Bokken selber bauen: Benötigtes Werkzeug & detaillierte Anleitung!

Bokken selber bauen

Mit dem Eigenbau möchte man oft etwas Geld sparen oder sich ein ganz besonderes Bokuto in Eigenregie bauen. Beim Blick auf das benötigte Werkzeug, sehen viele aber wieder von der Idee ab. Man braucht nämlich jede Menge teures Werkzeug und auch etwas handwerkliches Geschick, um aus einem Stück Holz ein richtiges Bokken zu bauen.

Zudem ist das Selberbauen sehr zeitaufwendig. Innerhalb weniger Minuten kommt man hier nicht zum Ziel. Wer wenig Heimwerkererfahrung mitbringt, muss vielleicht sogar einen Fehlversuch einplanen. Aufgrund all dieser Umstände fährt man mit einem Bokken von der Stange oft besser. Die gesparte Zeit kann man nämlich ins Training und damit in die Verbesserung der eigenen Techniken investieren. 

Wer sich von den ersten Zeilen bis jetzt noch nicht hat abschrecken lassen, findet in den folgenden Zeilen eine kleine Anleitung, wie man ein Bokuto selber bauen kann. Und eines gleich vorweg: wer sich schon immer mal an der gehobene Holzbearbeitung versuchen wollte, findet hier ein überschaubares und interessantes Projekt. Hat alles geklappt, kann man ein hölzernes Samurai-Schwert sein Eigen nennen.

Alles Wichtige auf einen Blick:
  • Benötigte Utensilien: Tischkreissäge, Hobel, Bandschleifer, Schleifpapier, Tuch, Öl oder Lack.
  • Arbeitsaufwand: Für die Bestellung der Materialien und die ganze Holzbearbeitung sollte man je nach Geschick mit 4 bis 8 Stunden kalkulieren.
  • Preis-Leistungs-Check: Diese variieren je nach benötigtem Werkzeug und der gewählten Holzsorte. Der Eigenbau ist meist nicht günstiger als der Kauf eins mittelpreisigen Schwerts.

1. Auf das richtige Holz kommt es an:

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Bevor wir zu den verschieden Holzarten kommen, solltest du wissen, dass nur abgelagertes Holz verwendet werden darf. Wir empfehlen hier Hölzer mit einer Mindestlagerzeit von einem Jahr. Außerdem sollte das ausgewählte Holz keine Knoten bzw. Astspuren aufweisen, da es später an dieser Stelle zu einem Bruch kommen kann. Und dies kann durchaus zu ordentlichen Verletzungen im Vollkontakt führen.

Sprechen wir über das richtige Holz fürs Bokken, ist die Auswahl in Deutschland eher bescheiden. Am besten eignet sich für das Bauvorhaben, nämlich Rot- oder Weißeiche. Allerdings bekommt man diese hierzulande gar nicht so einfach. Auch das im Baseballbereich häufig genutzte Hickory, ist gar nicht so leicht zu kaufen. Dabei überzeugt es auf voller Linie.

Kommst du über Onlinehändler an dieses Holz, dann nimm es. Nadelhölzer wie Kiefer oder Fichte fallen ganz klar weg, da diese nicht zum Bau von Holzwaffen geeignet sind. Zu weich ist deren Kern. Auch das Holz einer hiesigen Eiche ist eher mäßig geeignet, da dieses gerade mit dem Hobel sehr schwer zu bearbeiten ist.

Bleibt schlussendlich noch das Buchenholz, welches nicht nur optisch gut aussieht, sondern auch sehr angenehm und leicht zu verarbeiten ist.
Es gibt zwei verschiedene Arten der Buche, sowohl die Rot-Buche mit seinem rötlichen Holz als auch die Weiß- beziehungsweise Hain-Buche.

Diese beiden Baumarten sind nicht miteinander verwand, können aber durchaus beide für den Bau des Bokuto verwendet werden. Die Hain-Buche hat den Vorteil etwas schwerer zu sein, was später durchaus für effektiveres Muskeltraining und auch mehr Stabilität spricht.

Um das Schwert herstellen zu können, braucht man ein Stück Holz mit den richtigen Abmessungen. Der Rohling sollte etwa die Maße 110 cm x 4 cm x 6 cm haben. Selbstredend hängt die Größe, aber auch von deiner geplanten Bauform ab. Außerdem brauchst du für ein Wakizashi oder genauer gesagt Shoto deutlich weniger Holz. Das solltest du beim Kauf berücksichtigen.

