Pfefferspray: Sprühvarianten, Features, Kaufberatung & Einsatztechniken

Pfefferspray-im-einsatz

Wenn man in Deutschland die Worte Selbstverteidigung und Waffe in den Mund nimmt, denken wohl die meisten Menschen sofort an Pfefferspray. Die kleinen Helferlein sind einfach nicht mehr wegzudenken.

Doch welche Varianten gibt es, welche Features sind kaufentscheidend und wie wird so einem Spray überhaupt eingesetzt? In diesem sehr umfangreichen Ratgeber bekommst du alle Antworten auf diese Fragen.

Pfefferspray im Kurzcheck:
Pfefferspray-Grafik

Bezeichnungen: Reizstoffsprühgerät (RSG)

Verwendung: Selbstverteidigung und behördlicher Einsatz.

Sprühvarianten: Nebel, Gel, Strahl und Schaum.

Features: beigemischte Farbstoffe zur Angreiferidentifikation, Gürtelclips und passende Holster.

Waffenrecht-Infos: hier klicken

Vorteile:

  • günstig in der Anschaffung
  • schnell einsatzbereit
  • einfach anzuwenden
  • geringes Verletzungsrisiko
  • extrem effizient

Nachteile:

  • manche Varianten sind sehr windanfällig

Funktionsweise unter die Lupe genommen:

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Hier erkennt man ganz deutlich wie effektiv der Einsatz von Pfefferspray ist.

Pfeffersprays sind im Inneren unter anderem mit dem Wirkstoff Capsaicin gefüllt. Sobald dieser freigesetzt wird bzw. der Angreifer damit in Berührung kommt, treten zum Beispiel diese 3 Symptome auf:

  • Augen: Die Schleimhäute schwellen an und die Augen schließen sich sofort. Außerdem brennen sie höllisch.
  • Haut: Auch hier stellt sich ein brennender Schmerz mit starkem Juckreiz ein. Oft klingen die Symptome erst nach 24 Stunden so langsam ab.
  • Atmung: Sobald man die erste Ladung eingeatmet hat, bekommt man Husten und eine leichte Atemnot.

Gut zu wissen:

Meistens entstehen bei der Anwendung von Pfefferspray keine langanhaltenden Schäden. In seltenen Fällen kommt es zu allergischen Reaktionen und Asthmatiker können unter starker Atemnot leiden. Gegebenenfalls kann es auch zum Ersticken kommen.

Sprühvarianten im Vergleich:

Pfeffersprays gibt es in den verschiedensten Größen und Varianten. Das Gleiche gilt auch für die möglichen Sprühvarianten. Worin sich diese unterscheiden, welche Variante wann optimal ist und ob es einen Allrounder gibt, erfährst du im Folgenden.

Pfefferspray mit Sprühnebel:

Bis vor einigen Jahren gab es fast nur Sprays, die einen feinen Nebel versprüht haben. Vergleichen kann man den Sprühnebel eines Pfeffersprays mit dem von Deos oder Haarsprays.

Seit einiger Zeit gehört der Nebel nicht mehr zur Nummer 1 der Sprühvarianten am Markt. Lediglich bei den Schreckschusswaffen und den dazu angebotenen Pfefferpatronen findet man den Sprühnebel noch recht häufig. Doch warum ist das so und wann ist der Sprühnebel eine gute Wahl?

Der Vorteil vom Nebel liegt eigentlich klar auf der Hand. So muss man den Angreifer nicht zwangsläufig am Körper oder im Gesicht treffen, um eine gewisse Wirkung zu erzielen. Auch mehrere Angreifer können so schnell abgewehrt werden.

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Dieses Video zeigt sehr anschaulich, wie ein Pfefferspray samt Sprühnebel funktioniert.

Klingt eigentlich alles ganz toll. Leider geht der Nebel nicht sehr weit, das Ganze ist wirklich ungenau und zu allem Überfluss extrem windanfällig. Schon der kleinste Windhauch reicht aus, dass man den Nebel selbst abbekommt.

