Ju-Jutsu: Besonderheiten, Techniken, Gürtel, Wettkämpfe & FAQ

Ju-Jutsu-Ratgeber

Du bist auf der Suche nach der Kombination aus einem modernen Selbstverteidigungssystem, einer klassischen Kampfkunst und einer Wettkampfsportart? Dann bist du hier genau richtig. All das und noch vieles mehr ist Ju-Jutsu.

Wie es entstanden ist, was es so effizient macht und welche Techniken gelehrt werden, verraten wir dir in diesem Ratgeber. Außerdem stellen wir dir alle Gürtel samt Schüler- und Meistergrade sowie die zahlreichen Wettkampfsysteme vor.

Achtung, aufgepasst: Ju-Jutsu und Jiu-Jitsu sind nicht das Gleiche!
Es handelt sich hierbei um 2 unterschiedliche Kampfsportarten. Zwar ähneln sich viele Techniken, aber das war es auch schon.

Jiu-Jitsu ist die Kampfkunst der Samurai und kann auf eine lange Tradition zurückblicken. Zudem gilt sie als Grundlage vieler moderner Kampfsportarten wie Judo oder auch Karate. Hier erfährst du mehr über Jiu-Jitsu.

Bei Ju-Jutsu hingegen handelt es sich um eine relative neue Kampfkunst aus den 60er Jahren. Kreiert, wurde sie in Deutschland, als SV-System für unsere Behörden. Der komplette Ratgeber dreht sich ausschließlich um diese Sportart.

Das Wichtigste auf einen Blick:

Zu Beginn haben wir eine kleine Tabelle erstellt, damit du dir einen Überblick über die Grundlagen verschaffen kannst.

Übersetzung:Ju-Jutsu kommt aus dem Japanischen und heißt übersetzt so viel wie „die sanfte Technik / die nachgebende Kunst“.
Techniken:Absolut effizient, aber trotzdem Verletzungsarm. Die Bandbreite ist riesig und die Techniken stammen aus vielen verschiedenen Kampfkünsten.
Besonderheit:Hierbei handelt es sich um eine Kombination aus einem modernen, offenen Selbstverteidigungssystem sowie einer klassischen Kampfkunst und Wettkampfsportart.
Entstehung:1967 auf Wunsch des Innenministeriums entwickelt worden als waffenlose Selbstverteidigung für unserer Behörden.

Was zeichnet Ju-Jutsu aus?

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Dieses Video zeigt anschaulich, wie vielseitig diese Kampfsportart ist.

Bekannt ist diese Kampfkunst für ihre hocheffizienten Selbstverteidigungstechniken. Dabei kann jede gegen mehrere Angriffsszenarien eingesetzt werden. Kombiniert man die Techniken kann man sich auch sehr gut gegen mehrere Aggressoren verteidigen. Dazu braucht man auch nicht allzu viele Techniken zu beherrschen.

Des Weiteren werden beim Ju-Jutsu stetig Verbesserungen vorgenommen. Einerseits werden die Techniken stetig erweitert, andererseits auch immer weiter optimiert. Das Besondere daran ist, dass es dabei keinerlei Einschränkungen wie bei anderen Stilen gibt. Weder muss man bestimmte Philosophien beachten, noch aus einem bestimmten Pool an Techniken wählen.

Ju-Jutsu kann man also als effektives, stiloffenes sowie stilübergreifendes System der waffenlosen Selbstverteidigung bezeichnen. Besonders daran ist, dass sanfte Techniken klar im Fokus stehen. Eigentlich ist dies auch kein Wunder, bedeutet der Name übersetzt doch nichts anderes als „sanfte Kunst“. Allerdings ist der Hauptgedanke hinter dieser Kampfsportart, flexibel und vielseitig auf einen Angriff reagieren zu können.

Für wen ist diese Kampfkunst geeignet?
Da man sich bereits mit dem Beherrschen weniger Techniken bestens verteidigen kann, lohnt sich das Erlernen dieser Kampfsportart auf alle Fälle. Dabei spielt es keine Rolle, ob man alt, jung, klein oder groß ist. Auch das Geschlecht sowie das eigene Fitnesslevel sind nebensächlich.

All das zusammen und die Tatsache, dass man sich auf seine Wunsch-Techniken spezialisieren kann, macht Ju-Jutsu so interessant für Polizei, Zoll, Justiz, Streitkräfte und Sicherheitsmitarbeiter. Nicht immer muss es eine Kampfkunst wie Krav Maga oder Jeet Kune Do sein.

