Experten-Interview: Martin Grünstäudl über Onlinekurse, Messerabwehr und Selbstverteidigungstipps

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Heute interviewen wir den bekannten Blogger und Online-Selbstverteidigungstrainer Martin Grünstäudl. Er gibt uns unter anderem exklusive Einblicke in seinen Kurs „Selbstverteidigung gegen Messer & Stöcke“.

Außerdem geizt er nicht mit zahlreichen lesenswerten Tipps rund um das Thema Selbtstverteidigung. Zudem stellt er seinen Blog kurz vor und erklärt uns, wie er auf die Idee für seine Onlinekurse gekommen ist. Herausgekommen ist ein wirklich spannendes Interview mit zahlreichen Einblicken hinter die Kulissen.

Hallo Martin. Bitte stelle dich unseren Lesern kurz vor.

Martin Grünstäudl im Interview
Martin Grünstäudl

Hallo! Mein Name ist Martin Grünstäudl, ich bin Trainer für Selbstverteidigung und Kampfkunst und komme aus Krems in Österreich.

Doch ich bin ganz sicher kein traditioneller Trainer, wie er im Buche steht. Denn ich unterrichte nicht in einer Schule. Ich unterrichte Selbstverteidigung und Kampfkunst fast ausschließlich online.

Welche Kampfkünste unterrichtest du?

Ich trainiere und unterrichte zwei Kampfkünste mit großem Eifer:

  • Einerseits eine chinesische Kampfkunst namens Wing Chun Kung Fu, welche sich hauptsächlich auf waffenlose Techniken beschränkt.
  • Die zweite Kampfkunst stammt aus den Philippinen und nennt sich Eskrima – manchmal wird es auch als Kali oder Arnis bezeichnet und es handelt sich dabei um ein waffenbasiertes Kampfsystem. Aber ich unterrichte hier auch die waffenlose Umsetzung namens Panantukan auch oft Filipino Dirty Boxing genannt.

Angefangen mit diesen Kampfkünsten habe ich damals wegen meinem großen Idol Bruce Lee. Ich wusste, dass dieser in seiner Zeit in China fleißig Wing Chun trainiert hat. Und auch, dass er später in den USA Kali von seinem engsten Freund namens Dan Inosanto gelernt hat.

Seitdem wandle ich irgendwie auf Bruce Lee ́s Spuren – und das finde ich echt faszinierend. Und ich kann allen Bruce Lee Fans von ganzem Herzen empfehlen, es mal zu versuchen.

Egal ob das nun online ist oder in einer Schule vor Ort. Es hat wirklich etwas Faszinierendes an sich, wenn man stetig an sich arbeitet und immer besser wird.

Bei dir gibt es auch kostenpflichtige Inhalte. Verrate uns ein bisschen mehr darüber.

Gerne. Erstmal ist zu sagen, dass es auf meiner Webseite auch viele gratis Inhalte gibt in Sachen Wing Chun und Eskrima. Doch natürlich kann man sich mit einer Sache nur dann intensiv beschäftigen, wenn man davon finanziell leben kann.

Und deshalb haben wir vor etwa zwei Jahren mit unseren Mitgliederbereichen gestartet. Der Unterschied zu den gratis zur Verfügung gestellten Inhalten ist der, dass man Wing Chun und Eskrima hier komplett erlernen kann. Denn die Inhalte sind sehr strukturiert und es wird nichts ausgespart.

Wenn du also bloß auf der Suche bist nach guten Tipps, dann reichen unsere gratis Inhalte. Wenn du dich wirklich tiefgehend mit diesen Kampfkünsten beschäftigen willst, dann sind unsere Mitgliederbereiche und Onlinekurse das Richtige für dich.

Allerdings kann ich aus Erfahrung sagen, dass du nur dann das Maximum aus Onlineangeboten ziehen kannst, wenn du bereits in einer Schule trainiert hast. Der Großteil unserer Mitglieder hat entweder früher schon mal Wing Chun und Eskrima trainiert oder trainiert parallel dazu in einer Schule vor Ort.

Von Grund auf eine Kampfkunst allein online zu lernen ist zwar theoretisch möglich, aber praktisch aus Motivationsgründen nicht umsetzbar. So realistisch muss man dann doch sein.

Wie bist du auf die Idee für Onlinekurse gekommen?

Das war eigentlich nicht dieser eine Moment, wo mir die Idee gekommen ist und ich dachte: Das muss ich sofort umsetzen. Es hat sich vielmehr über viele Jahre entwickelt.

Ich war immer schon sehr motiviert und ich wollte mich nicht nur auf das Training in der Schule beschränken. Selbst in meiner Anfangszeit bin ich zwar zu jedem Training gegangen, habe aber parallel dazu daheim trainiert. Und später habe ich mich auch immer wieder mit meinen Trainingspartnern privat getroffen um zu trainieren.