Und das kann nicht der Sinn und Zweck von einer Waffe zur Selbstverteidigung sein. Daher geht der Marktanteil von Pfeffersprays mit Sprühnebel immer weiter zurück.

Vorteile:

  • man muss den Angreifer nicht direkt treffen
  • mehrere Angreifer können gut abgewehrt werden

Nachteile:

  • geringe Reichweite
  • sehr windanfällig

Pfefferspray mit Sprühstrahl:

Pfefferspray
Pfefferspray mit Gürtelclip, Wechselkartusche und Sprühstrahl.

Hierbei handelt es sich (noch) um die beliebteste Variante am Markt. Sie ist vielseitig einsetzbar und bei der Verwendung kann man nicht allzu viel falsch machen.

Pfeffersprays mit Sprühstrahl sind bekannt für ihr punktgenaues Zielverhalten. Zudem sind sie bei weitem nicht so windanfällig wie Nebel oder auch Schaum. Die Reichweite ist auch um Einiges höher als mit den zuvor genannten Varianten.

Aber auch Nachteile gibt es und die wollen wir nicht verschweigen. Wer einen Sprühstrahl einsetzen möchte, muss seinen Angreifer direkt treffen. Dafür können mit einem Strahl mehrere Ziele schnell getroffen werden.

Im Großen und Ganzen ist der Sprühstrahl aber ein guter Allrounder. Er wird daher sowohl im privaten als auch professionellen Umfeld eingesetzt.

Muss man das Pfefferspray aber unter Umständen in geschlossenen Räumen einsetzen, sollte man allerdings nicht zum Strahl greifen. Hier ist Gel oder auch Schaum die bessere Option.

Vorteile:

  • punktgenaues zielen möglich
  • relativ windstabil im Vergleich zu Schaum oder Nebel
  • hohe Reichweite

Nachteile:

  • man muss das Ziel treffen
  • mehrere Angreifer abzuwehren ist schwierig

Pfefferspray mit Sprühschaum:

Solche Modelle werden seit einigen Jahren immer beliebter. Das hat gleich mehrere Gründe. So können sie gut in Räumen eingesetzt werden. Zudem haben sie eine sehr starke Wirksamkeit und der Effekt hält sehr lange beim Angreifer an.

Aber auch hier gibt es ein paar Nachteile. So ist der Schaum, ähnlich wie der Nebel, sehr empfindlich gegenüber dem Wind. Zudem muss der Angreifer direkt getroffen werden, was Einiges an Übung erfordert. Gerade bei mehreren Angreifern kommt man so schnell in die Patrouille.

Zusammengefasst eignet sich dieses Spray vor allem für die Anwendung in Räume und gegen einzelne Gegner. Wer sich hauptsächlich im Freien verteidigen möchte, ist mit anderen Sprühvarianten besser bedient.

Vorteile:

  • kann in geschlossenen Räumen eingesetzt werden
  • Wirkung hält länger an
  • stärkere Wirksamkeit

Nachteile:

  • sehr windempfindlich
  • der Angreifer muss direkt getroffen werden
  • mehrere Angreifer können nur schwer abgewehrt werden

Pfefferspray mit Gel:

Sie werden wohl in absehbarer Zeit einen großen Marktanteil einnehmen. Pfeffersprays mit Gel vereinen alle Vorteile und haben dabei nur wenige negative Aspekte.

So können sie in geschlossenen Räumen eingesetzt werden, Wind kann ihn nur wenig anhaben, die Wirksamkeit ist hoch und hält lange an. Zudem kann man sehr genau zielen und die Reichweite ist hoch.

Allerdings muss man seinen Gegner definitiv treffen, was oft nur geübte Anwender schaffen. Zudem erschweren mehrere Angreifer das Ganze noch einmal ungemein.

