Canne de Combat: Altehrwürdiges Spazierstockfechten aus Frankreich!

Canne de Combat

Im Lauf der Zeit sind in Frankreich einige spannende Kampfkünste entstanden. Bei La Canne geht es um das Fechten mit dem Gehstock. Wer Das Ganze kann sowohl als reiner Sport oder auch als Selbstverteidigungssystem betrieben werden. Liegt der Aspekt auf dem Eigenschutz, dann ist das Canne Défense genau das Richtige für dich. Allerdings gibt es hierzulande nur wenige Schulen und so kommt nicht jeder in den Genuss des Spazierstockfechtens.

Bis vor ein paar Jahren war die Sportart etlichen Savate-Vereinen (franz. Kickboxen) angeschlossen, aber aufgrund mangelndem Interesse wurden viele Abteilungen wieder geschlossen. Die Chancen das traditionelle Canne de Combat zu lernen, stehen also schlecht. Im deutschsprachigen Raum muss man sich deshalb oft mit Selbstverteidigungskursen begnügen, die ihren Fokus auf den Spazierstock als Abwehrwaffe legen.

Wem das nicht genügt, kann sich einmal mit der Kampfkunst Bartitsu beschäftigen. Dort wird aber nicht nur mit Gehstöcken, sondern auch mit Fahrrädern und sogar Taschentüchern gekämpft. Darüber hinaus werden einem auch hier zahlreiche waffenlose Techniken beigebracht. Kommen wir aber wieder zum französischen Spazierstockfechten zurück. Die Wurzeln des heutigen Wettkampfsports liegen im traditionellen Fechten.

So ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass heutzutage bei Turnieren sogar das Gewicht und die Größe des Gehstocks reglementiert sind. Ebenfalls wird heute ein Schutzanzug samt Handschuhen, gepolsterter Gesichtsmaske und Schienbeinschonern getragen. Auch ein Suspensorium ist inzwischen Pflicht. Was man noch alles über La Canne als Kampfsport wissen muss, erfährst du in den folgenden Zeilen.

Alles Wichtige auf einen Blick:

Bezeichnungen:La Canne oder Canne de Combat. Hierzulande hört man gelegentlich den Begriff Spazierstockfechten.
Entstehung:Die Geschichte lässt sich bis in 19. Jahrhundert zurückverfolgen. Damals diente der Sport dem Erlernen der Selbstverteidigung mit dem Gehstock. Das Führen von klassischen Waffen war nämlich bereits damals vielerorts untersagt.
Waffe:Ein Wettkampf-Canne ist genau 95 cm lang und an der Spitze 1 cm breit. Am Griff ist er mit 1,5 – 2 cm etwas breiter. Normale Übungsstöcke sind in der Regel noch dicker.
Techniken:6 Schläge, wovon 2 horizontal und 4 vertikal ausgeführt werden. Hiebe und Stiche sowie Angrife auf den Rücken und Hinterkopf sind allerdings nicht erlaubt. Auch müssen gültige Schläge im Armé ausgeführt werden.
Trefferzonen:Kopf & Schienbeine. Bei Männern zählen auch Treffer im Bereich direkt unterhalb der Brust sowie oberhalb der Hüfte. Pro gültigen Treffer erhält man Punkte.

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Wie ist La Canne genau entstanden?

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Es ist noch gar nicht so lange her, dass sich die gut betuchten Franzosen vor ruchlosen Banausen in den dunklen Gassen ihrer Städte schützen mussten. Auch damals durfte man sich nicht selbst mit Schlag- oder Klingenwaffen zur Selbstverteidigung ausrüsten. Dem Himmel sei Dank war ein edler Spazierstock damals ein gern genutztes Modeaccessoire. Deshalb war das Interesse am Gehstock als Selbstverteidigungswaffe besonders groß.

