Welche Kampfsportsysteme eignen sich besonders für Sicherheitskräfte?

Kampfsportarten-Polizisten-Securitys

Eine alte Weisheit besagt, dass der Klügere nachgibt. Leider lässt dies nicht jeder Dumme zu. Aufgrund dessen kommt es immer wieder zu gefährlichen und teils hanebüchenen Auseinandersetzungen zwischen Ordnungskräften und Aggressoren. Oft ist relativ robustes Handeln gefragt. Ziel bleibt dabei aber immer eine verhältnismäßige Anwendung von Gewalt. Schließlich möchte keiner der Beteiligten verletzt werden.

Und genau hier liegt die Krux begraben. Eine Kampfkunst für Polizisten, Securitys & andere Ordnungskräfte muss den Spagat zwischen Effektivität und Verletzungsarm meistern. Außerdem sollten die Techniken in alltäglichen Situationen funktionieren und daher nicht allzu komplex in der Ausführung sein. Sicherheitskräfte sind in der Regel, nämlich keine passionierten Kampfsportler.

Obwohl immer wieder gegenteiliges in den Medien behauptet wird, möchten die meisten Ordnungskräfte keinerlei Gewalt einsetzen. Und dies selbst, wenn eine Eskalation mit unmittelbarem Zwang die beste Lösung darstellen würde. Viel mehr versuchen die Uniformierten es häufig sehr lange mit gutem zureden. Irgendwann ist dann aber der Punkt der Gewaltanwendung gekommen.

Doch welche Kampfsportarten bieten sich hierfür an, welche Techniken gilt es zu vermeiden und welche Anforderungen muss so ein Nahkampfsystem eigentlich erfüllen? Dies sind nur einige der Fragen, welche wir in diesem Ratgeber beantworten werden. Und da wir selbst als Ordnungskräfte tätig sind, stammen unsere Tipps & Tricks aus der langjährigen Praxis. So viel sei schon mal verraten.

Alles Wichtige auf einen Blick:
  • Kampfsport für Sicherheitskräfte darf man nicht nur auf die Selbstverteidigung reduzieren. Schließlich können die Bediensteten gefährlichen Situationen nicht aus dem Weg gehen, sondern müssen diese mit allen Mitteln klären. Dazu gehört auch der Einsatz körperlicher Gewalt. Dieser will geübt sein, da von den Profis eine Verletzungsarme Vorgehensweise erwartet wird.
  • Jede Sicherheitskraft hat andere Aufgaben. Polizisten nutzen beispielsweise unmittelbaren Zwang zur Fixierung von Tätern. Sicherheitsmitarbeiter hingegen schützen eher ihre Gesundheit bei Angriffen durch Dritte. Das Training sollte also genau auf die eigenen Befugnisse und die zu erwarteten Situationen im Berufsalltag angepasst sein. Alles andere wäre grob fahrlässig.
  • Es existieren viele Kampfsportsysteme, mit denen sich Sicherheitskräfte auseinandersetzen können. Besonders interessant sind unserer Meinung nach Krav Maga Law-Enforcement-Training, Systema, Ju Jutsu oder auch Combatives. Je nach Region kann man aber nicht alle von ihnen trainieren und ist daher etwas eingeschränkt in seinen Ausbildungsmöglichkeiten.

Welche Systeme sind für Ordnungskräfte konzipiert?

Seit einigen Jahren wird der Markt regelrecht von neuen Kampfkünsten, Kampfsportarten und sogar waschechten Nahkampfsystemen überschwemmt. Immer wieder hört man, dass nun endlich das beste Selbstverteidigungssystem für Sicherheitsmitarbeiter angefertigt wurde. So soll man nun sowohl für das Vorgehen im Team als auch allein vernünftig ausgebildet werden.

