Brazilian Jiu-Jitsu – die hohe Kunst des Bodenkampfs!

Brazilian-Jiu-Jitsu-kampf

Diese Kampfsportart wird immer beliebter. Das hat viele Gründe. So kann sie auch sehr erfolgreich von kleineren und schwächeren Menschen ausgeübt werden. Das macht Brazilian Jiu-Jitsu gerade bei Frauen überaus beliebt.

Des Weiteren ist die südamerikanische Weiterentwicklung von Judo und Jiu-Jitsu bekannt für ihre effektiven Bodenkampf-Techniken und sehr spannenden Wettkämpfe. Besonders Grappling- und Submission-Wrestling-Fans kommen hier auf ihre Kosten.

Aber nicht nur für Zuschauer ist BJJ eine gute Wahl. Wer diese Kampfsportart ausübt, steigert beim Training seine Fitness und kann zudem die Techniken noch zur Selbstverteidigung einsetzen. Weiterhin ist BJJ ein entscheidender Grundpfeiler bei erfolgreichen MMA-Kämpfern.

Alle wichtigen Infos auf einen Blick:

Zu Beginn widmen wir uns erst einmal den wichtigsten Grundlagen des Brazilian Jiu-Jitsu. So kannst du dir im Handumdrehen einen Überblick über die wichtigsten Dinge verschaffen:

Definition:Das Brasilianische Jiu-Jitsu (BJJ) ist eine waffenlose Kampfsportart, die in den letzten Jahren in Deutschland immer beliebter wurde. Der Hauptaspekt liegt auf dem Kämpfen am Boden.
Kampftechniken:Verwendet werden Techniken wie Submissions, Escapes, Sweeps und Takedowns. Auf Waffen wird dabei nicht zurückgegriffen.
Entstehung:BJJ ist eine Weiterentwicklung der Kampfkünste Jūdō und Jiu-Jitsu. Es wurde im Jahr 1914 in Brasilien erfunden.
Schöpfer: Carlos und Hélio Gracie
Weblinks:IBJJF – International Brazilian Jiu-Jitsu Federation & BJJBD – Brazilian Jiu-Jitsu Bund Deutschland

Wie entstand BJJ?

Die Ur-Väter der südamerikanischen Variante des Kōdōkan Jūdō sind die Brüder Hélio und Carlos Gracie. Entstanden ist Brazilian Jiu-Jitsu aufgrund der Tatsache, dass Hélio zur Anwendung der meisten Judo-Techniken zu schmächtig war. Es fehlte ihm einfach die Kraft.

Daher sah sich sein Bruder dazu gezwungen, die Mechanik und Hebelwirkung der meisten Techniken an die Anatomie von körperlich schwächeren Menschen anzupassen. Herausgekommen ist das Brasilianische Jiu-Jitsu.

Die beiden Brüder lehrten auch ihren Kindern das BJJ. Im Nachhinein betrachtet, wohl der entscheidende Faktor für die weltweite Verbreitung dieser Kampfsportart. Rorion Gracie, der Sohn von Hélio Gracie, kam in den 1970er Jahren in die USA.

Dort unterrichtete er Brazilian Jiu-Jitsu in seiner Garage. Daher wurde diese Kampfsportart auch in Nordamerika immer bekannter. Der Durchbruch gelang aber erst mit den großen Erfolgen von BJJ-Kämpfern bei MMA-Fights. Dort zeigte sich zum ersten Mal eindrucksvoll, wie wichtig der bis dato belächelte Bodenkampf sein kann.

Inzwischen gehört BJJ zu den bekanntesten Kampfkünsten in den USA, Japan und natürlich auch Brasilien. Selbst in Deutschland gewinnt das Brasilianische Jiu-Jitsu seit Jahren an Bekanntheit.

Wie wird gekämpft?

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Sobald ein Gegner zu Boden geht, sind in den meisten Kampfsportarten die Wettkämpfe entschieden. Beim BJJ ist das Gegenteil der Fall. Hier beginnt der spannende Teil erst jetzt. Nun entscheiden die Techniken und Fähigkeiten darüber, wer als Sieger hervorgeht.

Ziel bei den BJJ-Kämpfen ist es einen Gegner so schnell wie möglich zu Boden zu bringen. Dafür werden die verschiedensten Methoden aus dem Ringen und dem klassischen Judo eingesetzt. Meist handelt es sich hierbei um Würfe oder Takedowns. Oft wird der Kontrahent regelrecht angesprungen oder ihm werden einfach die Beine weggezogen.

Um den Kampf dann für sich zu entscheiden, muss die Überlegenheit am Boden demonstriert werden. Das heißt, dass der Gegner unter Kontrolle gebracht werden muss. Dies gelingt meist mit Gelenkhebeln, Halte-, Würge- sowie Klammergriffen.

