Grappling: Techniken, Traning & Wettkämpfe

Grappling

Beim Grappling dreht sich alles darum, den Gegner zu Boden zu bringen. Mithilfe von verschiedenen Techniken aus dem Bodenkampf soll das Gegenüber dann zum Aufgeben gezwungen werden. Wurde die Sportart anfangs nur belächelt, hat sie sich inzwischen als eigene Kampfsportart etabliert.

Alles Wichtige auf einen Blick:

Bevor wir uns den einzelnen Aspekten des Grapplings im Detail widmen, haben wir zu Anfang eine kurze Zusammenfassung der interessantesten und wichtigsten Daten zusammen gestellt:

  • Entstehung: Grappling (Dumog, Quin Na & Kum Na) hat sich aus verschiedenen Kampfsportstilen entwickelt. 1995 wurde dann eine eigenständige Organisation mit dem Namen NAGA in den USA gegründet.
  • Kampftechniken: Gelenkhebel, Halte-, Würge-, Klammergriffe, Sweeps und Wurftechniken.
  • Wettkämpfe: Welt-, Europameisterschaften sowie nationale Turniere.
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Worum geht es beim Grappling genau?

Der Name stammt vom englischen Verb „to grapple“, welches übersetzt so viel wie „raufen“ oder auch „ringen“ bedeutet. Allgemein bezeichnet man mit Grappling den Bodenkampf, aber auch die Verwendung von Clinch- oder Ringertechniken.

Oft hört man im Zusammenhang mit dieser Sportart auch den Namen Griffkampf oder Submission-Wrestling. Bei letzterem handelt es sich um einen Bodenkampf bis zur Aufgabe des Gegners.

Inzwischen hat sich Grappling aber als eigenständige Sportart etabliert. Bis zu 6 verschiedene Stile rund um das Kämpfen am Boden werden hier angewendet.

Doch was heißt das nun konkret? Beim Grappling wird der Gegner meist am Boden in eine unvorteilhafte Position gezwungen, was ihn schließlich bewegungsunfähig macht und dann zum Aufgeben zwingt. Erreicht wird dieses Ziel meist mit Hebel- oder Würgetechniken.

Gut zu wissen:

Rohe Kraftanwendung oder brutale Techniken stehen hier aber nicht im Fokus. Beim Grappling sind die Techniken und deren Erfolg entscheidend. Oft wird daher ein Vergleich mit Strategiespielen oder Schach gezogen.

Das liegt nicht zuletzt daran, dass es für jede angewendete Technik auch eine Verteidigungsmethode gibt. Wer sich der richtigen Strategie bedient, kann den Gegner mit ein bisschen Flexibilität kontrollieren.

Grappling: Nur werfen und greifen?

Bei vielen Kampfsportarten liegt ein großer Fokus auf Tritt- und Schlagtechniken. Nicht so beim Grappling. Hier werden Gegner geworfen und gegriffen. Neben dem Trainieren der vielen Techniken gehört auch eine Portion Ausdauer- und Krafttraining dazu.

Die vielen unterschiedlichen Techniken haben ein gemeinsames Ziel. Es geht darum den Angriff zu verlangsamen und schließlich die Bewegungen des Gegners vollständig zu kontrollieren. Sobald das Gegenüber dann bewegungsunfähig ist, soll es sich dann ergeben.

Konkret bedeutet dies, dass die Tritt- und Schlagdistanz überwunden wird, um den Gegner erfolgreich niederringen zu können. Am Boden wird er dann meist mit einem Würgegriff oder Gelenkhebel unter Kontrolle gebracht.

Natürlich geht es hier auch um eine effektive und sinnvolle Gegenwehr. Daher wird Grappling gerne als die hohe Schule, der Klammergriff-Befreiung betitelt.

Grappling Techniken im Detail beleuchtet:

grappling techniken

Oben haben wir uns sehr allgemein gehalten. Nun möchten wir die einzelnen im Grappling verwendeten Techniken genauer erklären:

  • Takedowns werden benutzt um das Gegenüber vom Stand in die Bodenlage und dort unter Kontrolle zu bringen.
  • Würfe sind eine Methode, bei der man seinen Gegner anhebt, ihn gewaltsam durch die Luft befördert um ihn schließlich auf den Boden zu manövrieren.
  • Würgegeriffe können einen Gegner unter Umständen sogar ersticken lassen. Bei Wettkämpfen wird mit ihnen das Abklopfen des Gegners erreicht. Diese Griffe sind sehr effektiv, aber auch überaus gefährlich.
  • Gelenkhebel können ein Gelenk oder ein anderes Körperteil stark verletzen. Auch sie verfolgen die verbale oder durch Abklopfen herbeigeführte Aufgabe des Gegenübers.
  • Haltegriffe werden verwendet, um den Gegner so auf den Rücken zu drehen, dass er einen nicht mehr angreifen kann oder die Flucht schlicht unmöglich ist. Die hier verwendeten Techniken lassen sich auch als Auftakt für Würgegriffe und Gelenkhebel nutzen.
  • Sprawling ist eine defensive Technik, die normalerweise genutzt wird, wenn der Gegner versucht, das Match zu beenden. Es wird durchgeführt, indem die Beine nach hinten verschoben und in einer schnellen Bewegung gespreizt werden. Bei richtiger Ausführung landet man auf dem Rücken des Gegners und erlangt so die Kontrolle.
  • Weitere Techniken sind zum Beispiel noch Sweeps, Clinching und Turnovers. Diese nebensächlichen Techniken auch noch zu erklären, würde aber den Rahmen dieses Beitrags sprengen.

