5 Kampfmythen, die dich auf der Straße so richtig in die Patsche bringen!

Kampfmythen auf der Straße

Um den Kampf auf der Straße ranken sich zahlreiche Irrtümer, Missverständnisse und vollkommen unsinnige Annahmen. Sogar unter Sicherheitsmitarbeitern und Polizisten wird viel erzählt, wenn sich die Nachtschicht wie Kaugummi in die Länge zieht. Leider sind häufig gut gemeinte Ratschläge in der Praxis vollkommen unbrauchbar.

Viele von ihnen können nur einer blühenden Fantasie entsprungen sein. Wer sich nämlich etwas mit der Anatomie des menschlichen Körpers auskennt, wird schnell merken, wie unsinnig viele der Tipps sind. Leider werden sie oft von erfahrenen Kämpfern und leider auch Selbstverteidigungslehrern in die Welt posaunt.

Im Rahmen meiner unterschiedlichen Tätigkeiten im Sicherheitssektor sowie als Selbstverteidigungstrainer höre ich fast täglich die dümmsten Kampfmythen. Welche das sind und warum sie in Echt gar nichts bringen, erfährst du in diesem Ratgeber. Wer an ernsthafter und praxiserprobter Selbstverteidigung interessiert ist, sollte sich die folgenden Zeilen zu Gemüte führen.

Ein kräftiger Faustschlag und der Kampf ist beendet:

Angst-vor-Schlägen

Aufgrund zahlreicher Filme und Kneipengeschichten glauben die meisten Menschen, dass ein gezielter Faustschlag die effektivste Selbstverteidigungstechnik ist. Dem ist aber nicht so. Das Gegenteil ist sogar der Fall. Natürlich kann solch ein Schlag zum Knockout führen, aber die Gefahr sich die Hand zu brechen ist einfach zu groß.

Und das Ganze geht schneller als man denken könnte. Schließlich besteht die Hand aus 27 filigranen Einzelknochen. Wenn nur einer von ihnen bricht, ist ein Weiterkämpfen nur unter größten Schmerzen und Einschränkungen machbar. Selbst das Greifen oder Wegschieben des Angreifers wird zu einer Mammutaufgabe. Schläge sind gar nicht mehr möglich.

Meist führen Verletzungen an der Schlaghand zu einer schmerzhaften Niederlage. Selten gelingt es den Angreifer mit einer Hand zu besiegen oder zumindest weitestgehend unverletzt aus der Notlage zu entkommen. Daher sind Faustschläge nicht zu empfehlen. Das liegt auch daran, dass man sich die Handgelenke im Nu brechen oder verstauchen kann.

Meist entstehen diese Verletzungen, wenn man in einem ungünstigen Winkel auf den Kopf oder Körper des Angreifers schlägt. Das Handgelenk knickt dann nämlich um und schon ist die Kacke am Dampfen. Wer das Ganze für übervorsichtigen Humbug hält, sollte einfach mal ein paar kräftige Schläge ohne Boxhandschuhe auf einen Sandsack tätigen. Alternativ bietet sich auch unser Artikel über Bare-Knuckle-Boxing an.

Gut zu wissen:
Der Mythos der gezielten Faustschläge ins Gesicht als ultimative Verteidigungsform stammt vermutlich aus dem Box-Sport. Allerdings tragen die Athleten dort gepolsterte Handschuhe und kämpfen ausschließlich mit bandagierten Handgelenken. Nur so können Verletzungen auf ein Minimum reduziert werden.

Ein Schlag auf den Solarplexus führt zum Knockout:

Immer wieder berichten mir Schüler und Kollegen, dass der Solarplexus das viel bessere Ziel für einen gezielten Schlag sei. Der Angreifer würde ihn aus Unwissenheit nicht schützen und ein Treffer sei sehr wirkungsvoll. Beide Punkte treffen sogar zu. Allerdings rate ich immer wieder davon ab, den Solarplexus bearbeiten zu wollen. Aber erst mal der Reihe nach. Klären wir zu Beginn, wo der Bereich liegt und was sich hinter dem Begriff verbirgt.

Es handelt sich hier um ein Nervenfasergeflecht, das sich zwischen Brustkorb und Magengrube befindet. Ein ordentlicher Schlag auf diesen kleinen Punkt kann zu gefährlichen Nervenreizungen oder sogar dem Tod führen. Wahrscheinlicher sind aber Schwindel, Übelkeit oder Bewusstlosigkeit. Leider trifft man in einem echten Kampf mit großer Wahrscheinlichkeit nicht den Solarplexus, sondern die Rippen.

Wer mir nicht glaubt, kann das Ganze gerne mal bei einer kleinen Rangelei ausprobieren. Bereits hier ist es kaum möglich einen Schlag in den Bereich zu setzen. Oft gelingt es nicht mal die andere Person zu berühren. Entweder ist man zu klein oder man kommt gar nicht nah genug an den Angreifer heran. Gelingt es doch, reicht die Schlagkraft meist nicht aus, um den gewünschten Effekt beim Gegenüber zu erzielen.

Gut zu wissen:
Der Solarplexus ist ein sehr kleines Ziel. Laien werden ihn aufgrund dessen in einem Ernstfall zu 99 % nicht treffen. Aber keine Sorge! Es gibt bessere und vor allem auch größere Ziele. So sind gezielte Techniken an den Genitalien sowie am Kopf eine sehr gute Alternative.

Der Bodenkampf führt auf der Straße zum Erfolg:

Grappling-Bodenkampf

Von vielen Kampfkünstlern hört man immer wieder, dass am Boden kämpfen die Erfolgsaussichten erhöht. Meist lautet die Begründung, dass viele Angreifer dort leicht zu bezwingen sein. Grundsätzlich gesprochen ist dies auch nicht falsch und selbst ich bin ein großer Fan vom Bodenkampf. Sehr wirkungsvoll ist er bei Sicherheitsmitarbeitern, Soldaten und Polizisten.

