Den Cooper-Farbcode in der Selbstverteidigung goldrichtig nutzen!

Cooper-Farbcode

Der Farbcode ist von niemand anderen als dem 2006 verstorbenen, Jeff Cooper, dem Schusswaffenexperten der U.S. Army ins Leben gerufen worden. Dieser Farbcode war fester Bestandteil bei der Ausbildung von Sicherheitskräften wie Soldaten oder Polizisten. Doch nicht nur hier spielte der Cooper-Farbcode eine entscheidende Rolle, den dieser ist auch perfekt auf normale Zivilpersonen wie du und mich angepasst.

Bei diesem Farbschema geht es um nichts anderes als die eigene Gefechtsbereitschaft, diese in unterschiedliche Stufen und Farben der Wachsamkeit eingeteilt ist. Der Farbcode soll dir dabei helfen bei Gefahren, in Konfliktsituationen oder direkt im Kampf die Situation besser einzuschätzen. Und dies ist weitaus wichtiger als manch Laie denken würde. Schließlich können Fehler beim Selbstschutz zu unnötigen Verletzungen führen.

Sowohl bei einem selbst als auch dem Gegner. Im nachstehenden gehen wir genaustens auf jede Farbe des Cooper-Farbcodes ein und zeigen dir wie man sich diesen leicht verständlich einprägen kann. Schließlich ist die Gefechtsbereitschaft die wichtigste Grundlage der erfolgreichen Selbstverteidigung auf der Straße. Nur wer rechtzeitig reagiert, kann sich und andere im Ernstfall schützen.

Die Eselsbrücke zum Cooper-Farbcode:
Der Cooper-Farbcode lässt sich weniger an den Worten, sondern vielmehr anhand der Farben einprägen, den die Farben spielen auch in unserem Alltag eine Rolle:

  • Weiß – die Friedensflagge
  • Gelb – die erste aber doch eher blasseste aller Farbe
  • Orange – kommt bei der Ampel vor Rot
  • Rot – Rote Ampel – Halt – Stopp
  • Schwarz – Beerdigung – Tod – Verletzung

Weiß – unvorbereitet, unaufmerksam & nicht wachsam:

Wird man in der Status Farbe «Weiß» angegriffen, so trifft es einen komplett unerwartet. Das einzige was einen hier noch retten kann, wäre die Unzulänglichkeit des Angreifenden. In diesem Zustand sollte man sich nur befinden, wenn man sich absolut sicher ist, das man mit keiner Gefahr rechnen muss.

Wie zum Beispiel zu Hause, auf der Arbeit oder einem anderen vertrauensvollen Ort. Natürlich sollte man immer im Hinterkopf haben, das es keine 100%ige Sicherheit gibt. Doch spielt es für die eigene Körper-Empfindung eine große Rolle, sich ab und an entspannen zu können und nicht ständig unter Angst und Anspannung zu stehen.

Hierbei ist es durchaus Sinnvoll, den Farbcode etwas als ein Spiel zu betrachten, den es fällt einem deutlich leichter nicht so schnell in die Paranoide zu verfallen. Außerdem übt man sich durch die Anwendung des Farbcodes im Alltag, sowohl seine Beobachtungsgabe als auch seine Wachsamkeit zu verbessern oder sich die ganz eigene Gefechtsbereitschaft klar zu machen.

Gut zu wissen:
Für das Nervensystem des Menschen ist es wichtig, dass man ab und an zur Ruhe kommt. Wirklich niemand kann ständig unter Anspannung stehen. Auch Elitesoldaten brauchen ihre Ruhephasen. Daher darf man sich in den eigenen 4 Wänden ruhig sicher fühlen und entspannt seine Zeit genießen. Paranoid sollte man durch den Cooper-Farbcode nämlich nicht werden.

Gelb – aufmerksam & entspannt alarmiert:

Bei der Statusfarbe «gelb» liegt keine direkte Bedrohung vor, allerdings sollte man stets wachsam sowie aufmerksam sein. Halte am besten Augen uns Ohren offen und sei dir bewusst, das heute der Tag sein könnte, an dem du angegriffen wirst oder besser gesagt an dem du dich eventuell verteidigen musst.