Wie man sieht, benötigt man um Grappling-Techniken anwenden zu können, viel Knowhow in Sachen Taktik und auch Strategie. Gerade dieser Aspekt macht Grappling so vielseitig und spannend.

Grappling Training: Nur Gewichte stemmen und Technik-Workouts?

Im Prinzip stimmt dies sogar. Beim Grappling werden nämlich alle Bereiche des Körpers beansprucht. Man muss also nicht nur fit sein, sondern sollte auch über eine Portion Kraft verfügen. Vor allem beim Wechsel zwischen Haltegriffen und schnellen Techniken benötigt man viel Kraft.

Am Boden bewegen sich die beiden Kontrahenten oft sehr wenig. Daher wird hier durch viele angenommen, dass der reine Bodenkampf kaum Kraft fordert und hier nur eine gute Technik benötigt wird. Dem ist aber nicht so.

Da hier die Muskeln in ständiger Anspannung sind, benötigt man Kraft und Ausdauer. Sollte sich die Anspannung nämlich lösen, kann der Gegner diesen Moment zum Gegenangriff ausnutzen. Dies gilt es zu verhindern. Neben purer Kraft wird hier auch ein gutes Gespür verlangt.

Gut zu wissen:

Beim Grappling ist das Risiko eine Verletzung davon zu tragen, nicht so hoch wie man meinen könnte. Solange man beim gemeinsamen Training auf seinen Trainingspartner achtet und rechtzeitig abklopft, sollte kein größerer Schaden eintreten.

Gibt es Wettkämpfe & Disziplinen?

Eine eigenständige Kampfsportart ohne Wettkämpfe gibt es nicht. Daher werden auch beim Grappling regelmäßig Kämpfe veranstaltet. So gibt es viele nationale, europäische und auch internationale Grappling-Turniere.

So wurde 2008 in Luzern die erste Weltmeisterschaft ausgetragen. 2 Jahre später gab es in Polen die erste Europameisterschaft. Bei diesen Veranstaltungen gibt es 3 verschiedene Disziplinen für Grappler.

Da wäre zuerst with Gi, wo mit einem Anzug (Keikogi) gekämpft wird. Analog dazu gibt es NoGi, bei dem die Kontrahenten nur eine Hose und ein Shirt tragen. Als dritte Version gibt es die Vollkontaktversion Combat.

Gut zu wissen:

Bei Kämpfen mit dem Anzug (Gi) wird dieser für viele Techniken eingesetzt. So gibt es bestimmte Würgetechniken, die nur mit einem Gi funktionieren. Beim No Gi werden hingegen der Nacken oder die Gelenke des Gegners gegriffen. Dadurch wird das Ansetzen von Techniken schwieriger und die Kämpfe spannender.

Kleinere Veranstaltungen:

Neben den großen Events gibt es aber auch noch andere spannende Wettkämpfe rund ums Grappling. So wird in Indien seit 2017 eine Pro-Grappling-Turnierserie unter dem Namen GRiND veranstaltet.

Außerdem wird alle 2 Jahre die ADCC Submission Wrestling World Championship durchgeführt. Dort geht es ebenfalls ums Grappling mit all seinen spannenden Aspekten. Die Veranstaltung ist nicht ganz unbekannt und hat in diversen Fachkreisen eine gewisse Prestigestufe erreicht.

Verbände: Welche gibt es?

In dieser Kampfsportart existieren diverse Verbände, die eigene Wettkämpfe und Turniere veranstalten. Die weltweit größte Vereinigung von Grapplern ist die North American Grappling Association (NAGA).

Diese wurde 1995 gegründet und ist weltweit der größte Veranstalter von Turnieren und Wettkämpfen. So wurden bereits mehr als 400 Turniere mithilfe der NAGA veranstaltet.

In Deutschland gibt es keinen reinen Grappler-Verband. Allerdings beschäftigen sich viele Organisationen aus dem Brazilian Jiu Jutsu Bereich etwas mit der Thematik Grappling.

Kleiner Tipp fürs Training:

Möchte man ohne Trainingspartner Grappling-Techniken trainieren, sollte man sich einen Grappling-Dummy zulegen. So eine Puppe bekommt man bereits für relativ wenig Geld.

Wie bekannt ist Grappling eigentlich?

Sehr viel wird daran gearbeitet, dass die Veranstaltungen ein größeres Publikum anziehen. Noch immer ist Grappling eine Randsportart. Auch im Bereich Kampfsport.

Allerdings ändert sich dies nun. In letzter Zeit erfährt Grappling einen großen Aufschwung. Zu verdanken ist dies den vielen Erfolgen von MMA-Kämpfern, die aus dem Jiu-Jitsu kommen.

Deren Fähigkeiten im Bodenkampf führen zu reihe-weisen Siegen und Erfolgen. Dies tut dem Grappling-Sport ungemein gut.

Welche Kampfsportarten verwenden Grappling-Techniken?

Die Liste ist lang. Im Folgenden zählen wir die wichtigsten Kampfsportstile auf, die Grappling-Techniken anwenden:

  • Ringen (Hebel- und Aufgabegriffe)
  • Lutra Livre
  • Judo
  • Sambo
  • Mixed Martial Arts
  • Brazilian Jiu Jitsu
Über Timo Meyer, Judoka (1. Dan) 9 Artikel
Er ist seit mehreren Jahren begeisterter Judoka und verfügt über ein breit gefächertes Fachwissen in Sachen Kampfkünste und Kampfsport. Als Experte schreibt er hier über alle möglichen Themen rund Kampfsport. Sein Motto lautet: Man kann dir den Weg weisen, doch gehen musst du ihn selbst.