Eignet sich Karate zur Selbstverteidigung?

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Das traditionelle Karate aus Japan ist eine alte Kriegskunst. Geschaffen wurde es, um gegen bewaffnete Ritter im Kampf zu bestehen. Von diesen Techniken ist aber nicht mehr viel übrig geblieben. Das moderne amerikanische sowie europäische Karate sind astreine Wettkampfsportarten. Es handelt sich also heute mehr um einen attraktiven Breitensport für Jung und Alt als um eine gelehrte Nahkampfkunst.

Das Behaupten im Kampfgeschehen unter realen Bedingungen spielt hier keine Rolle mehr. Auch lehrt heute so gut wie keinem Dojo echte militärisch genutzte Karate-Techniken aus Japan. Selbst im Vollkontaktbereich, dem sogenannten Kyokushinkai Karate, ist vieles auf den sportlichen Aspekt ausgelegt. Dies bemerkt man vor allem im Freikampf, wo natürlich strikt nach Regelwerk agiert wird.

Allerdings lassen sich ein paar der Techniken ganz gut im Notfall einsetzen. Darüber hinaus bietet Karate noch viele weitere interessante Aspekte. Man verbessert nämlich seine Physis, wird mental stärker und bekommt etwas Kampferfahrung. Oftmals reicht bereits die Kombination aus diesen Fähigkeiten, um einen Angriff erfolgreich abzuwehren. Doch was wir genau von Karate und dessen Selbstverteidigungsfähigkeiten halten, erfährst du nun.

Alles Wichtige auf einen Blick:
  • Viele Karate-Stile und deren Techniken sind aufgrund ihrer starren Formabläufe sowie der Fokussierung auf gesunde Bewegungsabläufe wenig nützlich bei der Selbstverteidigung. Allerdings erlernt man im Training alle wichtigen Fähigkeiten, um ein guter Kämpfer im Dojo als auch auf der Straße zu werden. Man muss allerdings am Ball bleiben und stetig neues lernen wollen.
  • Wer in einem Dojo mit Fokus auf Selbstschutz trainiert, weiß in einer Notlage ganz genau, wie man den großen Fundus an Techniken effektiv einsetzen kann. Gerade die Abwehr von Angriffen macht wohl kaum eine Kampfsportart so geschickt wie das Karate. Für professionelle Sicherheitskräfte ist die Bandbreite und der fehlende Bodenkampf aber ein K.O.-Kriterium.
  • Als Alternative zu Karate bieten sich diese Kampfsportarten und Selbstverteidigungssysteme an: MMA, Krav Maga, Systema, Jeet Kune Do, Ju Jutsu, Hapkido sowie Muay Thai.

Was zeichnet Karate aus?

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Charakteristisch für diese Kampfsportart sind nicht etwa die Szenen aus Martial-Arts-Filmen mit Bruce Lee oder Scott Adkins. Karte vereint Geist, Körperbeherrschung und Technik auf sportlicher Ebene. Zusätzlich dazu liegt der Hauptfokus auf der Abwehr von Angriffen und man kann daher von einer etwas defensiveren Ausrichtung sprechen. Allerdings lernt man einige spannende Techniken:

  • Schläge
  • Stöße
  • Tritte
  • Blöcke
  • Ausweicher
  • Hebel
  • Würfe
  • Würger
  • Fußfeger
  • Nervenpunkte

Darüber hinaus wird in manchen Kampfsportschulen noch mit Kobudōwaffen geübt. Allerdings gehört das Waffentraining nicht zum integralen Bestandteil des Karate und wird häufig gänzlich weggelassen. Das Gleiche gilt übrigens auf für das Durchführen von Bruchtests. Gemeint ist damit das aus Film und Fernsehen bekannte Zerschlagen von Ziegelsteinen oder Brettern. Heutzutage liegt der Fokus auf ganz anderen Aspekten.

