Jiu-Jitsu: Die Kampfkunst der Samurai!

Jiu-Jitsu-kampf

Die Kampfkunst aus Japan wird von vielen Kennern als die hohe Schule der Selbstverteidigung bezeichnet. Betrachtet man die Vergangenheit ist dies auch nicht weiter verwunderlich. Handelt es sich hier doch um die Kampfkunst der japanischen Samurai.

Ziel des Jiu-Jitsu ist, das unschädlich machen, sowie kontrollieren eines Angreifers ohne diesen dabei stark zu verletzten. Hieran erkennt man auch den Unterschied zu brutaleren Kampfsportarten wie dem MMA oder Muay Thai.

Allerdings ist Jiu-Jitsu weit mehr als der reine Kampf. So wird auch viel Wert auf die Stärkung des Charakters und Selbstbewusstseins gelegt. Dies hilft oft bei der friedlichen Lösung eines Konflikts. All diese Punkte zusammen sind auch der Grund, warum sich diese Kampfsportart großer Beliebtheit erfreut.

Alle wichtigen Infos auf einen Blick:

Am Anfang dieses Guides widmen wir uns den Grundlagen. Damit du dir in aller schnelle einen Überblick verschaffen kannst, haben wir diese Tabelle erstellt:

Namensbedeutung:Der Name kommt aus dem Japanischen und heißt so viel wie „Die sanfte Technik / die nachgebende Kunst“. Er setzt sich aus den Begriffen Jiu = sanft, nachgiebig, flexibel und Jitsu = Kunst, Kampfkunst zusammen.
Kampftechniken:Schlag-, Tritt-, Stoß-, Wurf-, Hebel-, Befreiungs- und Würgetechniken. Es werden keinerlei Waffen benutzt.
Kleidung:Keikogi (Anzug), Zubon (Anzughose), Uwagi (Anzugjacke) und Obi (farbiger Gürtel).
Verbände:Deutscher Jiu-Jitsu-Ring Erich Rahn e.V. (DJJR), Deutscher Ju-Jutsu-Verband e. V. (DJJV), Deutsches Dan-Kollegium e. V. (DDK) sowie viele weitere.
Bekannte Großmeister: Erich Rahn, Ditmar Gdanietz, Lothar Sieber, Horst Weiland, Siegfried Lory, Jochen Kohnert und Dieter Lösgen.

Wie entstand Jiu-Jitsu?

Rund um die Entstehung dieser Kampfkunst gibt es eine Vielzahl von unterschiedlichen Mythen. Als Gemeinsamkeit lässt sich festhalten, dass Jiu-Jitsu vermutlich in China seinen Ursprung hat und als Kampfsportart der Samurai diente. Über die Jahrhunderte verbreitete sich die effektive Kampfkunst immer weiter auf dem Globus. Schließlich wurde sie auch im Westen immer populärer.

Allerdings konnte sich die Kampfsportart in der damaligen Version nicht so recht etablieren. Dies geschah erst viel später durch das Hinzunehmen von Elementen anderer Kampfsportarten. So wurde Anfang des letzten Jahrhunderts in England, den USA sowie Deutschland kräftig experimentiert. Das moderne Jiu-Jitsu war geboren.

Kleiner Tipp in Sachen Selbstverteidigung:

Auf Wunsch des Bundesinnenministeriums wurde in den 1960er Jahren das Jiu-Jitsu, um weitere Methoden aus anderen Kampfsportarten erweitert. Ziel war das Erschaffen einer effektiven Kampfsportart zur Selbstverteidigung. Das Deutsche Ju-Jutsu war geboren. Hierbei wurden Elemente aus dem Judo, dem westlichen Ringen sowie dem Boxen kombiniert.

In den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts wurden weitere Kampftechniken aus dem Karate-Bereich in das breitgefächerte Repertoire integriert. Aber das reichte noch immer nicht. So kamen in den 1990er Jahren noch Methoden aus dem WingTsung hinzu.

Möchtest du einen Schwerpunkt auf den Bereich Selbstverteidigung legen, solltest du dich intensiver mit dem Jiu-Jitsu-Ableger Ju-Jutsu auseinandersetzen. Dieses Kampfsystem wurde speziell für Polizisten, Zöllner, Justizbeamte und Sicherheitsmitarbeiter entwickelt. Aber auch das klassische Jiu-Jitsu eignet sich sehr gut zur Selbstverteidigung.

