Kann man effektive Selbstverteidigung durch einen Crashkurs lernen?

Selbstverteidigung-Crashkurs

Nur Waffen allein reichen für den Ernstfall nicht aus! Dies wird zum Glück auch immer mehr Menschen bewusst. Ohne ein paar effektive Tricks und Griffe ist man in einer Notlage dem Angreifer kaum gewachsen. Trotzdem wollen sich die meisten Leute nur kurz mit der Thematik beschäftigen. Daher werden immer öfter Crashkurse angeboten, die einem zumindest die Grundlagen der Selbstverteidigung vermitteln.

Doch was lernt man dort wirklich? Geht es eher um das Erkennen von Gefahrensituationen oder werden einfache Techniken vermittelt? Und für wen eignen sich diese Veranstaltungen überhaupt und wer sollte lieber fern bleiben? Diese Fragen und noch eine ganze Menge mehr beantworten wir in den folgenden Zeilen. Das Lesen lohnt sich.

Alles Wichtige auf einen Blick:
  • Die Crashkurse im Bereich Selbstverteidigung setzen keine bestimmte Vorkenntnisse voraus. Die dort vorgestellten Techniken sind leicht zu erlernen und auf echte Bedrohungssituationen abgestimmt.
  • An den Kursen kann fast jeder teilnehmen. Man muss nämlich weder besonders fit, noch akrobatisch sein. Allerdings sollte man älter als 16 Jahre und jünger als 70 Jahre sein.
  • In den Crashkursen werden Notwehr, Notstand und andere rechtliche Dinge behandelt. Darüber hinaus wird mit Mythen und Märchen aufgeräumt und auch der Punkt Deeskalation und Selbstbehauptung kommt nicht zu kurz.

Wie läuft ein Crashkurs ab?

Viele Kampfkunstschulen und Trainer bieten spezielle Selbstverteidigungskurse an, die zwischen 4 und 8 Stunden dauern. Oft werden sie mit den Prädikaten „Crashkurs für Alle“ oder „Die wichtigsten Tipps, Tricks & Griffe“ beworben. Da bleibt natürlich die Frage offen, was man in solch kurzen Zeiträumen überhaupt lernen kann.

Und da wird auch schon ein wichtiger Aspekt angesprochen. Viel ist es nämlich nicht. Oft geht es in den Kursen sogar nur um das Erkennen von gefährlichen Situationen und wie man sie am besten vermeidet. Zwar versuchen die meisten Anbieter auf die Wünsche, Bedürfnisse und Erfahrungen ihrer Teilnehmer einzugehen, aber alle Fragen und Situationen können nicht behandelt werden.

In der Regel werden Grundtechniken gezeigt, die sich in vielen unterschiedlichen Szenarien einsetzen lassen. Man bekommt einen guten Überblick über verschiedene Kampfsituationen und grundlegende Selbstverteidigungswaffen. Wer dann tiefer in die jeweilige Materie einsteigen möchte, kann dann einen darauf spezialisierten Kurs besuchen. Oft bauen diese modular aufeinander auf.

Damit kann man über einen längeren Zeitraum seine Selbstverteidigungsfähigkeiten stufenweise und ohne gefährliche Lücken erweitern. Die Crashkurse stellen damit häufig nur den Einstieg in Selbstverteidigungssportarten dar. Manch einer würde sogar von einer Werbeveranstaltung sprechen. Soweit würden wir aber nicht gehen.

Gut zu wissen:
Grundlegend gesprochen besteht das Thema Selbstverteidigung aus Prävention, Kampftechniken & Waffen. Bei letzterem Punkt ist sowohl die Anwendung als auch die Abwehr gemeint. Schließlich bewaffnen sich heutzutage auch viele Angreifer mit Baseballschlägern, Abwehrsprays oder Elektroschockern.

Welche Dinge werden den Schülern vermittelt?

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Der Hauptfokus solcher Kurse liegt erfahrungsgemäß auf dem Erkennen von gefährlichen Situationen und der optimalen Selbstbehauptung. Man lernt also, woran man einen bevorstehenden Angriff erkennt und wie man es nach Möglichkeit erst gar nicht so weit kommen lässt. Deeskalation und Prävention bilden daher der Schwerpunkt.

Dies ist auch nicht weiter verwunderlich. Schließlich kann niemand binnen weniger Stunden verschiedene Schlag-, Tritt-, Hebel- und Grifftechniken erlernen. Und vom Bodenkampf fangen wir erst gar nicht an. Natürlich lernt man die ein oder andere einfache Technik, um sich im Ernstfall verteidigen zu können.