Darüber hinaus sollen sich mit den Techniken Einzeltäter sowie Gruppen abwehren lassen. Ebenfalls soll es keine Rolle spielen, ob der Angreifer mit oder ohne Waffe agiert. Und der Clou an der Sache soll der geringe Gewaltaufwand sein. Und als wäre das nicht schon genug, werden nun sowohl gezielte Eskalation als auch Deeskalation unterrichtet. Alles sehr nützlich und bestimmt allzeit wirkungsvoll, oder?

Na, ja. Schaut man sich zumindest viele Videos von misslungenen Festnahmen an, scheinen die meisten Mitarbeiter noch immer dürftig ausgebildet zu sein. Dies liegt aber nicht immer an der gelehrten Kampfkunst, der Kampfsportart oder gar dem Nahkampfsystem. Häufig hat man sich das beste System gesucht, aber dem Trainer mangelt es an Praxiserfahrung. Überprüft vor der Anmeldung daher auch diesen Aspekt.

Unsere Top 3 Kampfsportsysteme für Sicherheitskräfte:

Die Auswahl an Kampfsportarten, die alle nötigen Voraussetzungen erfüllen, ist wirklich riesig. Den Standard für ambitionierte Sicherheitskräfte in Deutschland ist vermutlich noch immer Ju-Jutsu. Allerdings gibt es inzwischen auch ganz andere Nahkampfsysteme für Einsatzkräfte. Welche wir für sehr gut befinden, erfährst du in der folgenden Auflistung:

  • Krav Maga: In den letzten Jahren ist das israelische Nahkampfsystem auf der ganzen Welt immer beliebter geworden. Es gibt spezielle Ableger für Privatleute, Militärangehörige sowie Behördenmitarbeiter im Vollzugsdienst. Für Sicherheitskräfte ist der Zweig Law-Enforcement-Training konzipiert worden. Dort liegt der Fokus auf Festlege-, Abführ-, Waffen- & Selbstverteidigungstechniken.
  • Systema: Nur ganz selten hört man hierzulande etwas über die altrussische Kampfkunst. Dabei wird sie in vielen Städten unterrichtet und gilt als sehr effizient. In erster Linie ist der Kampfsport auf die Bedürfnisse von Mitarbeiter der Polizei, der Bundeswehr, der Justiz und natürlich der privaten Sicherheitsdienste zugeschnitten. Interessant finden wir die Atmungs- und Bewegungslehre sowie die Massagen.
  • Ju Jutsu: Hier handelt es sich um den Klassiker schlechthin. Zwar gehört die Kampfsportart nicht mehr zum Ausbildungsprogramm der meisten Polizisten, aber ihrer sehr guten Eignung für den dienstlichen Alltag tut dies keinen Abbruch. Wer nicht nur die sportlich reglementierten Techniken trainiert, kann eine ganze Menge Techniken im Sicherheitsalltag nutzen.
Gut zu wissen:
Neben den gerade vorgestellten Kampfkünsten, Kampfsportarten und Nahkampfsystemen existieren noch viele weitere interessante Konzepte. Leider werden viele nur von wenigen Trainern und damit nur an bestimmten Standorten in Deutschland gelehrt. Bei der Auswahl ist man daher je nach Region stärker und schwächer eingeschränkt in seinen Möglichkeiten.

Worauf gilt es beim Training zu achten?

Das Wort Sicherheitskraft ist ein sehr dehnbarer Begriff. Gemeint damit können beispielsweise Polizisten mit hoheitlichen Rechten sein, aber auch normale Sicherheitsdienstmitarbeiter mit den Jedermannsrechten. Zudem unterscheiden sich die jeweiligen Aufgabengebiete drastisch voneinander. Dies betrifft sowohl den staatlichen als auch den zivilen Apparat mit seinen alltäglichen Problemen.

Ein Streifenpolizist hat selten 10 weitere Kollegen vor Ort, wohingegen ein Bereitschaftspolizist nichts anderes gewohnt ist. Ein Türsteher agiert meist allein und möchte sich im Ernstfall nur selbst schützen, ein privater Bahnschutzmitarbeiter dagegen handelt durchaus Polizei-ähnlich. Aufgrund all dieser Umstände sollte man sich Gedanken darüber machen, was man für seinen Berufsalltag können muss.