Wie wird gekämpft?

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Beim Jiu-Jitsu wird ohne Waffen gekämpft. Das tut der Vielseitigkeit der Techniken aber keinen Abbruch. So werden hier die Hände und Füße im Stand sowie am Boden eingesetzt.

Zusätzlich gehört auch das Befreien aus Festhaltetechniken, die Anwendung diverser Beintechniken sowie eine umfangreiche Fallschule (受け身 Ukemi, „Falltechnik“) zu den absoluten Grundlagen.

Hat man die Grundschule (jap. 基本 Kihon, „Basis“) erfolgreich hinter sich gebracht, erlernt man im weiteren Verlauf die Durchführung von Würfen, Hebeln und Festlege-Techniken. Zudem wird hier ein großes Augenmerk auf den Bodenkampf gelegt.

Darüber hinaus werden spezielle Techniken zur Abwehr von Würgen, Handgelenk- / Kragenfassen sowie Schlag-, Tritt- und Waffenangriffe unterrichtet. Abgerundet werden die Trainingseinheiten durch ein straffes Konditionstraining gleich zu Beginn.

Alle Techniken arbeiten nach dem Kredo der Verhältnismäßigkeit. Weiterhin wird die Angriffsenergie des Gegners ins Leere laufen gelassen. Falls möglich, kann dessen Angriffskraft auch gegen ihn eingesetzt werden. Vor allem körperlich überlegene Gegner können so besiegt werden.

Dabei wird allerdings darauf geachtet, dass es zu keinen Verletzungen kommt. Daher zielen viele verwendete Kampftechniken auf das Kontrollieren ab. Je nachdem trainierten Stil können sich die Kampfmethoden unterscheiden.

Welche Graduierungen existieren?

Jiu-Jitsu-Grade

Auch bei dieser Kampfsportart wird das Können bzw. die Graduierung anhand der Farbe des Gürtels (jap. 帯 Obi) kenntlich gemacht. Des Weiteren existiert auch hier eine hierarchische Gliederung zwischen den Lehrern (jap. 先生 Sensei) und deren Schülern. Es gibt also Schüler- (Kyū) und Meistergrade (Dan).

Um den jeweils nächsthöheren Grad und den dazugehörigen Gürtel zu erlangen, muss man sich einer Prüfung unterziehen. Dabei wird das zu durchlaufende Programm sowie die Wartezeit vom zuständigen Verband festgelegt.

Um eine Prüfung erfolgreich zu bestehen, muss man allerdings mehr können als nur die korrekte Ausführung der Techniken. So kommt es auch auf die Haltung, die Aufmerksamkeit, den Kampfgeist, die Konzentration und den Willen des Prüflings an.

Außerdem wird auch wert auf Faktoren wie das regelmäßige Besuchen des Trainings, die Pünktlichkeit und vieles weitere wert gelegt. Über bestehen oder nicht bestehen entscheidet also vor allem der Gesamteindruck.

Schülergrade – Kyū-Grade:

In Deutschland gibt es eine sechsstufige und eine neunstufige Unterteilung für Schüler (無段者, Mudansha, wörtlich „Person ohne Dan“). Wir beginnen als Erstes mit der kleineren Variante. Diese wird von der Deutschen Jiu-Jitsu Union (DJJU), des Deutschen Jiu-Jitsu-Ring Erich Rahn (DJJR) und vom Deutschen Dan-Kollegium (DDK) angewendet.

Zudem greift auch die bei uns wenig bekannte World Ju Jitsu Federation (WJJF) auf diese Unterteilung zurück. Das gilt übrigens für alle wenig etablierten Dachverbände. Alle wenden in Deutschland das sechsstufige System an. Dabei wird mit dem weißen Gürtel begonnen.