Gut zu wissen:
Die Bearbeitung von den hier vorgestellten Harthölzern ist nichts für schwache Heimwerker. Beim Hobeln wird dir so manche Schweißperle über die Stirn und den Rücken laufen. Der große Aufwand lohnt sich aber. Schließlich kann dir nur Hartholz die gewünschte Stabilität für den Vollkontaktsport bieten. Bokken aus Weichholz sind eher als Deko zu betrachten.

2. Entscheide dich für die optimale Form:

Für die Auswahl der Bauform kopierst du am besten die Umrisse eines Bokken mit dem du im Vorfeld schon trainiert hast und welches gut in deiner Hand liegt. Empfehlenswert ist es, diese Umrisse für den mehrmaligen Gebrauch in Form einer Schablone festzuhalten. Am besten wird diese aus stabilem Karton erstellt.

So lässt sich dieser später auch leicht auf den Holzrohling übertragen. Die Gewichtsverteilung sowie die genaue Form kannst du dann nach deinen ganz eigenen Vorlieben und Wünschen anpassen. Die Schablone dient erstmal nur als grober Anhaltspunkt für die ersten Sägearbeiten.

Gut zu wissen:
Sehr beliebt ist neben der klassischen Bauform auch das sogenannte Suburito. Es ist mit einer starken Holzklinge versehen und dient hauptsächlich dem Training von Schlagkraft und Ausdauer. Natürlich werden die Schwünge und Schläge durch das regelmäßige Training deutlich besser. Grundsätzlich betrachtet kann diese Form auch relativ unabhängig von der späteren Kampfsportart genutzt werden.

3. Welche Werkzeuge du nun unbedingt benötigst:

Bokken-bauen-Anleitung-Werkzeuge

Wer ein Bokken selber bauen möchte, braucht ein paar durchaus teure Utensilien. Mit einem Hammer und einer Säge ist es hier leider nicht getan. Die meisten ambitionierten Heimwerker verfügen aber über die nötigen Tools in ihrer Werkstatt:

  • Eine Tischkreissäge zum Ausschneiden des Rohlings aus der Bokkenform.
  • Einen Hobel zum Ausformen der Schneide.
  • Einen weiteren Schabhobel zum Ausformen des Klingenrückens.
  • Einen Bandschleifer zum Glätten der Schneide.
  • Unterschiedliche Schleifpapiere für den letzten Schliff.
  • Öl oder Lack für die abschließende Oberflächenbehandlung.
Gut zu wissen:
Wer keine Tischkreissäge besitzt, kann die Form auch mit einer Stichsäge ausschneiden. Diese ist auch in der Anschaffung günstiger und später außerdem flexibler einsetzbar. An den Hobeln darf man aber nicht sparen. Hier braucht es qualitativ gute Modelle. Zum Auftragen des Lacks oder Öls tut es sogar ein altes Shirt. Es muss aber sauber sein.

4. Die heiße Phase beginnt endlich:

Als allererstes solltest du mit der Tischkreissäge die grobe Form des Bokken aus dem Holzrohling ausschneiden. Hierfür musst du äußerst vorsichtig und gewissenhaft arbeiten und aufpassen, dass du nicht in den Klingenkörper hinein sägst. Beim nächsten Schritt wird mit dem Hobel die Schneide geformt, dazu spannst du den Rohling an der künftigen Griffseite in den Schraubstock.

Das Griffstück solltest du nach Möglichkeit so lange wie möglich eckig lassen, um den Bokken optimal einspannen und bearbeiten zu können. Das macht das Vorhaben deutlich leichter und dieser Trick hätte uns beim ersten Bau viel Nerven gespart. Nun kommt der Schabhobel zum Einsatz, dieser gut wegen seiner besonders kurzen Sohle geeignet ist. Mit diesem formst du dann den Klingenkörper.

Ein normaler Hobel ist hier nicht zu empfehlen, da es damit schwierig oder gar unmöglich wird die Krümmung zu bearbeiten. Wir haben es versucht und es wird eher nichts. Kaufe dir daher lieber einen solchen Hobel. Er ist sein Geld definitiv wert. Nachdem die Schneide und der Klingenkörper bearbeitet wurden, ist jetzt der Griff an der Reihe.

