Verletzungen im Kampfsport vermeiden, aber wie wird es richtig gemacht?

Kampfsport-Verletzungen-vorbeugen

Von Leuten, die noch nicht viel mit Kampfsport zu tun hatten, meinen oft diverse Hämatome und andere schwerere Verletzungen sind häufige Begleiter bei Kampfsportarten. Diese Aussage ist absolut falsch und somit ein weit verbreitetes Klischee. Denn Kampfkünste sind prinzipiell betrachtet eine Verletzungsarme Sportart!

In Deutschland gibt es rund 422.000 Sportler in organisierten Vereinen, die den Budosport Judo, Karate und Taekwondo ausüben. Darüber hinaus gibt es aber noch zahlreiche andere Kampfsportarten, die hierzulande ebenfalls intensiv ausgeübt werden. Die Rede ist von MMA, Boxen, Muay Thai oder auch Escrima.

Allesamt bekannt für ihre harten Fights samt blutigen Verletzungen. Als Hobbysportler muss man aber am Montag wieder auf Arbeit erscheinen und kann nicht eine Woche lang seine Blessuren vom Kampf auskurieren. Daher interessieren sich viele Athleten dafür, wie man Verletzungen im Kampfsport optimal vorbeugen kann. Im Folgenden erfährst du es.

Alles Wichtige auf einen Blick:
  • Trainiere ausgewogen, um muskuläre Dysbalancen zu verhindern.
  • Schmerzen als Warnsignal erkennen & richtig interpretieren.
  • Das richtige Verhältnis zwischen Be- und Entlastung finden.
  • Regeneration ist wichtig und daher ein absolutes Muss.
  • Gehirn einschalten und immer mit Bedacht kämpfen.

Tipps & Tricks um Verletzungen zu vermeiden:

Wie man letztendlich Blessuren und ernsthafte Läsion verhindert, ist oftmals auch ein bisschen Glaubensfrage. Allerdings gibt es einige Grundsätze, die man als Kampfsportler im Trainingsalltag beachten sollte. So sinkt die Gefahr nämlich erheblich sich schwer zu verletzen. Diesen Dingen solltest du Beachtung schenken:

  • Zuerst sollte eine ärztliche Untersuchung den Gesundheitszustand und die Eignung für die gewünschte Sportart klären.
  • Wichtig ist richtiges Aufwärmen vor dem Training, damit die Muskeln, Sehnen und Bänder beim Training ausreichend elastisch sind.
  • In dieser Warm-up Phase soll durch spezielle Übungen die Muskulatur richtig aufgewärmt und die Durchblutung gesteigert werden. Du solltest niemals ohne Aufwärmtraining starten!
  • Jede Sportart hat ihre ganz spezielle Ausführungstechnik. Diese zu erlernen ist extrem wichtig. Die meisten Sportverletzungen entstehen durch eine falsche Ausführung!
  • Bei einem erfahrenen Athleten kannst du mehr erfahren und Ihre Technik überprüfen. Um Sportverletzungen vorzubeugen ist nicht nur beim Kraftsport die Technik wichtig.
  • Der gleichmäßige Aufbau der Muskulatur ist der beste Schutz vor Sportverletzungen und muskulären Dysbalancen. Sportler sollten niemals nur einzelne Muskelpartien trainieren, sondern immer den gesamten Körper.
  • Wichtig ist auch eine ausgewogene und eiweißreiche Ernährung.
Gut zu wissen:
Unterschätze den Nutzen von Schutzkleidung nicht. Immer dabei haben solltest du einen Mundschutz, ein Tiefschutz-Suspensorium, entsprechendes Schuhwerk und natürlich passende Handschuhe. Wenn möglich bieten sich auch ein Kopfschutz sowie eine Kampfweste an. Da aber auch die beste Schutzausrüstung nicht alle Verletzungen verhindern kann, darfst du es auf keinen Fall übertreiben.

