Thaiboxen – eine der härtesten Kampfsportarten der Welt!

Thaiboxen

Über Jahrhunderte entwickelte sich Muay Thai aus den traditionellen Kampfkünsten Thailands. Die auch als Thaiboxen bekannte Sportart gilt nicht nur als sehr effektiv, sondern auch als überaus harter Vollkontaktsport.

Wurde sie früher ausgeübt, um ein besserer Krieger zu werden, ist sie heute ein weltweit beliebte Wettkampfsportart. Charakteristisch sind die Ellenbogen- und Knietechniken und das häufig anzutreffende Clinchen.

Was man alles rund um diese Kampfsportart wissen muss, erfährst du in diesem umfangreichen Ratgeber. Dabei lassen wir wirklich keinen Bereich des Thaiboxen aus. Egal ob es sich um die Geschichte, die Techniken oder die benötigte Ausrüstung handelt.

Ein kleiner Tipp in Sachen Selbstverteidigung:
Der Wettkampfsport Thaiboxen ist auch in Sachen Selbstschutz zu empfehlen. Wer allerdings nur unter diesem Aspekt trainiert, sollte sich intensiver mit der Ursprungsform Muay Boran auseinandersetzen. Hier werden nämlich auch Armbrecher, Genickhebel, Beinhebel, Würgetechniken und Kopfstöße sowie Techniken am Boden ausgeübt.

Aber auch das heutige Muay Thai eignet sich bestens zur Selbstverteidigung. Egal ob beim waffenlosen Kampf oder der Abwehr von bewaffneten Angreifern. Gerade bei Messern, Stöcken und andere Gegenstände sind die Techniken sehr effektiv. Daher trainieren viele Polizeieinheiten und Sicherheitsidienste Muay Thai.

Wie entstand Muay Thai?

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Diese Kampfkunst kann auf eine lange Tradition zurückblicken. Sie entwickelte sich über mehrere Jahrhunderte aus den traditionellen Kampfsportarten Thailands. Entnehmen kann man dies den alten Schriften aus Birma und Kambodscha.

Benutzt wurde diese Sportart seit jeher zur Ausbildung von Kriegern. Sobald deren Schwert und Speer unbrauchbar waren, benutzen sie das Thaiboxen, um sich gegen Feinde zu verteidigen. Genauer gesagt handelte es sich damals noch um die traditionelle Art Muay Thai Boran.

Die waffenlose Kampfsportart hängt sehr eng mit der Gründungsgeschichte des heutigen Thailands zusammen. So wurde sie in mehren Kriegen eingesetzt. Dabei handelt es sich unter anderem um die Verteidigung der heutigen Hauptstadt von Thailand Ayutthaya.

Der erste offizielle Ring für einen Wettkampf wurde im Jahre 1921 genutzt. Aber erst nach der Einführung von festen Regeln nach dem 2. Weltkrieg gewann das Thaiboxen immer mehr an Bedeutung.

Im Zuge dieser Entwicklung bildeten sich mehrere unabhängige Verbände, die oft im Streit miteinander lagen. Daher wurde 1995 von der thailändischen Regierung der World Muaythai Council (WMC) gegründet. Seitdem unterstehen alle Muay-Thai-Verbände der Welt dieser Organisation. Der erste offizielle Titelkampf fand am 26. Juni 1995 statt. 

Auch heute spielt Thaiboxen eine wichtige Rolle beim Militär- und Polizeitrainings. Gerade im Bereich waffenlose Selbstverteidigung handelt es sich hier um einen Grundpfeiler der Ausbildung. Aber auch zum Füllen von Stadien eignet sich diese Kampfsportart in Thailand. Es handelt sich dort, nämlich um eine richtige Volkssportart, wie bei uns der Fußball.

Wie wird überhaupt gekämpft?

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Hier gibt es einige charakteristische Elemente. Aber beginnen wir bei den Grundlagen. Thaiboxen wir auch als „Wissenschaft der 8 Gliedmaßen“ bezeichnet. Warum? Da hier mit den 8 Körperwaffen gekämpft wird. Gemeint sind damit je die 2 Fäuste, Ellbogen, Knie und Schienbeine.

