Gummiknüppel: Was man über den alten Polizei-Schlagstock wissen muss!

Gummiknüppel

Schlagstöcke gibt es vermutlich schon so lange, wie es auch Menschen und deren Drang zur Verteidigung gibt. Bis ins Jahr 2008 setze die deutsche Polizei in puncto Schlagwaffe auf den Gummischlagstock. Die meisten von uns kennen ihn unter dem Begriff Gummiknüppel. Der etwa 40 cm lange und 3 cm dicke Schlagstock bringt stolze 460 Gramm auf die Waage.

Obwohl man es kaum glauben mag, wird er noch immer in kleinen Stückzahlen produziert. Dabei sind längst nicht alle Käufer Sammler von Polizeiausrüstung. Viele interessieren sich auch einfach für die Beschaffenheit und die möglichen Techniken. Darüber und über die Gründe, warum er bei der Polizei abgeschafft wurde, sprechen wir im Folgenden. Das Lesen lohnt sich also!

Etwas über die Geschichte der Schlagstöcke in Deutschland:
Während der Kaiserzeit trugen unsere Sicherheitskräfte noch einen Säbel. Zum Zuschlagen wurde dann die stumpfe Seite genutzt. In der Weimarer Republik schaffte man diese ab und setze fortan auf Holz- und Gummischlagstöcke. Die Nazis hingegen konfiszierten diese und verwehrten den normalen Polizisten die Schlagwaffe. Erst die Besatzungsmacht England führe Schlagstöcke nach dem Krieg hierzulande wieder ein.

Was ist ein Gummiknüppel?

Der Name sagt es schon. Der Original-Gummischlagstock der Polizei war vollständig aus Gummi gefertigt. Es gab und gibt aber auch Modelle, die mit Eisenspänen oder Quarzsand gefüllt sind und nur eine ganz leichte Gummierung besitzen. Solche Schlagstöcke waren aber niemals im Einsatz bei den deutschen Behörden.

Dort wurde er im internen Sprachgebrauch als Polizei-Gummistab bezeichnet und war alles andere als eine beliebte Waffe. Heute tragen Polizisten ihren Teleskopschlagstock (EKA) oder auch Tonfa in einem Holster am Gürtel. Damals war dem aber nicht so. Viele Beamten steckten ihn in ihre Hosentasche oder ließen ihn gleich ganz im Spind.

Das hatte auch seine Gründe. Aufgrund der hohen Elastizität konnte man zwar viel Schaden bei Angreifern anrichten, aber weder Festlege- noch Abführtechniken durchführen. Daher war die Waffe in den meisten Situationen wenig hilfreich. Außerdem war ein unauffälliges Tragen an der Koppel nicht möglich. All diese Punkte veranlasste den Dienstherren schließlich zur Abschaffung der Gummistäbe.

Gut zu wissen:
Nicht alles am Gummiknüppel war schlecht. So waren beim Zuschlagen Knochenbrüche die absolute Ausnahme. Dafür kam es beim Einsatz häufig zu Platzwunden. Die dabei entstandenen blutigen Videoaufnahmen waren wenig schmeichelhaft für die deutsche Justiz. Sie ließen gut ausgebildete Polizisten wie ein Rudel Schläger wirken.

Was macht der Nachfolger des Gummistabs besser?

Ich selbst durfte im Rahmen meiner Tätigkeit beim Bahnschutz den Nachfolger des berüchtigten Gummiknüppels nutzen. Die Rede ist vom sogenannten Einsatzstock, kurz, ausziehbar. Meist wird dieser im internen Sprachgebrauch als EKA bezeichnet. Im Gegensatz zur Gummiwurst ist er unbiegsam, mit 530 Gramm etwas schwerer und lässt sich bei Bedarf auf seine volle Länge von über 50 cm ausfahren.

Im Prinzip handelt es sich hier um einen klassischen Teleskopschlagstock. Diese Tatsache täuscht etwas darüber hinweg, dass ganze 5 Jahre Entwicklungsarbeit in die Waffe flossen. So lässt bereits das laute Klicken beim Ausfahren die meisten Angreifer in Ehrfurcht erstarren. Des Weiteren können Personen aufgrund der starren Bauweise problemlos abgedrängt werden.

Möglich sind nun auch Hebeltechniken zum Fixieren oder Abführen von Aggressoren. Das Zuschlagen selbst bleibt aber auch hier gefährlich. Die Hauptrefferzonen sind der Oberschenkel sowie der Oberarm. Die restlichen Bereiche des Körpers werden in die Farben Grün, Gelb und Rot eingeteilt. Diese stehen sinnbildlich für die mit einem Schlag verbundenen Schäden.

Das neue Holster wird gerne vergessen:

Bei Berufswaffenträgern ist ein vernünftiges Holster ebenso wichtig, wie eine gut funktionierende Waffe. Nach diesem Grundsatz hat man auch hier das Zubehör entwickelt. So lässt sich der neue Schlagstock stufenlos in seiner Halterung arretieren. Er kann zum Beispiel mit Griff nach oben in der Halterung fixiert werden. Damit lässt er sich sehr schnell und in so gut wie jeder Situation ziehen.

Besonders lobenswert ist dabei eine Sache. Er fährt bereits während des Herausreißens vollständig aus. Möglich machen dies, die im Holster verbauten Gummirillen. Wer möchte, kann den Schlagstock aber auch parallel zum Gürtel tragen. Dann stört er bei Festnahmen oder anderen körperlichen Aktivitäten weniger. Alles in einem wurde das Holster praxistauglich entwickelt und dazu noch in einer sehr guten Qualität produziert.

Gut zu wissen:
Der Nachfolger des Gummiknüppels macht vieles besser als sein Vorgänger. Trotzdem sind Schlagstöcke eine eher wenig genutzte Waffe bei Sicherheitskräften. So hat sich im Laufe der Jahre Pfefferspray durchgesetzt. Es kann mit Abstand und gegen mehrere Personen genutzt werden. Zudem hinterlässt es meist keine bleibenden oder schweren Verletzungen.
Über Fabian Wüst, Coach & Berufswaffenträger 100 Artikel
Er ist erfolgreicher Trainer in Sachen Selbstverteidigung und sammelte wichtige Erfahrungen als Geldtransporterfahrer, Bahnschutzmitarbeiter und Objektschützer für das Militär. Auf dieser Webseite teilt er sein erlangtes Know How mit dir. Sein Motto lautet: Schütze Dich und Deine Liebsten.