Lethwei: Erfahre in diesem Guide alles über das burmesische Boxen!

Mit nacktem Oberkörper und dünnen Bandagen an Händen und Füßen und kaum geschützt stehen die Lethwei Kampfsportler im Ring. Sie kämpfen bis zum Knockout oder der Aufgabe. Lethwei gehört zum Thaing, dem absoluten Kampf. Thaing fasst die Kampfkünste zusammen, die aus dem alten Birma stammen.

Neben Lethwei sind das die birmanische Selbstverteidigung Bando, die Waffenkünste Banshay und Naban, das birmanische Ringen. Was man im Speziellen über Lethwei wissen muss, ob es in Deutschland überhaupt trainiert wird und vieles mehr, erfährst du in diesem Ratgeber.

Lethwei-Steckbrief:

Namensbedeutung:Der Name Lethwei kommt vom burmesischen „Myanmar Yoeyar Letwhae“, das heißt traditionelles Myanmar Boxen. Gesprochen wird es La-way, das t bleibt stumm.
Grundlagen:Es handelt sich hierbei um eine Vollkontakt-Sportart, was bedeutet, dass der Kampf mit voller Kraft zelebriert wird. In jeder Verteidigung steckt ein Angriffselement. Dies bedeutet nichts Geringeres, dass jeder Angriff eine Verteidigung beinhaltet.
Regeln:Die Schutzausrüstung ist vorgeschrieben. Angriffe auf Hals und Hinterkopf, Rücken und Genitalien sind verboten.
Kämpfe:Es gibt fünf Runden je drei Minuten und zwei Minuten Pause, dazu eine einmalige Pause bei Verletzung.
Besonderheiten:Lethwei ist der brutalste Sport der Welt, den sogar eine Handvoll Frauen in Myanmar ausüben, die gegeneinander antreten.

Was ist Lethwei?

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Lethwei ist eine der mächtigsten und aggressivsten Kampfkünste der Welt. In frühen Wettbewerben hatten die Kämpfer bloße Finger und nutzten Klebeband und Mull, um ihre Hände nicht zu beschädigen.

Geschichte:

Lethwei ist Myanmars nationale Kampfkunst. Sie entwickelte sich im frühen 13. Jahrhundert. Seinerzeit war sie als birmanisches Nackt-Knöchel-Boxen bekannt. Dabei bestach sie durch ein Stand-up-Striking und viele Clinch-Techniken, ähnlich dem thailändischen Muay Thai.

Im Pyu-Reich zu Zeiten des Königs Anawrahta Min Saw entstand die Kampfsportart aus dem Bando. Mönchen lehrten den Kampfsport dem Militärpersonal, Adligen und Fürsten. Zusammen mit Bando sowie dem bewaffneten Banshay setzten die alten myanmarischen Armeen in vielen Schlachten Lethwei gegen ihre Nachbarländer erfolgreich ein.

Auf buddhistischen Festen wurden Fights abgehalten mit dem Monarchen als Schirmherren. Begabte Kämpfer gravierten ihre Namen in die Palastmauern ein und nannten sich königliche Boxer. Lethwei war damals der Königssport.

Die Kampfsportspiele in der Antike waren edle Unterhaltung und beliebt in sämtlichen Gesellschaftsschichten. Mittlerweile stand die Teilnahme allen Männern offen, dem König und den Bürgern. Die Spiele fanden in Sandkasten, nicht in Ringen statt.

Die Boxer hatten keine Schutzausrüstung. Sie umwickelten ihre Hände mit Hanf oder Gaze. Der Kampf dauerte ohne Unentschieden oder Punktesystem, bis einer der Teilnehmer nicht mehr weitermachte.

Modernisierung:

Kyar Ba Nyein, myanmarische Nationalikone, nahm 1952 beim Bozen an den Olympischen Sommerspielen teil. Als Pionier des derzeitigen modernen Lethwei, führte er fortschrittliche Regeln und Vorschriften ein. Darauf basiert das heutige Lethwei.

