Pratzentraining: Grundlagen & Übungen für Jedermann

Praten-halten

Möchte man seine Reflexe, das Timing oder das Distanzgefühl verbessern, ist Pratzentraining genau das Richtige. Das gilt natürlich auch, wenn man bei der Ausführung seiner Schlag- und Abwehrtechniken weiter kommen möchte.

Des Weiteren ist diese Workout-Form optimal dazu geeignet um unter realistischen Bedingungen zu kämpfen. Zudem macht das Trainieren mit Pratzen Spaß, baut Schlaghemmungen ab und sorgt für Abwechslung im Trainingsalltag.

Es gibt noch eine ganze Menge mehr Punkte, die für das Pratzentraining sprechen. Aber darum geht es in diesem Guide nicht. Wir möchten dir mithilfe dieses Ratgebers Tipps und Tricks für Training vermitteln.

Außerdem stellen wir dir auch Übungen für jeden Geschmack vor. Egal, ob du Kampfsportler, Boxer oder Selbstverteidigungsschüler bist. Die Praxis kommt also nicht zu kurz. Versprochen!

Absolute Grundlagen für Anfänger:

Bevor man sich mit Techniken & Co beschäftigen kann, sollte man sich erst einmal die wichtigsten Basics aneignen. Gerade Einsteiger haben hier oft noch Nachholbedarf.

Welche Formen von Pratzen gibt es?

Diese Frage ist überaus berechtigt. Es gibt nämlich weit mehr, als die aufs Boxen ausgelegten Handpratzen. So gibt es zum Beispiel noch Schlagkissen sowie Schlagpolster. Diese werden hauptsächlich für das Training von Kicks eingesetzt, können aber auch für Schlagtechniken mit der Faust oder dem Ellenbogen eingesetzt werden.

Wenn du noch keine Pratzen besitzt, solltest du nach Möglichkeit 2 Schlagkissen erwerben. Warum? Weil du hier das beste Preis-Leitungsverhältnis bekommst. Schließlich kannst du hiermit alle Übungen in dein Workout einbauen.

Was ist mit Handschuhen & Co?

Zwingend vorgeschrieben sind diese natürlich nicht. Da Sicherheit beim Training aber immer vorgeht, solltest du dir Boxhandschuhe oder MMA-Handschuhe zulegen. Bandagen zum Schutz der Handgelenke schaden übrigens auch nicht.

Braucht man einen Partner?

Mit Pratzen alleine, klappt das Ganze immer noch nicht. Schließlich handelt es sich hier um ein Partnertraining. Du benötigst also jemanden, der die Pratzen hält. Und dieser jemand sollte körperlich fit sein. Es braucht nämlich schon etwas Kraft in den Oberarmen.

Gut zu wissen:
Damit das Abfangen und Ansagen der Kombination gut klappt, sollte dein Gegenüber über Kampfsporterfahrungen verfügen. Am besten geeignet ist dafür ein Boxer.

Was bringt das Pratzentraining?

Eine ganze Menge. Du trainierst mithilfe der Pratzen diese Fähigkeiten:

  • Schlagkraft & Schnelligkeit
  • Präzision, Distanzgefühl & Timing
  • Abbau von Schlaghemmungen
  • Optisches & taktisches Reaktionsvermögen
  • Kondition & Koordination

Im Großen und Ganzen handelt es sich hier um ein effektives Trainingsmittel für Kampfsportler, Kampfkünstler und Selbstverteidigungsschüler.

Pratzentraining – Darauf musst du achten:

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Bevor es endlich losgehen kann, musst du dich noch dem Handling vertraut machen. Pratzen müssen schließlich richtig gehalten werden. Außerdem gilt es noch zu klären, wie so ein Training überhaupt ausschaut.

