Schwarzer Gürtel im Kampfsport: Was er bedeutet & wie man ihn erlangt!

Schwarzer-Gürtel-Kampfsport

Den schwarzen Gürtel kennt wohl jeder, der sich ein bisschen für Kampffilme oder Kampfkunst interessiert. Die meisten verbinden mit einem schwarzen Gürtel einen Meister in einer Kampfkunst. Doch woher kommt der schwarze Gürtel? Es führt zurück auf eine Tradition aus dem alten Japan. Hier sind die Schüler ihrem Lehrer im sauberen Outfit gegenüber getreten.

Wurde das Gewand im Folge des Trainings schmutzig oder ging es kaputt, zog der Schüler sich um. Dabei wechselten die Schüler nur den Trainingsanzug, nie den Gürtel. Da ließ es sich nicht vermeiden, dass der Gürtel immer dunkler wurde. So zeugte damals ein dunkler Gürtel davon, dass der Schüler bereits viele Jahre Training hinter sich hat.

Dieses Merkmal hat sich in vielen Kampfkünsten im Gürtelsystem erhalten, wie im Judo, beim Karate oder beim Taekwondo. Viele moderne Kampfsportarten greifen auf einen dunklen Stoff im Hüftbereich zurück. Erstaunlich, dass sich ein so altes Element, was bei modernen Kampfkünsten sogar hinderlich sein kann, sich so lange erhalten hat.

Was ist ein schwarzer Gürtel?

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In der Regel ist es so, dass ein weißer Gürtel einen Anfänger kennzeichnet und ein schwarzer Gürtel einen weit fortgeschrittenen Kampfsportler, einen Meister kennzeichnet. Das stimmt nicht so ganz, auch bei den schwarzen Gürteln gibt es oft mehrere.

Im Judo und im Karate gibt es zehn Dan-Grate. Im Judo werden die Gürtel rot weiß und der höchste Gürtel ist komplett rot. Beim Karate bleiben die Gürtel im Bereich des Dans schwarz. Traditionell spricht man beim schwarzen Gürtel vom zweiten Anfang.

Fängt man einen Kampfsport mit dem weißen Gürtel an, geht es überwiegend darum, die Technik zu erlernen. Wurde der schwarze Gürtel erreicht, beginnt das Verständnis. Ab hier kann der Schüler sich selbstständig weiterbilden.

Jetzt beginnt die Zeit, wo der Trainierende nicht mehr so stark auf andere angewiesen ist. Was bedeutet, man trainiert nicht mehr nur in der Kampfschule, sondern auch zu Hause. Nur mit viel und regelmäßigen Training kann man ein Meister werden.

Wo wird der schwarze Gürtel verliehen?

Jiu Jitsu, stammt von den japanischen Samurai. Viele Kampfkünste sind aus dieser Kampfsportart entstanden, wie Judo, Aikido, einige Stile beim Karate, das deutsche Ju-Jutsu hier finden sich starke Einflüsse des Judos, Krav Maga ist Jiu Jitsu mit Boxen.

Gürtelsystemen gibt es beispielsweise beim Karate, beim Judo, beim Taekwondo oder beim Jiu Jitsu. Eingeführt wurden diese Gürtel von Kono Jigoro, er war der Gründer des kodokan-Judos. Im 19. Jahrhundert hat er dieses System das erste Mal verwendet.

Vor dieser Entwicklung gab es keine Gürtelsysteme in japanischen Kampfkünsten oder den Kampfkünsten aus Okinawa. Es wurde in Kyu, den Schülergraden und Dan, den Meistergraden unterschieden. Grundsätzlich fängt man mit einem weißen Gürtel als Schüler an. Mit dem Ablegen der Prüfungen kann man einen andersfarbigen Gürtel erhalten.

Die Prüfungen und die Wartezeiten vor den Prüfungen werden je nach Ausbildungsgrad vom zuständigen Verband festgelegt. In einer Prüfung wird auf die richtige Ausführung der Technik, die Dynamik der Ausführung, die Einstellung, Pünktlichkeit beim Training oder die Regelmäßigkeit des Trainings und einiges mehr bewertet.