Kyar Ba nein reiste in Myanmar in die Mon- und Karen-Staatenzu den Dorfbewohnern. Sie praktizierten aktiv die auch als burmesisches boxen bekannte Kampfsportart. Er trainierte sie in Mandalay und Yangon und ermutigte sie, an den von ihm eingeführten Wettkämpfen teilzunehmen.

Die Regierung von Myanmar änderte Regeln, damit Lethwei international marktfähiger wurde. So nahm in 2016 die Lethwei-Weltmeisterschaft einen neuen Anfang mit einem modifizierten Regelsatz. Die Richter entscheiden den Sieger, bei einem Kampf ohne Knockout.

Auszeiten für Verletzungen wurden abgeschafft, Kopfnüsse, Drosseln und Knöchelschläge blieben erlaubt. Das burmesische Boxen wurde zu einem faszinierenden Sport in der internationalen Gemeinschaft.

Allgemeine Fakten:

Diese Kampfsportart ist bekannt als Kunst der neun Gliedmaßen. Es erlaubt die Verwendung der Fäuste, Füße, Ellbogen und Knien sowie Kopfstößen, im Gegensatz zu den Kickboxstilen Muay Thai oder Kun Khme von Myanmars Nachbarn.

In anderen den Kampfkünsten sind Kopfstöße illegal. Lethwei kennt den Kopf als Angriffsziel an. Das ist im heutigen Lethwei nach wie vor erlaubt und führte zu spektakulären Ergebnissen. Dadurch wurde dieser Kampfsport auch international sehr erfolgreich.

Gut zu wissen:
Wer Lethwei versuchen möchte, hat sich eine Menge vorgenommen:

  • Ganzheitliche Anstrengung für Körper und Geist
  • Herausforderung und Respekt gegenüber dem Gegner
  • Baut Kraft und Geschicklichkeit auf
  • Fordert jede Sekunde volle Konzentration
  • Ist besser als jede Diät beim Abnehmen
  • Effizientes Kardiotraining
  • Stressabbau
  • Für Frauen und Männer geeignet
  • Eine der gefährlichsten und brutalsten Kampfsportarten
  • Ist nicht für zartfühlende Gemüter
  • Bietet jeden Moment Nervenkitzel

Welche Techniken werden eingesetzt?

Lethwei-Kampf

Es gibt verschiedene Angriffe auf den Kopf wie die stoßende Kopfnuss, den Kopfstoß nach oben oder von der Seite sowie aus dem Clinch. Des Weiteren gelten als effizient der fliegende, der schießende und der Kopfstoß von oben.

Boxangriffe sind bekannt wie der Jab, die abrupte Gerade mit der Führhand, der Cross, die Gerade mit der Schlaghand. Dazu kommen der linke oder rechte Seitwärtshaken, der Uppercut, der Haken mit 90° angewinkeltem, Arm, der blitzschnell nach oben geführt wird oder der Abwärtshaken (Overcut).

Ob sich die Faust dreht (Spinning) oder nicht, bei diesem Kampfsport landet sie auf den Knöcheln des Handrückens. Beim traditionellen Boxen ist die Landung legal zwischen dem ersten sowie zweiten Fingerknöchel eines Fingers.

Der Hammerschlag bringt die Faust von oben nach unten auf die Schädeldecke wie mit einem Hammer (kennt man von Bud Spencer).
Beim Superman-Schlag täuscht man einen Tritt vor, springt und schlägt gleichzeitig einen Cross. Dabei tritt man mit dem Bein nach hinten aus und bringt zusätzliche Energie in den Schlag.

Der Ellbogen ist eine weitere Schlagwaffe. Er wird horizontal und diagonal, nach oben, unten, hinten oder drehend und fliegend eingesetzt. Den Kampf kann er beenden oder nur eine blutende Wunde beim Gegner hinterlassen. Zusätzlich ist er zur Abwehr gegen Knie, Tritte oder Schläge geeignet.

Eine ähnliche Wirkung wie der Ellbogen hat das Knie. Die Angriffe kommen geradlinig oder seitlich, geworfen, gestoßen oder geflogen und doppelt oder einzeln gesprungen.

