Experten-Interview: Ralf Hüber gibt Tipps über Kampfsport-Versicherungen

Interview

Das heutige Interview führe ich mit Ralf Hüber, dem Inhaber des Online-Portals Kampfsport.versichert Wir reden aber nicht nur über Versicherungen für Kampfsportler. So erzählt uns Ralf etwas über sein Hobby Jiu-Jitsu und zum Schluss gibt er noch 3 lesenswerte Tipps zum Thema Selbstverteidigung.

Hallo Ralf. Bitte stelle dich meinen Lesern einmal kurz vor.

Hallo Fabian, gerne erzähle ich deinen Lesern etwas von mir.

Ich bin Ralf Hüber und Kampfsport begeisterter Versicherungsmakler, das ist mein Beruf.

In meiner Freizeit bin ich sportlich aktiv, zusätzlich Dojo Leiter eines Jiu-Jitsu Dojo, Trainer mit Lizenzen in Gesundheit, Fitness und Gesundheitsprävention und seit diesem Frühjahr auch Fachübungsleiter für Gewaltprävention im Württembergischem Judo Verband.

Als verantwortlicher Trainer unterrichte ich gemeinsam mit meinen Co-Trainern um die 70 Kinder und Erwachsene von 4 – 60 Jahren und halte Gewaltpräventions- und Selbstverteidigungskurse ab.

Meine Familie ist genauso Jiu-Jitsu süchtig wie ich selbst, denn ausnahmslos Alle betreiben Jiu-Jitsu. Auch die Freundin meines älteren Sohnes hat mit dem Sport mit Begeisterung angefangen.

Im letzten Jahr habe ich begonnen das Internetportal kampfsport.versichert aufzubauen. Deine Leser finden unser Portal unter dem Link: https://kampfsport-versicherung.de

Wie kamst du auf die Idee für deine Webseite?

Das eine interessante Geschichte, Fabian. Wie ich ja schon erwähnte bin ich im Hauptberuf Versicherungsmakler, da bleibt es nicht aus, dass Freunde und Sportkameraden mich ab und an um Rat zu Versicherungsfragen bitten oder auch ihre Versicherungen bei mir abschließen.

Nun ist es so, als Versicherungsmakler, habe ich nicht nur eine Versicherungsgesellschaft die ich vertrete, denn ich vertrete gar keine Versicherungsgesellschaft sondern werde von meine Mandanten beauftragt von den vielen Gesellschaften und Tarifen auf dem Versicherungsmarkt das für sie das beste oder passende Angebot zu finden.

Genau das mache ich für Freunde und Sportkameraden auch. Vor ein paar Jahren kam eine Gruppe von Kampfkunst – Trainern auf mich die eine spezielle Anfrage hatten. Sie hatten sich von verschiedenen Versicherungsvertretern für Ihre Trainertätigkeit mehre Angebote eingeholt, die von 250,– Euro bis zu 2.300,– Euro gingen und fragten mich was ich von den Angeboten halte.

Um es kurz zu machen:

Alle diese Angebote waren Schrott, und waren total an dem was meine Trainerkollegen wollten und brauchten vorbei. Heißt wäre es zu einem Versicherungsschaden gekommen hätte jede dieser Gesellschaften ein Schlupfloch gehabt um nicht zahlen zu müssen. Daraufhin habe ich mich der Sache angenommen und das erste Kampfkunst-Konzept war geboren.

Eine Haftpflichtversicherung mit Trainerschutz um rund 130,– EUR jährlich. Darauf folgte eine Rechtsschutzversicherung mit Trainerschutz für Kampkunst-Trainer und die Unfall-Versicherung Kampfkunst.

Immer mehr Trainerkollegen und Sportkameraden fragten nach unseren Spezialversicherungen und so war es naheliegend diese auch im Netz zu publizieren. Dabei wollte ich es aber nicht bewenden lassen, denn nahezu alle Kampfsportler in Deutschland sind sich nicht bewusst, dass sie obwohl sie Versicherungen haben, diese oft für sie als Kampfkunsttreibende ungeeignet sind.

Unser Portal soll über diesen Zustand aufklären und Kampfsportlern Ratschläge geben auf was sie beim Versicherungsabschluss achten sollten. Wenn ein Besucher seine Versicherung dann bei uns abschließt freut mich das selbstverständlich noch mehr.