Im Detail bedeutet das, sobald du die eigenen vier Wände beziehungsweise deine sichere und vertraute Umgebung verlässt, begebe dich in den gelben Zustand. Sei locker aber wachsam. Und damit ist nicht nur die Wachsamkeit gegenüber Menschen, die Angreifen könnten gemeint, sondern auch Wachsamkeit im Straßenverkehr, diese genauso überlebenswichtig ist.

Um es noch einmal ganz deutlich zu sagen, es ist ein enormer Unterschied, ob man ein paranoid oder nur extrem wachsam ist. Beim Autofahren zum Beispiel ist es jedem einleuchtend, das es einen Sinn hat nicht nur Geradeaus zu schauen, sondern auch die Seiten- und die Rückspiegel zu benutzen.

Und genau diese Wachsamkeit sollte man auch außerhalb des Fahrzeugs annehmen. Sich stets die Umgebung anschauen und diese zu scannen. Dieses Verhalten hilft dir dabei potenzielle Angreifer und brenzlige rechtzeitig Situationen zu erkennen. Gerade Sicherheitskräfte sind auf ihren Streifengängen stets im gelben Status.

Gut zu wissen:
Der Status Gelb klingt weder nach Fisch noch nach Fleisch. Im Alltag bedeutet dieser Zustand, dass man aktiv bleibt und seine Umgebung im Auge behält. Nur so kann man potenzielle Gefahren erkennen. Erste Warnzeichen für eine gefährliche Situation könnten beispielsweise ungewöhnliche Umgebungsgeräusche oder atypische Verhaltensweisen von Menschengruppen sein.

Orange – vorsichtig & leicht alarmiert:

Wie bei einer Ampel auch, kommt die Statusfarbe «Orange» direkt vor Rot und ist somit gleich zu verstehen. Hier wartet man besser einen Moment und gibt der Situation, spezifische Aufmerksamkeit, den es stimmt etwas so gar nicht. Bei diesem Status ist Vorsicht geboten und es gilt erst einmal herauszufinden, ob es hier wirklich eine Gefahr oder Bedrohung gibt.

Manchmal bahnt sich diese auch erst an. So oder so sollte man jetzt schleunigst die Denkweise ändern, den es könnte einen Angriff geben, bei dem man sich verteidigen oder gar flüchten muss. Befindet man sich bereits im Status Orange, sollte man sich bereits mit folgenden Fragen beschäftigt haben:

  • Welche Flucht Optionen habe Ich?
  • Habe ich die Möglichkeit mich mit einer Waffe zur verteidigen?
  • Sehe ich in unmittelbarer Nähe Gegenstände, die mir zur Verteidigung helfen?
  • Wie viel Zeit bleibt mir etwa, um mich besser auf den möglichen Angriff vorzubereiten?
  • Gibt es in der Nähe vielleicht Menschen dir mir helfen könnten?
  • Wie reagiere ich, sollte es wirklich zum Kampf kommen?
  • Stelle ich mich dem Kampf oder ist es sicherer zu flüchten?

Diese Fragen können je nach Situation noch mehr beinhalten und gelten nur als Tipp. Hat man die Möglichkeit zu flüchten, Hilfe zu holen oder kann dem ganzen anders aus dem Weg gehen, sollte man diese Option der eigenen Sicherheit wegen immer vorziehen.

Auch ist es wichtig, wieder in Status «Gelb» zurückzukehren, sollte sich die Situation wieder entspannen und sich die Bedrohung wieder auflockern. Alles andere führt nur zu Verspannungen, schlechter Laune und unnötigem Adrenalinstößen. So viel sei gesagt.

Gut zu wissen:
Vielen Menschen fällt es schwer sich zur Farbe Orange passende Bedrohungen vorzustellen. Dabei gibt es im Alltag so viele Situationen, die hier passen würden. Da wäre zum Beispiel nachts eine Gruppe betrunkener und laut herum grölender Männer. Ein weiteres Beispiel wäre ein Wagen, der mit durchdrehenden Reifen und überhöhter Geschwindigkeit auf Fußgänger zurast.

