Körperliche Reaktionen und warum Kampfvermeidung Trumpf ist!

Flucht-statt-Kampf

Es ist spät geworden. Die Gasse ist dunkel, du bist alleine auf der Straße. Plötzlich hörst du hektische und lauter werdende Schritte. Du bekommst ein mulmiges Gefühl in der Magengegend… Dann brüllt eine dunkle Stimme: Halt, stehen bleiben. Das ist ein Überfall.

Jetzt lautet die Frage der Fragen: Soll ich mich verteidigen, weglaufen oder einfach machen, was der Räuber möchte? Die Antwort auf diese Frage ist natürlich immer situationsbedingt. Im Folgenden möchten wir dir ein paar Tipps geben und dir einen Blick verschaffen, wie sich die Wahrnehmung verändert. Natürlich beantworten wir auch die am Anfang gestellte Frage. Keine Sorge!

Wenn unser Körper nicht macht, was unser Hirn will:

Wenn man schon einmal in eine solche Situation gekommen ist und sich plötzlich alles dreht, die Beine schwach werden und sich die Wahrnehmung drastisch ändert, weiß man welcher Gedanke einem durch den Kopf schießt. Nämlich die Frage, was man machen soll.

Oft ist es einem gar nicht möglich rational zu handeln. Sobald man als Mensch in eine gefährliche Situation kommt, schlagen unsere Triebe, oft das Gehirn.

Daher kann es sein, dass wir wie verrückt kämpfen, uns aus dem Staub machen oder sogar versuchen uns tot zu stellen. All diese Varianten sind uralte Verhaltensmuster, die noch aus lang vergangenen Zeiten stammen.

Und das Schlimme an der Sache ist, dass wir oft sehr abenteuerlich handeln und das hat gleich mehrere Gründe. Nicht nur die alten Programme sind schuld.

Unser Körper spielt verrückt:

Oft treten während einer solchen Situation die verschiedensten körperlichen Symptome auf. So bekommen wir einen Adrenalinstoß, was zur Folge hat, dass der Blutdruck steigt, die Atmung heftiger wird und zig Hormone freigesetzt werden.

Des Weiteren wird die Blutgerinnung heraufgesetzt. Das hat zum Vorteil, dass wir nicht so stark bluten und Blutergüsse kleiner ausfallen. Allerdings übersehen wir so oft nach dem Kampf Wunden am eigenen Körper. Unser Schmerzempfinden geht nämlich gegen 0. Ein gründlicher Check ist also angebracht.

Auch die Wahrnehmung der Umstände und der Situation verändert sich enorm. So bekommt man meist einen Tunnelblick und die Geschehnisse laufen oft in Zeitlupe ab. Eigentlich hört sich all das, gar nicht so schlimm an.

Leider verschlechtert sich durch diese Reaktionen unsere Feinmotorik enorm. Komplizierte Handlungen oder Selbstverteidigungstechniken können wir plötzlich nicht mehr ausführen. Oft kommt es sogar so weit, dass wir gar keine kontrollieren Handlungen mehr ausführen können.

Manchmal kommt es sogar dazu, dass wir unsere Kraft falsch einschätzen. Bekommen wir während einer solchen Kampfhandlung „Bärenkräfte“ können normale Schläge plötzlich schwerste Verletzungen nach sich ziehen.

Expertenrat:

Meist wirkt die veränderte Wahrnehmung (Zeitachse verschoben, wichtige Details entfallen und allgemeiner Schock) noch eine ganze Zeit nach. Daher sollte man direkt nach einer körperlichen Auseinandersetzung keine Aussagen bei der Polizei machen.

Der vermiedene Kampf ist Trumpf:

Hat man sich nun mit den verschiedenen körperlichen Reaktionen auseinandergesetzt, wird man schnell erkenn, dass es immer besser ist, einer Konfrontation aus dem Weg zu gehen.

So vermeidet man gesundheitliche Schäden, rechtliche Auseinandersetzungen und psychologische Konsequenzen. Nicht selten schwirren einem Gedanken an einen Kampf noch Monate oder Jahre später im Kopf herum.

Außerdem spart man sich so auch soziale Auseinandersetzungen, moralische Fragen und finanzielle Schäden. Denn auch Notwehr muss vor Gericht bewiesen werden. Daher kommen im schlimmsten Fall Kosten für einen Anwalt und andere Dinge auf einen zu.

Manchmal ist der Kampf der einzige Ausweg:

Natürlich gibt es immer Situationen, wo man dem Kampf nicht aus dem Weg gehen kann. Hier muss man ganz klar körperliche Techniken einsetzen und daran ist auch nichts verwerflich. Solange sich ein Angriff durch Selbstbehauptung und Deeskalation vermeiden lässt, sollte dies stets die oberste Priorität sein.

Bezogen auf die ganz am Anfang geschilderte Situation heißt das Folgendes: Man gibt dem Räuber das Geld und die Wertsachen. Sie sind es nicht wert, mit Gewalt verteidigt zu werden oder davon gar eine Verletzung wegzutragen.

Deeskalieren ist bei einem Raub sehr schwierig, kann aber durchaus versucht werden. Man sollte aber viel Fingerspitzengefühl besitzen und wissen, wann Schluss ist. Am besten einfach machen, was der Räuber möchte.

Wertsachen sind nämlich meistens versichert und werden daher in der Regel anstandslos ersetzt. Eine Verteidigung dieser Dinge ist daher einfach idiotisch und überflüssig. Zu gefährlich natürlich auch. Machen wir uns nichts vor. Auch wir kämpfen in dieser Situation nicht mit dem Räuber!

Unser Fazit:

Kämpfen ist immer die letzte Option. Können wir eine Situation nicht deeskalieren oder weglaufen ist nicht möglich, erst dann gehen wir zur körperlichen Wehr über.

Aber auch hier halten wir die Verhältnismäßigkeit der Mittel ein und versuchen nach Möglichkeit, während des Kampfes noch zu flüchten. Unsere oberste Priorität lautet daher: Deeskalation, Flucht und nur als letztes Mittel Selbstverteidigung.

Über Fabian Wüst, Coach & Berufswaffenträger 80 Artikel
Er ist erfolgreicher Trainer in Sachen Selbstverteidigung und sammelte wichtige Erfahrungen als Geldtransporterfahrer, Bahnschutzmitarbeiter und Objektschützer für das Militär. Auf dieser Webseite teilt er sein erlangtes Know How mit dir. Sein Motto lautet: Schütze Dich und Deine Liebsten.