Damit werden verschiedene Kampftechniken möglich. Grundsätzlich betrachtet, werden damit diese 6 Techniken im heutigen Muay Thay durchgeführt:

  • Tritttechniken mit dem Schienbein, dem Fuß oder der Ferse
  • Fausttechniken & Handrückenschläge (Auch als Backfist bezeichnet)
  • Knie- & Ellbogen-Techniken
  • Festhalten des gegnerischen Beins mit der Durchführung einer Folgetechnik
  • Clinchen (Festhalten des Gegners)
  • Schläge zum Kopf

Allerdings gibt es auch einige Dinge, die heute nicht so gerne gesehen sind. Daher wurden Regeln eingeführt, die die Kämpfer vor größeren Verletzungen schützen sollen. Im Folgenden gibt es einen kleinen Auszug bestehender Verbote:

  • Schlag- und Tritttechniken gegen den Rückenbereich
  • Nachschlagen, wenn der Gegner am Boden liegt oder kniet (in Thailand teilweise noch immer erlaubt)
  • Schlag- und Tritttechniken gegen den Hinterkopf, das Knie sowie den Unterleib (Genitalien)
  • Kopfstöße (Beim traditionellen Muay Boran erlaubt)

Bei manchen Verbänden sind noch Wurftechniken wie etwa Hüftwürfe und Schulterwürfe erlaubt. Die meisten Verbände dulden diese Techniken inzwischen aber nicht mehr. Zu hoch ist das Verletzungsrisiko für die Sportler.

Wie werden die Kämpfe entschieden?

Im Prinzip unterscheidet sich Muay Thai nicht von anderen Kampfsportarten wie MMA oder Boxen. Diese Kampfentscheidungen existieren momentan:

  • Sieg durch Knockout (K. O.) des Gegners
  • Sieg durch Punktewertung des Kampfrichters
  • Sieg durch Aufgabe oder Kampfabbruch
  • Sieg durch Disqualifikation des Gegners

Welche Kampfzeiten sind möglich?

Diese hängen komplett von der jeweiligen Kampfklasse ab. Im Folgenden haben wir alle möglichen Rundenzeiten aufgelistet:

  • In der D- sowie C-Klasse wird je 3 × 2 Minuten gekämpft.
  • In der Kategorie B wird nach der Veranstaltung unterschieden. Auch hier ist 3 × 2 Minuten der Standard. Bei Titelkämpfen wird allerdings 5 Mal für jeweils 2 Minuten angetreten.
  • In der Klasse A ist 3 x 3 Minuten normal. Bei einem Titelkampf hingegen wird auf 5 × 3 Minuten gesetzt.

Welche Graduierungen gibt es für Thaiboxer?

Insgesamt existieren 15 verschiedene Khan-Grade. Die Graduierungsstufe erkennt man anhand der Farbe des am Oberarm befindlichen Armbandes. Dieses hat die Form einer Kordel und wird auch als Prajeat bezeichnet. Diese Graduierungen werden derzeit vergeben:

1. Khan:2. Khan:3. Khan:4. Khan:5. Khan:6. Khan:7. Khan:8. Khan:9. Khan:10. Khan:11. Khan:12. Khan:13. Khan:14. Khan:15. Khan:
WeißGelbGelb-weißGrünGrün-weißBlauBlau-weißBraunBraun-weißRotRot-weißRot-gelbRot-silbernSilberGold

Zuständig für diese Prüfungen und die Trainerausbildungen ist die International Amateur Muay Thai Federation (I.A.M.T.F.). Zudem ist das Prüfungs- und Ausbildungsprogramm vom thailändischen Kultus- und Sportministerium anerkannt.

Was gibt es übers Training zu wissen?

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Um bei Thai Box-Wettkämpfen möglichst erfolgreich zu sein, braucht man eine sehr gute Kondition, eine präzise Technik sowie eine starke Schlagkraft. Um diese Punkte intensiv, aber trotzdem zeitsparend zu trainieren, wird oft in Intervallen trainiert.