Jiu-Jitsu Graduierungssystem:

Die Gürtelfarben bei der Deutschen Jiu-Jitsu Union Schüler (Kyü):

  • 6. Kyü: weißter Gürtel
  • 5. Kyü: gelber Gürtel
  • 4. Kyü: oranger Gürtel
  • 3. Kyü: grüner Gürtel
  • 2. Kyü: blauer Gürtel
  • 1. Kyü: brauner Gürtel

Beim Deutschen Jiu Jitsu Bund gibt es neun Schüler-Gradierungen. Die ersten sechs Gürtel sind gleich, nur dass es mit dem 9. Kyü anfängt. Dann ist der braune Gürtel der 4. Kyü. Dann gibt es noch weitere braune Gürtel, den braun I (3. Kyü), braun II (2. Kyü) und braun III (1. Kyü).

Meister (Dan):

  • 1. – 5. Dan: schwarz
  • 6. – 8. Dan: rot-weiß
  • 9. und 10. Dan: rot

Gürtelsysteme beim Judo:

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Beim Judo gibt es bunte Gürtel für die Schülergrade und schwarze Gürtel für die zehn Meistergrade. Um den nächsthöheren Grad zu erreichen, muss eine Prüfung absolviert werden, in der Bodentechniken, Falltechniken, Übungskämpfe und es werden Abfolgen von Übungen abgefragt.

9. Kyü – Schüler:
Gürtelfarbe: weiß
Gürtelname: Kukyu

Prüfung: keine. Aufgrund dessen kann dieser Gürtel niemanden genommen oder verwehrt werden.

8. Kyü – Schüler:
Gürtelfarbe: weiß-gelb
Gürtelname: Hachikyu

Prüfung: rückwärts und seitwärts fallen können, sowie zwei Wurf- und zwei Bodentechniken und zwei bis drei Einheiten Randori von je einer Minute.

7. Kyü – Schüler:
Gürtelfarbe: gelb
Gürtelname: Nanakyu

Prüfung: Judorolle vorwärts, zwei weitere Wurf- und Bodentechniken, 3-4 Einheiten Randori zu je einer Minute demonstrieren

6. Kyü – Schüler:
Gürtelfarbe: gelb-orange
Gürtelname: Rokkyu

Prüfung: beidseitige Judorolle, fünf neue Wurftechniken, umfangreiche Anwendungsaufgaben, drei bis fünf Randori-Einheiten zu jeweils zwei Minuten

5. Kyü – Schüler:
Gürtelfarbe: orange
Gürtelname: Gokyu
Mindestalter: im 9. Lebensjahr

Prüfung: Judorolle über ein Hindernis, neue Wurftechniken auf einem Bein, Hebeltechniken am Boden, 3 – 5 Randori für jeweils zwei Minuten

4. Kyü – Schüler:
Gürtelfarbe: orange – grün

Prüfung: Vorkenntnisse werden nur noch stichprobenartig überprüft, der fortgeschrittene freie Fall, die aus Filmen beliebte Wurftechnik Tomoe-Nage

3. Kyü oder Sankyu – Schüler:
Gürtelfarbe: grün
Mindestalter: im 11. Lebensjahr

Prüfung: erste Kata, ein ungezwungener Übungskampf, weitere Wurf- und Bodentechniken

2. Kyü oder Nikyu – Schüler:
Gürtelfarbe: blau

Prüfung: Erste Würgetechniken, 3 Einheiten zu je 3 Minuten Randori gegen einen Gegener behaupten, eine neue Kata

1. Kyü oder Ikkyu – Schüler:
Gürtelfarbe: braun
Mindesalter: vollendetes 12. Lebensjahr

Prüfung: Höchste Präzision und Flexibilität, es dürfen keine Fehler mehr vorkommen, Würfe und Hebel aus verschiedenen Situationen, 3 Übungspartner für das Randori, der dritte Kata zu beiden Seiten

Meister-Grade:

Die Dan 1. bis 10., die schwarzen, rot-weißen und roten Gürtel. Hier sind die Prüfungen wesentlich umfangreicher. Das Gelernte wird stetig abgefragt, genau wie theoretisches Wissen. Für den 1. Dan gibt es ein Mindestalter, das vollendete 15. Lebensjahr. Die Gürtel sind in der Regel aus reiner Baumwolle, selten sogar aus Seide. Sie werden aus vielen Stofflagen gefertigt und dadurch besonders robust.

