Kugelsichere Weste: Schutzklassen, Kaufberatung & vieles mehr

Kugelsichere-Westen

Das Interesse an schusssicheren Westen steigt kontinuierlich an. Gekauft werden die Westen dabei nicht nur von Polizisten oder Security-Mitarbeitern. Auch Privatpersonen und Rettungssanitäter rüsten auf, um sich vor Übergriffen schützen zu können.

Doch das ganze Unterfangen ist alles andere als leicht. So gibt es reichlich Fragen: Welche Schutzklassen gibt es, worauf sollte man beim Kauf achten und wie teuer ist eine kugelsichere Weste überhaupt? Die Antworten auf all diese Fragen und noch vieles mehr, bekommst du in diesem umfangreichen Guide.

Schusssichere Weste: Alle wichtigen Infos!
Stichschutzwese

Tragweise: Überzieh- und Unterziehschutzwesten.

Verwendung: diverse Behörden, Sicherheitsdienste sowie Geschäfts- und Privatleute.

Schutzklassen: Deutsche SK 1 – 4, Amerikanische Level IIIA, III & IV.

Gewicht: bis zu 30 kg in der höchsten Klasse möglich.

Wichtige Features:

  • Klett- und Reißverschlüsse zur individuellen Anpassung
  • Befestigungsmöglichkeiten
  • atmungsaktives Innenfutter
  • Wechselhüllen

Gut zu wissen:

  • dämpfen Tritte und Schläge ab.

Wie funktionieren kugelsichere Schutzwesten?

Die Westen verhindern das Durchdringen eines Geschosses. Hierfür wird die kinetische Energie der Patrone aufgenommen und auf die größtmögliche Fläche verteilt. Das Geschoss bleibt dabei im Westenkörper stecken, kann diesen aber sehr stark verformen.

Der große Druck des Geschosses wird an den Träger weitergegeben. Kugelsichere Westen machen also nicht unverwundbar. Sie verhindern lediglich das Eindringen der Patrone und schützen so vor deren tödlicher Wirkung.

Eine stumpfes Trauma sowie Blutergüsse und Prellungen entstehen aber fast immer. In Ausnahmefällen kann es auch zu lebensgefährlichen, inneren Verletzungen kommen. Häufige Schäden sind noch Knochenbrüche im Bereich der Rippen oder Schulterpartie.

Welche Schutzklassen existieren?

Warum-Selbstverteidigung-lernen

Wenn es um kugelsichere Westen geht, ist die Art der potenziellen Bedrohung der primäre Faktor. Je nach Art des Kalibers muss man eine kleinere oder größere Schutzklasse wählen.

Da jede Behörde ihre eigenen Ansprüche an den ballistischen Schutz stellt, gibt es weltweit verschiedene Schutzstandards. Am bekanntesten ist dabei der Standard BA 9000, der 2012 vom amerikanischen NIJ (National Institute of Justice) eingeführt wurde. Hier wird anhand eines Level-Systems gearbeitet.

In Deutschland führen die staatlichen Beschussämter einen Beschusstest nach der „Technischen Richtlinie für Schutzwesten der Polizei“ durch. Dadurch ergeben sich 4 eigene Schutzklassen, die in der Praxis mit SK abgekürzt werden.

Der deutsche und der amerikanische Standard ähneln sich aufgrund der gleichen Kaliber etwas, erlauben daher auch einen direkten Vergleich miteinander.

Allerdings werden amerikanische Proben nur einmal beschossen, wohin gegen deutsche Proben ganze dreimal getestet werden. Zudem unterscheiden sich die Umweltbedingungen.

Trotzdem werden in der Praxis immer wieder Vergleiche zwischen den beiden Schutz-Standards gezogen. Aus diesem Grund handhaben wir dies in unserer Aufteilung genauso.

Schutzklasse (SK) 1 und Level IIIA:

Hier handelt es sich um die niedrigsten Klassen. Sie dienen zur Abwehr von Kurzwaffenmunition mit Weichkern– oder Rundkopf-Geschossen. Auch vor Teilmantel-, also Hohlspitz-Geschossen schützen sie.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass diese Klassen vor den am häufigsten genutzten Kurzwaffen-Geschossen schützen.

Schutzklasse (SK) 2:

Auch gegen Kurzwaffen und deren Hartkern-Geschossen schützt die Schutzklasse 2. Bei solcher Munition handelt es sich um Projektile mit sehr hoher Durchschlagskraft.

Da solche Patronen auch eine panzerbrechende Wirkung haben, ist der Besitz in Deutschland verboten. Genauer geregelt ist dies im deutschen Waffenrecht unter Anlage 2, Abschnitt 1, Punkt 1.5.4.

Schutzklasse 3 und Level III:

Nun geht es nicht mehr um den Schutz vor Kurzwaffenmunition. Westen mit dieser Klassifizierung bieten Schutz vor der meisten Langwaffenmunition mit Vollmantel-, Weichkern- und Teilmantel/Hohlspitz-Geschossen.

