Bokken: Das einst in Vergessenheit geratene Holzschwert der Samurai!

Bokken

Vielen Menschen ist der japanische Begriff Samurai geläufig. Die Berufssoldaten waren bekannt als tugendhafte und loyale Kämpfer. Auf dem Weg hin zu diesem Mythos wurden zahlreiche Waffen erfunden und genutzt. Hängen geblieben sind die fähigen Kämpfer dann beim Katana.

Das legendäre Schwert mit den 2 Klingen erwies sich als überaus effiziente Waffe. Allerdings konnte man mit der gefährlichen Waffe kaum trainieren. Zu oft kam es zu schweren Verletzungen oder Beschädigungen an der Klinge.

Daher entwickelten die Elitesoldaten ein Trainingsschwert aus Holz. Die Rede ist natürlich vom Bokken, welches viele hierzulande auch unter dem Begriff Bokuto kennen. Heute wird es in vielen japanischen Kampfkünsten als eigenständige Waffe genutzt.

Früher diente es hauptsächlich dem Training, um auf dem Schlachtfeld effektiver zu werden. Eigens dafür wurde das Kenjutsu, die sagenumwobene Kampfkunst mit dem Schwert, ins Leben gerufen.

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Bald aber merkte man, dass auch das hölzerne Trainingsschwert eine ernstzunehmende Waffe sein konnte. So ließ es sich gut als Schlagstock einsetzen und als Würgeholz machte es eine passable Figur. So entstanden über die Jahre immer mehr Techniken für das Bokuto.

In ihnen verschwimmen sozusagen Stock- und Schwerttechniken zu einer hochgefährlichen Mischung. Seitdem es aber Feuerwaffen gibt, ist das hölzerne Schwert den auch in Deutschland häufig praktizierten Kampfkünsten vorbehalten.

Hauptsächlich wird es hierzulande aber in Nischen genutzt. So findet man es bei Übungen im chinesischen Iaido und bei einigen Traditionalisten, die noch immer das echte Kenjutsu praktizieren. Im Nachfolger der alten Schwertkunst dem sogennanten Kendo fristet das japanische Holzschwert ein Schattendasein.

Im Aikido, Kempo, Karate und sogar beim Judo wird es aber immer populärer. Allerdings in einem anderen Zusammenhang. Dazu aber später mehr. Im Folgenden findest du erstmal zahlreiche Tipps & Tricks rund ums Bokken.

Alles Wichtige auf einen Blick:
  • Das originale Bokuto aus Japan ist meist aus Weißeiche und Roteiche gefertigt. Heute kann man aber auch Modelle aus sehr billigen, aber auch exotischen Holzsorten erwerben. Zu den eher besseren Hölzern gehört das nordamerikanische Hickory. Dieses wird außerdem zur Produktion von Baseballschlägern eingesetzt. Wer möchte, kann aber auch ein Exemplar aus Kunststoff erwerben. Diese werden zudem immer populärer.
  • Die Angebotspalette ist inzwischen als riesig zu bezeichnen. Zwar basteln sich viele Kampfkünstler ihr Bokken lieber selber, aber nötigt ist dies wirklich nicht mehr. So gibt es inzwischen verschiedene Gewichts- und Materialklassen. Auch das Angebot an Zubehör wird immer vielseitiger. Es werden sogar Schwerter produziert, die hohl sind. Bei einem korrekt ausgeführten Schnitt hört man dann ein zischendes Geräusch.
  • Je nach Holzgattung und Qualität variieren die Preise enorm. Günstige Exemplare findet man online bereits ab etwa 10 Euro. Allerdings brechen diese Schwerter schnell und es kommt daher immer wieder zu vermeidbaren Verletzungen im Training. Aufgrund dessen sollte man etwas mehr Geld in die Hand nehmen und ein hochwertiges Modell erwerben. Zudem verformen sich qualitative Bokken nicht so schnell und sind daher um ein Vielfaches langlebiger.