Warum brauchen Kampfsportler eine spezielle Versicherung?

Das, Fabian ist eine gute Frage. Einfach gesagt ist es so, für die meisten Menschen passen die Qualitätsprodukte der verschiedenen Versicherer ganz gut. Es gibt hervorragende Unfall-, Rechtsschutz-, Haftpflicht-, Berufsunfähigkeits-Versicherungen die für 90% der Bundesbürger passen.

Nicht so bei Kampfsportlern.

Bei Berufsunfähigkeitsversicherungen ist Kampfsport eine Risiko-Sportart, viele Versicherungsgesellschaften lehnen den Antrag auf eine Berufsunfähigkeitsversicherung ab, wenn du Kampfsport betreibst.

Dann gehst du eben zu einem andern denkst du dir und erlebst dein blaues Wunder, denn der andere Versicherer frägt ob du schon einmal von einer anderen Versicherung abgelehnt wurdest, wahrheitsgemäß sagst du Ja und wirst erneut abgelehnt. Also gehst du zum dritten Versicherer und verschweigst die ersten beiden Ablehnungen.

Jetzt können zwei Dinge passieren, entweder der Versicherer nimmt dich oder nicht. Nimmt dich der Versicherer und du wirst berufsunfähig wirst du im Leistungsfall kein Geld erhalten, denn du hast eine vorvertragliche Anzeigepflicht verletzt.

Nimmt er dich nicht an weißt du dass du in einer schwarzen Liste gespeichert bist und kein Versicherer dich mehr nimmt. Das ist jetzt etwas vereinfacht erzählt, faktisch ist es genauso.

Bei den allermeisten Unfallversicherungen gibt es den Ausschluss von Unfallschäden durch Eigenbewegung. Für einen Kampfsportler ist deshalb bei den allermeisten Unfallversicherungen der Kampfsport faktisch nicht versichert.

Es gibt Unfallversicherung die Wettkampf und Training ausschließen und meist steht das irgendwo im Kleingedruckten. Und es gibt Unfallversicherungen die den Unfallbegriff so weit ausdehnen, dass ein Unfall bei Sparring oder Training als „freiwillig“ in Kauf genommen ausgelegt wird und somit nicht versichert wäre.

Noch ein Beispiel, stell dir vor du trainierst in einer gemischt geschlechtlichen Gruppe. Irgendwann flattert ein Brief der Staatanwaltschaft ins Haus, du sollst eine Sportkameradin sexuell belästigt haben.

Kein Problem denkst du dir und gibst den Fall deiner Rechtsschutzversicherung und dann kommt die Ablehnung der Versicherung, denn der Verstoß gegen die sexuelle Selbstbestimmung ist eine Straftat.

Straftaten sind bei den meisten abgeschlossenen Verträgen nicht versichert, und selbst Versicherer welche die Abwehr von Vorsatzstraftaten grundsätzlich versichern klammern Verstöße gegen die sexuelle Selbstbestimmung wieder aus.

Wie du siehst könnte ich dir dutzende Beispiele geben, warum Kampfsportler bessere Versicherungen brauchen.

Trifft das auf alle Versicherungsarten zu?

Natürlich nicht. Bei deiner Hausrat-, Gebäude-, oder KFZ Versicherung ist dein Hobby oder deine zum Beruf gewordene Profession „Kampfsport“ in der Regel unerheblich.

Obwohl ich grundsätzlich immer der Meinung bin, dass viel zu viele Menschen sich viel zu wenig um guten Versicherungsschutz kümmern.

Warum ist das so?

Ganz einfach Versicherungen sind mit Vorurteilen behaftet, keiner mag sie und letztendlich sehen sie die meisten als notwendiges Übel. Sicher hast du auch schon mal den Spruch gehört, „die zahlen ja eh nie“.

Aus meiner Erfahrung sieht das aber ganz anders aus. In den allermeisten Schadenfällen zahlen Versicherer anstandslos Versicherungsschäden aus. Die Aussage, „die zahlen ja eh nie“, kommt von enttäuschten Versicherungskunden deren Schaden abgelehnt wurde, was viele Ursachen haben kann.

Ganz selten hörst du das Gegenteil „meine Versicherung hat alles anstandslos bezahlt“. Das Problem ist, über positive Versicherungserlebnisse zu erzählen, obwohl sie die Regel sind“ ist uncool.