Schutzklasse 4 und Level IV:

Diese beiden Klassen schützen auch noch vor der meisten Langwaffenmunition mit Vollmantel- und Hartkern-Geschossen. Selbstverständlich ist hier auch der Schutz aller anderen Klassen Mitinbegriffen. Denn jede Schutzklasse ist abwärtskompatibel.

Stichschutz – Das solltest du wissen:

Ein Stichschutz ist bei den ersten beiden Schutzklassen nicht immer dabei und muss daher unter Umständen zusätzlich erworben werden. Bei den Schutzwesten der Klassen 3 und 4 ist ein Stichschutz konstruktionsbedingt gewährleistet.

Worauf sollte man beim Kauf achten?

shopping

Möchte man eine schusssichere Weste kaufen, gibt es viele Dinge, auf die man achten sollte. Worauf es im Detail ankommt, erfährst du in den folgenden Zeilen.

Art des Kalibers ist entscheidend:

Bei Stichschutzwesten kann man sogenannte stichhemmende Modelle kaufen, die im Ernstfall das Eindringen der Klinge gar nicht verhindern, sondern lediglich abschwächen.

Bei kugelsicheren Westen gibt es so etwas zum Glück nicht. Allerdings sollte man hier genau aufpassen, welche Schutzklasse man wählt. Ansonsten erleidet man nämlich ein ähnliches Schicksal wie der Träger einer stichhemmenden Weste.

Bei der Wahl der richtigen Schutzklasse richtet sich alles nach der Art des Kalibers. Man sollte also wissen, womit ein potenzieller Angreifer schießt und sich gegen diese Munitionsart schützen.

Grundsätzlich gilt, dass man mit Westen der Schutzklasse SK 1 (Level IIIA) und SK 2 innerhalb Deutschlands gut bedient ist.

Möchte man hingegen Kriegs- oder Krisengebiete bereisen, muss der Schutz gegebenenfalls auch gegen Langwaffenmunition gewährleistet sein. Hier empfehlen sich SK 3 und 4 bzw. ihr amerikanisches Pendant Level III und Level IV.

Stichschutz ist nicht automatisch dabei:

Möchte man noch gegen Messerangriffe geschützt sein, muss ausschließlich bei SK 1 und 2 eine passende Einlage dazu gekauft werden. Hierfür empfehlen sich Einlagen aus Metallfolien sowie verflochtenen Metallringen.

Am besten hat man beide Einlagen in der Weste. Muss man sich jedoch aus Platzgründen für eine Einlage entscheiden, ist auf diese Dinge zu achten:

  • Folien schützen sehr gut gegen spitze Gegenstände mit stanzender Wirkung wie z. B. Spritzen oder Nadeln.
  • Verflochtene Metallringe sind sehr wirksam gegen Messer als auch Äxte. Bei Spritzen oder Nadeln sind sie aber völlig wirkungslos, da die Ringe relativ groß sind und so ein durchstechen nicht verhindern.

Passgenau muss sie sitzen:

Neben der Schutzklasse sollte man ein großes Augenmerk auf die Passform setzen. Eine gute kugelsichere Weste schränkt die Bewegungsfreiheit keinesfalls ein. Tut sie es dennoch, kann man sich im Ernstfall nicht nur schlecht bewegen, sondern so gut wie gar nicht verteidigen.

Des Weiteren gilt es darauf zu achten, dass der komplette Bauchraum sowie alle lebenswichtigen Organe beim Stehen sowie Sitzen bedeckt sind. Allerdings darf die Weste dabei nicht so weit nach unten reichen, dass das Tragen einer Dienstkoppel beeinträchtigt wird.

Um eine möglichst gute Passform erreichen zu können, sollte das Modell über Klettverschlüsse verfügen. Nach Möglichkeit über möglichst viele davon. So geht ein arretieren besonders leicht von der Hand.

Gerade bei Unterziehwesten, die man verdeckt trägt, ist dies ein überaus wichtiges Kaufkriterium. Schließlich soll die Weste nicht auffallen bzw. gar nicht sichtbar sein.

Zu guter Letzt sollte man noch einen Blick auf das vom Hersteller angegebene Gewicht werfen. Nicht zuletzt, da jedes eingesparte Gramm, den Tragekomfort steigert.

Gerade ältere Modelle der Schutzklassen SK 3 und 4 verfügen noch über Keramikplatten, die das Gewicht im Vergleich zu neuen Modellen annähernd verdoppeln.

Wichtige Details für den professionellen Einsatz:

Selbstverteidigung-Fehler

Polizisten oder Security-Mitarbeiter tragen ihre Weste auch bei hohen Temperaturen täglich. Aufgrund dessen sollte das Modell der Wahl über Wechselhüllen sowie ein atmungsaktives Innenfutter verfügen. Ansonsten beginnt es im Sommer schnell zu miefen.

Gerade Frauen haben aufgrund ihrer Anatomie ein Problem mit vielen Westen. Daher gibt es seit vielen Jahren speziell auf Frauen abgestimmte Modelle. Allerdings findet kugelsichere Westen für Frauen nur im gehobenen Preisrahmen vor.

Der Preis- und die dafür gebotene Leistung sollten stimmen:

Kugelsichere Westen für Einsteiger, bekommt man oft schon ab 300 Euro. Allerdings sind diese Modelle sehr spartanisch ausgestattet und oft nicht allzu langlebig.