Eine defensive Technik ist der Fußschub. Er ist geeignet zur Kontrolle von Distanz- oder Blockangriffen und Angriffe vorzubereiten. Fußstöße werden schnell mit genügend Kraft ausgeführt, damit der Gegner sein Gleichgewicht verliert.

Gibt es besondere Rituale?

Das Lekkha Moun ist traditionell die Kampfherausforderung der Kämpfer. Eine Geste, mit der Gegner mit Mut sowie Respekt herausgefordert wird. Sie vollzieht sich durch dreimaliges Klatschen: Die rechte Handfläche schlägt in das dreieckige Loch, welches der linke Arm beim Anwinkeln hervorruft.

Die klatschende Hand ist tassenförmig. Die linke Hand liegt unter der rechten Achselhöhle. Das Lekkha Moun macht man vor und beim Kampf. Abgeschaut hat man die Geste dem fliegenden Adler, der beim Jagen mit den Flügeln schlägt.

Das Lethwei yay ist ein Kampftanz im Anschluss an das Lekkha-Moun vor dem Kampf sowie der Siegestanz nach dem Kampf. Leduc zelebrierte seinen Kampftanz bei jedem Fight mit Inbrunst.

Welche Kleidung wird bei Lethwei getragen?

Die Kämpfer verwenden Klebeband, Mull sowie Isolierband an den Händen ohne Handschuhe und an den Füßen. Sie kleiden sich mit Shorts ohne Hemd und ohne Schuhe tragen. Sie haben im Mund einen Zahnschutz und sichern ihre Genitalien mit einem Tiefschutz. Der Kampfbeamte kontrolliert die Kleidung.

Wie läuft ein Training ab?

Das Training und Sparring sind gefährlich wie der Sport selbst. Der legendäre Trainer Saw Nyi Nyi trainierte myanmarische Meister und war achtmal selbst Meister. In dreizehn Jahren Kampferfahrung mit mehr als 200 Kämpfen verlor er sechs und errang 30 Remis. Er bildet seit dem Jahr 2000 junge Kämpfer aus, die allesamt sehr erfolgreich an Wettkämpfen teilnehmen. Viele seiner Schüler sind Myanmar-Meister geworden.

Sein Unterricht umfasst körperliches und geistiges Training. So stärkt er den Geist und die Willenskraft und entwickelt die mentale Entschlossenheit. Mit dem Fokus auf „Nichts ist unmöglich“ baut er Kraft und Geschicklichkeit auf. Er bringt Boxer auf professionelles Niveau, trainiert Amateur-Boxer und Leute, die tiefer in Lethwei einsteigen wollen. Er bildet Männer und Frauen aus.

Für wen ist Lethwei geeignet?

Sport macht den Körper fit. Wer fit ist, geht einen Schritt weiter zum Kampfsport. Der letzte Schritt ist eine Kampfsportart wie Lethwei für Leute. Die mehr Kraft und Geschicklichkeit wollen. Geeignet ist dieser Kampfsport nur jemand, der das Verletzungsrisiko ignoriert oder verdrängt. Der Kampfsportler liebt hier ganz klar den Nervenkitzel und respektiert den Gegner.

Wie heißen bekannte Athleten?

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In 2001 traten erstmalig ausländische Kickboxer gegen Kämpfer aus Myanmar an. Die Boxer Shannon Ritch und Albert Ramirez sowie Doug Evans aus den USA, kämpften gegen die besten Lethwei-Praktizierenden in Myanmar. Sie verloren in der ersten Runde. Die Revanche wurde 2003 abgesagt.

In 2004 versuchten vier Japaner ihr Glück. Der Japaner Akitoshi Tamura besiegte als erster Ausländer in zwei Runden den Lethwei-praktizierenden Aya Bo sein. Lethwei setzte sich durch und die Ausländer sind mit dabei. Der Kanadier David Leduc kämpfte mit dem Türkisch-Australier Adem Yilmaz in 2016 erneut nach einem explosiven Unentschieden.

