Eignet sich Judo zur Selbstverteidigung?

Judo zur Selbstverteidigung

Judo ist in Deutschland eine der beliebtesten Kampfsportarten. So gibt es viele Vereine, die Trainings für Kinder ab 3 Jahren anbieten. Aufgrund des Facettenreichtums kann man Judo allerdings auch noch problemlos im höheren Alter ausüben. Die aus Japan stammende Kampfsportart ist bekannt für ihr Prinzip „Siegen durch Nachgeben“. Dabei wird sehr darauf geachtet, dass eine maximale Wirkung bei einem Minimum an Aufwand erzielt wird.

Das Ganze hört sich auf jeden Fall sehr gut an. Allerdings befürchten viele Interessenten, dass sich Judo eher weniger zur Selbstverteidigung auf der Straße eignet. Schuld daran sei die Tatsache, dass man für Würfe sehr nah und dazu noch unverletzt an seinen Angreifer herankommen muss.

Ob wir uns dieser Meinung anschließen können oder ob wir Judo für eine sinnvolle Option in puncto Selbstverteidigung halten, verraten wir dir in den folgenden Zeilen. Eines aber gleich vorweg: Kampfsport hält dich fit und fördert dein Selbstbewusstsein. Allein diese Punkte sprechen schon einmal für das Ausüben von Judo.

Alles Wichtige auf einen Blick:
  • Viele Schlägereien enden schnell in einer Rangelei, wo man normale Judo-Techniken wie Würfe, Hebel und Würger problemlos anwenden kann.
  • Leider werden Tritte und Schläge im heutigen Judo stiefmütterlich behandelt. Lediglich zu Demonstrationszwecken werden sie einstudiert. Daher sollte man diese noch zusätzlich in Sparrings, sprich am Partner trainieren.
  • Als Alternative zu Judo bieten sich diese Kampfsportarten und Selbstverteidigungssysteme an: MMA, Krav Maga, Systema, Ju Jutsu, Hapkido oder auch Muay Thai an.

Was zeichnet Judo aus?

Die Kampfsportart besticht mit zahlreichen Pluspunkten. Dabei wird aber immer wieder vergessen, dass man Judo selbst in Kleinstädten trainieren kann. Die Vereinsdichte ist sehr groß und dazu sind die Beiträge eher überschaubar. Das macht Judo gerade für Kinder so interessant. Außerdem erzielt man schnell Erfolge aufgrund der vielen Gürtelprüfungen. Die Motivation bleibt also lange erhalten.

Im Gegensatz zu teuren und oftmals kurzen Selbstverteidigungskursen trainiert man hier regelmäßig. Man kennt seine körperlichen Fähigkeiten und kann die verschiedenen Techniken ohne nachzudenken nutzen. Außerdem kann man neue Freunde und Kontakte finden und wird allgemein betrachtet fitter. Man tut also nicht nur seinen Körper etwas Gutes, sondern auch der Seele.

Da hier mit wenig Kraft große Wirkung erzielt wird, ist Judo sehr interessant für die Selbstverteidigung auf der Straße. Gerade für schwächere oder kleinere Männer, aber auch Frauen eignet sich die Kampfsportart. Schließlich wird hier die Kraft des Gegners zum eigenen Vorteil oder besser gesagt gegen ihn eingesetzt. Selbst Kinder können sich mit den zahlreichen Techniken gut gegen größere Angreifer zur Wehr setzen.

Gut zu wissen:
Bestimmte Techniken des heutigen Judos haben ihren Ursprung in der traditionellen Kampfkunst der Samurai. Mithilfe dieser Griffe und Tricks mussten sich die Krieger im waffenlosen Nahkampf beweisen. Noch heute kann man die Würge-, Hebel-, Halte- und Wurftechniken zur Selbstverteidigung nutzen.

Wie gut passen Selbstverteidigung & Judo zusammen?

Die Kampfsportart ist vor allem für ihre Würfe und die damit verbundene Fallschule bekannt. Im Gegensatz zu originären Nahkampfsystemen fehlen aber Schlag- und Tritttechniken. Zudem wird hier sportlich gekämpft. Sobald es aber um den Straßenkampf geht, gibt es weder einen Richter noch einer Kämpferehre. Dort wird gebissen, gekratzt oder in die Augen gestochen.

Außerdem trägt man dort normale Straßenkleidung und Schuhe. Die meisten Angreifer werden gar nicht wissen, was sich hinter der Bezeichnung GI (Anzug) verbirgt. Und genau das macht Kampfsportarten im Allgemeinen zur Selbstverteidigung so riskant. Man lernt viele sportliche Techniken, die auf der Straße aber häufig nicht den gewünschten Effekt erzielen. So gilt zum Beispiel ein Wurf im Judo als ungefährlich.

Judo im Straßenkampf:

Wer solch eine Technik an einem untrainierten Angreifer durchführt, kann diesen aber schwer verletzten. Solche Menschen kennen nämlich keine Fallschule und der echte Boden ist nun mal härter als eine weiche Judomatte. Nicht selten sind Knochenbrüche und Stauchungen die Folge. Zudem ist der Bodenkampf in der Selbstverteidigung sehr gefährlich. Man wird hier, nämlich selbst zur Zielscheibe.

Des Weiteren sind die häufig trainierten Hebel- und Haltetechniken ein zweischneidiges Schwert. Oft genügen sie, um einen Aggressor unter Kontrolle zuhalten. Aber nicht immer ist dies der Fall. Daher sollte man auch ein paar Schläge und Tritte beherrschen. Zwar lernt man im Atemi-waza solche Techniken, aber das Ganze läuft etwas realitätsfern ab. Sie werden nämlich nur zur Kata oder genauer gesagt zu Demonstrationszwecken geübt.

Trotz alledem lässt sich festhalten, dass man sich mit Judo im Ernstfall ganz passabel verteidigen kann. Man sollte allerdings immer im Hinterkopf behalten, dass Judo mehr Sport als Nahkampf ist. Zudem schadet es nicht, sich zusätzlich mit originären Selbstverteidigungstechniken auseinanderzusetzen. Gegen bewaffnete Angreifer hilft Judo nämlich nur bedingt. Gilt übrigens auch beim Einsatz von Selbstverteidigungswaffen.

Gut zu wissen:
Wer Kampfsport und Selbstverteidigung kombinieren möchte, sollte sich nach Alternativen umschauen. Der Hauptfokus liegt beim Judo ganz klar auf dem sportlichen Aspekt. Wer an Selbstschutz interessiert ist, dem sei Krav Maga oder das russische Systema ans Herz gelegt. Als Alternative zu den Nahkampfsystemen gibt es noch diese Kampfsportarten: Hapkido, Ju Jutsu & Thaiboxen.
Über Timo Meyer, Judoka (1. Dan) 30 Artikel
Er ist seit mehreren Jahren begeisterter Judoka und verfügt über ein breit gefächertes Fachwissen in Sachen Kampfkünste und Kampfsport. Als Experte schreibt er hier über alle möglichen Themen rund um Kampfsport. Sein Motto lautet: Man kann dir den Weg weisen, doch gehen musst du ihn selbst.