Zum Glück gab es da eine Kampfsportart im 19. Jahrhundert, die sich dem Fechten mit der hölzernen Gehhilfe verschrieben hatte. Die Rede ist natürlich vom Canne de Combat. Die Kampfkunst geht auf das klassische Fechten zurück und steht seit Beginn an in Verbindung mit dem Savate. Also der französischen Variante des Kickboxens. Deren Meister setzen schon lange auf den klassischen Spazierstock als gut getarnte Waffe. Aber auch das Militär erkannte die nützlichen Kampftechniken des La Canne.

So entwickelten sie die vielseitigen Methoden kontinuierlich weiter und passten sie an ihre Bedürfnisse an. Der Unterricht mit dem Stab ist noch heute tief verankert in der Ausbildung französischer Soldaten. Viele der dort gelehrten Techniken wurden fast 1 zu 1 aus dem Spazierstockfechten übernommen. Zusätzlich dazu bediente man sich an den Techniken des Savate. Diese Epoche gilt noch heute als die goldene Zeit des Canne de Combat.

Gut zu wissen:
Heute handelt es sich hier um einen waschechten Nischensport. So soll es in Deutschland sogar nur 150 bis 200 aktive Athleten geben. Allerdings ist es noch gar nicht so lange her, dass Canne de Combat eine olympische Disziplin war. 1924 traten in Paris Schüler der beiden Stockkampf-Legenden Vigny und Charlemont gegeneinander an. Noch heute gilt der plombierte Stock mit Ballast am Ende als Waffe in Frankreich.

Wie wird beim La Canne gekämpft?

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Seit den 1970er Jahren wird Canne de Combat überweigend als Wettkampfsport ausgeübt. Der Fokus liegt daher nicht mehr auf der Selbstverteidigung, sondern auf dem Kampf zweier ebenbürtiger Kontrahenten. Damit man sich während den Duellen nicht allzu schwer verletzt, wurden die Techniken standardisiert und die Gefährlichen unter ihnen sogar vollends verboten. Bei Wettkampfsport geht Sicherheit, nämlich vor.

Deshalb tragen die Athleten eine gepolsterte Fechtmaske, einen Schutzanzug namens Tenue sowie gepolsterte Handschuhe. Vergessen darf man dabei auch nicht die Schienbeinschoner und das Suspensorium für Männer. Auch der Canne, also der Stock, ist heute standardisiert. Das Sportgerät ist 95 cm lang und unterschiedlich dick. So ist die Spitze etwa 1 cm breit, wohingegen der Griff auf stolze 1,5 bis 2 cm Durchmesser kommt.

Der Canne ist kein Spazierstock mehr:

Der Canne wird in 3 Zonen unterteilt. Der Griff wird als manchette bezeichnet, die Paradezone heißt la surface de parade und die 20 cm lange Trefferzone wird als surface autorisée de touche bezeichnet. Außerhalb der Wettkämpfe sind die Trainingsstöcke fast gleich aufgebaut. Sie sind allerdings etwas dicker und damit stabiler. Während des Kampfes im 9 Meter großen Ring, halten die Sportler ihren Stock mit einer Hand.

Gelegentlich werden sogar Duelle mit 2 Stöcken ausgetragen. Als Trefferzonen sind der Kopf, die Schienbeine sowie der Torso bei Männern zwischen Brust und oberer Hüfte anerkannt. Verboten sind hingegen Angriffe auf den Rücken sowie Hinterkopf. Auch Hiebe und Stiche sind untersagt. Damit ein Treffer wirklich gilt, müssen 2 Bedingungen erfüllt werden. Man muss mit den vorderen 20 cm des Stocks treffen und muss den Schlag im Armé ausführen.

Konkret bedeutet dies, dass der Stock und Arm in einer Linie sein müssen. Zusätzlich dazu muss der Schlag hinter der Körperachse begonnen worden sein. Da häufig aus tiefen Körperhaltungen gekämpft wird und auch Sprünge vollzogen werden, ist dies gar nicht so einfach einzuhalten. Manch einen Zuschauer erinnert so ein Kampf an eine Mischung aus Escrima und Fechten.

