Kyokushinkai Karate: Training, Techniken, Gürtel & Geschichte

Kyokushin-Karate

Hier wird im Vollkontakt gekämpft. Dies macht Kyokushinkai zu einem der härtesten Karate Stile auf dieser Welt. Das ist aber noch lange nicht alles, was man wissen sollte. So gilt dieser Stil als Vorreiter vieler moderner Kampfkunstsysteme sowie Vollkontakt-Stilen.

Aber darum soll sich unser Beitrag nicht alleine drehen. So stellen wir dir das Gürtelsystem sowie das Training samt Techniken vor. Außerdem gehen wir auf die Geschichte, den Gründer und die Wettkämpfe ein. Zu Beginn widmen wir uns aber erstmal den wichtigsten Fakten rund um Kyokushinkai Karate.

Die wichtigsten Grunlagen für den Einstieg:

Namensbedeutung:Kyokushinkai (jap. 極真会館) heißt übersetzt so viel wie die „ultimative oder letzte, absolute Wahrheit.“
Entstehung:1964 wurde die International Karate Organization Kyokushinkaikan (IKO oder IKOK) gegründet. Die Kampfkunst wurde aber bereits ab 1955 unterrichtet. Zu Beginn aber noch unter dem Namen Oyama Ryu.
Schöpfer:Masutatsu Oyama erlernte bereits in jungen Jahren Kung-Fu, koreanische Kampfkünste wie Taekyeon und Gwonbeop sowie Shotokan Karate.
Kampftechniken:Faust-, Ellenbogen, Fußtechniken, Low-Kicks und Kniestöße. Auf Waffen wird nicht zurückgegriffen. Es wurden auch Techniken aus anderen Kampfkünsten in den Stil integriert.

Wie entstand dieser Karate-Stil?

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In einem kleinen Haus hinter der Rikkyō-Universität eröffnete Ōyama Masutatsu im Jahre 1956 sein erstes offizielles Dojo. Seinen Kampfstil lehrte er allerdings bereits mehrere Jahre davor.

Obwohl das Training und die Kämpfe, damals wie heute überaus fordernd und hart waren, stieg die Anzahl der Schüler kontinuierlich an. Ein Jahr nach der Studioeröffnung gab es bereits über 700 von ihnen.

Dies veranlasste Ōyama Masutatsu dazu seine Organisation mit dem Namen Kyokushin Kaikan und deren Einfluss weiter auszubauen. So wurde bereits im Jahr 1957 das erste Studio außerhalb von Japan eröffnet. Allerdings nicht vom Gründer selbst, sondern von dessen Hausschüler Bobby Lowe auf dem Inselstaat Hawaii.

7 Jahre später wurde dann das Kyokushin Kaikan Hombu in Ikebukuro, Tokio eröffnet. Präsident und Direkter der International Karate Organization Kyokushinkaikan (IKO oder IKOK) wurde Eisaku Satō. Seit diesem Zeitpunkt konnte der Siegeszug nicht mehr aufgehalten werden.

Inzwischen wird Kyokushinkai Karate in mehr als 120 Ländern gelehrt und dem Verband gehören mehr als 10 Millionen registrierte Mitglieder an. Laut dem Film „Fighter in the Wind“ aus dem Jahr 2004 soll es sogar mehr als 20 Millionen Schüler in 140 Ländern geben.

Damit würde Kyokushinkai Kaikan zu den größten Kampfkunstorganisationen der Welt zählen. Ob die Zahlen aus dem Film über das Leben von Masutatsu Oyama korrekt sind, kann aber nicht mit aller Sicherheit bejaht werden.

Sosai Masutatsu Oyama war ein Top-Kampfkünstler:

Seit seiner Kindheit trainierte der Gründer des Kyokushinkai Karate die Kampfkünste Kempo, Judo, Boxen und natürlich auch Karate.

Um seine Fähigkeiten unter Beweis zu stellen, kämpfte er sogar gegen Stiere. Ganze 52 von ihnen soll er zum Kampf gefordert haben.

Aber auch gegen Menschen als Gegner war er mehr als erfolgreich. In einer USA-Reise forderte er 270 Menschen heraus, aber keiner konnte ihn besiegen.

Welche Techniken werden eingesetzt?