Kann sich ein Gegner aus einer solchen Technik befreien, hat er eine Escape-Methode eingesetzt. Beispiele hierfür wären der Guard Pass, der Side Controle Escape oder auch der Back Mount Escape. Grundsätzlich wird bei den Auseinandersetzungen die komplette Bandbreite des Grappling angewendet.

Grappling ist ein wichtiges Element vieler bekannter Kampfsportarten und beinhaltet Hebel, Würfe, zu Boden bringen, Aufgabegriffe, Würgegriffe und andere Haltegriffe jeglicher Art. Diese Techniken werden unter anderem noch beim Ringen, Luta Livre, MMA, Sambo und Schwingen benutzt.

Welche Regeln gibt es für Wettkämpfe?

Am Anfang stehen natürlich immer die Verbote. Beim Brazilian Jiu-Jitsu sind Beißen, Haarereissen, Schlagen, Treten und Fingerstiche absolut verboten. Hier erkennt man auch dem Unterschied zu Mixed Martial Arts (MMA) wo Tritte und Schläge unter gewissen Bedingungen erlaubt sind.

Die meisten BJJ-Kämpfe finden im traditionellen Anzug, dem Gi statt. Dieser ähnelt sehr stark einem normalen Judo-Anzug. Um einen Kampf für sich zu entscheiden, gibt es hier 2 Varianten. Wie bei vielen anderen Kampfsportarten auch, ist die erste Möglichkeit der Punktesieg.

Alternativ kann man den Gegner auch mithilfe einer „Unterwerfung“ (Submission) zum Aufgeben zwingen. Dies zeigt der Kontrahent durch Abklopfen mit der Hand an. Als Ziel kann die Matte, der eigenen Körper oder der des Kontrahenten genutzt werden.

Welche Graduierungsstufen existieren derzeit?

Brazilian Jiu Jitsu

Beim Brazilian Jiu-Jitsu gib es unterschiedliche Klassen. Diese orientieren sich, nachdem Gewicht und den Fähigkeiten der Kämpfer. So gibt es Anfänger- als auch Fortgeschrittenen-Klassen. Unterteilt werden diese wiederum in diverse Gewichtsklassen.

Die im BJJ verwendeten Gürtel gibt es in den unterschiedlichsten Farben. Diese geben an, ob es sich um einen Anfänger oder gar um einen Meister handelt. Einsteiger fangen mit einem weißen Gürtel an. Danach kommen die Farben blau, lila, braun und Schwarz.

Außerdem existiert noch einen Rotgurt. Theoretisch steht dieser am obersten Ende. Allerdings wurde dieser, bis heute nur wenige male verliehen. Daher spielt er im Sport nur eine stark untergeordnete Rolle.

Vergeben werden die Gürtel nach den erzielten Erfolgen im Training und bei Wettkämpfen. Eine „Beltpromotion“ (Gürtelverleihung) gibt also an, wie gut die Fähigkeiten eines Kämpfers sind. Das bedeutet, dass ein höher graduierter Kämpfer einen nieder graduierten Kämpfer in den meisten Fällen besiegen wird.

Manchmal sind die Unterschiede aber nur als marginal zu bezeichnen. Manche Schulen vergeben nämlich pro Gurt noch bis zur vier unterschiedliche Stufen bzw. Streifen. Diese sollen eine zusätzliche Feinabstufung des Erlernten darstellen.

Für wen ist Brazilian Jiu-Jitsu geeignet?

Diese Kampfsportart ist so vielseitig, dass sie sich für fast jeden eignet. Die Kombination aus Judo und Jiu-Jitsu eignet sich im Prinzip für jeden. Es gibt keine bestimmten Voraussetzungen, die man erfüllen müsste.

Zudem ist das Verletzungsrisiko bei dieser Kampfkunst eher als gering zu bezeichnen. Außerdem erzielt man schnell erste Erfolge. Man könnte Brazilian Jiu-Jitsu daher als Einsteigerfreundlich bezeichnen. Nicht zuletzt aufgrund der geringen Kosten. Man braucht nämlich nur einen passenden Anzug und schon kann es losgehen.

Wir empfehlen BJJ für:

  • Kinder: Bereits ab einem Alter von 6 Jahren kann man mit dem Training begonnen werden.
  • Frauen: Da die meisten Techniken so konzipiert worden, dass man nicht allzu viel Kraft braucht, empfiehlt sich die Ausübung auch für das weibliche Geschlecht.
  • Senioren: Solange man fit ist, kann man sich mit dieser Sportart auseinandersetzen. Selbst im hohen Alter kann man problemlos mit dem Training anfangen.
Viele Vereine und Kampfsportschulen bieten passende Kurse für Einsteiger an. Bereits nach den ersten 1 bis 2 Jahren kann man sich im Ernstfall gut gegen Angreifer verteidigen. Zudem steigert das regelmäßige Training das Selbstbewusstsein enorm.