Pratzen halten will, gekonnt sein:

Da es sich hier um ein Partnertraining handelt, kann dein Gegenüber den kompletten Trainingseffekt zunichtemachen. Das richtige Halten muss also geübt werden. Damit alles klappt, solltest dein Partner auf diese Dinge achten:

  • Die Pratzen dürfen nicht zu weit weg vom Oberkörper gehalten werden. Macht man es doch, geht die Trainingswirkung gegen null. Sollte die Angst vor einem versehentlichen Treffer besonders groß sein, kann man zum Anfang auf große Schlagpolster zurückgreifen. Hiermit ist ein vorbeischlagen so gut wie ausgeschlossen.
  • Die Pratzen sollten auf keinen Fall gerade gehalten werden. Die Finger sollten weiter vorne sein als der Handballen. Wer auf gekrümmte Handpratzen zurückgreift, braucht sich hierum meist keine Sorgen zu machen. Die Krümmung erledigt dies von alleine.
  • Versuche stets in Bewegung zu bleiben. Wenn dein Partner z. B. auf dich zukommt, dann weiche zurück. Spiegle einfach sein Verhalten und ihr habt beide mehr Spaß am Training.
  • Bleibe locker! Versuche nicht unnötig zu verkrampfen. Du musst die Arme nicht ohne Pause anspannen. Dein Partner wird nur dann einen Schlag ausführen, wenn du es ihm anzeigst oder als Anfänger einfach sagst. Ein guter Indikator ist die Haltung der Handflächen: Offen heißt Schlag und nach unten geklappt bedeutet Pause.
  • Zu guter Letzt sollte man noch darauf achten, dass bei einem Treffer Gegendruck vorhanden ist. Sobald ein Schlag auf die Pratze erfolgt ist, sollte immer etwas gegen gedrückt werden. Ansonsten hat man schnell das Gefühl ins Leere zu schlagen.

Grundlagen zu den Trainingsmethoden:

In der Regel wird so trainiert, dass dein Trainingspartner die Pratzen hält, während du Fauststöße übst. Dabei wird viel Wert auf Abwechslung gelegt. Das heißt, dass man Kombinationen aus Fauststößen anwendet.

Das könnte zum Beispiel so aussehen: gerader Fauststoß, Jab, Haken und dann vielleicht noch ein Handkantenschlag. Beim Training mit Schlagpolstern käme dann noch eine Tritttechnik dazu.

Alternativ kann man auch die Pratzen als Schlagwaffe einsetzen. Ziel dieses Trainings ist das Verbessern deiner Abwehrtechniken. Dafür greift derjenige, der die Pratzen normalerweise hält, den Übenden an. Neben der Verbesserung der Abwehrtechniken werden auch die optischen und taktilen Reflexe geschult.

Pratzentraining – Die 3 wichtigsten Übungen:

Selbstverteidigungskurs-training

Es gibt zig verschiedene Formen, wie man mithilfe von Pratzen trainieren kann. Viele Trainer und Boxer beherrschen ein wirklich großes Repertoire an Trainingsarten.

Aber keine Sorge, so viel Know-how benötigst du für den Einstieg nicht. Wir stellen dir außerdem nur die wichtigsten Varianten vor. Und die reichen für den Anfang dicke.

Gleichzeitiges Blocken und Schlagen:

Hierbei handelt es sich wohl um den Klassiker schlecht hin. Keine Übung wird so oft wie diese angewandt. Doch wie funktioniert diese jetzt im Detail? Im Folgenden erfährst du es.

Zu Beginn gibt der Trainer ein paar Schläge vor, dann greift er dich mit den Pratzen an und dann geht alles wieder von vorne los. Daraus ergibt sich eine schnelle Abfolge von offensiven sowie defensiven Bewegungen.

Bei den Angriffen kannst du entweder ausweichen oder diese abwehren. Boxer konzentrieren sich in der Regel auf Ersteres, während Kampfsportler und Selbstverteidigungsschüler hingegen blocken.