Dafür spannst du das Bokken vorsichtig mit einem Tuch am Klingenkörper ein. Besonders praktisch wäre, wenn der Griff Querschnitt eiförmig / fischbauchförmig wäre, da die Schneide Lage, bei Nutzung des Bokkens so leichter zu kontrollieren ist. Dieses ist allerdings keine Voraussetzung, wichtig ist nur darauf zu achten, dass der Bokken Griff gut in deiner Hand liegt.

Bei der gesamten Bearbeitung des Bokken, solltest du darauf achten das die Klinge und der Griff eine Linie bilden. Arbeitest du stets gleichmäßig und immer vom Klingenkörper parallel zur Klinge, wirst du eine schöne gerade Linie bekommen. Am Ende darfst du gerne eine Spitze beziehungsweise die sogenannte Kissaki herausarbeiten. Du darfst das Bokken für mehr Trainingssicherheit aber auch gerne Stumpf. 

Gut zu wissen:
Die Sägearbeiten bilden die Grundlage für ein schönes und gut einsetzbares Schwert. Daher musst du hier mit äußerster Präzision ans Werk gehen. Überlege dir jeden Zuschnitt genau. Du kannst nämlich später kein Holz mehr anleimen. Ein Fehler und du musst von vorne beginnen. Arbeite daher penibel und mit Bedacht.

5. Nun folgt der filigrane Teil:

Steht die grobe Form, kommt jetzt zum Glätten der Schneide, der Bandschleifer zum Einsatz. Hiermit kann problemlos geschliffen werden, da sich die Schleiffläche durch die Rechteckige Form super anpassen lässt. Trotzdem solltest du diesem Arbeitsschritt volle Aufmerksamkeit widmen, den schleift man nicht gleichmäßig und verkantet etwas, kann es schnell zu einer unschönen Delle oder Ecke im Holz kommen.

Nicht jeder Heimwerker besitzt einen eigenen Bandschleifer. Bevor du aber von Hand zu schleifen beginnst, kannst du auch einen sogenannten Exzenterschleifer einsetzen. Hast du die elektrischen Schleifarbeiten abgeschlossen und die Oberfläche ist schön eben, kommt nun noch kurz die eigene Muskelkraft samt feinem Schleifpapier zum Einsatz. Schließlich soll dein Bokuto optisch auf voller Linie überzeugen.

Gut zu wissen:
Kontrolliere die gesamte Oberfläche des Schwertes auf Macken, Kratzer und andere Beschädigungen. Nach der ersten Schicht Lack oder Öl sind Ausbesserungsarbeiten sehr zeitaufwendig. Zudem macht das Schleifen und Hobel auf bereits bearbeiteten Holz keinen allzu großen Spaß. Führe also eine richtig genaue Endkontrolle unter starkem Licht durch. So erkennst du wirklich jede Unebenheit.

6. Die Behandlung der Oberfläche mit Lack oder Öl:

Oberflächenbehandlung

Hier scheiden sich ein bisschen die Geister. Viele Heimwerker bevorzugen bei diesem Arbeitsschritt Öl, wegen der leichteren Verarbeitung. Andere widerum halten davon nichts und greifen direkt zum Lack. Was für die jeweilige Variante spricht, haben wir daher im Folgenden kurz zusammengefasst.

Der Unterschied zwischen Lack und Öl liegt ganz klar auf der Hand. Der Lack weist eine hohe Oberflächenwirkung auf, zieht dafür aber nicht bis tief in das Holz ein, was auch bedeutet das man es nach Belieben durch etwas schleifen wieder entfernen kann. Öl dagegen zieht tief in das Holz ein und ist auf der Oberfläche kaum Spürbar. Dafür schützt es schlechter vor Feuchtigkeit.

Geht es um die Frage welches Bokken besser in der Hand liegt, kommt es ganz auf dich und deine Vorlieben an. Wirklich groß ist der Unterschied in der Praxis zwar nicht, aber ein paar kleine Dinge haben wir durchaus bemerkt. So sorgt Öl für eine weiche und geschmeidige Halteweise, wo hingegen lackierte Schwerter unserer Meinung nach besser in der Hand liegen.

Wer für möglichst viel Grip am Griffstück sorgen möchte, kann dieses auch einfach wie ein echtes Katana mit einem Band umwickeln. Dies nur als kleiner Tipp am Rande. Um das Bokken vor Witterungseinflüssen oder auch Raumklimata zu schützen, solltest du allerdings in jedem Fall über eine Oberflächenbehandlung nachdenken. Auch solltest du diese Behandlung immer mal wieder von Zeit zu Zeit wiederholen. 

