Schwingen: Der Schweizer Nationalsport im Detail beleuchtet!

Schwingen-Kampfsport

Das Schwingen ist auch unter dem Namen Hosenlupf bekannt. Es ist eine Art des Freistilringens und in der Schweiz extrem beliebt. Als Untergrund wird Sägemehl verwendet. Freistilringen ist eine Variante des Ringens. Vor allem in der Deutschschweiz ist das Schwingen ein beliebter und weitverbreiteter Nationalsport.

Was man über den Schweizer Nationalsport alles wissen muss, ob man diese Kampfsportart auch in Deutschland ausüben kann und welche Techniken es überhaupt gibt, verraten wir dir in diesem Ratgeber. Außerdem gehen wir noch auf viele weitere Aspekte dieser Kampfsportart ein.

Steckbrief mit den wichtigsten Grundlagen:

Namen:Schwingen oder Hosenlupf. Der Begriff Schwingen ist eine Kombination aus SCHWeiz und rINGEN.
Entstehung:Vermutlich im 13. Jahrhundert in der Schweiz entwickelt worden.
Techniken:300 Variationen von Griffen und Schwüngen
Veranstaltungen:Eidgenössisches Schwing- und Älplerfest, Unspunnen-Schwinget & Bergschwingfeste (Bergkranzfeste)
Spitzenschwinger:Christian Stucki, Matthias Glarner & Matthias Sempach

Die Geschichte des Schweizer Hosenlupf:

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Wo der Schwingsport in der Schweiz seine Wurzeln hat, ist nicht bekannt. Es gibt in der Kathedrale von Lausanne eine Darstellung, die die typischen Griffe zeigt, stammt aus dem 13. Jahrhundert. Im Voralpenraum, im Mittelland und in der Zentralschweiz gehörte der Hosenlupf zur Festkultur. Es gab viele Wirtshäuser und Alpfeste bei denen Bauern, Küher und Sennen um ein Schaf, ein Stück Hosentuch oder andere Naturalien kämpften. Der Ruhm des Siegers war dabei weitaus wichtiger als der materielle Gewinn.

Das erste Alphiertenfest zu Unspunnen 1805 belebte das Schwingen neu und das trotz einer französischen Fremdherrschaft. Das Fest wurde ausdrücklich gefeiert, um das Nationalbewusstsein der Schweizer wieder anzuheben. Denkwürdige Schwingfeste gab es im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts, als geschulte Turnpädagogen auch die Menschen in den Städten mit dem Schwingen bekannt machten.

Mit diesem Einsatz wurde aus dem Kampfsport, den ehemals nur Bauern und Hirten betrieben, ein Nationalsport für alle Schichten. Der eidgenössische Schwingerverband wurde im Jahr 1895 gegründet. Der Verband brachte die Regeln zusammen und integrierte regionale Eigenarten.

Es entstanden Lehrbücher und das Training wurde geschaffen, damit Trainierende ihr Niveau steigern können. Dazu wurden Wettkampfregeln geschaffen. Obwohl sich das Schwingen auf die Städte ausgebreitet hat, ist die Tradition in der Deutschschweizer Voralpengebietes in den Voralpen am weitesten verbreitet.

Der Wettkampf:

Ein Wettkampf, in dem es um das Schwingen geht, wird Scheingfest oder Schwinget genannt. Ein solcher Wettkampf dauert in der Regel nur einen Tag, eine Ausnahme ist das Eidgenössische Schwing- und Älperfest, dabei wird über einen Zeitraum von zwei Tagen geschwungen.

Der Kampf findet in einem Kreis statt. Der Kreis hat einen Durchmesser von sieben bis 14 Metern. Ausgepolstert wird die Fläche mit etwa 23 Kubikmetern Sägemehl. Es treten immer zwei Personen gegeneinander an. Diese Personen tragen über ihrer Kleidung eine kurze Hose aus Zwilch. Zwilich ist ein reißfestes, robustes und dichtes Material, das könnte Baumwolle, Halbleinen, Leinen oder künstliche Fasern sein.

Bevor der Kampf beginnt, geben sich die beiden Gegner die Hand. Danach versuchen sie sich gegenseitig mit einem Griff an die Hose und einem Schwung auf den Rücken zu legen. Der Sieg ist perfekt, wenn der Überlegene eine Hand an der Hose hat und der Unterlegene den Boden mit beiden Schulterblättern und mindestens zwei Dritteln seines Rückens berührt. Tradition ist es, dass der Sieger dem Verlierer die Sägemehlspäne vom Rücken wischt.