Selbstverteidigung und BJJ – Passt das überhaupt?

BJJ

Ja und wie. Das Brasilianische Jiu-Jitsu ist von den Wurzeln her betrachtet, eine optimale Kampfsportart zur Selbstverteidigung. Stammt es doch vom Jiu-Jitsu, der waffenlosen Selbstverteidigung der Samurai ab.

Da viele Angreifer im Bereich Bodenkampf über absolut keine Fähigkeiten verfügen, halten viele Menschen diese Sportart für die beste Selbstverteidigung auf dem Globus.

Soweit würden wir nicht gehen, aber wir halten BJJ für sehr empfehlenswert. In Kombination mit ein paar wenigen MMA-Techniken kann man in Sachen Eigenschutz sehr weit kommen. Daher stellen wir diese Kampfsportart auch hier vor.

Warum sollte man BJJ zur Selbstverteidigung ausüben?

Die Vielzahl an Gründen ist groß. Im Folgenden stellen wir die entscheidenden Punkte einmal kurz vor. Das Lesen lohnt sich auf alle Fälle!

  • Die Techniken sind schon so gestaltet worden, dass man auch deutlich stärkere Gegner unter Kontrolle bringen kann. Gerade für Frauen und kleinere Personen ein wichtiger Punkt.
  • Da kleinere Wettkämpfe ein fester Bestandteil dieser Kampfsportart sind, verfügt man über wichtige Kampferfahrung. Gerade im Ernstfall ist so etwas unbezahlbar.
  • Wir empfehlen immer, dass man jede Gelegenheit in einer Auseinandersetzung zur Flucht nutzen sollte. Allerdings kann man mithilfe von BJJ-Techniken einen Angreifer so unter Kontrolle bringen, dass man diesen gefahrlos der Polizei übergeben kann. Natürlich sollte so etwas nur von erfahrenen Kämpfern gemacht werden.

Bei aller Euphorie sollte man aber auch die Nachteile nicht außer Acht lassen. Ein großes Problem beim Bodenkampf sind die umstehenden Personen. Handelt es sich hier um Bekannte oder Freunde des Angreifers, kann es schnell passieren, dass diese ihm zur Hilfe eilen.

Klingt erstmal nicht so problematisch. Da man sich aber im Zweikampf am Boden befindet, können diese einem nach Belieben mit Tritten und Schlägen bearbeiten. Man kann sich hiergegen kaum wehren. Schließlich benötigt man meist alle Gliedmaßen, um den Gegner unter Kontrolle zu halten.

Expertentipp:
Legt man seinen Schwerpunkt beim Training auf die Selbstverteidigung, sollte man auf jeden Fall ohne Gi trainieren. Das NoGi-Grappling eignet sich aber auch bestens für MMA-Fighter. Schließlich hat der Gegner in echten Kampfsituationen sowie beim Mixed Martial Arts keinen stabilen, reißfesten Gi an.

Da dieser fehlt, kann eine Vielzahl der normalen Techniken nicht eingesetzt werden. Das NoGi-Training verbessert die Fähigkeiten in solchen Situationen ungemein. Es kann im Ernstfall also den Unterschied zwischen verletzt und unverletzt machen.

Unser FAQ zum Ende:

Selbstverteidigungskurs-FAQ

Ab und an erreichen uns Fragen via Mail. Damit auch du von unseren Antworten profitieren kannst, haben wir hier einen kleinen Frage- & Antwort-Bereich eingeführt.

Welche Wettkämpfe finden überhaupt statt?
Momentan gibt es die World Jiu-Jitsu Championship (Weltmeisterschaft), die World Master Championship, die Pan American Championship sowie die bei uns beliebte Europameisterschaft. Brazilian Jiu-Jitsu ist also eine richtige Wettkampfsportart.
Worin liegt der Unterschied zum Luta Livre?
Beim Luta Livre (Freies Kämpfen) handelt es sich um einen sehr ähnlichen Stil. Im Gegensatz zum BJJ oder Judo wird beim Luta Livre allerdings kein Gi getragen. Hier setzt man auf Shorts und Shirts.
Welche Ausstattung benötigt man zum Einsteig?
Im Prinzip reicht ein Gi (Anzug). Ein Mundschutz ist aber auch nicht verkerht. Den ersten Gürtel gibt es in der Regel von der Kampfsportschule. Fall nicht, kann man ihn günstig online kaufen.
Über Fabian Wüst, Coach & Berufswaffenträger 58 Artikel
Er ist erfolgreicher Trainer in Sachen Selbstverteidigung und sammelte wichtige Erfahrungen als Geldtransporterfahrer, Bahnschutzmitarbeiter und Objektschützer für das Militär. Auf dieser Webseite teilt er sein erlangtes Know How mit dir. Sein Motto lautet: Schütze Dich und Deine Liebsten.