Nicht nur für den Vollkontakt und die damit verbundene Härte ist Kyokushinkai bekannt. So gilt dieser Stil unter Fachleuten auch als besonders effizientes Karate. Allerdings muss man einiges einstecken können. Im Training wird nämlich ohne Schutzkleidung gekämpft.

Meist werden Tritttechniken eingesetzt. Hierbei findet man sowohl Low- als auch High-Kicks vor. Zusätzlich dazu werden präzise Schlagtechniken in Richtung Körper angewandt. Gerne auch in Form von Ellenbogenschlägen. Zusätzlich greifen viele Athleten noch auf Kniestöße im richtigen Moment zurück.

Regeln - Auch beim Vollkontakt gibt es Verbote:
Wie bei jeder Kampfkunst sind auch hier gewisse Dinge untersagt. So sind Schläge gegen den Kopf und den Hals verboten. Dabei spielt es keine Rolle, ob man mit dem Ellenbogen, den Fingern, der Hand oder der Faust arbeitet.

Auch beim Rücken ist Vorsicht geboten. Zwar darf dieser attackiert werden, allerdings nicht im Bereich der Wirbelsäule. Völlig tabu sind auch Tiefschläge und Techniken in Richtung Knie. Verboten ist außerdem noch das Clinchen, sprich das Greifen oder Festhalten des Gegners.

Wie schaut das Training aus?

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Zwar gilt Kyokushinkai Karate als einer der härtesten Karate-Stile der Welt, aber beim Training merkt man dies nicht sofort. Schließlich wird auch hier wie bei den meisten Stilen das Training in Kihon (Techniken), Kata (Formentraining / Bewegungsabläufe) und Kumite (Kampf) unterteilt.

Allerdings werden auch Abhärtungstechniken (Shibaki), Bruchtests (Tameshiwari) sowie Atemtechniken trainiert. Der Schwerpunkt der Trainingseinheiten liegt aber meist auf dem Ausdauertraining und dem Verbessern der kämpferischen Fähigkeiten. Dabei spielt die Arbeit mit dem Partner sowie das Schlag- und Tritttraining eine große Rolle.

Und natürlich gibt es auch jede Menge Partner-Freikampf Training im Vollkontakt. Um Verletzungen dabei so gut es geht auszuschließen, tragen Männer dabei einen Tiefschutz und Frauen einen Brustschutz. Meist wird im Trainingskampf noch auf Boxhandschuhe und Scheinbeinschoner zurückgegriffen, welche aber keine Pflicht darstellen.

Wie es sich aber gehört, wird viel Wert auf eine präzise und saubere Ausführung der jeweiligen Karatetechniken gelegt. Die Grundschule samt ihren Stellungen und Techniken kommt auch bei Kyokushinkai Karate nicht zu kurz. Grundvoraussetzung für einen erfolgreichen Kampf ist nun mal das fehlerfreie und saubere Beherrschen der Techniken.

Welche Gürtelfarben gibt es?

Kyokushin-Gürtel

Auch hier existiert eine Rangfolge, die durch das Tragen eines Gürtels samt passender Farbe ausgedrückt wird. Allerdings gibt es von Verband zu Verband Unterschiede innerhalb des Gürtelsystems.

So bestehen manche Organisationen darauf, dass sich der Schüler den weißen Gürtel durch eine Prüfung verdienen muss und erst ab dem 9. Kyu die regulären Farben getragen werden.

Auch innerhalb der Gürtelfarben existieren ein paar Unterschiede. So ist in manchen Verbänden die Farbe Rot für Schüler nicht vorgesehen. Getragen wird diese dann von Großmeistern. Als Ersatz wird dann auf Orange zurückgegriffen.

Um die Unterscheidung bei gleicher Gürtelfarbe möglich zu machen, gibt ein schwarzer Strich auf dem Gürtel an, dass man sich im höheren Kyu-Grad befindet. Bei Meistern gibt dann ein goldener Streifen Auskunft über den Dan-Grad.

Graduierung:10. Kyu9. Kyu8. Kyu7. Kyu6. Kyu5. Kyu4. Kyu3. Kyu2. Kyu1. KyuAb 1. Dan
Gürtelfarbe:Rot / Orange / WeißRot / OrangeBlauBlauGelbGelbGrünGrünBruanBraunSchwarz

Wie ist das Kyokushinkai Karate organisiert?