Das Bokken & seine Produktmerkmale:

Bokken-Infografik

Das handelsübliche Bokuto kann man in zwei unterschiedlichen Größen erwerben. Das längere Bokutachi ist etwa 101,5 cm lang und stellt damit das in der Einleitung erwähnte Katana der Samurai nach.

Die kürzer Variante, gerade einmal 57 cm lang, ist dem Wakizashi nachempfunden. Bezeichnet wird es von den Profis als Bokukodachi. Abgesehen von der Größe unterscheidet es sich kaum vom längeren Modell.

Bei genauerer Betrachtung der Holzschwerte wird einem schnell auffallen, wie liebevoll diese teilweise hergestellt wurden. Die Trainingswaffen imitieren bewusst die Merkmale echter japanischer Klingen. Alles stimmt hier bis aufs kleinste Detail.

Es gibt eine Krümmung der Klinge, einen kantigen Klingenrücken, einen ovalen Griff sowie eine ausgearbeitete Klingenspitze. Sogar ein Sichelblatt als Handschutz wurde nicht vergessen. Heutzutage besteht es meist aus robustem Kunststoff.

Nach dem Aufziehen wird es mit einem Gummiring namens Tsubadome befestigt. Bei hochwertigen und damit teuren Bokken besteht das Sichelblatt manchmal aus hartem Leder oder Holz.

Der Griff ist bei diesen Schwertern nicht rund, sondern fischbauchförmig ausgearbeitet. Er wird zur Mitte hin daher immer dicker. Nur so ist es möglich die Lage der Klinge im Training richtig zu fühlen. Allerdings gibt es in Europa noch ein paar spezielle Sonderformen:

Bokuto

Häufig liest man davon, dass man durch die Übungen seine Armmuskulatur stärkt. Damit dieser Effekt möglichst gut zur Geltung kommt, werden besonders schwere und lange Bokuto genutzt.

Allerdings finden diese bei Übungen mit dem Partner keinerlei Anwendung. Eingesetzt werden diese nur bei den sich wiederholenden Schnitt- und Bewegungsübungen. Die Schwerter wiegen meist mehr als 800 Gramm und sind ca. 110 cm lang.

Im chinesischen Stil Iaido werden bei Partnerübungen spezielle Bokken genutzt. Diese verfügen über eine Schwertscheide aus Kunststoff, was ein realistisches Ziehen und Rückführen bei der Kata erlaubt.

Auch im Aikido werden teilweise relativ schwere Bokuto mit größerem Durchmesser und ohne Spitze genutzt. Zudem setzen einige japanische Schwertkampfschulen auf selbst entwickelte Bauformen.

Gut zu wissen:
Die korrekte Führung oder genauer gesagt Handhabung ist oftmals schwer zu erkennen. Daher wurden Bokken mit einer Kehlung auf beiden Seiten entwickelt. Inspirieren lassen hat man sich dabei stark von den Hohlkehlen der scharfen Schwerter.

Wird solch ein gekehltes Holzschwert beim Schnitt richtig bewegt, entsteht ein zischendes Geräusch. So kann der Meister die korrekte Führung nicht nur visuell, sondern auch akkustisch erkennen.

Training & Verwendung des Bokuto in der Praxis:

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Viele Kampfsportarten aus Japan setzen in ihren Trainingseinheiten auf das hölzerne Schwert. Genutzt wird die Waffe an Stelle eines echten Katanas oder dessen kleineren Ableger Wakizashi.

Aufgrund der nicht vorhandenen Klinge kann man realistisch trainieren ohne sich Sorgen über Schnitte und Stiche beim Partner machen zu müssen. Solche Runden zwischen 2 Sportlern gibt es beispielsweise im Aikido, Judo, Kenjutsu oder auch beim Iaido.

Darüber hinaus wird die hölzerne Trainingswaffe noch bei der Kata im Kendo genutzt. Allerdings werden bei besonderen Anlässen oder wichigen Vorführungen Schwerter mit Metallklingen hervorgeholt.