Wichtig ist bei diesem Workout, dass keinerlei Routine aufkommt. Dein Gegenüber, sprich der Trainer, sollte immer für Abwechslung bei der Schlagreihenfolge sorgen. Nur so verbesserst du deine taktilen und optischen Reflexe.

Zudem sollte man ab und an die Geschwindigkeit variieren. Du merkst selbst um, was es geht: Abwechslung. Diversität beim Pratzentraining muss also sein.

Gezieltes Trainieren der Schlagkraft:

Schlagpolster-training
Schlagkissen zum Üben von Kettenfauststößen

Die besten Reflexe nutzen nichts, wenn man keine Kraft in den Armen hat. Daher muss man von Zeit zu Zeit auch gezielt an der Steigerung der eigenen Schlagkraft arbeiten.

Eine einfache, aber effektive Methode hierfür ist das Training von Kettenfauststößen. Da das Ganze schnell langweilig wird, kann man noch ein paar Dinge in das Workout einbauen.

So kann dein Trainingspartner immer mal wieder einen Schritt nach hinten machen und du musst im Folgen. Dabei darfst du die Kettenfauststöße natürlich nicht unterbrechen. Im Fachjargon spricht man dann von einem ins Pratzentraining eingebauten Verfolgungsschritt.

Gut zu wissen:
Anstelle von geraden Fauststößen können auch Jabs in diese Übung mit eingebaut werden. Möglich wäre auch noch eine Hammerfaust oder eine Rückfaust. Deiner Kreativität sind hier keine Grenzen gesetzt. Wichtig ist nur, dass du mit Kraft arbeitest.

Nicht nur Arme, auch Beine können eingesetzt werden:

Wie ganz zu Anfang schon mal kurz angerissen, lassen sich mithilfe von Pratzen nicht nur Box- bzw. Armtechniken trainieren. Wer auf Schlagpolster zurückgreift, kann auch Knie- sowie Tritttechniken üben.

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Die Ausführung von Kicks ist aber relativ komplex und schwierig in geschriebenem Wort zu vermitteln. Daher möchten wir dir eine einfache, aber effektive Knietechnik näher bringen.

Diese lässt sich sehr gut mit einem Partner und einem Schlagpolster trainieren. Hast du weder ein Polster noch ein Kissen, kannst du auch mit einem hängenden oder stehenden Boxsack trainieren. Auch ein Boxdummy bietet sich für diese Übung an.

Um den Kniestoß zu erlernen, nimmst du zuerst deine Hände und legst sie flach auf die Ohren deines Partners auf und krallst dich im Hinterkopfbereich fest.

Dann donnerst du dein stärkeres Knie von unten nach oben in Richtung Oberkörper/Genitalien. Damit du deinen Partner nicht verletzt, schirmt dieser den Bereich mithilfe eines großen Schlagpolsters ab.

Wenn du dich in der Ausführung sicher führst, übt ihr das Ganze noch dynamisch. Bei dieser Übung kannst du den Kopf greifen oder nur den Stoß ausführen und deine Hände in Abwehrhaltung halten. Was dir lieber ist, musst du natürlich selber entscheiden.

Unser Fazit:

Das Pratzentraining ist ein abwechslungsreiches Trainingskonzept für Boxer, Kampfkünstler und natürlich auch Selbstverteidigungsschüler. Schlaghemmungen werden abgebaut, Reflexe und Timing-Fähigkeiten stark verbessert.

Zudem wirst du schneller und Kombinationen fallen dir leichter. Daher ist es bestimmt auch nicht weiter verwunderlich, dass wir dir zum Pratzentraining raten.

Über Fabian Wüst, Coach & Berufswaffenträger 80 Artikel
Er ist erfolgreicher Trainer in Sachen Selbstverteidigung und sammelte wichtige Erfahrungen als Geldtransporterfahrer, Bahnschutzmitarbeiter und Objektschützer für das Militär. Auf dieser Webseite teilt er sein erlangtes Know How mit dir. Sein Motto lautet: Schütze Dich und Deine Liebsten.