Kampfsport mit Stöcken: Stile, Übungen und alle Bō-Versionen erklärt!

Kampfsport-mit-Stöcken

Klassische Kampfkünste und Kampfsportarten greifen nur selten auf Stöcke zurück. Dabei können diese nicht nur als Schlagwaffe eingesetzt werden. Gerade der Bereich Kampfsportarten mit Stöcken zeigt eindrucksvoll, was alles möglich ist.

Speziell die häufig anzutreffenden Schlag-, Schwing- und Stechtechniken erweitern das Repertoire jedes Kampfkünstlers. Aber auch für Sicherheitsmitarbeiter, Polizisten und Soldaten lohnt sich das Erlernen des Stockkampfes. Einerseits um sich besser gegen Angreifer verteidigen zu können, andererseits zur Anwendung von unmittelbarem Zwang.

Wie ist, der Kampfsport mit Stöcken entstanden?

Schon in den Anfängen der Menschheitsgeschichte wusste man, wie effizient der Kampf und die Jagd mit Speeren ist. Dabei belegen neuere Forschungsergebnisse, dass die Speere nicht nur zum Werfen und Stechen, sondern oft als Hiebwaffe für den Nahkampf eingesetzt wurden.

Aus diesen einfachen Techniken entwickelten sich im Lauf der Zeit viele verschiedene Kampfkünste mit Stöcken als bevorzugte Waffe. Diese Stile perfektionierten den Umgang und erschufen viele hocheffiziente Stockkampftechniken, die man in vielen verschiedenen Nahkampf- und SV-Systemen findet.

Und bei diesen Kampftechniken geht um weit mehr als das bloße Hauen, Schwingen und Stechen. Der Einsatz von Hebeln, Festlege- und Abführtechniken macht den Reiz dieser Waffentechniken aus. Zudem lassen sich die gelehrten Methoden sehr gut mit modernen Waffen wie Teleskopschlagstöcken und Tonfas durchführen.

Was versteht man unter dem Begriff Stockkampf?
Dieses Wort wird als Bezeichnung für verschiedene Kampfkünste und Kampfsportarten genutzt, die kurze oder lange Stöcke als Waffe einsetzen. Häufig wird dabei mit 2 Stäben gekämpft.

Kampfsportarten mit Stöcken:

Stockkampf

Nun kommen wir aber endlich zum Kernthema dieses Ratgebers. Die Rede ist von den Kampfsportstilen mit Stöcken. Diese stellen wir dir im Folgenden detailliert vor. So findest du Anregungen für dein Stocktraining oder gar eine neue Sportart.

Allerdings musst du vorher noch kurz die unterschiedlichen Kampfstöcke kennenlernen. Das macht es um ein Vielfaches einfacher den Ratgeber und die Unterschiede zwischen den jeweiligen Kampfsportarten zu verstehen.

Was verbirgt sich hinter den Begriffen Bō / Rokushaku Bō bzw. Langstock?
Viele kennen die aus Japan stammende Schlagwaffe unter der Bezeichnung Langstock. Verwendung findet sie im Bujinkan, im Kobudō, in verschiedenen Schulen des Koryū, aber auch in bestimmten Karate-Stilen.

Sogar die Shaolin-Mönche setzen diese Waffe beim Kung Fu ein. Selbst in vietnamesischen Kampfkünsten wird sie unter dem Begriff „Con“ verwendet. In der Regel ist der Bō 182 cm lang und dabei etwa 2,5 bis 3 cm dick. Gefertigt wird er entweder aus Hartholz, Kunststoff oder Metall.

Was ist denn ein Hanbō bzw. ein Kurzstock?
Hierbei handelt es sich sozusagen um einen halben Bō. Dem Begriff nach entstand der Hanbō aus der Hälfte eines Bō (Han „halb“, Bō „Stock“). Die Schlag- und Stoßwaffe ist etwa 80 bis 100 cm lang. Je nach Handgröße ist sie dabei zwischen 2,3 und 3 cm dick.
Was versteht man unter einem Jō?
Übersetzt man den Begriff wörtlich handelt es sich hier um einen Rohrstock oder Gehstock. Der runde und aus hartem Holz gefertigte Stab wird in vielen japanischen Kampfkünsten wie dem Aikidō und Jōdō benutzt. Dabei ist er kürzer als der Bō, aber gleichzeitig länger als der Hanbō. Laut Definition aus dem Jodo ist diese Waffe rund 127,6 cm lang. Der Durchmesser beträgt dabei 24,2 mm.

Arnis-Kali-Eskrima aus den Philippinen:

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Aus der alten Kriegskunst ist im Laufe der Zeit ein moderner Kampfstil entstanden, der sich hauptsächlich mit dem Stockkampf auseinandersetzt. Dabei werden häufig auch Alltagsgegenstände wie Selbstverteidigungsschirme und moderne Schlagwaffen im Training eingesetzt.

Wer die Techniken sauber beherrscht, kann schließlich auch mit scharfen Klingen üben. Nur so ist es möglich ein wahrer Arnis-Meister zu werden. Allerdings erfordert dies mehrere Jahre andauerndes Training sowohl mit einem als auch 2 Stöcken.

Bōjutsu – Die Kunst des Kampfes mit dem Bō:

Hierbei handelt es sich um eine Kobudō-Disziplin, die alle Varianten des Stockes umfasst. Dabei spielt es natürlich keine Rolle, ob es sich um einen Rokushaku Bō („6-Fuß-Stock“, 182 cm lang), den Hanbō (halber Bō) oder um den Jō (121 cm lang) handelt.