Natürlich wollte ich mit der Zeit an zusätzliche Informationen kommen und schneller vorankommen – weil ich ja mindestens doppelt so viel trainiert habe wie ein durchschnittlicher Schüler.

Doch das war gar nicht so leicht. In der Schule gab es Wartefristen für Prüfungen – und den Trainern war es schlichtweg egal, ob du es schon vorher beherrscht oder nicht.

Und es gab zwar Bücher zum Thema und in unserem Verband auch Zeitschriften über Wing Chun und Eskrima – aber Onlinekurse waren rar gesät.

Doch ich habe mit der Zeit natürlich auch die verfügbaren Onlinekurse gekauft und alles darin nachtrainiert. Und siehe da: Jeder einzelne Onlinekurs hat mir etwas Neues gelernt und mir daher etwas gebracht.

Und das obwohl alle Trainer in den Onlinekursen derselben Meinung waren: Mit Onlinekursen allein kannst du keine Kampfkunst erlernen – du brauchst unbedingt einen Trainer, der dich persönlich anleitet.

Dementsprechend haben sie in dem Kurs unterrichtet und eben nicht alles hergezeigt. Ihre Einstellung wurde dadurch zur selbsterfüllenden Prophezeiung.

Dennoch: Ich habe wie gesagt aus jedem Onlinekurs irgendeinen Nutzen gezogen. Jeder einzelne Kurs hat mich ein Stück weit besser gemacht. Und das ließ mich mit der Zeit nachdenklich werden.

Was wäre, wenn es Onlinekurse gibt, wo der Trainer anders eingestellt ist? Was, wenn der Trainer überzeugt davon ist, dass man sehr wohl eine Kampfkunst online lernen kann? Dann sollte man doch als Schüler noch mehr davon profitieren können als bisher.

Und nach und nach ist der Wunsch in mir entstanden, genau das umzusetzen. Ich wollte dieser eine Trainer sein, der wirklich alles herzeigt und nichts zurückhält.

Selbstverteidigung gegen Messer ist ein heiß diskutiertes Thema. Was beinhaltet dein Intensivkurs zu dieser Thematik?

Ich denke heiß diskutiert ist noch deutlich untertrieben. Es gibt hier scheinbar nur zwei Meinungen:

Die einen sind der Überzeugung, dass gegen ein Messer sowieso kein Kraut gewachsen ist und man sich das Training daher komplett sparen kann. Allerdings denke ich, dass man sich dann das Selbstverteidigungstraining als Ganzes sparen kann, wenn man so eingestellt ist.

Wieso sollte ich Selbstverteidigung trainieren, wenn ich der Überzeugung bin, dass ich gegen die schlimmste Bedrohung nicht die allerkleinste Chance habe?

Die anderen glauben, durch ein paar Anwendungen und komplizierte Hebel allein etwas gegen Messer ausrichten zu können. Sie denken es würde reichen, etwas in Zeitlupe zu trainieren um damit selbstverteidigungsfähig zu sein.

Diese Leute sollten sich ein paar Videos zu realen Messerattacken im Netz ansehen. Denn Anwendungen allein reichen nicht aus, um sich gegen Messerattacken vorzubereiten!

Wir sind bei unserem Intensivkurs einen anderen Weg gegangen. Erstens habe ich mich dem Thema angenommen, weil ich Herausforderungen liebe und mich selbst ständig verbessern möchte.

Und sich gegen Waffen wie Messer und Stock zu verteidigen ist das Schwierigste das es gibt in der Kampfkunst und in der Selbstverteidigung. Und so etwas liebe ich ganz besonders.

Natürlich widerspreche ich dabei beiden Lagern: Ich glaube, dass man durch entsprechendes Training zumindest eine Chance hat gegen Messer.

Auf der anderen Seite glaube ich, dass es niemals eine Garantie geben kann und eine erfolgreiche Abwehr nur bedeutet, nicht am Torso, sowie im Hals- und Kopfbereich getroffen zu werden.

Man muss selbst als Profi damit rechnen, an den Gliedmaßen verletzt zu werden. Und deshalb widerspreche ich auch der zweiten Gruppe: Anwendungen allein sind ungeeignet und bereiten dich selbst nach 1.000 Stunden Training nicht auf den Ernstfall vor.

Es braucht neben Anwendungen auch Drills, freie Übungen, Sparring,
Reaktionstraining und noch vieles weitere um vorbereitet zu sein. Und das setzen wir auch in unserem Intensivkurs so um.