So ist die sportliche Seite enorm in den Vordergrund gerückt. Der pragmatische oder auch kämpferische Ansatz hat derzeit eine eher geringe Bedeutung. Oft liest man sogar davon, dass Karate eine Beschäftigung und Auseinandersetzung mit seinem Geist, seiner Seele und seinem Körper sei. Neben dem Verbessern der mentalen Stärke macht man aber auch noch etwas für seine Gesundheit:

  • Kräftigung der Hand- & Armkraft
  • Steigerung der Kraft in Beinen & Rumpf
  • Verbesserung der Ausdauer & Kraft
  • Schnellere Reaktionsgeschwindigkeit
  • Verfeinerung des Gleichgewichtssinns
  • Finden der inneren Harmonie
  • Erhöhung des Körperbewusstseins
  • Erlernen der Selbstbherrschung
  • Entwicklung eines Selbstwertgefühls
  • Stabilisation der Persönlichkeit
Gut zu wissen:
Die Kombination aus Kampftechniken, Sport und mentalem Training sorgt für ein sicheres Auftreten, ein umsichtiges Handeln sowie ein solides Selbstbewusstsein. Und als wäre das noch nicht genug beherrscht man ausgereifte Techniken und weiß, wie man diese bei einem Angriff gewinnbringend einsetzen kann. Mit Karate legt man also den Grundstein für eine erfolgreiche Selbstverteidigung auf der Straße.

Wie gut passen Selbstverteidigung & Karate zusammen?

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Jegliche Kampfkunst oder auch Kampfsportart kann einem in einer Notlage helfen. Man weiß nämlich aus dem Training ganz genau, wie Kämpfe ablaufen und wie man sich bei Angriffen am besten zu Wehr setzt. Aber auch der beste Karateka kann einmal bei einer körperlichen Auseinandersetzung den Kürzeren ziehen. Sei es aufgrund der Überzahl der Angreifer oder schlicht und einfach wegen einem verdeckten Messer.

In vielen Dojos wird aber auch gar nicht gelehrt, was einem im Ernstfall wirklich nützt. Oftmals spielt die Selbstverteidigung nämlich nur eine sehr kleine Rolle in der Ausbildung der Athleten. Zudem kann man nicht jede Technik in einem echten Kampf anwenden. Was in der Kata- oder im Kumite-Training gut funktioniert, kann einen auf der Straße unter Umständen gar nichts bringen. Das Ziel der Sportart Karate liegt nämlich woanders.

Gemeint ist damit der perfekte Einklang, die Ausführung von schönen, eleganten und auch athletischen Techniken, die in einem Wettkampf aber immer dem Fair Play unterliegen. Außerdem gibt es einen Ringrichter, der Verstöße ahndet und penibel auf die Gesundheit der beiden Kontrahenten achtet. Mit einem Kampf auf der Straße ist so ein Duell also nicht zu vergleichen. Allerdings können sich Karateka sehr wohl gegen Angreifer durchsetzen.

Karate im Straßenkampf:

Selbstverteidigung muss nicht gut aussehen oder aus zig verschiedenen Techniken bestehen. Bereits mit den Grundlagen der Karateausbilung lässt sich in einem Straßenkampf viel erreichen. Vorausgesetzt natürlich man beherrscht die Techniken sicher, weiß die Distanz zum Angreifer richtig einzuschätzen und besitzt eine ausgeprägte Zielorientierung. Wer nun noch im Dojo gewisse Situationen nachstellt, kann sich gut gerüstet fühlen.

Wichtig ist dabei aber, dass man unter realen Bedingungen trainiert. Wer sich wirklich gegen einen Aggressor im Handgemenge durchsetzen möchte, muss aber nicht nur seine Techniken sauber beherrschen. Im Training sollte man gelernt haben auch richtig einstecken zu können. Zudem darf man nicht zögerlich oder verunsichert agieren. All diese Punkte stellen die Grundlage der erfolgreichen Selbstverteidigung dar.