Deren Klingen sind aber allesamt stumpf und daher als relativ ungefährlich einzustufen. Die ersten 7 Kata werden mit dem langen Bokken durchgeführt, wohingegen bei den weiteren 3 Kata der Schülerseite jeweils ein kurzes Bokuto zum Einsatz kommt.

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Wer seine erste Vollkontaktübung hinter sich hat, wird eines schnell bemerkt haben. Nämlich wie rasch es im Trainingsgefecht zu Rissen und Scharten in der Holzklinge kommt. Daher muss diese vor dem Übungskampf nach Splittern und Brüchen abgetastet werden.

Wer hier schludert, riskiert eine unnötige Verletzung beim Gegenüber. Auch Geiz ist hier nicht angebracht. Oft kann man die Klinge nämlich wieder kostengünstig instand setzen. Ein Totalschaden ist zudem nur selten der Fall.

Alternativ bieten sich natürlich die neuartigen Kunststoffbokken an. Sie gelten als robuster und splittern zudem nur äußerst selten. Selbstverständlich gibt es auch ein Trick, wie man Beschädigugnen durch Kampfhandlungen reduzieren kann.

Hölzerne Bokken sollten bei einem Gefecht nämlich immer aus gleichhartem Holz gefertigt sein. Ist dem nicht so, kann das schwächere Modell in wenigen Minuten arg in Mitleidenschaft gezogen werden.

Wer Angst vor dem ersten Kampf hat, kann zu Hause bereits auf kleinem Raum trainieren. Hier bieten sich Schnitt- und Blocktechniken an. Mit etwas Willen und Disziplin kann man hier schnell seine Fähigkeiten verbessern.

Lediglich für ein besseres Kampfgespür, das Erlernen von Entwaffnungstechniken sowie den obligatorischen Partnerübungen braucht man ein menschliches Gegenüber. Schließlich lernt man den Umgang mit dem Bokken am besten in der Praxis.

Gut zu wissen:
Um bei der Übung von Stichtechniken Verletzungen zu reduzieren, sollte man auf Modelle ohne speziell geformte Klingenspitze zurückgreifen. Auch muss man sich bei Übungen immer bewusst darüber sein, dass Treffer an ungeschützten Körperstellen zu schweren Verletzungen führen kann.

Obwohl man das Bokken damit durchaus als sehr gefährlich einstufen kann, wird es in der Praxis eher als Sportgegenstand und nicht als klassische Waffe betrachtet. Dieser Umstand erlaubt es das Schwert problemfrei zum Training mitzunehmen.

Unser FAQ zum Abschluss: 

Judo-FAQ

Von Zeit zu Zeit erreichen uns sehr interessante Fragen unserer Leser zum japanischen Holzschwert. Dies hat uns auf die Idee gebracht einen kleinen Frage-Antwort-Bereich an diesen Beitrag anzufügen.

So erhält nicht nur der Fragesteller weitere Informationen zum Thema, sondern auch du. Im Folgenden findest du daher eine kleine Auswahl an interessanten Fragestellungen samt unseren Antworten: 

Gibt es das Standardbokken für Jedermann?

Grundsätzlich betrachtet natürlich schon. Allerdings legt jeder den Begriff etwas anders aus. Wir verstehen hierunter ein Modell aus solider Roteiche mit einem Gewicht um die 550 Gramm. Wer möchte, kann auch noch gleich eine passende Saya (Schwertseide) dazu kaufen. Unbedingt notwendig ist diese aber gerade für Einsteiger nicht.

Bei der Ausstattung sollte man auf 3 Features Wert legen. Die Rede ist von einer schmalen Klinge sowie einem Handschutz samt Halter. Gerade die Form des Klingenprofils sollte man nicht unterschätzen. Umso dünner sie ist, desto leichter und besser lässt sich das Modell in der Praxis führen. Nicht zuletzt aufgrund des besseren Schwerpunkts.

Was haltet ihr von Schwertern aus Hartkunststoff?