Die Art der Verletzungen & deren Häufigkeit:

Die Blessuren beschränken sich beim Kampfsport meist auf Verstauchungen und Prellungen. Nur vereinzelt kommt es zu schwereren Verletzungen wie etwa Frakturen. Kampfsporttraining bei Kindern und Jugendlichen verringert allgemein die Verletzungsgefahr durch verbesserte koordinative Fähigkeiten auch bei anderen Sportarten.

Auch eine Erhöhung der Knochendichte durch Kampfsporttraining kann das Verletzungsrisiko vermindern. Im Kampfsport wurde das Verletzungsrisiko durch Schützer und Regelanpassungen deutlich und erfolgreich verringert. Nicht der harte Kontakt mit dem Gegner ist der Grund für Verletzungen, sondern falsch ausgeführte Bewegungen und eine unzureichende Regeneration im Trainingsverlauf.

Die Langzeitschäden im Kampfsport lassen sich laut durch bessere Prävention und ärztliche Betreuung weiter verringern. Verglichen mit dem Fußballspiel im freien liegt, das Verletzungsrisiko bei 5.59 Verletzungen und im Hallenfußball bei 4.45 Verletzungen pro 1000 Spielminuten. Im Kampfsport Karate sind es dagegen nur 0.67 Verletzungen pro 1000 Kampfminuten.

Gut zu wissen:
Ab dem Jahr 2000 müssen Budosportathleten einen Kopf-, Hand-, Schienbein- und Spannschutz tragen, wodurch die Sportler im Kampf besser geschützt sind. Dies senkt nicht nur das Verletzungsrisiko, sondern intensiviert auch die Kämpfe – sozusagen ein Gewinn an allen Fronten.

Typische Verletzungen in den Budosportarten:

In Deutschland sind die asiatischen Kampfsportarten Judo, Karate und Taekwondo äußerst beliebt. Sowohl bei Kindern als auch Erwachsenen erfreuen sie sich allergrößter Beliebtheit. Die Vielzahl der Kampfsportler in Deutschland übt eine dieser 3 Kampfsportarten aus. Daher möchten wir dir im Folgenden charakteristische Verletzungen erläutern.

Judo – Maximale Wirkung bei einem Minimum an Aufwand:

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Die aus Japan stammende Sportart ist auf der Welt fast überall verbreitet. Die Ursprünge finden sich in der von den Samurai begründeter Ju-Jutsu Technik. Dabei hielten sich die Samurai streng an die Grundsätze des „Bushido Ehrenkodex“, wie Treue, Furchtlosigkeit, Verschwiegenheit, Bescheidenheit, Ergebenheit und Ritterlichkeit.

Zusammen mit den bereits beherrschten Yawara- und chinesischen Techniken entwickelten die Samurai Krieger das Ju-Jutsu. Ju-Jutsu begründet sich weniger auf Kraft und räumte dadurch im Kampf auch Schwächeren eine Chance ein. Ende des 19. Jahrhunderts erlernte „Jigoro Kano“ die unterschiedlichen Stile des Ju-Jutsu und erweiterte mit neuen Techniken, das er zum Kano-System, dem späteren Judo, zusammenfasste.

Das Wort Judo aus den Silben „Ju“ sanft, geschmeidig, nachgebend und „Do“ Weg, Prinzip zusammen. Judo beinhaltet das Prinzip, den Gegner nicht mit Schlägen oder Tritten zu verletzen, sondern mit dessen eigener Kraft diverse Wurf- und Grifftechniken anzuwenden. Auch Würge-, Halte- und Hebelgriffe, Falltechniken, Schlagarm- und Schlagfußtechniken im Stand und Boden finden eine Anwendung.

Kommt es zu Verletzungen und Unfällen beim Judo?

Judo ist ein Kampfsport, bei dem nichts Schlimmes passiert, da immer auf Matten geübt wird. Schwerere Verletzungen kommen am Schlüsselbein oder an den Zehen vor. Wichtig ist es, die Haare zusammenzubinden sowie die Finger- und Fußnägel kurzzuhalten, um den Partner oder die Partnerin nicht zu verletzen.