Es ging in der Korakuen-Halle in Japan um den Lethwei Openweight World Championship Belt, den ersten Weltmeistertitel. Leduc siegte in der zweiten Runde. Er gewann den goldenen Gürtel als erster nicht-burmesische Kämpfer.

Leduc verteidigte seinen Titel im Februar 2017 gegen den Veteranen Phoe Kay durch Knockout in der zweiten Runde. Die zweite Titelverteidigung im April 2017 war in Tokio wieder gegen Adem Yilmaz. Nach fünf Runden gab es ein Unentschieden.

Den vierten Titel behielt Leduc ebenfalls durch ein Remis. Im August 2017 trat er gegen den Amerikaner Cyrus Washington an. Bei der Weltmeisterschaft sind nunmehr internationale Teilnehmer regelmäßig vertreten.

Leduc verteidigte seinen Titel mehrfach gegen Tun Tun Min. Er ist Myranmars größter Lethwei-Superstar und jüngster Gewinner des goldenen Gürtels. Vom Volk wird er im Land verehrt. Der Kampf im August 2018 Leduc gegen Diesellek Seepongsert Sanong, dem mehrfachen Muay Thai-Weltmeister wurde als Lethwei gegen Muay Thai bezeichnet.

Gegen Tun Tun Min behielt Leduc im Dezember 2018 im dritten Rückkampf in Yangon seinen Titel ohne Knockout. Seinen Rekord hält Leduc mit sechs Unentschieden, keiner Niederlage und fünf Titelsiegen. Der derzeit letzte war der Titel in der neunten Weltmeisterschaft gegen Seth Baczinski im August 2019.

Gut zu wissen:
Die WM im Live-Stream gibt es auf Canal +, Fox Sports, UFC Fight Pass, The Fight Network sowie auf FG.

Was sollte man noch alles wissen?

FAQ

Der Vollkontakt-Kampfsport Lethwei kommt aus Myanmar mit Schlägen, Tritten sowie diversen Clinch-Techniken. Nicht ohne Grund ist es eine der brutalsten Vollkontakt-Kampfsportarten der Welt. Es wird nur mit bandagierten oder getappten Händen gekämpft.

Worin unterscheiden sich Lethwei und Muay Thai?

Die beiden trennt voneinander, dass Lethwei-Kämpfer Wicke an ihren Fäusten verwenden. Die Muay Thai-Kämpfer nutzen Boxhandschuhe. Am tödlichsten sind Kopfstöße bei Lethwei.

Lethwei erlaubt nicht die Verwendung von gepolsterten Handschuhen, sondern traditionelle Handwickel. Sie sind aus gazeartigen Material werden mit Klebeband versehen. Sie bieten minimalen Sicherheit und schützen die Hände des Kämpfers eher als seinen Gegner.

Im Muay Thai gibt es keine Verletzungspause.

Faustschläge und Schläge mit den Händen richten in Lethwei mehr Schaden an, als die Tritte bei Muay Thai. Dazu kommen Ellbogen-Cuts und der verheerende Lethwei-Kopfstoß. Schnittwunden und Schwellungen sind üblich und Bestandteil des Sports.

Eignen sich die Techniken zur Selbstverteidigung?

Die Techniken können durchaus zur Verteidigung der eigenen Gesundheit eingesetzt werden. Man sollte allerdings auf die Verhältnismäßigkeit achten, da viele Techniken relativ brutal sind. Daher sollte man unserer Meinung nach, Lethwei zur Ergänzung der SV-Techniken trainieren.

Wie ist Lethwei in Deutschland verbreitet?

Das Lethwei ist in Deutschland im Trend. Es ist weniger verbreitet als das Muay Thai und wird in einigen Städten zur Schulung angeboten und trainiert.

Über Timo Meyer, Judoka (1. Dan) 33 Artikel
Er ist seit mehreren Jahren begeisterter Judoka und verfügt über ein breit gefächertes Fachwissen in Sachen Kampfkünste und Kampfsport. Als Experte schreibt er hier über alle möglichen Themen rund um Kampfsport. Sein Motto lautet: Man kann dir den Weg weisen, doch gehen musst du ihn selbst.