Kampfsport, Kampfkunst und Nahkampfsysteme: Worin unterscheiden sie sich?

Kampfsport-Kampfkunst-unterschiede

Oft werden die Begriffe wild durcheinander benutzt. Gerade den Unterschied zwischen Kampfsport und Kampfkunst kennen nur sehr wenige. Häufig werden auch Selbstverteidigungs- und Kampfsysteme fälschlicherweise als Kampfsportarten oder Kampfküste bezeichnet.

Daher haben wir uns dazu entschlossen diesen Ratgeber zu verfassen. Nach dem Lesen kennst du den Unterschied zwischen Kampfsport, Kampfkunst und Kampfsystemen.

Begriffsdefinitionen:

Nicht nur unter Profis findet eine Unterscheidung zwischen Kampfkunst, Kampfsport und Kampfsystemen statt. Aufgrund dessen sollte man sich als Interessierter einmal in die Thematik einlesen. Allerdings muss man damit leben, dass auch in Fachportalen die Bezeichnungen oft durcheinander gewirbelt werden. Das passiert einfach schneller als man denken könnte.

Kampfsport:

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Grundsätzlich lässt sich sagen, dass es bei Kampfsportarten um den sportlichen Wettkampf geht. Hier gibt es also Regeln und klar definierte Duelle. Meist treten 2 Gegner zum Kampf an. Außerdem werden hier nur selten Waffen eingesetzt und falls doch, dann ausschließlich Sportwaffen. So wird die Gefahr einer Verletzung stark minimiert.

Die komplette Ausrichtung von Kampfsportarten liegt auf dem sportlichen Wettkampf. Um hier als Sieger hervorzugehen, werden nicht nur Kampftechniken trainiert. Eine große Bedeutung hat das Fitnesstraining zur Steigerung der Ausdauer und Kraft. Selbstverteidigung ist hier ein absolut untergeordneter Aspekt. Allerdings können viele Techniken im Ernstfall erfolgsversprechend eingesetzt werden.

Bekannte Kampfsportarten:
In Deutschland werden viele verschiedene Kampfsportarten ausgeübt. Besonders beliebt sind hier Boxen, Brazilian Jiu Jitsu, Judo, Taekwondo und Kickboxen.

Kampfkunst:

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Hier steht der Aspekt Selbstverteidigung ganz oben auf der Prioritätenliste. Daher werden hier auch Techniken trainiert, die in echten Konflikt- und Gefahrensituationen anwendbar sind. Ziel der Methoden ist es den Gegner kampfunfähig zu machen. Daher setzen viele Kampfkünste auf Waffen. Allerdings geht es nicht nur ums Kämpfen.

So werden häufig auch einstudierte Bewegungsabläufen in sogenannten Formwettkämpfen vorgeführt. Ein gutes Beispiel hierfür ist das oben verlinkte Video. Bei vielen Kampfkünsten ist auch die Konfliktvermeidung sehr wichtig und wird häufig thematisiert. Außerdem liegen die Schwerpunkte noch bei der Steigerung des eigenen Körpergefühls. Es wird also viel für die Beweglichkeit, Kraft und Geschwindigkeit gemacht.

Gerade asiatische Kampfkünste legen großen Wert auf ihre philosophischen und religiösen Grundlagen. Oft fällt in diesem Zusammenhang auch der Begriff Vervollkommnung. Es geht also zu einem großen Teil auch um die Gestaltung des eigenen Lebens. Daher tritt der Kampf häufig sehr weit in den Hintergrund. Außerdem gibt es hier nicht nur Duelle zwischen 2 Gegnern.

Bekannte Kampfkünste:
Hierzulande werden mehr Kampfkünste ausgeübt als man denkt. Sehr häufig trifft man in Deutschland auf das Thai Chi oder Wing Tsun.

Kampf- und Selbstverteidigungssysteme:

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Obwohl es Selbstverteidigungssysteme schon sehr lange gibt, sind diese erst seit einigen Jahren in aller Munde. Viele kennen bestimmt den Begriff Krav Maga. Ziel von Kampf- und Selbstverteidigungssystemen ist das effiziente unschädlich machen, eines Angreifers. Meist wurden diese Systeme für Behörden, aber auch zum Selbstschutz von Zivilisten entwickelt.

Je nach Schöpfer wurden Techniken kreiert oder verschieden Kampfstile zu einem neuen zusammen gefasst. Daher wird hier frei von Ritualen und Formen trainiert. Jeder kann hier frei entscheiden auf was und wie er sich vorbereitet. Aufgrund dessen gibt es hier keine Wettkämpfe, sondern ausschließlich Stationstraining oder Sparrings.

Teilweise wird auch auf moderne Waffen wie den Teleskopschlagstock, den Tonfa oder Pfefferspray zurückgegriffen. Hieran erkennt man auch den behördlichen Hintergrund. Allerdings existieren auch Versionen für Zivilisten. Diese sind auf Selbstverteidigung und die Jedermanns-Rechte ausgelegt.