Für einen Kampf gibt es drei Kampfrichter. Einer der drei Kampfrichter steht mit in dem mit Sägemehl ausgepolsterten Ring. Die Kampfrichter bewerten den Gang, also die Kampfrunde. Für einen „Plattwurf“ gibt es höchstens zehn Punkte. Ist der Gang gestellt, also unentschieden ausgegangen, bekommt der aktivere Schwinger die höhere Punktzahl.

In der Regel werden bei einem Schwingfest sechs Gänge durchgeführt, außer beim Eidgenössischen, da sind es acht Gänge. Ein Kampfgericht bestimmt die Paarungen, bevor es losgeht. Das Ziel ist es, dass gleichstarke Schwinger gegeneinander antreten. Das Anschwingen sind die ersten beiden Gänge. Oft ist der erste Gang am spannensten, da hier die besten Sportler gegeneinander antreten.

Ausschwingen nennt man die Gänge drei und vier. Ausstich nennt man die Gänge fünf und sechs. Die beiden punkthöchsten Schwinger erreichen den Schlussgang. Es gibt beim Schwingen keine Gewichtsklasse. Nur bei den Jungschwingern, das sind die unter 16-jährigen Sportler, werden Kategorien gebildet, aber nicht nach dem Gewicht, sondern nach dem Alter.

Die Notengebung:

  • 10 bei einem Sieg und Plattwurf
  • 9,75 ein Sieg mit Nachdrücken am Boden
  • 9,00 ein Unentschieden bei attraktivem Kampf
  • 8,75 ein Unentschieden bei unattraktivem Kampf
  • 8,75 verloren, aber stark gekämpft und viel riskiert
  • 8,50 verloren ohne guten Angriff oder Chance

Dazu kann der Kampfrichter eine Viertelnote abziehen, bei einer Zeitverzögerung beim Grifffassen, beim Einschalten von Kunstpausen, bei dauerndem Kopfeinstellen, wenn rohe oder gefährliche Griffe angewendet werden, wenn in einer aussichtslosen Stellung verharrt wird oder wenn die Schwinghose mehrfach nicht fest angezogen wird.

Vor einem Notenabzug wird gewarnt!
Passieren in einem Kampf Handlungen, die zu einem Punktabzug führen könnten, wird der Sportler zuerst ermahnt. Dann wird eine Verwarnung ausgesprochen und der Notenabzug angedroht. Reagiert der Sportler immer noch nicht, erfolgt der Abzug der Punkte wie vorher angedroht.

Die Techniken des Hosenlupf:

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Das Schwingen ist keine einfache Kampfsportart. Das Repertoire an Techniken ist weit größer als man meinen könnte. Die wichtigsten von ihnen stellen wir im Folgenden vor. So bekommt man im Handumdrehen ein Gefühl für die Grundlagen.

Die Schwünge:

Es gibt mehr als 300 Varianten von Griffen und Schwüngen, mit denen man den Gegner auf den Rücken legen kann. Jetzt werden nur die sieben gebräuchlichsten Kombinationen erläutert.

Der Kurz:

Hierbei handelt es sich um den beliebtesten Schwung. Er beginnt mit einer Finte nach links. Dann muss man mit dem linken Bein zwischen die Beine des Gegners. Nur fest zugreifen und nach rechts drehen.

Der Übersprung:

Das Bein des Gegners liegt diagonal und das eigene Bein soll sprungartig dahinter kommen. Nun den Oberarm fixieren und mit starkem Druck nach vorne vervollständigen. Wird der Übersprung perfekt ausgeführt, garantiert er Maximalnoten.

Der Brienzer:

Beim Brienzer handelt es sich um einen perfekten Schwung für Kämpfer, die körperlich im Nachteil sind gegenüber ihrem Gegner. Der Angreifer fasst dem Gegner über die Schulter, um den Gurt des Gegners zu erreichen. Das Bein wird beim Gegner eingehängt und die Hand fasst den Oberarm. Das Bein anheben und nach vorne ab leeren.

Der Hüfter:

Das Gesäß des Angreifers geht ruckartig nach links und bewegt den Gegner über sein eigenes Gesäßes auf den Rücken gedreht. Da die Fixierung nicht fehlen darf, geht die linke Hand an den rechten Oberarm des Gegners.

Der Buur:

Beim Bodenkampf wird der Buur extrem häufig angewendet. Das linke Bein fixiert das Knie des Gegners. Dann wird der Spalt genutzt, um den Gurt der Schwingerhose zu ergreifen. Damit verliert der Gegner Bewegungsfreiheit. Eine Drehung nach rechts und der Gegner liegt auf dem Rücken.