Wie entstand diese Kamfpkunst?

Ju-Jutsu wurde 1967 auf Wunsch des Bundesinnenministeriums entwickelt. Ziel war es aus Jiu-Jitsu, Judo, Karate, Aikido und anderen Kampfkünsten ein hocheffizientes Nahkampfsystem zu entwickeln. Dies ist auch gelungen. So trainieren viele Polizisten, Zöllner, Justizbeamte, Soldaten und Sicherheitsmitarbeiter diese Kampfsportart.

Aus allen oben erwähnten Kampfstilen wurden nur die Techniken genommen, die für den täglichen Einsatz als geeignet erschienen. Bevorzugt wurden dabei eher defensive und einfache Techniken. Gelegentlich wurden diese auch an das spätere Einsatzgebiet angepasst.

Das erste vollständige Regelwerk erschien am 22. April 1969. 21 Jahre später wurde dann ein eigenständiger Dachverband mit dem Namen „Deutscher Ju-Jutsu-Verband“ gegründet. Seit diesem Zeitpunkt gilt Ju-Jutsu als unabhängig vom Deutschen Judo-Bund und dem Deutschen Dan-Kollegium.

Bis vor ein paar Jahren war diese Kampfkunst Ausbildungsinhalt vieler deutscher Polizeibehörden, der Justiz sowie des Zolls. Inzwischen wird aber nicht mehr Ju-Jutsu, sondern „waffenlose Selbstverteidigung“ bei den Behörden trainiert.

Diese ist aber noch immer stark an Ju-Jutsu angelehnt, beinhaltet aber keine sportlichen Elemente mehr, sondern nur noch praxistaugliche Einsatztechniken. Aus der Kampfkunst sind hauptsächlich die Zugriffs- und Sicherungstechniken übrig geblieben. Bekannt sind diese für ihr geringes Verletzungsrisiko.

Welche Techniken werden eingesetzt?

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Zu Beginn bediente man sich bei der Auswahl der Techniken bei Karate, Judo und Aikido. Aufgrund der Reformierung im Jahre 2000 wurden noch weitere Techniken aus anderen Kampfstilen hinzugenommen. Heute findet man Elemente aus dem Kickboxen, Muay Thai, Ringen und vielen chinesischen Kampfkünsten vor.

Um Angriffe mit Stöcken und Messern besser abwehren zu können übernahm man noch einige Methoden aus den Filipino Martial Arts. Viele kennen diese Kampfsportart eher unter den Begriffen Escrima, Arnis und Kali. Die Kampftechniken wurden aber nicht nur übernommen, sondern wie es ich für Ju-Jutsu gehört, an die Bedürfnisse der Ju-Jutsuka (Ju-Jutsu-Praktizierende) angepasst.

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Damit man diese im Ernstfall auch beherrscht gibt es Trainingskämpfe. Bezeichnet werden diese als Randori. Sie helfen einem dabei, die Techniken und Bewegungsmuster automatisieren zu können. Nur so können diese in der Realität problemlos eingesetzt werden.

Heute besteht diese Kampfsportart aus den folgenden Elementen:

  • Fallschule
  • Abwehrtechniken
  • Bodenkampf
  • Atemitechniken
  • Wurftechnik
  • Hebeltechniken
  • Würgetechniken
  • Sicherungstechniken, Festlegetechniken
  • Nothilfe-Techniken
  • Waffenabwehr inkl. gezielter Entwaffnung
  • Transporttechniken
  • Nervendruckpunkttechniken
Obwohl Ju-Jutsu als eher sanfte Kampfkunst gilt, kann man bei Bedarf einen Angriff auch mit härteren Methoden wie Stoß-, Schlag- oder Tritttechniken abwehren. Allerdings wird stets Wert auf das Prinzip der Verhältnismäßigkeit gelegt. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um eine harte oder weiche Form handelt.

Welche Ju-Jutsu Gürtel gibt es?

Ju Jutsu Gürtel

Wie bei fast allen Kampfkünsten gibt es auch hier Gürtel. Anhand derer erkennt man den Fortschritt eines Ju-Jutsuka. Unterschieden wird dabei in Schüler- (Kyū-) und Meister- (Dan-)Grade. Möchte man einen neuen Gürtel erlangen, gilt es eine Prüfung zu bestehen. Im Anschluss wird dann der Ju-Jutsu Gürtel verliehen.

