunkte, wie dem Solar Plexus raubten so manchem Angreifer die Luft.

Unser Frage-Antwort-Bereich zum Abschluss:

FAQ

Japanische Kampfkünste ziehen weltweit eine Vielzahl an Menschen in ihren Bann. Gerade die altertümlichen Waffen und deren richtige Beherrschung fasziniert viele Sportler. Daher ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass uns immer wieder die ein oder andere Frage per Mail erreicht. Was man noch so alles über diese Kampfsportart wissen muss, verraten wir dir in unserem kleinen FAQ:

Wie läuft eigentlich ein Bōjutsu-Training ab?

Nicht jede Kampfkunstschule trainiert gleich. Der Ablauf lässt sich aber ganz grob zusammenfassen. So wird meist mit den grundlegenden Schlägen begonnen. Danach widmet man sich dann recht intensiv den Stellungen. In den Partnerübungen verbindet man dann beide Trainingsteile und verbessert so noch sein Gespür für den echten Kampf. Gesagt sei aber noch, dass man sich vor Beginn des Kurses noch aufwärmen muss und es häufig noch eine kleine Ansprache vom Übungsleiter gibt.

Welche Großmeister gibt es eigentlich beim Bō Jutsu?

Die ersten Großmeister in Japan gab es im 18. Jahrhundert. Eine kleine Auswahl von ihnen wären Oyakei Akahachi, Higa Matsu und Sakugawa Kanga. Letzterer gilt noch heute als einer der bekanntesten und wichtigsten Meister des frühen okinawischen Karate. Endes des 19. Jahrhunderts prägte vor allem der Gründer des Aikido, Ueshiba Morihe, den Sport mit dem Langstock.

Er kreierte den Stil Masakatsu Bōjutsu. Als letzter großer Meister des Kobudō hat sich Taira Shinken einen Namen gemacht. Von ihm wurde das Ryukyu Kobujutsu im vergangenen Jahrhundert systematisiert und bekannt gemacht. Dort entfallen allerdings nur 19 der 42 Techniken auf den Kampf mit dem Bō. Diese Disziplin ist nämlich auf Schlachten mit typischen aus Okinawa stammenden Bauernwaffen zurückzuführen.

Was bedeutet das Wort Bōjutsu auf Deutsch?

Frei übersetzt spricht man von der Kunst des Kampfes mit dem Langstock. Der Begriff Bōjutsu setzt sich dabei aus 2 Teilen zusammen. Da wäre einmal Bō für Langstock und Jutsu für Kunst oder Technik. Aufgrund dessen kennt man in Deutschland auch noch die getrennte Schreibweise Bō Jutsu. Da nur wenige Sportler hierzulande diese Kampfkunst ausüben, wird man die beiden Schreibweisen aber nur selten zu Gesicht bekommen.

Über Timo Meyer, Judoka (1. Dan) 38 Artikel
Er ist seit mehreren Jahren begeisterter Judoka und verfügt über ein breit gefächertes Fachwissen in Sachen Kampfkünste und Kampfsport. Als Experte schreibt er hier über alle möglichen Themen rund um Kampfsport. Sein Motto lautet: Man kann dir den Weg weisen, doch gehen musst du ihn selbst.