Der Gammen:

Hier muss der Angreifer mit seinem linken Bein das rechte des Gegners einhaken. Umgekehrt geht es natürlich genauso. Jetzt muss der Angreifer nach vorne drücken, in der Hoffnung, dass der Gegner sein Gleichgewicht verliert und rücklings auf dem Boden landet.

Der Wyberhaagge:

Der Angreifer nutzt einen Gammen und den Gegner anzugehen. Dann wird das gegnerische Bein mit dem eigenen Bein eingeklemmt. Die Bewegungsfreiheit des Gegners eingeschränkt, indem der Angreifer über das Kreuz das andere Bein einhakt. Dann ist es für den Gegner fast unmöglich, sich wieder auszudrehen.

Das Regelwerk:

Die Wettkämpfe werden auf Grundlage des „Technischen Regulativ“ durchgeführt. Hier finden sich alle wichtigen Regeln, Vorgaben und Bestimmungen des Schwingens.

  • Artikel 1 beschäftigt sich mit dem Kampfgericht.
  • Artikel 2 beschäftigt sich mit den Schwingern, ihr antreten, ihre Bekleidung, ihren technischen Hilfsmitteln und dem Dopingverbot.
  • Artikel 3 dreht sich um den Wettkampfablauf und der Gangdauer.
  • Artikel 4 die Bestimmungen für das Einteilungskampfgericht.
  • Artikel 5 hier dreht sich alles um die Schwinghosen.
  • Artikel 6 betrifft die Wettkampfbestimmungen bezüglich der Begrüßung, des Grifffassens, die Regeln und den Beginn eines Ganges.
  • Artikel 7 geht es um Unterbrechungen im Gang und um rohe und gefährliche Griffe.
  • Artikel 8 betrifft das Gangende.
  • Artikel 9 befasst sich mit den Resultaten und den besonderen Bestimmungen.
  • Artikel 10 betrifft die Sanktionsmöglichkeiten.
  • Artikel 11 dreht sich um den Freigang.
  • Artikel 12 befasst sich mit den Kriterien und die Beurteilung bei der Notengebung.
  • Artikel 13 geht nur um die Notengebung.
  • Artikel 14 dreht sich um den Schlussgang, die Notengebung im Schlussgang und der Schlussgang als Zusatzgang.
  • Artikel 15 geht um die Rangfolge.
  • Artikel 16 dreht sich um den Kranzausstich, die Kranzquöte und den Ehrenkranz.
  • Artikel 17 befasst sich mit dem Schwingplatz.
  • Artikel 18 betrifft Anwendungsfragen und den Entscheid.
  • Artikel 19 befasst sich mit Sanktionen bei Widerhandlungen
  • Artikel 20 geht ums in Krafttreten.
  • Artikel 21 beinhaltet ergänzende Richtlinien und Weisungen.

Die Traditionen beim Schwingen:

Traditionell ist das Schwingen ein Männersport. Schwingerkönige sind weithin bekannt und werden wie prominente Sportler behandelt. Frauen gibt es beim Schwingen erst seit Ende des 20. Jahrhunderts. Der Frauenschwingerverband wurde 1992 gegründet. Viele betrachten Frauen in dem Sport noch skeptisch, die Akzeptanz steigt allerdings.

Bei den Schwingern handelt es sich um Amateure. Die meisten Spitzenschwinger haben allerdings Berufe, welche körperliche Kraft benötigen, wie Zimmermänner, Metzger, Käser oder Schreiner. Der Name eines Schwingers wird so genannt, dass zuerst der Nachname genannt wird und dann der Vorname.

Schwinger sind einheitlich gekleidet, sennenschwinger sind an dunklen Hosen und farbigen Hemden zu erkennen, meist sind es kragenlosen Sennenhemden in hellblau. Die Turnerschwinger erkennt man an langen weißen Hosen und weißen Leibchen.

Es gibt weder Werbung noch Sponsoring beim Schwingen. Es gibt keine Preisgelder für die Schwinger. Es gibt einen Gabentisch, auf dem sich Naturalpreise finden, wie traditionelle Kuhglocken oder Bauernmöbel. Als Hauptpreis gibt es oft ein Muni, das ist ein Hausrind.

Dabei kann es vorkommen, dass mehr Preise als Teilnehmer vorhanden sind. Da bekommt jeder Teilnehmer einen Preis. Bislang gab es Geld nur, wenn die Preise verkauft wurden, es gibt mittlerweile die ersten Schwinger, die einen Sponsor haben. Das gefährdet allerdings den Amateurcharakter der Sportart.

Die Spitzenschwinger:

Die besten Schwinger eines Schwingerfestes erhalten einen Kranz und dürfen sich ab dem Zeitpunkt Kranzschwinger nennen. Der Gewinner des eidgenössischen Schwingfestes erhält den Titel Schwingerkönig. Zu dem Titel Schwingertitel gehört die Zahl des Jahres, aus dem der Titel stammt.