6. Kyū – Rikkyu:weiß
5. Kyū – Gokyu:gelb
4. Kyū – Yonkyu:orange
3. Kyū – Sankyu: grün
2. Kyū – Nikyu: blau
1. Kyū – Ikkyu: braun

Kommen wir nun zum größeren System. Im Deutschen Jiu-Jitsu Bund (DJJB) existieren aufgrund der Auffächerung des Braungurtes stolze 9 Schülergrade. Das hat auch einen ganz einfachen Hintergrund. So soll die Vorbereitung auf die Grade für Meister (有段者, Yūdansha, wörtlich „Person mit Dan“) besser sein. Auch hier ist der erste Gürtel weiß.

9. Kyū: weiß
8. Kyū: gelb
7. Kyū: orange
6. Kyū:grün
5. Kyū: blau
4. Kyū: braun
3. Kyū: braun |*
2. Kyū: braun ||*
1. Kyū: braun |||*

* Beim 1. bis zum 3. Schülergrad gibt es zur besseren Unterscheidung rote Streifen.

Meistergrade – Dan-Grade:

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Wie bei den meisten Japnischen Kampfkünsten gibt es auch hier 10 Meistergrade. Die erforderlichen Kriterien und Prüfungsprogramme werden von den jeweiligen Verbänden geregelt. Eines lässt sich dabei aber festhalten. Der technische Anteil wird freier.

Dies führt dazu, dass die Prüflinge sich selbst um ihr Repertoire an Abwehrtechniken kümmern müssen. Zudem erhöht sich mit jeder Meisterprüfung der Anteil an theoretisch-philosophischen Aspekten.

Möchte man über einen schwarzen Gürtel hinaus kommen, braucht es bei den meisten Verbänden für dieses Ziel außergewöhnliche Leistungen. Für diese wird dann der jeweils nächste Gürtelgrad verliehen.

1. Dan – Sho:schwarz*
2. Dan – Ni:schwarz*
3. Dan – San:schwarz*
4. Dan – Yon:schwarz*
5. Dan – Go:schwarz*
6. Dan – Rokku:rot-weiß
7. Dan – Shichi:rot-weiß
8. Dan – Hachi:rot-weiß
9. Dan – Ku:rot
10. Dan – Ju:rot

* Damit man bei einem Schwarzgurt-Träger erkennen in welchem Meistergrad er sich befindet, werden oft Streifen auf den Gürtel angenäht. Hier richtet sich die Anzahl nach dem jeweiligen Dan-Grad.

Für wen eignet sich Jiu-Jitsu?

Kommen wir nun zur wichtigsten Frage. Nämlich wer sich genauer mit dieser Kampfsportart auseinandersetzen sollte. Da auch hier das Kredo „Siegen durch Nachgeben“ wichtig ist, kommt es selten zu größeren Blessuren. Des Weiteren gibt es auch keine speziellen Voraussetzungen. Aufgrund dessen eignet sich Jiu-Jitsu für viele Personen.

Wir sprechen eine Empfehlung für folgende Gruppen aus:

  • Kinder: Bereits ab einem Alter von 6 Jahren kann man mit dieser Kampfkunst beginnen. Ist zu Beginn alles noch in einer spielerischen Form gehalten, verschwindet diese mit der Zeit immer mehr. Neben dem reinen Kämpfen wird hier auch viel Wert auf den Charakter gelernt. Auch dieser Aspekt macht Jiu-Jitsu für Kinder besonders interessant.
  • Senioren: In puncto maximales Alter gibt es ebenfalls keine Einschränkungen. Solange man sich fit fühlt, kann man mit dem Training beginnen.
  • Frauen: Jiu-Jitsu ist besonders für Frauen eine gute Option. Die Kampftechniken eignen sich sehr gut, um sich gegenüber körperlich überlegenen Angreifern durchzusetzen.
Viele Vereine und Kampfsportschulen bieten passende Kurse für Einsteiger an. Bereits nach den ersten 1 bis 2 Jahren kann man sich im Ernstfall gut gegen Angreifer verteidigen. Zudem steigert das regelmäßige Training das Selbstbewusstsein enorm.

Welche Ausrüstung benötigt man?

Kampfsport

Wer mit dem Jiu-Jitsu beginnen möchte, fragt sich natürlich welche Ausrüstungsgegenstände man, als Anfänger braucht. Die Antwort ist relativ einfach.