Das bedeutet im Prinzip, dass Übungen in 3 Abschnitte eingeteilt werden. Zu Beginn wird locker trainiert, dann kurzzeitig richtig Gas gegeben und zum Abschluss wird für ein paar Sekunden geruht.

Benötigtes Trainingsequipment:

Unterstützt wird man beim Training noch durch Ausrüstungsgegenstände wie das altbekannte Springseil, den Boxsack sowie durch Pratzen und Schlagpolster. Für das Pratzentraining braucht man aber zwingend einen Partner. Hat man aber keinen zur Verfügung, kann man auch auf einen Standboxsack oder einen Boxdummy zurückgreifen.

Trainingsdauer & Belastungsgrenze:

In der Regel dauert ein Muay Thai Training selten länger als eine Stunde. Das reicht aber vollkommen, da das Training bis an die Belastungsgrenze geht. Dabei gilt folgendes: Umso schlechter eine Technik beherrscht bzw. durchgeführt wird, umso mehr Kraft erfordert sie.

Fitnessübungen sind das Fundament des Muay Thai Trainings. Im Prinzip handelt es sich hier um eine Ganzkörpergymnastik, die von vielen Menschen trainiert wird, die nicht kämpfen wollen. Oft werden solche Fitnesskurse unter dem Namen Muay Thai Crosstraining angeboten. Dank dieser Trainingsform ist das Thaiboxen in den letzten Jahren so bekannt geworden.

Für wen eignet sich Thaiboxen?

Boxen

Im Prinzip für so ziemlich jeden Sportler und Selbstverteidigungsfan. Diese Kampfsportart ist so vielseitig und kann in so vielen Studios trainiert werden, das sie immer beliebter wird.

Ehrgeizige Sportler und alle, die es werden wollen:

Empfehlenswert ist Muay Thai für ambitionierte Sportler, die einen realistischen Wettkampfsport ausüben wollen. Gerade der Aspekt des Vollkontakts und der vielen Wettkämpfe macht Thaiboxen für einige mehr als interessant.

Effektiver Selbstschutz und das auch gegen Waffen:

Möchte man aber gar nicht an solchen Veranstaltungen teilnehmen, gibt es noch immer Punkte, die für diese Kampfsportart sprechen. So lassen sich viele Techniken im Rahmen der Selbstverteidigung einsetzen. Gerade Polizisten und Sicherheitsmitarbeiter greifen häufig auf die thailändische Sportart zurück. Und das nicht nur wegen der hocheffizienten Techniken.

So werden auch diese Aspekte geschult: Mut, Selbstvertrauen, Wettkampfhärte, Siegeswillen, kämpferische Intelligenz und Selbstbeherrschung. Alles wichtige Fähigkeiten für den beruflichen Alltag als Ordnungshüter. Gerade in der heutigen Zeit oft unabdingbare Grundqualifikationen für den erfolgreichen Dienst.

Auch für die Kleinen eine sinnvolle Sportart:

Für Kinder und Jugendliche ist Thaiboxen eine interessante Alternative zu den Klassikern wie Judo oder Karate. So werden hier wertvolle Charaktereigenschaften wie Durchsetzungsvermögen, Willenskraft, Selbstdisziplin und auch Selbstvertrauen herausgebildet.

Zudem erlernen die Kleinen hier erste Grundlagen der Selbstverteidigung für Kinder. Geht es dir aber ausschließlich um diesen Aspekt, sind spezielle SV-Kurse für Kinder die bessere Wahl. Sie sind günstiger und vermitteln deutlich mehr Fähigkeiten. Denn auch Prävention und korrekte Verhaltensweisen sind ein wichtiger Bestandteil der erfolgreichen Kinder-Selbstverteidigung.

Welche Ausrüstung benötigt man?