Häufig wird auch erklärt, wie man bestimmte Selbstverteidigungswaffen optimal einsetzt. Dazu gehören Abwehrsprays, Taschenalarmsysteme oder auch taktische Taschenlampen. In die generelle Abwehr von Waffen, wie beispielsweise einem Messer oder Baseballschläger wird dabei aber nicht eingegangen. Gleiches gilt für Angriffe durch Hunde.

Gut zu wissen:
Selbstverteidigung ist ein komplexes Feld und kann daher nicht in einem Crashkurs erlernt werden. Allerdings kann man innerhalb des geschützten Rahmens in das Thema hineinschnuppern und erste Techniken erlernen. Und gerade diese können einem später sprichwörtlich das Leben retten.

Woran erkennt man gute Crashkurse?

Nicht jeder Anbieter weiß wovon er spricht. Gerade bei Trainern mit Kampfsport- oder Kampfkunsthintergrund merkt man dies schnell. Viele der von ihnen gelehrten Techniken können als realitätsfern bezeichnet werden. Sie sind zu kompliziert und zu wettkampfmäßig. Besser fährt man im Allgemeinen mit Coaches, die aus einem hybriden Nahkampfsystem stammen.

Das i-Tüpfelchen bilden dann echte Kampferfahrungen. Und diese sind längst nicht bei jedem Meister vorhanden. Aufgrund dessen lohnt ein Blick auf die Vita des Lehrenden. Gute Erfahrungen haben wir mit Polizisten, Soldaten und Sicherheitsmitarbeitern gemacht. Allesamt wissen mit welchen schmutzigen Tricks bei Straßenkämpfen gearbeitet wird.

Daher trainiert man bei ihnen auch nicht in speziellen Sportanzügen und ausschließlich in temperierten Hallen. Sie legen Wert auf Straßenkleidung und realitätsnahe Szenarien. Häufig finden große Teile der Crashkurse im Freien statt. Man hat daher alltägliche Kleidung an und es kommen Trainingswaffen zum Einsatz. Besser kann man auf den Ernstfall nicht vorbereitet werden.

Gut zu wissen:
Sehr gute Anbieter fokussieren sich nicht zu sehr auf dem Kampf im Stehen. Schließlich sollte man auch ein paar Grundlagen des Bodenkampfes beherrschen. Zudem erklären sie wichtige Gesetzte anhand von Beispielen. Schließlich muss man laut deutschem Recht in einer Notlage die Verhältnismäßigkeit der Mittel beachten.

Was sollte man noch wissen?

FAQ

Selbstverteidigungskurse sind eine sinnvolle Option, um für den Ernstfall gewappnet zu sein. Allerdings hat man im Vorfeld eine Vielzahl an Fragen. Nicht jeder können und wollen wir einen ganzen Abschnitt widmen. Daher findest du hier noch ein kleines FAQ:

Wie teuer sind solche Crashkurse?

Je nach Anbieter schwanken die Preise etwas. Während unserer Recherche bewegten sich die geforderten Summen in einem Bereich von 40 bis 60 Euro. Die Kurse dauerten etwa 4 bis 8 Stunden und waren für circa 10 Teilnehmer ausgeschrieben.

Welche Klamotten sollte man anziehen?

Grundsätzlich gesprochen, darf jeder das anziehen, was er für richtig hält. Da man sich im Ernstfall eher in Straßen- als in Sportklamotten verteidigen muss, sollte man diesen Umstand bei der Kleiderwahl berücksichtigen.

Wie lange braucht man, um sich gut verteidigen zu können?

Diese Frage lässt sich nicht pauschal beantworten. Manche Menschen haben ein großes Talent und können sich bereits nach wenigen Wochen sehr gut verteidigen. Andere hingegen müssen mehrere Monate trainieren.

So oder so muss man alle Techniken regelmäßig trainieren, ansonsten vergisst man sie rasch wieder. Außerdem hat man im Ernstfall keine Zeit um nachzudenken. Daher sollte jeder Mensch, der an ernsthafter Selbstverteidigung interessiert ist, regelmäßig üben. Umso mehr, desto besser!

Über Fabian Wüst, Coach & Berufswaffenträger 101 Artikel
Er ist erfolgreicher Trainer in Sachen Selbstverteidigung und sammelte wichtige Erfahrungen als Geldtransportfahrer, Bahnschutzmitarbeiter und Objektschützer für das Militär. Auf dieser Webseite teilt er sein erlangtes Know-how mit dir. Sein Motto lautet: Schütze dich und deine Liebsten!