Und übrigens: Selbst wenn du der Überzeugung bist, dass man sich gegen ein Messer niemals verteidigen kann, ist ein solches Training sinnvoll. Durch nichts lernst du optisches Reagieren und Timing besser als durch Waffentraining. Das überträgt sich auch positiv auf die waffenlose Selbstverteidigung.

Du betreibst auch einen Blog. Was finden unsere Leser dort?

Auf meinem Blog finden Leser vor allem Artikel zu Wing Chun, Eskrima und zur Selbstverteidigung. Das ist sicher eine prima Möglichkeit, um sich erstmal theoretisch mit dem Thema vertraut zu machen und Hintergrundinformationen zu bekommen.

Auch unsere Youtubevideos eignen sich hierzu sehr gut denke ich. Dort widme ich mich in jedem Video einem Detailaspekt und ich beleuchte dort hin und wieder auch andere Kampfkünste.

Denn meiner Meinung nach gibt es DIE beste Kampfkunst nicht. Ich bin ein großer Fan aller Kampfkünste. Nur leider hat man nicht die Zeit auch alle zu trainieren.

Zum Schluss würde ich mich noch über 3 Tipps freuen, die man deiner Meinung nach bei der Selbstverteidigung beherzigen sollte.

Sehr gerne. Meine drei wichtigsten Tipps in Sachen Selbstverteidigung sind:

1. Vermeidung im Ansatz

Wie heißt es so schön: Ein gewonnener Kampf ist ein vermiedener Kampf.

Natürlich geht es dabei darum, bestimmte Situationen zu meiden. Doch noch wichtiger ist es, etwas für sein Selbstvertrauen zu tun. Täter suchen sich nämlich Opfer und keine Gegner. Durch selbstsicheres Auftreten kann man in den meisten Fällen verhindern, als Opfer ausgewählt zu werden.

2. Keine schwächenden Handlungen setzen

Das hängt unmittelbar mit Tipp Nr. 1 zusammen. In Afrika gibt es einen Stamm, wo sich die Männer mitten im Jagdgebiet gefährlicher Raubkatzen bewegen. Und nie werden sie von diesen attackiert, obwohl die gefährlichen Tiere ständig auf der Lauer liegen.

Der Grund: Das extrem selbstsichere Auftreten der Männer dort. Denn auch Raubkatzen suchen sich Opfer und keine Gegner.

Doch einmal fragte ein Fernsehreporter einen Stammesführer, ob es wirklich nie passiert, dass sie von Löwen und anderen Raubkatzen angefallen und getötet werden. Und dieser meinte, dass es vereinzelt vorgekommen sei.

Doch wenn dem so war, hatte es immer denselben Grund: Die Männer gingen ins Dorf und tranken Alkohol. Danach war ihr Gang nicht mehr so selbstbewusst. Die Raubkatzen bemerkten dies sofort und nutzten ihre Chance.

Bei uns in Europa ist es nicht nur Alkohol, der uns schwächt. Auch das Smartphone kann uns schwächen, wenn wir ständig darauf blicken und die Gefahr plötzlich vor uns steht, weil wir nichts um uns herum wahrgenommen haben.

Wir haben dann auch nicht erkannt, dass es besser gewesen wäre, die Straßenseite zu wechseln und dadurch den Typen nicht blindlings in die Arme zu laufen.

3. Dein WARUM muss stark genug sein

Das Training von Selbstverteidigung und Kampfkunst ist eine prima Sache. Doch wenn deine einzige Motivation dafür ist, dass du ein paar
Selbstverteidigungskniffe lernst, dann wirst du schon bald das Handtuch werfen. Das ist nämlich ein äußerst schwacher Grund um zu trainieren.

Lass dich lieber auf die Faszination des Trainings ein. Geh mit der Einstellung in jedes Training, heute ein Stück weit besser zu werden, Neues zu lernen und deinen Horizont zu erweitern. Und natürlich auch Spaß zu haben beim Training und vielleicht neue Leute kennenzulernen.

Aus diesem letzten Grund denke ich, dass Onlinekurse auch eher eine zusätzliche Unterstützung sind für besonders lernwillige Personen, die mit der Zeit richtig gut werden wollen. Es ist aber in der Regel kein kompletter Ersatz für das Training in einer Schule oder einem Dojo.

Über Fabian Wüst, Coach & Berufswaffenträger 72 Artikel
Er ist erfolgreicher Trainer in Sachen Selbstverteidigung und sammelte wichtige Erfahrungen als Geldtransporterfahrer, Bahnschutzmitarbeiter und Objektschützer für das Militär. Auf dieser Webseite teilt er sein erlangtes Know How mit dir. Sein Motto lautet: Schütze Dich und Deine Liebsten.