Gut zu wissen:
Neben dem klassischen Canne, wo mit einem Stock gekämpft wird, gibt es noch das sogenannte Double Canne. Hier treten die Sportler mit 2 Stöcken zum Duell an. Darüber hinaus existiert noch das Canne défense. Dessen Fokus liegt auf der Selbstverteidigung mit einem Spazierstock. Ganz selten kann man noch Wettkämpfe im Stil des Canne Chausson bestaunen. Dort werden Savate-Tritte mit Stocktechniken verbunden.

Unser FAQ zum Abschluss des Ratgebers:

FAQ

Das Interesse an unseren Ratgebern ist wirklich riesig. Selbst unsere Vorstellungen unbekannter Sportarten animieren viele unserer Leser zum Beschäftigen mit der jeweiligen Kampfkunst. So ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass wir wieder einen Berg von Fragen bekommen haben. Deswegen haben wir den Artikel um einen kleinen Frage-Antwort-Bereich mit den besten Fragen ergänzt:

Was bedeutet Canne de Combat auf Deutsch?

Die wörtliche Übersetzung dieses Begriffs ist Stockkampf. Der Begriff Canne steht hier für Stock oder genauer gesagt für den normalen Gehstock. Das Wort Combat sollte eigentlich selbsterklärend sein, wird hierzulande aber meist mit Kampf oder Schlacht übersetzt. Canne de Combat heißt also so viel wie Spazierstockkampf. Sprechen wir vom Kampfsport La Canne, heißt dies kompiliert sogar nur der Spazierstock.

Was verbirgt sich hinter dem Begriff Canne Chausson?

Hier handelt es sich um eine weitere Form des Spazierstockfechtens. Zusätzlich zum normalen Umfang mit seinen Schlägen werden hier auch noch Tritttechniken aus dem französischen Savate genutzt. Allerdings fanden bisher keine größeren Wettkämpfe statt und so ist diese Unterform wenig bekannt. Selbst innerhalb der Szene kennt nicht jeder das Canne Chausson.

Wie verbreitet ist diese Kampfsportart?

Natürlich geht das französische Spazierstockfechten nicht zu den weltweit bekannten und vielerorts ausgeübten Kampfsportarten. Allerdings hat auch dieser Nischensport seine internationalen Verbände und wird in anderen Ländern als Frankreich oder Deutschland ausgeübt. So gibt es Spazierstockfechter in Belgien, Finnland, Italien, Ungarn und sogar in den USA. Gesagt sei aber, dass die Zahl der Athleten verhältnismäßig überschaubar ist.

Was genau ist eigentlich Canne Défense?

Wer es richtig hart und ganz traditionell möchte, ist hier genau richtig aufgehoben. Die ursprüngliche Form des Canne de Combat unterscheidet sich enorm vom heutigen Wettkampfsport. So gibt es Stiche und sogar Hiebe mit dem Knauf. Auch wird die Schlagtechnik verkürzt ausgeführt und es gibt keinerlei Beschränkung in Bezug auf die Trefferzonen oder die Distanz.

Aufgrund des hohen Verletzungsrisikos werden hier allerdings keine Wettkämpfe durchgeführt. Meist beschränkt sich das Training auf Partnerübungen. Wer den Spazierstock als Selbstverteidigungswaffe nutzen will, ist bei dieser Art des Canne de Combat richtig aufgehoben. Mehr Selbstverteidigungslehre geht nämlich beim Gehstockfechten nicht mehr. Gerade für regelmäßige Nutzer eines Spazierstocks ist das Canne Défense sehr interessant.

Über Timo Meyer, Judoka (1. Dan) 38 Artikel
Er ist seit mehreren Jahren begeisterter Judoka und verfügt über ein breit gefächertes Fachwissen in Sachen Kampfkünste und Kampfsport. Als Experte schreibt er hier über alle möglichen Themen rund um Kampfsport. Sein Motto lautet: Man kann dir den Weg weisen, doch gehen musst du ihn selbst.