Diese haben nämlich immer einen zweiten Mann dabei. Dieser kann den Kampfbereich absichern und weitere Aggressoren auf Abstand halten. Relativ ungestört kann der Streifenpartner die Person nun am Boden fixieren. Gemeint ist damit das Anlegen von Handschellen. In solchen Fällen ist ein Forcieren des Bodenkampfs absolut richtig und zweckmäßig.

In der reinen Selbstverteidigung sollte man solche Situationen aber vermeiden. Zwar sollte man ein paar Grundkenntnisse des Kämpfens am Boden beherrschen, aber den Angreifer nach Möglichkeit nicht selbst zu Boden bringen. Zu groß ist die Gefahr von Verletzungen. Außerdem ist man am Boden in einer ganz ungünstigen Position, wenn man gegen mehrere Leute kämpft oder Freunde des Angreifers zur „Hilfe“ eilen.

Schließlich ist man nun ein leichtes Ziel von Schlägen und Tritten. Oft kann man gar nicht mehr aufstehen, sondern sich nur noch gegen das Dauerfeuer versuchen zu schützen. Sollte man unbeabsichtigt zu Boden gehen, ist das oberste Ziel wieder in den Stand zu gelangen. Keinesfalls darf man sich zum Kampf am Boden verleiten lassen. Nicht zuletzt da man im Rahmen der Selbstverteidigung den Angreifer nicht fixieren möchte.

Viel mehr geht es darum schnellstmöglich das Weite zu suchen. Da man aber auch selbst am Boden in die Patrouille gebracht werden kann, sollte man Befreiungstechniken kennen. Ansonsten ist man einem erfahrenen Angreifer schonungslos ausgeliefert. Manchmal werden die Opfer am Boden nicht nur zusammengetreten, sondern regelrecht tot geprügelt.

Gut zu wissen:
Wer sich intensiv mit dem Kampf am Boden auseinandersetzen möchte, sollte sich die Kampfsportart Brazilian Jiu Jitsu anschauen. Aber auch Judo ist in großen Teilen sehr aufschlussreich, wenn es um das zu Boden bringen und kontrollieren geht. Alternativ bieten sich auch Selbstverteidigungskurse mit diesem Schwerpunkt an. Oft werden sie unter dem Prädikat Festlege- oder Fixiertechniken beworben.

Treten kann jeder und es ist mehr als effektiv:

Viele Menschen sind der Meinung, dass man treten nicht lernen muss. Schließlich weiß doch jeder, wie man gegen das Schienbein tritt!? Entweder werden dazu die Zehenspitzen genutzt oder einfach der Spann. Beide Varianten sind aber absolut nicht empfehlenswert. Schnell kommt es Brüchen oder Verstauchungen. Schließlich ist der Fuß genauso grazil gebaut wie eine Hand.

Eine Vielzahl an Knochen befindet sich nämlich in diesem empfindlichen Konstrukt. Da ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass es schnell zu ernsthaften Verletzungen kommt. Diese sind meist so schlimm, dass man weder wegrennen noch richtig stehen kann. Daher darf man weder mit den Zehenspitzen, noch mit dem Spann gegen das Bein des Angreifers treten. Noch schneller kann man sich gar nicht selbst kampfunfähig machen.

Gut zu wissen:
Tritttechniken wollen vernünftig gelernt und regelmäßig trainiert werden. Dann hat man mit den Füßen, Schienbeinen und auch Knien optimale Waffen zur Selbstverteidigung. Zudem rechnen viele Angreifer auf der Straße nicht unbedingt mit den Beinen als Waffe.

Aufs Nasenbein schlagen, tötet den Angreifer:

Ich weiß nicht genau, woher dieser Mythos stammt. Mir ist auch schleierhaft, wie man auf die Idee kommen kann, dass ein harter Schlag von unten auf das Nasenbein den Angreifer umbringen kann. Die Theorie dahinter ist schon mehr als abenteuerlich. So soll sich die Nase in das Gehirn schieben und so für den sofortigen Tod sorgen. Der Vollständigkeit halber habe ich aber einen befreundeten Mediziner befragt und fast einen Lachkrampf als Antwort bekommen.

Wer mit dem Handballen von unten auf die Nase schlägt, schiebt diese keinesfalls in Richtung Gehirn. Lediglich die Nase und der darin enthaltene Knorpel können brechen. Wäre an der abenteuerlichen Theorie auch nur ein Fünkchen Wahrheit dran, wären bestimmt schon so einige MMA-Fighter oder Kickboxer gestorben. Selbst mancher Hobby-Kampfsportler bricht sich im Laufe der Zeit die Nase durch Schläge von unten.

Gut zu wissen:
Und bevor die Frage kommt, auch mit einer gebrochenen Nase kann man noch halbwegs weiterkämpfen. Man hat zwar Schmerzen, aber diese kann man Dank des Adrenalinrauschs gut ignorieren. Die große Menge Blut, die währenddessen aus der Nase läuft, erschwert aber die Atmung. Je nach Psyche kann einen das Ganze motivieren oder gewaltig aus der Fassung bringen.
Über Fabian Wüst, Coach & Berufswaffenträger 101 Artikel
Er ist erfolgreicher Trainer in Sachen Selbstverteidigung und sammelte wichtige Erfahrungen als Geldtransportfahrer, Bahnschutzmitarbeiter und Objektschützer für das Militär. Auf dieser Webseite teilt er sein erlangtes Know-how mit dir. Sein Motto lautet: Schütze dich und deine Liebsten!