Der Bō ist hier die erste und auch eine der wichtigsten Waffen im Ryukyu Kobujutsu. Schließlich entfallen 19 von 42 Kobujutsu-Kata auf den Stab. Wer sich für Stocktechniken interessiert, sollte noch wissen, dass Bōjutsu (Stockkampf) auch Teil des Trainings vieler japanischer Kampfkünste wie Aikidō oder Iaidō ist.

Canne de Combat – Spazierstockfechten aus Frankreich:

Der auch als la Canne bezeichnete Kampfsport stammt aus Frankreich. Besonders im 19. Jahrhundert war dieser in Europa weitverbreitet. Aber auch noch heute wird mit dem Spazierstock als Waffe gekämpft. So wurde in den 70er-Jahren das Canne de Combat ohne die gefährlichen Techniken einer Standardisierung unterzogen.

Aufgrund dessen wird heute mit einem 95 cm langen Canne aus Kastanienholz zum Duell angetreten. Außerdem wird eine Schutzausrüstung bestehend aus Fechtmaske, Tenue (Anzug) und gepolsterten Handschuhen getragen. Sicherheit geht schließlich vor.

Jōdō – Der Kampf gegen das Katana:

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Die alte japanische Kampfkunst hat sich auf den Kampf mit dem Jo fokussiert. Hier kommt also ein Hartholzstock aus japanischer Eiche von 128 cm Länge und einem Durchmesser von 2,4 cm zum Einsatz. Jōdō gilt als vollständige Kampfkunst.

Ziel ist die Verteidigung gegen das japanische Schwert. Viele kennen dies unter der Bezeichnung Katana. Um sich im Training nicht zu verletzten, wird allerdings ein hölzernes Bokken genutzt. Obwohl beim Jōdō der gleiche Jō wie bei anderen japanischen Kampfkünsten eingesetzt wird, ist die Verwendung eine völlig andere. Dies sollte man beachten.

Juego del Palo – Das Spiel des Stockes:

Hierbei handelt es sich um eine traditionelle Kampfkunst, die auf den Kanarischen Inseln sogar ein Nationalsport ist. Als Waffe wird hier auf Stöcke von 1,2 bis 1,8 m zurückgegriffen. Angelehnt sind diese an Hirtenstecken, die den Inselbewohnern als Waffen gegen Piraten und die Spanier dienten.

Der Kampf wird im Prinzip nur simuliert. Beide Kontrahenten führen die Schläge mit dem Stock nicht ganz durch. Das ist auch gut so, schließlich wird keine Schutzausrüstung getragen. Der Kontakt wäre also eine potenziell gefährliche Sache.

Expertentipp zum Schluss:
In vielen aus Asien stammenden Kampfkunststilen werden Stöcke als Waffe eingesetzt. In Europa kennt man hauptsächlich die Stocktechniken des Ninjutsu, des Wing Chun sowie die Techniken des Aikdo (Bukiwaza). Der Bō wird allerdings auch beim Karate-Dō, Iaidō, Jiu Jitsu oder beim Shaolin Kung Fu eingesetzt.

Wer am Erlernen von facettenreichen und nicht nur auf den Stockkampf fokussierten Stilen interessiert ist, sollte die oben erwähnten Kampfkünste in Betracht ziehen. Als Geheimtipp können wir dir noch Ju Jutsu ans Herz legen. Gerade Sicherheitsmitarbeiter oder Polizisten erfreuen sich an den Hebel-, Abführ- und Festlegetechniken, die häufig mit einem Kurzstock durchgeführt werden.

Stockkampfübungen – Der Umgang will gelernt sein:

Bevor man einen neuen Stil mit Schwerpunkt auf Stockkampf erlernt, kann man sich natürlich erst mal ein paar Grundlagen beibringen. Dies hat den Vorteil, dass man so erst mal prüfen kann, inwieweit man Spaß an der Sache hat.

Außerdem reichen die Grundübungen aus, um sich als Sicherheitsmitarbeiter vor den meisten Angriffsszenarien schützen zu können. Gemeint ist hiermit natürlich die Verteidigung mit einem Teleskopschlagstock (EKA). Eine sehr gute Einführung erhält man in diesem Video:

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Will man noch tiefer in die Welt des Kampfsportes mit Stöcken eintauchen, kann man erst mal zu einem zweiten Stab greifen. Hiermit lässt sich so einiges anstellen. Allerdings wird das Niveau hier schon höher.

Der Umgang und natürlich auch die Techniken müssen nun wirklich sitzen. Zudem braucht man ein paar gute Anregungen. All das und einen guten Einstieg in das Training mit 2 Kurzstöcken verschafft einem das folgende YouTube-Video:

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Und wer jetzt noch Lust auf den Langstock bekommen hat, wird bei uns auch nicht enttäuscht. Schließlich geht es beim Kampfsport mit Stöcken nicht nur um den altbekannten Kurzstock. Daher werden wir nun auf den Bō eingehen.

Dafür haben wir ein passendes Video herausgesucht. Wer keinen eigenen Langstock hat, kann die Übungen ganz einfach mit einem Besenstiel trainieren. Diese sollte allerdings auf die passende Länge getrimmt werden. Traditionelle Bo-Stäbe sind 182 cm lang. Das Wichtigste rund um dieses Thema erfährst du in diesem Video.

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Über Timo Meyer, Judoka (1. Dan) 38 Artikel
Er ist seit mehreren Jahren begeisterter Judoka und verfügt über ein breit gefächertes Fachwissen in Sachen Kampfkünste und Kampfsport. Als Experte schreibt er hier über alle möglichen Themen rund um Kampfsport. Sein Motto lautet: Man kann dir den Weg weisen, doch gehen musst du ihn selbst.