Rot – Action, der Kampf & die Flucht:

Bei der Statusfarbe «Rot» würde die Orangefarbene Linie ganz klar überschritten und es heißt die Orangefarbene Strategie vollkommen umzusetzen. Jetzt bleibt einem keine Zeit mehr zum Denken und es muss gehandelt werden. Flüchten oder Kämpfen!

Im roten Status sollte man, solange bleiben, bis keine Gefahr mehr droht und man sich in Sicherheit befindet. Und gerade Letzteres sollte in der Praxis nicht unterschätzt werden. Wer sich zur Flucht entschieden hat, sollte weit genug wegrennen. Beim Kampf gilt ähnliches. Der Angreifer muss unschädlich gemacht werden.

Gut zu wissen:
Ein Beispiel für die Farbe Rot zu finden, das nicht gleich jeden Leser in Angst und Schrecken versetzt, ist gar nicht so leicht. Aber uns ist natürlich etwas Passendes eingefallen. Ein Auto rast heran und du musst sofort handeln. Instinktiv springst du zur Seite und vermeidest so den ansonsten unausweichlichen Zusammenprall.

Schwarz – Kontrolle auf Verwundungen:

Nach jedem Kampf oder der Flucht an einen sicheren Ort folgt die Statusfarbe «Schwarz», der sogenannte Self-Check. In diesem Status ist es wichtig deinen kompletten Körper auf Verletzungen zu überprüfen, da man während des Status Rot so unter Stress und Adrenalin steht, das man nicht unbedingt direkt merkt, verletzt worden zu sein.

Bei einer Adrenalin-Ausschüttung kann es dazu kommen, das dem Körper für einen kurzen Moment mehr Energie und Power zur Verfügung steht, man dafür aber nicht direkt mögliche Schmerzen wahrnimmt. Und dies sollte man nicht unterschätzen. Häufig bemerkt man Brüche, Bänderrisse & Co. erst nach einigen Stunden.

Gut zu wissen:
Nach einer Auseinandersetzung mit einem Angreifer sollte man erstmal einen kühlen Kopf bewahren und dann am besten sofort ein Krankenhaus aufsuchen. Einerseits wird man so vernünftig auf Verletzungen untersucht, andererseits hat man seine Blessuren gleich gerichtsverwertbar dokumentieren lassen.

Unser Fazit zum Abschluss:

Im oberen haben wir euch die reine und linear Farbabfolge erklärt, doch solltest du dir stets bewusst sein, das es nicht immer linear abläuft und es durchaus auch mal von gelb zu rot oder im schlimmsten Fall von weiß zu rot kommen kann. Flexibel sein ist eben das oberste Gebot in der Selbstverteidigung auf der Straße.

Wie die Flucht und der Kampf schlussendlich aber in der Realität aussieht, das kann nicht eins zu eins vorhergesagt werden, da jede Situation einfach ganz unterschiedlich ist. Der Cooper-Farbcode sollte einfach als wichtiges Werkzeug angesehen werden, wenn es um die eigene Sicherheit geht.

Und wie es auch mit richtigen Werkzeugen so ist, man kennt nicht alle, doch hört man das erste Mal von ihnen, ist es praktisch zu wissen dieses auch anzuwenden. Daher erläutern wir diesen Farbcode oft in den ersten Stunden unserer Selbstverteidigungskurse. Er stellt damit eine absolute Grundlage dar.

Über Fabian Wüst, Coach & Berufswaffenträger 105 Artikel
Er ist erfolgreicher Trainer in Sachen Selbstverteidigung und sammelte wichtige Erfahrungen als Geldtransportfahrer, Bahnschutzmitarbeiter und Objektschützer für das Militär. Auf dieser Webseite teilt er sein erlangtes Know-how mit dir. Sein Motto lautet: Schütze dich und deine Liebsten!