Von den Gürteln gelb auf orange auf grün auf blau auf braun benötigt man jeweils sechs Monate. Von braun auf schwarz dauert es nochmals zwei Jahre. Rein rechnerisch braucht man also vom weißen bis zum schwarzen Gürtel 4 ½ Jahre. Kann man Wettkampferfolge vorweisen, kann man diese Zeit um ein Jahr verkürzen.

Gürtelsysteme beim Karate:

Kyu 9-7 nennt man Khion zu Deutsch Grundschule. Hier sollen die Schüler sicher und richtig stehen. Die Techniken der Arme und Beine sollen sauber ausgeführt werden. Beim Training mit einem Partner Kumite genannt kommt es auf die kontrollierte Ausführung der Technik an und auf den richtigen Abstand. Beim Üben mit einem imaginären Gegner genannt Kata ist der Rhythmus und das Verständnis für die Übungen das Wichtigste.

Die Gürtel in der Unterstufe:

  • 9. Kyu – Kukyu – weißer Gürtel – Shiro-Obi
  • 8. Kyu – Hachikyu – gelber Gürtel – Kiiro-Obi
  • 7. Kyu – Shichiku – oranger Gürtel – Daidaiiro-Obi

Die Gürtel der Mittelstufe:

Kyu 6-4 kombiniert die Grundtechniken mit Haltung, Spannung und Bewegung. Jetzt werden die Feinheiten ausgearbeitet und die Geschwindigkeit erhöht. Die Hüfte wird bewusst eingesetzt und die Atemtechnik und das Kime kommt hinzu.

Kime ist das Anpassen der Energie an das Ausführen der Techniken. Beim Kumite kommen die technischen Feinheiten, der Kampfgeist, die Kontrolle und der Respekt vorm Partner. Die Kata muss nun rhythmisch und flüssig in der richtigen Spannung vorgetragen werden.

  • 6. Kyu – Rokukyu – grüner Gürtel – Midori-Obi
  • 5. Kyu – Gokyu – blauer Gürtel – Aori-Obi
  • 4. Kyu – Yonkyu – blauer Gürtel – Aori-Obi

Die Gürtel der Oberstufe:

Kyu 3 bis 1 ist die Oberstufe. Hier liegt die Latte hoch, viele Kombinationen werden vorausgesetzt. Wichtig ist, dass die Qualität der einzelnen Techniken stimmt, der Rhythmus passt und die Standfestigkeit und Ausdauer gegeben ist. Es wird im Kumite und im freien Kampf geprüft.

  • 3. Kyu – Sankyu – brauner Gürtel – Chairo-Obi
  • 2. Kyu – Nikyu – brauner Gürtel – Chairo-Obi
  • 1. Kyu – Ikkyu – brauner Gürtel – Chairo-Obi

Nach den Schülergraden folgen nun noch die zehn Meistergrade. Bezeichnet werden diese von Fachleuten als Dan-Grade. Die ersten 4 von ihnen gelten dabei als Meister-Graduierungen der Technik. Danach folgen die Gürtel des Budo. Hierbei geht es um die geistige Reife des Athleten.

Interessant ist dabei, dass der letzte schwarze Gürtel erst ab einem Alter von 70 Jahren absolviert werden kann. Erst im Seniorenalter kann man also ein vorbildhafter Lehrer werden, der höchste technische Perfektion mit tiefem geistigen Verständnis verbindet.