Allerdings gilt dies nicht immer so. Oberhalb des 5. Dan gibt es keine Prüfung mehr. Aufsteigen kann nur noch, wer aufgrund besonderer Leistungen einen Gürtel verliehen bekommt. Daher gilt man ab dem 6. Dan auch als Großmeister.

Schülergürtel – Kyūgrade:

Wer mit dieser Kampfsportart beginnt, bekommt zum Anfang, wie bei den meisten Kampfkünsten, den weißen Gürtel verliehen. Hat man dann einige Zeit trainiert, kann man die erste Prüfung in Angriff nehmen. Diese und alle weiteren Prüfungen finden dann erstmal im Verein statt. Zumindest gilt dies bis zum 3. Kyū.

Wer dann höher hinaus möchte, muss für den 1. und 2. Kyū unter Umständen eine Prüfung auf Bezirks- oder Landesebene absolvieren. Dies ist aber zum Glück nicht immer so. Auf jeden Fall ist aber bei diesen Schülergürteln immer ein zweiter, Vereins-fremder Prüfer anwesend.

Kyū Grad:Gürtelfarbe:
6. KyūWeiß
5. KyūGelb
4. KyūOrange
3. KyūGrün
2. KyūBlau
1. KyūBraun

Schülergürtel – Kyūgrade unter 14 Jahren:

Damit die Motivation bei den Kleinsten hoch bleibt, hat man für die unter 14-Jährigen ein eigenes Gürtelsystem samt Prüfungsordnung erstellt. Dies erleichtert das Durchhalten bis zum nächsten Vollgurt ungemein.

Kyū Grade:6. Kyū6.1 Kyū6.2 Kyū5. Kyū5.1 Kyū5.2Kyū4. Kyū4.1 Kyū3. Kyū3.1 Kyū2. Kyū1. Kyū
Gürtelfarbe:WeißWeiß mit gelben AufnäherWeiß-GelbGelbGelb mit orangem AufnäherGelb-OrangeOrangeOrange-GrünGrünGrün-BlauBlauBraun
Mindestalter:frei7 Jahre8 Jahre9 Jahre10 Jahre11 Jahre11 Jahre12 Jahre13 Jahre13 Jahre14 Jahre14 Jahre

Meistergürtel – Dangrade:

Nun geht es an das Eingemachte. Nach den Kyūgraden der Schüler, folgen nun die Dan-Grade für den „Meister“.

Dan Grade:1. Dan2. Dan3. Dan4. Dan5. Dan6. Dan7. Dan8. Dan9. Dan10. Dan
Gürtelfarbe:SchwarzSchwarzSchwarzSchwarzSchwarzRot-weißRot-weißRot
Was man zum Erreichen eines Ju-Jutsu Gürtels können, muss ist klar geregelt. Hierfür wurde vom DJJV (Deutscher Ju-Jutsu Verband) eine Prüfungsordnung erlassen. Diese und viele weitere wichtige Informationen findest du auf der offiziellen Webseite.

Welche Wettkämpfe finden statt?

Ju-Jutsu ist inzwischen ein richtiger Wettkampfsport geworden. So gibt es unterschiedliche Gruppen und Verbände, die regelmäßig Kampfveranstaltungen organisieren. Dabei gibt es 6 bekannte Wettkampfsysteme:

  • Fighting-System: „Mann gegen Mann“ mit frei wählbaren Techniken und Taktiken. Der klassische Kampf zwischen 2 Athleten inkl. Leistungssport bzw. Nationalmannschaften.
  • Duo-System: ein Kämpferpaar präsentiert gemeinsam einstudierte Selbstverteidigungskombinationen vor 5 Kampfrichtern.
  • Newaza: Hier geht es um das Ringen, also den guten alten Bodenkampf. Auch bekannt als Brazilian Jiu Jitsu.
  • Formenwettkampf: Kampfkunsttechniken samt Showeffekten werden hier zu einem Gesamtkunstwerk vereinigt.
  • Allkampf: das ursprüngliche und erste Wettkampfsystem mit Schwerpunkt auf realitätsnaher Selbstverteidigung.
  • Random Attack: der Gegner wird nicht unmittelbar bekämpft, sondern man verteidigt sich gegen dessen Angriff oder befreit sich aus diesem. Ein Richter bestimmt den Angriff.
In Deutschland gibt es sogar eine Nationalmannschaft samt B- und C-Kader. Wer möchte, kann diese Kampfsportart als Leistungssportler ausüben. Für ambitionierte Sportler ist diese Kampfkunst daher immer einen Blick wert. Nicht zuletzt, da man sich im Wettkampf mit anderen Athleten messen kann.