Viel cooler sind die Stories wenn die Versicherung nicht bezahlt. Gründe warum Versicherungen im Schadenfall nicht oder nicht Alles bezahlen sind oft in einer falschen Erwartungshaltung der Kunden, in Kombination mit einer falschen Beratung durch den Vermittler verbunden.

Die Haftpflichtversicherung zum Beispiel. Du bekommst sie für einen Single schon ab rund 30 EUR. Aber, Haftpflichtversicherung ist nicht gleich Haftpflichtversicherung, die Bandbreite was die Eine versichert und was die Andere nicht ist riesig. Wobei auch hier der Grundsatz gilt Teuer muss nicht gut sein. Eine Billighaftpflicht jedoch ist selten gut.

Genau darum prüfen wir Versicherungen sehr genau. Gerade für Kampfsportler ist das extrem wichtig.

Bei welchen Versicherungsarten ist also die wie du sagst Kampfsporttauglichkeit wichtig?

Bei Haftpflicht-, Rechtsschutz-, Unfall-, Berufsunfähigkeit-, Grundfähigkeitsversicherungen, und allen anderen Personenversicherungen sowie bei fast allen Versicherungsarten für Trainer und Kampfkunstschulen.

Wenn jetzt ein Interessent eine Kampfsportversicherung such und sich bei Dir beraten lassen will, muss er dann zu dir fahren?

Nein Fabian, niemand muss zu mir fahren, ich berate unsere Freunde im Kampfsport per Telefon, Chat, Online-Konferenz und Email. Die meisten Abschlüsse, die Kampfsportler bei mir getätigt haben, sind durch telefonische Beratung und Abwicklung durch Email zustande gekommen.

Die Form der Online-Konferenz findet ebenfalls immer mehr Zuspruch. Für mich ist es wichtig die Fakten zu kennen, deshalb frage ich beim Erstgespräch viel ab und empfehle keine Standart-Lösung, sondern passe unsere Kampfkunst-Konzepte auf den Bedarf des Interessenten an. Selbstverständlich sind wir auch nach einem Abschluss immer für unsere Kunden da.

Deine Webseite hat auch einen eigenen Youtube-Kanal. Was für Videos dürfen wir in der Zukunft erwarten?

Ich habe vor die Reihe von Erklärvideos fortzusetzen und es wird in der Zukunft auch sicher Webinare zu vielen Spezialthemen geben. Zum Beispiel: „auf was ein Kampfsportler achten sollte wenn er eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen möchte“.

Wir haben da viele Ideen und werden daran arbeiten unser Know-How einfach und verständlich dort zu vermitteln.

Du betreibst selbst Jiu-Jitsu. Erzähle uns doch ein bisschen was dazu.

Wie ich ja schon erwähnt habe bin ich als Trainer aktiv, zum Jiu-Jitsu bin ich durch meine Jungs gekommen, die schon im Alter von 4 und 7 Jahren angefangen hatten.

Die Beiden haben den Papa solange bearbeitet bis er schließlich auch mit der Kampfkunst angefangen hat. Ein paar Jahre später hatten Sie dann auch meine Frau soweit. Vor zwei Jahren habe ich dann mit meinem älteren Sohn gemeinsam die Prüfung zum ersten Dan abgelegt.

Zum Schluss würde ich mich noch über 3 Tipps freuen, die man deiner Meinung nach bei der Selbstverteidigung beherzigen sollte.

Mit einfachen Worten, Kampfkunst und Selbstverteidigung sind zwei verschiedene Dinge.

Deshalb:

  • Lerne Selbstverteidigung unabhängig von deiner Kampfkunst.
  • Übe realistisch und lass dich von erfahrenen SV-Trainern coachen
  • Sei selbstbewusst, wachsam und lerne gefährliche Situationen im Vorfeld zu vermeiden.

Vielen Dank an dich für das interessante Interview.

Über Fabian Wüst, Coach & Berufswaffenträger 105 Artikel
Er ist erfolgreicher Trainer in Sachen Selbstverteidigung und sammelte wichtige Erfahrungen als Geldtransportfahrer, Bahnschutzmitarbeiter und Objektschützer für das Militär. Auf dieser Webseite teilt er sein erlangtes Know-how mit dir. Sein Motto lautet: Schütze dich und deine Liebsten!