Bekannte Selbstverteidigungssysteme:
In den letzten Jahren ist die Palette an Selbstschutzsystem immer größer geworden. Große Bekanntheit erlangte dabei das bereits in 30er Jahren erfundene Krav Maga. Aber auch Bruce Lees Jeet Kune Do kennt man in Deutschland.

Die Unterschiede zwischen Kampfsport, Kampfkunst und Kampfsystemen:

Gerade die Trennung von Kampfsport und Kampfkunst ist häufig nicht so scharf wie man nach dem Lesen der Definitionen meinen könnte. Außerdem existieren von vielen Kampfkünsten auch moderne Versionen, die den sportlichen Wettkampf zulassen oder gar in den Vordergrund stellen.

Zudem werden viele Selbstverteidigungssysteme fälschlicherweise oder zur besseren Vermarktung als Kampfsport bezeichnet. Nichtsdestotrotz haben wir zur besseren Unterscheidung zwischen Kampfkunst, Kampfsport und Kampfsystemen eine Tabelle erstellt:

Kampfkunst:Kampfsport:Kampfsysteme:
Es gibt keine Regeln und grundsätzlich ist bei den Techniken, wie in einem echten Kampf, alles erlaubt.Um einen Sieger im Wettkampf ermitteln zu können und um die Verletzungsgefahr zu minimieren, gibt es Regeln.Auch hier existieren keinerlei keine Regeln, um eine echte Auseinandersetzung zu simulieren.
Hier trainiert man sowohl Angriffe als auch Abwehrtechniken. Zudem spielt auch die Philosophie eine große Rolle.Techniken, die hier geübt werden, müssen regelkonform sein. Alles andere wäre ineffizient und nicht zielführend.Die Techniken sind je nach Zielgruppe entweder eher defensiv zum Selbstschutz oder aggressiv zum Fein eliminieren.
Es wird gekämpft, bis der Gegner aufgibt oder kampfunfähig ist. Dabei gibt es aber keinen Kampfrichter.Hier ist es wichtig den Kampfrichter zu überzeugen. Siege gibt es meist nicht durch Aufgabe oder K.O des Gegners.Hier gibt es keine Duelle, sondern es werden Situationen trainiert. Ziel ist die erfolgreiche Selbstverteidigung.
Hier gilt hauptsächlich ein Grundsatz. Recht hat derjenige, der den Kampf für sich entscheidet.Man muss nach den Regeln siegen. Daher kann man nachträglich noch disqualifiziert werden.Wer gewinnt, hat alles richtig gemacht. Je nach Zielgruppe wird nach rechtlichen Vorgaben „gekämpft“.
Ein Kampf wird meist schnell zu Ende gebracht und es gibt keine zweiten Chancen. Die Überlegenheit wird gnadenlos ausgenutzt, um als Sieger vom Platz zu gehen.Der Kampf geht über mehrere Runden. Wer zu Beginn klar überlegen ist, kann trotzdem der Verlierer sein. Durch Runden wird der Kampf in die Länge gezogen.Hier gibt es keinerlei sportliche Wettkämpfe. Kommt es zu einem Kampf, handelt es sich meist um ein Situationstraining unter „realen“ Bedingungen. Wer gewinnt, hat recht.

Unser Fazit:

Zwar haben wir hier eine klare Trennung zwischen den verschiedenen Systemen durchgeführt, aber in der Praxis wird vieles vermischt. Daher sollte man keine der Bezeichnung und deren Bedeutung auf die Goldwaage legen. Oft passieren Fehler durch Unwissenheit oder aufgrund einer besseren Vermarktung des jeweiligen Systems.

So wird zum Beispiel Krav Maga häufig als Kampfsport bezeichnet, obwohl es sich hier um ein israelisches Kampfsystem handelt. Ebenso bezeichnen viele Jeet Kune Do als eine asiatische Kampfkunst. Häufig werden auch Fitnessboxstile wie Tae Bo als Kampfsport bezeichnet, obwohl es hier ausschließlich um die Steigerung der eigenen Kondition geht. Kämpfe gibt es in den Kursen gar nicht.

Die Unterschiede zwischen Kampfsport, Kampfkunst sowie Selbstverteidigungssystemen sind in der Praxis eher schwammig. Aufgrund dieses Umstands kommt es häufig zu unglücklichen Aussagen.
Über Fabian Wüst, Coach & Berufswaffenträger 72 Artikel
Er ist erfolgreicher Trainer in Sachen Selbstverteidigung und sammelte wichtige Erfahrungen als Geldtransporterfahrer, Bahnschutzmitarbeiter und Objektschützer für das Militär. Auf dieser Webseite teilt er sein erlangtes Know How mit dir. Sein Motto lautet: Schütze Dich und Deine Liebsten.