Thaiboxen Ausrüstung

Die meisten Vereine und Kampfsportschulen können einen gewissen Teil der Ausrüstung für die ersten Trainings stellen. Allerdings braucht man doch einiges an Equipment, wenn man Muay Thai ernsthaft ausüben möchte. So sind diese Ausrüstungsgegenstände empfehlenswert:

  • Tiefschutz
  • Muay-Thai-Shorts
  • Boxhandschuhe
  • Mundschutz
  • Boxbandagen
  • Schienbeinschoner
  • Fußbandagen
  • Bauchschutz/Weste

Wenn du zum ersten Mal trainieren gehst oder nur ein Schnuppertraining gebucht hast, brauchst du im Prinzip nichts von der obigen Ausstattung zu kaufen. Dann reichen für den Einstieg diese 3 Dinge: Trainingshose, lockeres Shirt und genügend zu trinken. Mehr benötigt man erstmal nicht.

Und nein, Schuhe braucht man in der Regel nicht, da traditionell barfuß trainiert wird. Hast du dich dann verbindlich fürs Thaiboxen angemeldet, solltest du mit dem Shopping beginnen. Auf die Weste kannst du aber zu Beginn verzichten. Diese kannst du dir ausleihen. Die restlichen Gegenstände solltest du dir aber auf jeden Fall zulegen.

Unser FAQ zum Schluss:

Selbstverteidigungskurs-FAQ

Ab und an erhalten wir Fragen rund um Muay Thai zugeschickt, die wir sehr gerne beantworten. Damit du hier noch mehr Informationen bekommst, veröffentlichen wir hier die gestellten Fragen samt Antworten. So profitierst auch du und nicht nur der Fragende:

Worin unterscheiden sich Thaiboxen und Kickboxen?
Oft werden beide Kampfsportarten miteinander verwechselt. Grundsätzlich gilt hier, dass Thaiboxen umfangreicher als Kickboxen ist. So sind beim Kickboxen nur Faustschläge und Tritte erlaubt. Beim Muay Thai sind auch Techniken wie Clinchen sowie Stöße und Schläge mit den Ellenbogen und Knien erlaubt.

Gibt es bekannte Muay Thai Kämpfer?
Während es sich in Thailand um einen Nationalsport handelt, fristet die Kampfsportart hier ein Nischendasein. Allerdings kennen manche hier Buakaw Banchamek oder auch Samart Payakaroon.
Unterscheiden sich Muay Thai und Thaiboxen?
Es gibt hier keinerlei Unterschiede. Schließlich ist Muay Thai und Thaiboxen ein und dasselbe. Es handelt sich hier lediglich um verschiedene Bezeichnungen. Dabei ist Muay Thai der thailändische Namen und Thaiboxen die deutsche Übersetzung.
Was heißt Muay Thai übersetzt?
Die aus Thailand stammende Bezeichnung bedeutet übersetzt folgendes: „freies Boxen, Treten, Stoßen oder Ringen“. Dabei setzt sich der Begriff aus „Muay“ (Boxen, Treten, Stoßen, Ringen) und „Thai“ (frei) zusammen.
Was ist mit Schutzschild gemeint?
Als Muay Thai Boxer hat man die Möglichkeit ein Schutzschild mit seinen Ellbogen, Unterarmen und Knien zu bilden. Oft wird diese Technik als „wall of defense“ bezeichnet.
Warum wird diese Kampfsportart ausgeübt?
Es gibt viele Motive. Manchmal ist es die Selbstverteidigung. In der Regel geht es aber um die Wettkämpfe oder um die Steigerung der eigenen Fitness. Manch einer betreibt Muay Thai auch als Kampfkunst oder verdient sich als Kämpfer etwas dazu.

In Thailand gibt es zudem viele Profis. Diese bekommen häufig einen Teil vom Wetteinsatz und sind dort außerdem geachtete und geehrte Idole. Ähnlich wie bei uns Fußballspieler.

Über Fabian Wüst, Coach & Berufswaffenträger 58 Artikel
Er ist erfolgreicher Trainer in Sachen Selbstverteidigung und sammelte wichtige Erfahrungen als Geldtransporterfahrer, Bahnschutzmitarbeiter und Objektschützer für das Militär. Auf dieser Webseite teilt er sein erlangtes Know How mit dir. Sein Motto lautet: Schütze Dich und Deine Liebsten.