Dafür lassen sich mit dem Gel besondere Einsatzformen durchführen. Ein Beispiel hierfür wäre das Benetzen von Handschuhen um sich im direkten Nahkampf noch effektiver gegen einen Angreifer durchsetzen zu können.

Vorteile:

  • einsetzen in geschlossenen Räumen möglich
  • relativ windstabil im Vergleich zu Schaum oder Nebel
  • hohe Reichweite
  • Wirkung hält länger an
  • stärkere Wirksamkeit
  • punktgenaues zielen möglich

Nachteile:

  • man muss den Angreifer treffen
  • mehrere Angreifer abzuwehren ist schwierig

Kauftipps: Wichtige Features!

shopping

Worauf es beim Kauf eines Pfeffersprays ankommt, denken die Meisten zu wissen. Oft werden aber viele nützliche Eigenschaften bei der Kaufentscheidung nicht beachtet.

Wer sein Spray zum Beispiel am Gürtel führen möchte, freut mich sich über einen stabilen Metall-Clip. Soll es hingegen in die Hosentasche passen, muss es nicht nur klein sein. Auch ein Sicherheitsverschluss gegen versehentliches Auslösen ist hier ein Muss.

Möchte man seinen Angreifer später wieder erkennen, ergibt es Sinn auf beigemischte Farbstoffe zur Täteridentifizierung zu setzen. Und keine Sorge, so einfach abwaschen lassen sich diese nicht.

Neben der richtigen Sprühvariante sollte man beim Pfefferspray kaufen noch darauf achten, dass es zur Tierabwehr zugelassen ist. Und damit das Ganze auch nachweisbar ist, sollte das Spray mit dieser Aufschrift gekennzeichnet sein.

Wer sein Spray professionell einsetzen möchte, kann ein Modell samt Wechselkartusche erwerben. Oft werden zu Trainingszwecken bei diesen Modellen auch Trainingskartuschen mitgeliefert. Schließlich sollten Profis auch mit ihren Waffen umgehen können.

Vor-Ort-Händler oder doch lieber der Online-Kauf?

Abschließend bleibt nur noch die Frage offen, wo man das Spray kaufen kann. Nicht nur online, sondern auch im Fachhandel und teilweise sogar in Drogeriemärkten werden heutzutage Pfeffersprays verkauft.

Möchte an ein gutes Modell erwerben, bleiben aber nur der Fachhändler vor Ort und die Online-Shops übrig. Die beste Auswahl gibt es sicherlich online, dafür kann man beim Fachhändler das Spray in die Hand nehmen und wird zudem noch beraten.

Online gibt es zwar keine Beratung, aber dafür massig Produktrezessionen. Daher kann man die Qualität der Ware oft besser einschätzen. Beide Möglichkeiten haben also ihre Vor- und Nachteile.

Mögliche Anwendung im Detail erklärt:

Grundsätzlich genügt es zu wissen, dass man den Angreifer am Oberkörper oder noch besser im Gesicht treffen sollte. So setzt die Wirkung am schnellsten und stärksten ein.

Da das Treffen aber gar nicht so einfach ist und eine richtige Schritt-Technik Sinn ergibt, sollte man sich die folgenden Zeilen zu Gemüte führen. Ein paar Special-Tricks haben wir auch noch eingebaut. Versprochen!

Schritt-Technik muss sein:

Bevor wir uns dem Zielen widmen können, behandeln wir erstmal die Ausgangsstellung und den sicheren Stand. Zu Beginn stellen wir uns mit beiden Beinen schulterbreit hin.

Ausgangstellung

Die Ausgangsstellung ist wichtiger als man denken mag. Sie stellt einerseits die direkte Vorstufe zur Kampfposition (hier Stand) dar und andererseits sorgt sie für folgende Dinge: Sicheres, aber noch deeskalierendes Auftreten. Also kein direktes Anzeigen von Kampfbereitschaft.