Karate – Der Weg der leeren Hand:

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Der Entstehungsort von Karate ist die Insel Okinawa. Die Nähe zum chinesischen Festland begünstigte Beziehungen zu China seit dem 14. Jahrhundert so konnten chinesische Kampfkünste mit einfließen. Der japanische Kaiser übernahm die Macht über die kleine Inselgruppe.

Da sich das Volk gegen ihn zur Wehr setzte, wurde ein Waffenverbot Anfang des 17. Jahrhunderts erlassen. Das führte zur Geburt des Karate. Aus der schon bestehenden Kampfform „Okinawa-te“, entwickelte sich die Urform des heutigen Karate.

Das beinhaltete effektive tödliche Kampfmethoden, die auch im Befreiungskampf eingesetzt wurden. „Gichin Funakoshi“ brachte das modifizierte „Karate-Do“ den „Weg der leeren Hand“nach Japan. Diese Budosportart enthält vorwiegend Schlag-, Stoß- und Tritttechniken, auch Würfe sowie Hebel- und Fessel Griffe.

Das Karate umfasst viele Stile. Die bekanntesten sind das „Wado-ryu“, das „Shotokan-ryu“ und das „Shito-ryu“. Karate hat sich unaufhaltsam zu einem Wettkampfsport entwickelt. Die traditionellen Werte des „Do“ im Karate treten dabei immer mehr in den Hintergrund.

Kommt es bei Karate zu Verletzungen und Unfällen?

Selbst bei Karate ist die Anfälligkeit für Verletzungen sehr gering. Die Voraussetzungen jedoch dafür sind eingehende Lockerungs- und Gymnastikübungen sowie konzentriertes Training. Kleinere Verletzungen wie etwa Blutergüsse und Prellungen können schon mal häufiger vorkommen.

Taekwondo – Der Weg des Fuß- und Faustkampfes:

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Zu den jüngsten Budosportarten gehört Taekwondo (TKD) aus Korea. Ein altes Kampfsystem, die Ursprünge von Taekwondo sind bisher unklar. In Korea gab es schon vor Beginn der Zeitrechnung waffenlose Formen des Kampfes wie „Subak“ und „Kwonbop“, später dann „Taekyon“.

Einen großen Einfluss auf die Entwicklung des Taekwondo übte im 6. Jahrhundert das von Eliteeinheiten der Armee entwickelte „Hwa-Rang-Do“ aus. Am Ende des 15. Jahrhunderts stellten sich Mönche deren Schüler in einem nationalen Befreiungskrieg gegen die Samurai aus Japan.

Erst als die Japaner Korea 1909 okkupierten und jegliche Kampfkünste verboten, begannen koreanische Patrioten im Untergrund das bis dahin erhaltene Taekyon und Subak zu erlernen. Parallel dazu brachte die japanische Kolonialmacht ihre Budosportarten nach Korea. Diese beeinflussten maßgebend die Entwicklung des Taekwondo.

Nach der Befreiung Koreas hatte die koreanische Kampfkunst einen enormen Zulauf, beeinflusst durch das japanische Karate und das chinesischen Kung-Fu. Daraufhin entwickelten sich unterschiedliche Stile des Taekyon, die im Jahre 1955 im Auftrag der Regierung unter der Leitung des Generals „Choi Hong Hi“ und ihrer Meister wurde Taekwondo zum Kampfsport zusammengefasst.

„Tae“ bedeutet soviel wie Treten, Springen oder Schlagen mit den Füßen. „Kwon“ heißt wörtlich Faust und kennzeichnet alle Handtechniken. Das „Do“ bezeichnet den erwähnten geistigen Hintergrund aller Budosportarten. Im Taekwondo werden hauptsächlich hohe Fuß- und Sprungtechniken angewandt, sowie eine beständige Dynamik in der Bewegung.