Welches Öl eignet sich zur Oberflächenbehandlung am besten?

Für die Oberflächenbehandlung kannst du dich für ein Leinsamen-, -Tung oder auch für ein Hart-Öl entscheiden. Wer damit zum Ersten mal im Baumarkt konfrontiert wird, hat es ganz schön schwer bei der Auswahl. Daher sprechen wir diesen Punkt gleich mal hier an. Hart-Öl enthält viele Harze und findet oft auch Verwendung im Parkettbodenbau.

Es hat einfach den Vorteil, das es wirklich tief in das Holz einzieht und überaus widerstandsfähig sowie wasserabweisend ist. Leinsamen- oder Tungöl sind eine gute Alternative muss man aber über viele Schichten auftragen, damit es auch wirklich bis ins Innere des Holzes einzieht. Etwas mehr Arbeitsaufwand muss man hier also einkalkulieren. 

Wie wird das Öl richtig aufgetragen?

Bevor du den Lack oder das Öl aufträgst, solltest du das Bokken vorher gut mit einem feuchten (nicht nassen) Lappen abputzen und von jeglichem Staub befreien. Dieser Schritt ist gerade wichtig, solltest du dich für Lack entscheiden. Den Lack anschließend nach Gebrauchsanweisung auftragen.

Wem leicht schwindelig wird, sollte bei den Dämpfen etwas aufpassen oder gleich eine passende Schutzmaske aufsetzen. Sicher ist schließlich Sicher.
Entscheidest du dich für Öl, lässt sich dieses am besten mit einem Tuch auftragen. Warte anschließend bis es etwas eingezogen ist und schleife das Bokken noch einmal etwas mit feinem Schleifpapier nach.

Anschließend ist es empfehlenswert, noch eine weitere Schicht Öl aufzutragen und das Bokken dann gut einen Tag trocknen zu lassen.
Bist du mit dem entstandenen Ergebnis noch nicht zufrieden, kannst du nochmal etwas nach ölen. Übertreibe es aber nicht mit der Menge.

Ansonsten musst du Teile des Öls wieder umständlich mit einem Lappen abputzen. Und das macht wirklich keinen Spaß. Zudem entstehen durch die übermäßige Anwendung häufig Flecken auf der Klinge. Wirklich ansehnlich ist das Samurai-Schwert dann nicht mehr. Und wer will das schon?!

Gut zu wissen:
Bevor du das Schwert zum ersten Mal im Training einsetzt, musst du es ausreichend lange trocknen lassen. Als grober Anhaltspunkt dient dabei die in der Gebrauchsanweisung angegebene Trocknungszeit. Zur Sicherheit solltest du aber noch einen Tag obendrauf addieren. Dann kannst du dein Kunstwerk auch schon in der Praxis auf Herz und Nieren testen.

7. Noch ein paar Anmerkungen zum Schluss:

Im Grunde genommen bleibt es dir selber überlassen, für welche Maße, welches Holz oder welche Form du dich schlussendlich entscheidest, doch möchten wir dir gerne noch mit auf den Weg geben, das egal um welchen Arbeitsschritt es sich handelt, es sich am Ende bezahlt macht, gewissenhaft zu arbeiten und sich ausreichend Zeit zu nehmen.

Anderenfalls kommst du zwar auch zum Ziel, aber die Optik leidet unter der Hudelei mehr als man anfangs denken könnte. Und nichts ist ärgerlicher nach all der Plagerei als ein paar unnötige Macken auf der Klinge oder am Griffstück. Wer die Ausdauer für den Bau nicht mitbringt, fährt mit einem gekauften Schwert definitiv besser. Günstiger kommt man damit auch meistens davon. Das sei nochmal in aller Eindringlichkeit erwähnt.

Über Fabian Wüst, Coach & Berufswaffenträger 104 Artikel
Er ist erfolgreicher Trainer in Sachen Selbstverteidigung und sammelte wichtige Erfahrungen als Geldtransportfahrer, Bahnschutzmitarbeiter und Objektschützer für das Militär. Auf dieser Webseite teilt er sein erlangtes Know-how mit dir. Sein Motto lautet: Schütze dich und deine Liebsten!