Jō: Der Kurzstock aus dem Aikdo & Jōdō unter die Lupe genommen!

Jō

Viele Menschen können mit dem Wörtchen Jō so rein gar nichts anfangen. Aber ein paar tapfere Kampfsportler aus dem Jōdō und Aikidō wissen sofort, worum sich dieser Beitrag dreht. Übersetzt man den japanischen Begriff ins Deutsche kommt Gehstock oder auch Rohrstock heraus. Der runde und aus hartem Holz gefertigte Stab ist eine klassische Schlag- und Stoßwaffe in vielen japanischen Kampfkünsten.

Entstanden ist das unscheinbare Kampfgerät um 1600 und wird bis heute eingesetzt. Die traditionelle Waffe ist ca. 127 cm lang und besitzt einen Durchmesser von 25 bis 30 mm. Oft wird sie mit dem kürzeren Bō und dem längeren Hanbō verwechselt. Schließlich handelt es sich bei allen 3 Kampfgeräten um Ruten, die sich hauptsächlich in der Größe unterscheiden. Wichtig zu wissen ist hierbei, dass die Länge des Jō nicht in Stein gemeißelt ist.

So gibt es je nach Stilrichtung Längen von 120 bis zu 145 cm. In der Blütezeit soll es stolze 70 Längen gegeben haben. Damit hätte selbst der Erfinder Muso Gonnosuke niecht rechnen können. Der Samuraikrieger entwickelt die Stoß- und Schlagwaffe nicht nur, sondern unterrichtete auch gleich noch die Kampftechniken in seiner eigenen Schule namens Shinto Muso-Ryu. Deren Trainingsangebot richtet sich mit aber nicht an die Bauernschaft.

Der Jō war alsWaffe für echte Samuraikrieger gedacht. Die Bauern sollten sich mit anderen Kobudō-Waffen, wie dem Bō, dem Sai oder dem Tonfa zufriedengeben. Natürlich wurde der Kurzstock binnen kürzester Zeit von Bauern und Mönchen zur Selbstverteidigung eingesetzt. Schließlich konnte der Stab wie ein Wanderstock genutzt und damit jederzeit legal geführt werden. Welche Bedeutung dem Jō heute zukommt, verraten wir dir im Folgenden.

Alles Wichtige auf einen Blick:
  • Verwendung: Traditionelle Schlag- und Stoßwaffe in japanischen Kampfkünsten, wie dem Jōdō und Aikidō. Noch heute wird regelmäßig mit dem Holzstab trainiert.
  • Entstehung: Konzipiert wurde die Waffe vom Samurai Muso Gonnosuke um das Jahr 1600. Im Zuge der Erfindung entwickelte er seine eigene Kampfkunst rund um den Holzstock und lehrte diese in seiner Schule Muso-Ryu.
  • Spezifikationen: Das Kampfgerät ist heutzutage etwa 127 cm lang und hat einen Durchmesser von 25 bis 30 mm. Allerdings gab es in er Hochphase bis zu 70 unterschiedliche Längen von 120 bis zu 145 cm. Als Holz wird meist auf rote oder weiße Eiche zurück gegriffen.

Warum wir den Jō noch heute als Waffe kennen:

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Noch immer wird der Kurzstock in vielen unterschiedlichen Kampfkünsten aus Japan genutzt. So kennt man ihn hierzulande vor allem aus den Budo-Sportarten Aikido, Jo-Jutsu oder auch Jo-Do. Im Aikido werden die Übungen mit dem Holzstab als Aiki-Jō bezeichnet. Interessant ist hierbei, dass mit dem kurzen Stock so gekämpft wird, als würde er ein richtiger Speer sein. Der Grund dafür ist simpel und gleichzeitig recht speziell.

Die Stockübungen aus dem Aikido stammen von Begründer der Kampfkunst. Morihei Ueshiba war nicht nur ein begnadeter waffenloser Kämpfer. Vor allem seine Künste am Speer waren zur damaligen Zeit besonders wertvoll und natürlich auch sehr beeindruckend. Daher versuchte er seine Fähigkeiten mit diesem Kampfgerät an die künftigen Generationen weiterzugeben.

Der Jō als fester Bestandteil des Aikido:

Diese erweitern ihr Aikido-Training noch immer um Übungen mit dem Kurzstock. Gekämpft wird dabei aber nicht nur alleine, sondern auch mit dem Partner. Die Bewegungen mit dem Jo sind entspannt und kreisend und kommen daher aus dem eigenen Zentrum. Besonders interessant finden wir dabei die praktizierten Handtechniken. Sie sind nicht nur aufeinander abgestimmt, sondern ergänzen und fördern sich auch.

Ebenfalls nicht außer Acht lassen, darf man die Tatsache, dass man durch das Training mit dem Kurzstock seine Haltung und Atmung verbessert. Des Weiteren werden die Bewegungen viel flüssiger und man verbessert seine Körperbeherrschung. Betrachtet wird das Kampfgerät im Aikido als Verlängerung des Körpers sowie als Erweiterung der Bewegungen.

Ziel der Übungen ist es unter anderem zu erlernen, wann der Zeitpunkt gekommen ist, einen Angreifer ins Leere laufen zu lassen. Damit dies im Ernstfall auch wirklich gelingt, werden in den Aikido Jo Katas sowohl Techniken für den Angriff als auch die erfolgreiche Abwehr geübt. Gesagt werden muss dabei aber noch, dass die Grundbewegungen den Körper sehr schön lockern als auch kräftigen.

Sitzt der grundlegende Umgang mit dem Holzstab, geht es als Nächstes an die Übungen mit dem Partner. Dort werden die Bewegungen mit dem Stock dann wieder auf die Bewegungen ohne den Stab übertragen und umgekehrt. So entsteht ein ewiger Kreislauf der Übung mit und ohne Trainingspartner. Nur so kann man langfristig ein Meister des Kampfes mit dem japanischen Kurzstock werden.

Gut zu wissen:
Im Aikido ist der Jō von allen Seiten gleich. Weder gibt es einen Griff noch ein Schlagteil. Das bedeutet natürlich auch, dass es keine Spitze oder auch Klinge gibt. Verwendet wird das Kampfgerät daher von allen Seiten. Die Übungen werden in Links-Rechts-Kombinationen ausgeführt. Da man sich häufig um den Mittelteil dreht, gibt es viele effiziente Kombinationen. Auch hält nur eine Hand den Stock, während die andere Hand schlägt oder gar stößt.
Über Timo Meyer, Judoka (1. Dan) 38 Artikel
Er ist seit mehreren Jahren begeisterter Judoka und verfügt über ein breit gefächertes Fachwissen in Sachen Kampfkünste und Kampfsport. Als Experte schreibt er hier über alle möglichen Themen rund um Kampfsport. Sein Motto lautet: Man kann dir den Weg weisen, doch gehen musst du ihn selbst.