Noch immer haben viele Sportler Vorbehalte gegenüber Kunststoff als Material. Allerdings ist das eingesetzte thermoplastische Elastomer (TPE) sehr belastbar und damit als sehr robust zu bezeichnen. Darüber hinaus ist das Bokken aus einem Guss gefertigt. Man muss es daher weder zusammenstecken noch -schrauben.

Ein weiterer Aspekt der für die beachtliche Stabilität und Belastbarkeit bei Scherkräften und Aufschlägen spricht. Ansonsten ähneln sich Bokken aus Kunststoff und Holz ziemlich. Das Gewicht ist in etwa gleich und damit fühlt sich die Plastikvariante auch nicht wie ein Spielzeugschwert an.

Außerdem verfügt sie über viele eingearbeitete Details durch das bei der Herstellung genutzte Gussverfahren. Optisch sind sie also durchaus ansprechend gestaltet. Man erkennt beispielsweise die Maserung des Holzes auf der Klinge. Und selbstverständlich kann man auch eine passende Saya oder gleich ein Set mit Schwertscheide erwerben.

Welches Bokken eignet sich besonders gut für Fortgeschrittene?

Nicht jedem Athleten sagt die Optik eines Schwerts aus Roteiche zu. In so einem Fall bietet sich der Umstieg auf Weißeiche an. Hierbei geht es aber nicht nur um die Farbe. So ist ein Trainingsschwert aus Weißeiche in der Regel etwas schwerer. Schud daran ist die höhere Dichte des Holzes.

Diese sorgt aber auch für eine bessere Widerstandsfähigkeit bei harten Schlägen. Wer also öfter mal mit gekonnten und kräftigen Techniken trainiert, wird Schwerter aus Weißeiche zu schätzen lernen. Nicht unerwähnt bleiben darf aber auch die bessere Feuchtigkeitsresistenz. Die Poren liegen hier nämlich dichter beinander und sind zudem noch geschlossen. Daher dringt Wasser nur deutlich langsamer und schlechter ein.

Zwar könnte man diesen Umstand als Unwichtig abtun, da die Schwerter im Training keinen Wettereinflüssen ausgesetzt sind, aber die Lagerung führt oft zu Problemen mit Feuchtigkeit. Schließlich muss manch Athlet sein Schwert im feuchten und noch dazu kalten Keller lagern. Hier ist dann Weißeiche als Material zu bevorzugen. Schließlich ist auch die Langlebigkeit um ein Vielfaches besser.

Wer dem Schwert noch den letzen Schliff geben möchte, kann den Griff umwickeln. Hierfür bietet sich ein Griffband (Tsuka-Ito) an, wie es bei echten Katana zum Einsatz kommt. Damit dieses im Training aber nicht einfach herunterrutscht, wird es mit einer Metall-Kappe (Kashira) fixiert. Nun fühlt sich das hölzerne Bokken fast schon wie ein echtes Katana an. Genial, oder?

Wie teuer sind empfehlenswerte Bokken?

Qualitativ brauchbare Standardbokken bekommt man für etwa 30 bis 90 €. Wer ein Itto-Ryu kaufen möchte, muss mit ca. 40 € rechnen. Ein Kahima Shin-Ryu hingegen ist ungefähr ein Drittel teuer. Hier werden 60 € fällig.

Was bedeutet der Name Bokuto übersetzt?

Die Bezeichnung besteht aus 2 Wörtern. Die Rede ist von Boku und To. Ersteres steht für Holz und Letzteres für Schwert. Außerhalb Japans wird häufig der Begriff Bokken genutzt. Zurückführen lässt sich dies vermutlich auf die einfachere Schreibweise.

Über Timo Meyer, Judoka (1. Dan) 33 Artikel
Er ist seit mehreren Jahren begeisterter Judoka und verfügt über ein breit gefächertes Fachwissen in Sachen Kampfkünste und Kampfsport. Als Experte schreibt er hier über alle möglichen Themen rund um Kampfsport. Sein Motto lautet: Man kann dir den Weg weisen, doch gehen musst du ihn selbst.