Kommt es beim Taekwondo zu Verletzungen und Unfällen?

Auch beim Taekwondo ist das Verletzungsrisiko sehr gering, wobei leichte Prellungen gelegentlich vorkommen. Eine regelmäßige, disziplinierte Teilnahme am Training ist zur Vermeidung von Verletzungen Voraussetzung. Wenn Kinder aggressiv sind oder häufig Wutanfälle bekommen ist Vorsicht geboten, da sie mit Taekwondo-Techniken andere Kinder schwer verletzen können.

Gut zu wissen:
Thai-Boxen, Nihon Kempo, Kong Soo Do, Kuk Sool, Kung Fu, Thai Chi Chuan, Tang Soo Do, Aikido, Hapkido, Kendo, Kobudo, Hwarang Do, Nin Jitsu und Kyudo. Diese von weniger Sportlern frequentierten asiatischen Kampfsportarten sind genauso Verletzungsarm wie Judo, wenn die Regeln eingehalten werden. Boxen, Ringen und Fechten haben hingegen ein wesentlich höheres Verletzungspotential.

Richtiges Training nach einer Verletzung:

Vor einem erneuten Training müssen Sportverletzungen fachgerecht behandelt werden und vollständig ausheilen. Sonst kann die Erkrankungen chronisch verlaufen und Folgeschäden nach sich ziehen. Leider erlangen Bänder und Sehnen nach Sportverletzungen nicht mehr die volle Elastizität zurück.

Den Gelenken fehlt dann die nötige stütze und Führung somit steigt die Gefahr einer erneuten Läsion. Bei Gelenkverletzungen erhöht sich das Risiko für Arthrosen und rheumatische Erkrankungen. Daher sollte man sich im Training langsam steigern und herausfinden, ab wann man einen Gang zurückschalten muss.

Gut zu wissen:
Die Ruhigstellung des betroffenen Gelenks zählt zu den wichtigsten Therapiemaßnahmen bei Sportverletzungen, während der Heilungsphase, die lange dauern kann. Vor dem Trainingsbeginn müssen die Muskeln, die das Gelenk umgeben, unbedingt gestärkt werden. Um Muskelverspannungen zu vermeiden, solltest du mit Bandagen und Tapes die betreffende Körperpartie Stabilisieren.

Unser Fazit zum Abschluss:

Nicht nur beim Kampfsport entstehen Verletzungen, auch in anderen Sportarten kommen diese häufiger vor. Es wäre jedoch falsch, auf Sport und die Bewegung zu verzichten. Wenn du Sportverletzungen vermeiden möchtest, dann achte darauf, die Intensität des Trainings deinem Leistungsniveau entsprechend, richtig und klug anzupassen!

Bei jeder Form des Sports können Verletzungen und körperlichen Schäden vorkommen. Der Kämpfer selbst kann sehr viel dazu beitragen, sich zu schützen. Enorm wichtig sind aber auch die Betreuer und Training die bei der Vorbereitung eines Kampfes wertvolle Ratschläge geben können. Die Betreuer können erklären, was dem Körper alles widerfahren kann, vor allem an Kopf und Hals, Händen und Beinen.

Du versorgst die Verletzung selbst oder mit der Hilfe eines Facharztes. Was sind die Erste-Hilfe-Maßnahmen? Wann kann man Training und Kampf ohne Bedenken wiederaufnehmen? Diese Informationen werden von Trainern so dargelegt, dass diese auch von jedem verstanden werden. Auch, wenn keine Ausbildung als Arzt oder Krankengymnast vorliegt.

Über Timo Meyer, Judoka (1. Dan) 38 Artikel
Er ist seit mehreren Jahren begeisterter Judoka und verfügt über ein breit gefächertes Fachwissen in Sachen Kampfkünste und Kampfsport. Als Experte schreibt er hier über alle möglichen Themen rund um Kampfsport. Sein Motto lautet: Man kann dir den Weg weisen, doch gehen musst du ihn selbst.