Sobald wir im Stand sind, können wir mit der Selbstverteidigung beginnen. Wichtig ist hier, dass wir das Gewicht gleichmäßig auf beide Beine verteilen und ca. 1,5 Fußlängen Abstand zwischen dem vorderen und hinteren Bein Abstand lassen.

Doch warum stellen wir uns jetzt so hin? Das hat den Grund, dass wir so schneller auf Positionsveränderungen unseres Angreifers reagieren können. Wie das genau geht, erklärt diese Grafik:

Vorwärtsschritt-Rückwärtsschritt

Außerdem schüchtert diese Haltung einen potenziellen Angreifer zusätzlich ein. Eventuell überlegt er es sich so anders und wir haben den bevorstehenden Kampf erfolgreich vermieden.

Armhaltung und anvisieren:

Eine Schrittstellung alleine soll einschüchternd sein? Ja, da hast du uns ertappt. Da fehlt noch was! Natürlich muss auch die Haltung der Arme sitzen.

Während wir diese in der Ausgangsstellung (Pfefferspray verdeckt halten) am Körper herunterhängen lassen, werden sie beim Stand (Kampfposition) angewinkelt.

Der linke Arm wird dabei so gehalten, dass die flache Hand den Kehlkopf schützt. Der rechte Arm wird ebenfalls angewinkelt, aber deutlich stärker ausgestreckt. Man steht hier sozusagen in einer Boxer-Rechtsauslage.

Das Pfefferspray wird so gehalten, dass der Daumen zum Auslösen benutzt werden kann. Auf keinen Fall solltest du hierfür deinen Zeigefinger benutzen. Mit ihm verreist man zu leicht und kann außerdem keine Faust für den Nahkampf bilden.

Nun musst du nur noch eine einzige Sache machen. Ziele auf den Kopf oder Oberkörper deines Angreifers und sprühe einen kurzen Stoß. Gegebenenfalls musst du das Ganze wiederholen, falls du nicht getroffen hast oder der Angreifer nicht von dir ablässt.

Achte darauf nicht aus Panik, gleich die ganze Ladung zu verschießen. Solltest du deinen Angreifer nämlich nicht getroffen haben, hast du nun ein großes Problem. Daher sollten immer kurze Sprühstöße Anwendung finden.

Gut zu wissen:

Ist der Abstand zum Angreifer fürs Sprühen zu klein, muss man sein Pfefferspray nicht gleich aus der Hand legen. Es lässt sich nämlich sehr gut als Schlagverstärker in der geschlossenen Faust benutzen. Die Kante an der Unterseite kann außerdem für gezielte Schlagtechniken (Vital- & Nervenpunkte) eingesetzt werden.

Unser Fazit:

Zum Schluss möchten wir noch eine Sache ans Herz legen. Eine Selbstverteidigungswaffe gibt einem ein gutes Gefühl. Allerdings sollte man sich nicht nur auf sie verlassen. Auch eine gute Selbstbehauptung spielt eine wichtige Rolle.

Außerdem ist es noch von Vorteil, wenn man sich auch ohne Waffe verteidigen kann. Schließlich kann man immer mal in eine Situation geraten, wo die Waffe nicht greifbar ist oder man sie einfach nicht dabei hat.

Daher lohnt sich das Fortbilden in waffenloser Selbstverteidigung ungemein. Und keine Sorge bei uns findet man massig Tipps & Tricks zu diesem Thema.

Über Fabian Wüst, Coach & Berufswaffenträger 51 Artikel
Er ist erfolgreicher Trainer in Sachen Selbstverteidigung und sammelte wichtige Erfahrungen als Geldtransporterfahrer, Bahnschutzmitarbeiter und Objektschützer für das Militär. Auf dieser Webseite teilt er sein erlangtes Know How mit dir. Sein Motto lautet: Schütze Dich und Deine Liebsten.