Dazu kommt oft noch ein schlechter Tragekomfort. Bei günstigen Westen wird leider häufig an den so wichtigen Polstern gespart. Dazu sind sie Größenangaben oft sehr ungenau, da oft 2 Größen zusammengefasst werden.

Wer Wert auf eine gute Qualität und ein angenehmes Tragen liegt, wird daher nicht begeistert sein. Semiprofessionelle Anwender sollten etwa 300 bis 600 Euro für die Anschaffung einplanen.

Innerhalb dieses Preisrahmens bekommt man langlebige Westen, die sich optimal für Security-Mitarbeiter, Polizisten oder auch Geschäftsleute eignen.

Nicht zuletzt aufgrund der vielen Befestigungsmöglichkeiten und des atmungsaktiven Innenfutters. Zudem bekommt man hier in der Regel kostenlos eine Transporttasche dazu.

Hat man spezielle Anforderungen, muss man deutlich mehr Budget einplanen. Hier kann nur schwer eine Preisspanne genannt werden. Braucht man zusätzliche Schutzfunkionen wie Genitalien-Protektoren oder gar einen speziellen Reflektor-Stoff, sollte man sich individuelle Angebote einholen.

Gut zu wissen:

Wer ein Schnäppchen machen möchte, kann sich einmal den Gebrauchtmarkt anschauen. Oft werden Behördenwesten nach einigen Jahren aussortiert und dann günstig verkauft. Allerdings kann die Schutzwirkung stark beeinträchtigt oder gar erloschen sein.

Beliebte Hersteller von schusssicheren Westen:

Es gibt deutlich mehr Firmen, die kugelsichere Westen herstellen, als man auf den ersten Blick meinen würden. Die in Deutschland bekanntesten Firmen haben wir im Folgenden einmal kurz aufgelistet:

  • Mehler
  • SafeGuard CLOTHING
  • C.P.E.
  • PPSS Body Armour
  • C.E.S.T. Group
  • MKU

Wo kann man eine kugelsichere Weste erwerben?

Der Vertrieb von beschusshemmenden Westen ist längst nicht so ausgeprägt wie der von Elektronikartikeln. Daher gibt es nur wenige Fachgeschäfte als auch Online-Shops, die kugelsichere Westen führen.

Die besten Preise und dazu noch eine gute Übersicht bekommt man meist direkt auf den Hersteller-Webseiten. Ein paar Behördenausstatter führen ebenfalls eine kleine Auswahl an passenden Westen.

Gut zu wissen:

Viele Händler als auch Hersteller verkaufen beschusshemmende Westen nur an professionelle Anwender. Privatleute haben daher ein paar Schwierigkeiten eine kugelsichere Weste kaufen zu können.

Was wiegt eine ballistische Weste?

Das Gewicht variiert anhand der Größe, der Schutzklasse sowie dem optionalen Stichschutz. Grundsätzlich bewegen sich Westen der Klasse 1 im Bereich von 2 bis 3,5 kg. Je weiterer Schutzklasse steigert sich das Gewicht dann.

Das maximale Gewicht wird in Klasse 4 erreicht. Früher wogen solche Westen bis zu 30 kg. Da heutzutage Keramikplatten keine Verwendung mehr finden, wiegen aktuelle Westen aber nur noch zwischen 12 und 15 kg.

Wo und durch wen werden solche Westen getragen?

Selbstverteidigung-weglaufen

Die Hauptträger schusssicherer Westen in Deutschland sind Polizisten. In der Regel greifen diese auf eine Schutzweste der Schutzklasse (SK) 1 zurück. Natürlich kann die Wahl der Schutzklasse aufgrund individueller Gegebenheiten variieren.

So wird oft noch ein zusätzlicher Stichschutz eingebaut, um sich vor Angriffen mit Nadeln und Messern schützen zu können. Die Bereitschaftspolizei greift bei vielen Einsätzen auf leichte Stichschutzwesten ohne ballistische Einlagen zurück. Da hier der Tragekomfort angenehmer ist.

Neben Polizisten tragen die Soldaten der Bundeswehr noch kugelsichere Westen. In den Auslandseinsätzen wird meist auf die Schutzklasse 4 zurückgegriffen, um vor allen Bedrohungen geschützt zu sein.

Bei vielen Sicherheitsdiensten kommen ebenfalls schusssichere Westen samt Stichschutzeinlagen zum Einsatz. Man findet sie nicht nur im Bereich Geld- und Werttransport oder der Bewachung militärischer Liegenschaften. Auch Bahnschutzmitarbeiter werden seit einigen Jahren mit solchen Westen ausgestattet.

Über Fabian Wüst, Coach & Berufswaffenträger 80 Artikel
Er ist erfolgreicher Trainer in Sachen Selbstverteidigung und sammelte wichtige Erfahrungen als Geldtransporterfahrer, Bahnschutzmitarbeiter und Objektschützer für das Militär. Auf dieser Webseite teilt er sein erlangtes Know How mit dir. Sein Motto lautet: Schütze Dich und Deine Liebsten.