Die Schwingerkönige:

Der erste Schwingerkönig wurde 1895 9n Biel ermittel. Der Schwingerkönig war Alfred Niklaus. Der aktuelle Schwingerkönig aus dem Jahr 2019 ist Christian Stucki, ermittel in Zug. Zwischen dem ersten Schwingerkönig und dem aktuellsten Schwingerkönig liegen 43 Schwingerkönige und 124 Jahre.

Orte in denen Scwingerkönige ermittelt wurden: Aarau, Basel, Bern, Biel, Burgdorf, Chur, Estavayer-le-Lac, Frauenfeld, Freiburg, Grenchen, Interlaken, La Chaux-de-Fonds, Langenthal, Lausanne, Luzern, Neuenburg, Nyon, Olten, Sarnen, Schwyz, Sion, Solothurn, Stans, St. Gallen, Thun, Vevey, Winterthur, Zug und Zürich

Es gab sechs Jahre, in denen es keinen König gab, sondern nur einen Erstgekrönten. Einige Könige schafften den Titel mehrmals, wie Hans Stucki in den Jahren 1902 und 1905. Hans Roth schaffte es 1929 und 1931. Willy Lardon schaffte es 1937 und 1943. Karl Meli schaffte es 1961 und 1964. Rudolf Hunsperger schaffte es 1966, 1969 und 1974. Ernst Schläper schaffte es 1980 und 1983. Jörg Abderhalden schaffte es 1998, 2004 und 2007.

Das kleine FAQ zum Schluss:

FAQ

Beim Schwingen handelt es sich um einen Schweizer Nationalsport, der besonders in der deutschsprachigen Schweiz beliebt ist. Traditionell nur auf dem Land ausgeübt, eroberte das Schwingen auch die Städte. Seit kurzem betreiben sogar Frauen, diesen von Männern dominierten Sport.

Wie hoch sind die Preisgelder, Werbeeinnahmen & Sponsorengelder?

Ursprünglich gab es keine Preisgelder, keine Werbeeinnahmen und keine Sponsorengelder. Es gab einen Gabentisch mit eher praktischen Sachen, wie Stoff für eine Hose, eine Glocke für eine Kuh oder eine Kuh als Hauptpreis.

Dann fing es an, dass die Gewinner ihre Preise verkauften. Mittlerweile werden die besten Schwinger gefeiert wie Stars und verdienen auch gut mit Werbung. Erste Schwinger können sich über Sponsoren freuen. Das ist für die Sportler gut, gefährdet aber den Amateurcharakter des Sportes.

Eignet sich die Techniken der Kampfsportart Schwingen zur Selbstverteidigung?

Es ist eine Kampfsportart. Sie ist zwar nicht auf Selbstverteidigung ausgelegt, aber im Zweifel hilft es einem bestimmt im Gegensatz zu jemanden, der gar keine Kampfsporterfahrung hat. Obwohl es manchmal der bessere und sicherer Weg ist, einfach ruhig zu bleiben.

Wie ist diese Sportart organisiert?

Der Sport ist in einem Verband organisiert, der zu seinem Beginn die unterschiedlichen Regeln unter einen Hut gebracht hat und alles angeglichen hat, was es einfacher macht Sportler aus verschiedenen Regionen miteinander zu vergleichen.

Worin unterscheiden sich Ranggeln und Schwingen?

Die Techniken vom Ranggeln und Schwingen sind sich recht ähnlich. Allerdings trägt man beim Ranggeln keine Extrahose und so muss man die spezielle Hose auch nicht immer mit einer Hand festhalten. Ranggeln ist offensiver als Schwingen.

Können bereits Kinder mit dem Training beginnen?

Sport ist grundsätzlich gut für Kinder. Ein Kampfsport kann sich zudem gut auf das Selbstbewusstsein des Kindes auswirken. Der Sport muss allerdings auf das Alter und die Fähigkeiten des Kindes angepasst sein. Im schwingen gibt es eine Kinder- und Jugendsportabteilung. Also ist Schwingen für Kinder geeignet, wenn die besonderen Anforderungen eines Kindes berücksichtigt werden.

Über Timo Meyer, Judoka (1. Dan) 21 Artikel
Er ist seit mehreren Jahren begeisterter Judoka und verfügt über ein breit gefächertes Fachwissen in Sachen Kampfkünste und Kampfsport. Als Experte schreibt er hier über alle möglichen Themen rund um Kampfsport. Sein Motto lautet: Man kann dir den Weg weisen, doch gehen musst du ihn selbst.