Leider versäumte Oyama es zu Lebzeiten einen offiziellen Nachfolger für die IKO zu benennen. Zwar versuchte der IKO-Verantwortliche Akiyoshi Matsui alles, um die Organisation zusammenzuhalten, aber leider gelang dies nicht. Schließlich kam es zu politischen, aber auch wirtschaftlichen Unruhen innerhalb des Kyokushinkai Karate.

Dies führte unweigerlich zu einer Aufspaltung der Organisation auf nationaler und auch internationaler Ebene. So existieren heute mehrere internationale Verbände wie die IKO1 (A. Matsui), IKO2 Shinkyokushinkai (K. Midori), IKO3 (Y. Matsushima), IKO4 (T. Tezuka).

Aber auch in Deutschland gibt es mehrere Organisationen: der KKD (Kyokushinkai Karate Deutschland), die DKO (Deutsche Kyokushin Organisation) und die IKOK-D (International Karate Organization Kyokushinkaikan Deutschland).

Zusätzlich zu den vielen Verbänden gibt es noch unterschiedliche Stilrichtungen innerhalb des Kyokushinkai: Kyokushin-Budo-kai, Kyokushindo sowie Seidokan-Karate.

Was ist noch wichtig?

FAQ

Wie immer war das noch nicht alles, was man als versierter Leser über diesen Stil wissen muss. So haben wir einige Fragen via Mail bekommen. Die spannendsten Fragen samt Antworten haben wir im Folgenden veröffentlicht. So kannst du dich noch gründlicher über diesen Karate-Stil informieren.

Was muss man zum Thema Wettkämpfe wissen?
Beim klassischen Wettkampf treten die Kontrahenten 3 Runden lang gegeneinander an. Gekämpft wird hierbei je 3 Minuten pro Runde. Sollte es zu einem Unentschieden kommen, wird der Fight um 2 weitere Runden verlängert.

Steht dann noch immer kein Sieger fest, wird das Kampfgewicht als Entscheidungsgrundlage hinzugezogen. Alternativ dazu kann auch ein Bretterbruchtest durchgeführt werden.

Außerdem werden noch Weltmeisterschaften, Europameisterschaften und viele nationale Turniere ausgetragen.

Welche Vollkontakt-Stile und Kampfkunstsysteme basieren auf Kyokushinkai Karate?
Die Liste ist länger als man meinen könnte. Aus diesem Kampfstil sind viele unterschiedliche Vollkontakt-Stile, aber auch Kampfkünste samt Organisationen begründet worden.

In Deutschland kennt man unter anderem Kyokushin Budokai, Ashihara Karate, Enshin Karate, Seido-Keikan, K-1, IFK, Kokusai Kyokushindō Renmei, Kyokushindo Karate, Kūdō, Kyokushin-kan Karate, So Shin Do, World Oyama Karate sowie die World Seido Karate Organization.

Was heißt Kyokushinkai übersetzt?
Der Begriff setzt sich aus 3 Teilen zusammen: Kyoku = höchste, endgültige, Shin = Wahrheit, Realität und Kai = Vereinigung, Gruppe.

Übersetzt man dies sinngemäß, kommt folgendes heraus: “Die Organisation der letzten, absoluten Wahrheit“ oder auch „Stilrichtung höchstmöglicher Realität“. Relativ häufig findet man aber diese Interpretation vor: „streben nach höchstmöglicher Realität“.

Wer brachte diesen Stil nach Europa?
Sicherlich kommen hier einige Personen infrage. Der größte Verdienst aber gebührt Jon Bluming. Er ist aber nicht nur für die Verbreitung bekannt. So machte er sich auch viele Gedanken darüber, wie man diesen Karate-Stil noch effizienter, umfangreicher und realitätsnäher gestalten könnte.
Was verbirgt sich hinter dem Begriff Kyokushin Kaikan?
Hierbei handelt es sich bezeichnet um die von Ōyama Masutatsu gegründete Karate-Organisation. Die Stilrichtung nennt man Kyokushin (極真).
Über Fabian Wüst, Coach & Berufswaffenträger 72 Artikel
Er ist erfolgreicher Trainer in Sachen Selbstverteidigung und sammelte wichtige Erfahrungen als Geldtransporterfahrer, Bahnschutzmitarbeiter und Objektschützer für das Militär. Auf dieser Webseite teilt er sein erlangtes Know How mit dir. Sein Motto lautet: Schütze Dich und Deine Liebsten.