Vorgeschriebene Vorbereitungszeiten beim Karate:

  • 9. Kyu: keine Wartezeit, am Tag der Ausweisaustellung
  • 8. – 5. Kyu: 3 Monate, hat der Prüfling die entsprechende Qualifikation auch direkt
  • 4. – 1 Kyu: 4 Monate
  • 1. Dan: 1 Jahr zur Prüfung 1. Kyu und das vollendete 18. Lebensjahr
  • 2. Dan: 2 Jahre zur Prüfung 1. Dan und das vollendete 22. Lebensjahr
  • 3. Dan: 3 Jahre Wartezeit zur Prüfung 2. Dan und das vollendete 27. Lebensjahr

Den ersten schwarzen Gürtel gibt es mit dem 1. Dan, der nach 3 Jahren und 1 Monat oder 3 Jahren und 4 Monaten erreicht werden kann. Die Vorbereitungszeit darf nicht unterschritten werden. Unterbricht man das Training für mindestens 2 Wochenabenden, kann eine Ungültigkeitserklärung einer Prüfung führen.

Wird eine Kyu Prüfung nicht bestanden, kann der Prüfling sie nach einem Monat erneut ablegen. Wird eine Kyu Prüfung dreimal nicht bestanden, muss der Prüfling ein Jahr warten, bis er erneut zur Prüfung antreten darf. Diese Prüfung muss dann zwingend vor dem Chefausbilder abgelegt werden. Wird eine Dan-Prüfung zweimal nicht bestanden, kann keine weitere Prüfung abgelegt werden.

Das Gürtelsystem beim Taekwondo in Deutschland:

Beim Taekwondo gibt es Übergangsgürtel, das sind immer die zweifarbigen Gürtel:

  • 10. Kup: weiß
  • 9. Kup: weiß-gelb
  • 8. Kup: gelb
  • 7. Kup: gelb-grün
  • 6. Kup: grün
  • 5. Kup: grün-blau
  • 4. Kup: blau
  • 3. Kup: blau-rot
  • 2. Kup: rot oder braun
  • 1. Kup: rot-schwarz oder braun-schwarz
  • 1. – 9. Dan: schwarz
  • 1. – 4. Poom rot-schwarz gestreift bei Kindern
  • Der 10. Dan wird von Kukkiwon ehrenhalber verliehen.

Vorgeschriebene Vorbereitungszeiten:

Beim Taekwondo gibt es bestimmte Vorbereitungszeiten, um einen Gürtel erfolgreich zu erlangen: Bereits beim 9. – 4. Kup sollte man 3 Monate, also rund 48 Trainingsstunden einplanen. Der 3. und 2. Kup erfordern 4 Monate, was etwa 64 Stunden entspricht. Der 1. Kup braucht ganze 6 Monate oder ca. 64 Übungsstunden. Für den ersten Dan benötigt man dann mindestens 1 Jahr bzw. 96 Stunden an Training.

Fazit zum schwarzen Gürtel im Kampfsport:

Je nach Kampfsportart repräsentiert der schwarze Gürtel unterschiedliche Fähigkeiten. Manchmal kann er bereits dank viel Motivation und Geschick in relativer kurzer Zeit erworben werden. Häufig braucht es aber jahrelanges Training und eine ganze Menge Ausdauer, bis man endlich ein Schwarzgurtträger sein darf.

Die Strapazen und Mühen lohnen sich aber. Das Gefühl zum ersten Mal eine Meistergraduierung bestanden zu haben, ist einfach unbeschreiblich. Daher können wir nur jedem dazu raten, der an Kampfsport interessiert ist, sich detaillierter mit dem Thema schwarzer Gurt auseinanderzusetzen.

Eines sollte man aber nie vergessen. Auch ein schwarzer Gürtel macht noch lange keinen unfehlbaren Meister aus einem. Viel eher sollte man dieses Kleidungsstück als Bestätigung der eigenen Fähigkeiten sehen und weiterhin an seinen Techniken und vor allem der Geisteshaltung arbeiten. Schließlich belegt der erste schwarze Gürtel nur, dass man die Grundlagen beherrscht. Mehr geht aber immer, oder etwa nicht?

Über Timo Meyer, Judoka (1. Dan) 12 Artikel
Er ist seit mehreren Jahren begeisterter Judoka und verfügt über ein breit gefächertes Fachwissen in Sachen Kampfkünste und Kampfsport. Als Experte schreibt er hier über alle möglichen Themen rund um Kampfsport. Sein Motto lautet: Man kann dir den Weg weisen, doch gehen musst du ihn selbst.