Welche Ausrüstung braucht man?

Ju Jutsu Anzug

Für den Anfang reicht ein weißer Ju-Jutsu Anzug. Dieser besteht aus einer Anzughose sowie einer Jacke. In Fachkreisen nennt man die Kombination aus beidem GI. Achte beim Kauf darauf, dass dieser am Revers, der Brust, den Schultern und auch an den Knien verstärkt ist. Einen guten Ju-Jutsu Anzug gibt es bereits für ca. 40 bis 50 Euro.

Bekommt man den ersten Gürtel nicht vom Schulungsträger, muss dieser selber erworben werden. Hier muss man nicht allzu viel Geld ausgeben. Meist kostet der Weißgürtel weniger, als 10 Euro. Eher selten braucht man als Einsteiger noch einen Escrima-Stock fürs Training der Waffenabwehr. Ein gutes Modell kostet aber selten mehr als 10 bis 15 Euro. In der Regel benötigen Sportler des Hanbo-Jutsu dieses Utensil.

Betreibt man Ju-Jutsu dann etwas ernsthafter, kann man sich diverse Ausrüstungsgegenstände zum Schutz der eigenen Gesundheit zulegen. Empfehlenswert sind hierbei ein Zahn- sowie Tiefschutz. Ebenfalls nicht verkehrt ist die Anschaffung von Scheinbein- und Handschützern.

Möchtest du mit Ju Jutsu beginnen, solltest du etwa 10 bis 25 Euro pro Monat für den Mitgliedsbeitrag einplanen. Tendenziell sind Vereine günstiger als Kampfsportschulen.

Was muss man noch über Ju-Jutsu wissen?

Warum-Selbstverteidigung-lernen

Manchmal bekommen wir Fragen zu dieser Kampfsportart. Gerne beantworten wir diese. Damit auch du von unseren Antworten profitieren kannst, haben wir die besten Fragen ausgewählt, um sie im Folgenden aufzulisten:

Wie bindet man einen Ju-Jutsu Gürtel?
Überraschend häufig bekommen wir diese Frage gestellt. Das Ganze ist bei weitem nicht so schwierig, wie man denken könnte. Am besten schaust du dir dieses YouTube-Video vom DJJV an.
Ist Ju-Jutsu für Kinder geeignet?
Auf alle Fälle. Obwohl man Ju-Jutsu viel in Behördenkreisen trainiert und die Techniken sehr stark auf Selbstverteidigung ausgelegt sind, haben auch Kinder Spaß an dieser Sportart. Zudem gibt es für die kleinen Racker ein spezielles Gürtelsystem, um die Motivation hochzuhalten.
Wie kann man diese Kampfsportart erlernen?
Möchte man nicht gleich einem passenden Verein beitreten, kann man sich mithilfe von Videos und Lehrbüchern etwas detaillierter einarbeiten. Auch Onlinekurse sind eine Möglichkeit, um die ersten Techniken kennenlernen zu können.

Wer es aber Ernst meint, sollte sich eine Kampfsportschule oder einen Verein suchen. Alles andere bringt auf Dauer nichts. Und keine Sorge. So teuer ist das dann auch nicht. Man muss mit etwa 10 bis 25 Euro an monatlichen Mitgliedsbeiträgen rechnen.

Wie heißen die Großmeister?
Wie bei jeder Kampfsportart gibt es auch beim Ju-Jutsu eine Vielzahl an Großmeistern. Alle können und wollen wir an dieser Stelle aber nicht aufzählen. Wir beschränken uns daher auf alle Meister des 9. und 10. Dan: Franz-Josef Gresch, Heinz Lamadé, Josef Art, Dieter Call, Peter Schneider & Heinrich Conrads.
Über Fabian Wüst, Coach & Berufswaffenträger 72 Artikel
Er ist erfolgreicher Trainer in Sachen Selbstverteidigung und sammelte wichtige Erfahrungen als Geldtransporterfahrer, Bahnschutzmitarbeiter und Objektschützer für das Militär. Auf dieser Webseite teilt er sein erlangtes Know How mit dir. Sein Motto lautet: Schütze Dich und Deine Liebsten.