Man benötigt für den Anfang den sogenannten Keikogi. Hierunter versteht man den traditionellen Anzug. Dieser besteht aus diesen beiden Teilen:

Uwagi:

Hierbei handelt es sich um die Anzugsjacke. Diese ist sehr robust und verfügt über eine leichte Schnürung im Inneren.

Bei ihr findet man weder Knöpfe noch Reißverschlüsse. Diese würden nämlich ein Gesundheitsrisiko darstellen.

Zubon:

Auch die passende Hose braucht man als Weißgurt-Träger. Sie wird an der Hüfte mithilfe eines Schnür- oder Elastikbunds geschnürt.

Sie ist überaus robust und darf nicht zu lang sein. Ansonsten sind Zehenverletzungen möglich.

Zu guter Letzt benötigt man noch den Gürtel. Dieser wird in Fachkreisen Obi genannt und spiegelt den Grad der Ausbildung wider. Als Einsteiger sollte hier die Farbe Weiß genommen werden. Aber aufgepasst: Oft bekommt man den weißen Obi nach der ersten Stunde verliehen.

Unser FAQ zum Schluss:

FAQ

Zum Ende dieses Ratgebers haben wir einen FAQ-Bereich ins Leben gerufen. Hier veröffentlichen wir interessante Leserfragen, die uns zum Beispiel via Mail erreicht haben. So profitiert jeder von unseren Antworten.

Für welche Kampfsportarten bildet Jiu-Jitsu die Grundlage?
Aus der alten Kampfkunst der Samurai, haben sich viele unterschiedliche Kampfsportarten entwickelt. Einige bekannte Beispiele wären Jūdō, Aikidō, Hapkido, Karate, Brazilian-Jiu-Jitsu, Krav Maga oder auch das deutsche Ju Jtsu Do.
Macht Jiu-Jitsu zur Selbstverteidigung Sinn?
Absolut. Man muss sich nicht zwingend für das Deutsche Ju Jutsu entscheiden. Wer lieber Jiu-Jitsu trainieren will, sollte das auf jeden Fall machen. Die dort vermittelten Techniken sind so effektiv, dass man sich im Notfall auf jeden Fall zu verteidigen weiß.
Was ist der Unterschied zwischen Ju Jutsu und Jiu-Jitsu?
Im Prinzip handelt es bei beiden Bezeichnungen um die gleiche Kampfsportart. Jiu-Jitsu ist allerdings die traditionelle und aus Japan stammende Variante. Sie legt Wert auf Traditionen und besitzt ein eher starres System.

Ju-Jutsu hingegen ist die deutsche Version, die einen großen Schwerpunkt auf SV-Techniken legt. Sie wird hauptsächlich von Sicherheitsmitarbeitern, Zöllnern, Justizbeamten und Polizisten trainiert. Eigens für diesen Zweck wurde sie in den 1960er Jahren ins Leben gerufen.

Was bedeutet Jiu Jitsu wörtlich?
Die japanische Bezeichnung bedeutet so viel wie „Die sanfte Technik / die nachgebende Kunst“. Sie setzt sich aus den beiden Teilen Jiu = sanft, nachgiebig, flexibel und Jitsu = Kunst, Kampfkunst zusammen.
Worin unterscheiden sich Jiu-Jitsu und Brazilian Jiu-Jitsu?
Beim Brasilianischen Jiu Jutsu geht es um den Kampf am Boden. Der Fokus liegt daher auf dem schnellen zu Boden bringen und dem dortigen Besiegen des Kontrahenten.

Beim Jiu-Jitsu hingegen wird die volle Bandbreite der Kampftechniken verwendet. Es wird sowohl im Stand als auch im Liegen gekämpft. Das macht diese Kampfsportart aus Selbstverteidigungssicht so überaus reizvoll.

Über Fabian Wüst, Coach & Berufswaffenträger 58 Artikel
Er ist erfolgreicher Trainer in Sachen Selbstverteidigung und sammelte wichtige Erfahrungen als Geldtransporterfahrer, Bahnschutzmitarbeiter und Objektschützer für das Militär. Auf dieser Webseite teilt er sein erlangtes Know How mit dir. Sein Motto lautet: Schütze Dich und Deine Liebsten.