Für den einen Mitarbeiter heißt das rasche Gruppen-Takedowns und der Nächste braucht Tipps im Umgang mit dem EKA. Allerdings gibt es auch ein paar Techniken, die man am besten nur im absoluten Notfall anwendet. Dazu zählen unter anderem Tritte und Schläge. Das Ganze schaut auf Videos selten professionell aus und provoziert Umstehende zum Einschreiten gegen die Sicherheitskräfte. Gleiches gilt außerdem für Würger & Co.

Oftmals führt auch Stress zu überzogenen und damit unnötig gewaltsamen Maßnahmen. Ein guter Trainer bildet seine Schüler darum auch in Stressmanagement aus. Nur so kann man eine Situation rasch und mit kühlem Kopf unter Kontrolle bringen. Niemals darf man sich von seiner Gefühlslage oder vom Druck zu Dummheiten hinreißen lassen. Abgerundet wird ein gutes Training durch intensive Szenarioschulungen und richtige Sparrings.

Gut zu wissen:
Ein im Ernstfall nützliches Trainingsprogramm ist ausgewogen und lässt damit keine Situationen des Dienstalltags aus. Dazu gehört beispielsweise das richtige Vorgehen mit einem Streifenpartner oder gleich einem ganzen Zug. Je nach Einsatzgebiet kann auch der Umgang mit einem Pfefferspray, dem Schlagstock und den Handschellen zur Übung gehören. Hilfsmittel wollen schließlich sicher eingesetzt werden.

Unser Fazit rund um Kampfsport für Polizisten & Co.:

Sicherheitsmitarbeiter sollten nach Möglichkeit zur Steigerung der eigenen Fähigkeiten keinen reinen Kampfsport ausüben. Kampfkünste machen da schon eine bessere Figur, wirklich empfehlenswert sind aber nur spezielle Nahkampfsysteme. Oberste Priorität sollte beim Training auf die verhältnismäßige Anwendung der Mittel gelegt werden.

Gemeint ist damit, dass auf brutale Techniken wie Schläge, Würger und Tritte weitestgehend verzichtet wird. Ein großer Fokus sollte aber nicht nur auf die Selbstverteidigungstechniken mit und ohne Waffe gelegt werden. Oft stiefmütterlich behandelt werden das Stressmanagement oder auch die richtige Deeskalation sowie die gezielte Eskalation einer Situation mittels Gewalt.

Damit man alle gezeigten Techniken im Berufsalltag nutzen kann, sollte man sich gesund ernähren und etwas für seine Kondition tun. Ebenfalls sollte man regelmäßig an seinen Reflexen arbeiten und seine Fähigkeiten im Szenariotraining auf den Prüfstand stellen. Kristallisieren sich dabei bestimmte Schwächen heraus, sollte man gezielt an diesen arbeiten, um sich im Ernstfall nicht unnötig in Gefahr zu bringen.

Gut zu wissen:
Zum Schluss noch eine kleine, aber wichtige Bemerkung aus der dienstlichen Praxis heraus: Wirklich jeder Sicherheitsmitarbeiter und sei er noch so kampferfahren, kann bei einer Maßnahme verletzt werden. Daher sollte man nie übermütig werden und Situationen unnötig eskalieren lassen. Der Einsatz von körperlicher Gewalt sollte immer den letzten Ausweg darstellen.
Über Fabian Wüst, Coach & Berufswaffenträger 104 Artikel
Er ist erfolgreicher Trainer in Sachen Selbstverteidigung und sammelte wichtige Erfahrungen als Geldtransportfahrer, Bahnschutzmitarbeiter und Objektschützer für das Militär. Auf dieser Webseite teilt er sein erlangtes Know-how mit dir. Sein Motto lautet: Schütze dich und deine Liebsten!