Die Gürtelfarbe oder die Dauer des Trainings spielen da eher weniger eine Rolle. Auch, weil oftmals Flucht die bessere Option ist. Wie auch wir immer wieder predigen, ist Angriff nicht die beste Form der Verteidigung. Auch sollte man seine Grenzen einzuschätzen wissen. Es bringt absolut nichts gegen einen überlegenen oder gar bewaffneten Angreifer zu kämpfen. Auch nicht, wenn man noch Techniken aus anderen Kampfkünsten beherrscht.

Hat man all diese Punkte verinnerlicht, kann man sich mit der Frage beschäftigen, ob Selbstverteidigung und Karate zusammenpassen. Unserer Meinung nach natürlich schon sonst gebe es diesen Beitrag nicht. Was man immer im Ernstfall nutzen kann, sind diese verschiedenen Karate-Techniken:

  • Ausweichmanöver zum Selbstschutz
  • Ab- oder Umlenken der Angriffsenergie
  • Wischtechniken & Fußfeger
  • Doppelarmtechniken als Abwehr & Angriff in einem
  • Gezielte Angriffe auf Nerven- & Vitalpunkte
  • Gegner destabilisieren
  • Distanz zum Angreifer schaffen
  • Je nach Situation Würger & Hebel
Gut zu wissen:
Beim Karate liegt der Schwerpunkt immer auf der Abwehr von Angriffen. Da viele Raudis recht vorausschaubar, also absolut geradlinig kämpfen, kann man den Angriffsbewegungen mit etwas Übung gut ausweichen. Die dadurch offene Deckung kann für Techniken oder Schläge in empfindliche Körperregionen genutzt werden. Als Schlagflächen dienen dabei die eigenen Ellbogen, Knie und Fingerknöchel.

Unser Fazit zum Abschluss des Ratgebers:

Recht häufig ist davon zu lesen, dass Karate zwar schön ausschaut, aber im Rahmen der Notwehr nichts bringen würde. Dem ist aber, wie unser Beitrag hoffentlich aufgezeigt hat, nicht so. Man muss allerdings auch nochmal betonen, dass viele Techniken in der Kata, Kihon oder der reglementierten Kumite wenig im Ernstfall bringen. Dessen ungeachtet entwickelt man mit dem regelmäßigen Training eine Menge wichtiger Fähigkeiten:

  • Kraft
  • Ausdauer
  • Geschwindigkeit
  • Flexibilität
  • Distanzgefühl
  • Disziplin
  • Kampfhärte
  • Selbstbeherrschung
  • Körperbewussstsein
  • Seelenruhe

Was viele immer wieder vergessen sind 2 Dinge. Zu einem bekommt man als Kampfsportler eine ganze Menge Kampferfahrung, zum anderen wird man durch das regelmäßige Training richtig fit. Beides zusammen ist bereits viel wert in einem Straßenkampf. Außerdem kann man vielen Kampfhandlungen aus dem Weg gehen, da man durch den regelmäßigen Sport eine aufrechte, sichere und damit selbstbewusste Haltung bekommt.

Um für den Ernstfall best möglichst gerüstet zu sein, sollte man allerdings in einem Dojo trainieren, das seinen Fokus nicht nur auf den Wettkampf legt. Wer zudem seine Selbstverteidigungsfähigkeiten verbessern möchte oder ganz neue Techniken lernen will, sollte einen Selbstverteidigungskurs besuchen. Aber auch Nahkampfsysteme wie Krav Maga, Jeet Kune Do oder das russische Systema sind einen Blick über den Tellerrand wert.


Eignet sich Karate deiner Meinung nach zur Selbstverteidigung?

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Über Timo Meyer, Judoka (1. Dan) 38 Artikel
Er ist seit mehreren Jahren begeisterter Judoka und verfügt über ein breit gefächertes Fachwissen in Sachen Kampfkünste und Kampfsport. Als Experte schreibt er hier über alle möglichen Themen rund um Kampfsport. Sein Motto lautet: Man kann dir den Weg weisen, doch gehen musst du ihn selbst.