Selbstbehauptung im Rahmen der Selbstverteidigung

Selbstbehauptung-Selbstverteidigung

Bei der Selbstverteidigung spielt auch die Selbstbehauptung eine große Rolle. Schließlich möchte man seine Grenzen und Rechte nicht nur kennen, sondern auch kommunizieren und erfolgreich durchsetzen können.

Doch wie kommuniziert man effektiv, worauf gilt es bei der Körpersprache zu achten und wie deeskaliert man kritische Situationen richtig? All das und noch einiges mehr erfährst du in diesem Ratgeber.

Was heißt Grenzen und Rechte überhaupt?

Im Zusammenhang mit der Selbstverteidigung bedeutet dies zum Beispiel folgendes:

  • Ein Recht auf ein gewaltfreies Leben.
  • Ein Recht darauf, nicht unsittlich berührt zu werden.
  • Ein Recht haben, nicht seelisch verletzt zu werden.
  • Ein Recht auf die freie, sexuelle Selbstbestimmung.
  • Ein Recht auf deine Handlungsfreiheit.
  • Ein Recht haben, selbst zu bestimmten, wer sich in deinen 4 Wänden aufhält.

Kommunikation: Was heißt das konkret?

Warum-Selbstverteidigung-lernen

Hiermit ist nicht nur reden oder der Kontakt mit anderen Menschen gemeint. Kommunikation beginnt schon viel früher. So spielen unsere Körpersprache sowie unser Verhalten eine ganze große Rolle, wie uns unser Umfeld wahrnimmt.

Manch einem ist dies gar nicht bewusst. Das oberste Ziel im Rahmen der Selbstverteidigung sollte es daher sein, mithilfe eines klaren Auftretens, sich nicht von vornherein zum Opfer machen zu lassen.

Doch warum fällt das oft so schwer?

Hier ist unsere Sozialisierung meist die Hauptursache. So haben wir schon im Kindesalter gelernt, was man machen darf und was nicht. So kommt es nicht selten bei Selbstverteidigungskursen vor, dass Schüler im Rollentraining zwar „Nein. Stopp!“ brüllen, dabei aber ganz freundlich lachen.

Woran liegt das jetzt aber? Das liegt daran, dass man andere Menschen unbewusst spiegelt. Lacht also unser Angreifer, machen wir dies meist auch automatisch.

Normalerweise ist dies ja auch richtig, da wir so sympathischer wirken. Bei der Selbstbehauptung und auch bei der Selbstverteidigung ist dies aber nicht gefragt. Nein, sogar eher hinderlich.

Effektive Kommunikation im Rahmen der Selbstbehauptung & Selbstverteidigung:

Selbstbehauptung-Frau

Wie man seine Selbstbehauptung verbessern kann, erklären wir nun im folgenden. Dabei geben wir Tipps, mit denen man in kurzer Zeit schon so manches erreichen kann.

Verbale Kommunikation:

Zu Beginn fangen wir bei der verbalen Kommunikation an. Hier kann man am meisten verbessern und erzielt auch die schnellsten Ergebnisse. Zu Beginn widmen wir uns einem ganz bestimmten Wort. Die Rede ist vom Wörtchen Nein.

Nein heißt schließlich Nein. Darüber braucht man auch nicht zu diskutieren. Allerdings spielt die Art und Weise wie wir uns hier ausdrücken eine große Rolle. So gibt es viele Sachen, die unser Nein noch um einiges deutlicher machen.

Wie man seine Grenzen richtig kommuniziert und wie dadurch eine Verletzung dieser sehr unwahrscheinlich wird, erklären wir dir nun.

Bevor wir uns auf die Tipps & Tricks für eine erfolgreiche verbale Kommunikation stürzen, bitten wir dich um eine Sache: Gehe kurz in dich und überlege dir, wo deine Grenzen in bestimmten Situationen liegen.

Nein sagen, will geübt sein:

Nachdem du nun weißt, wo deine Grenzen liegen und was es zu schützen gibt, üben wir nun das Nein sagen. Dafür gibt es verschiedene Methoden. Grundsätzlich sollte man sich für den schnellen Erfolg auf 2 konzentrieren.

Methode 1: Stelle dich vor einen Spiegel sag einmal Nein. Nun wiederholst du das Wort in verschiedenen Lautstärken als auch Betonungen. Ziel der Übung ist es, ein überzeugendes Nein hervorzubringen. Beende die Übung daher erst, wenn du selbst von deinem Nein überzeugt bist.

Methode 2: Nun geht es schon ans Eingemachte. Das Nein muss auch in freier Wildbahn erfolgreich vorgebracht werden. Dafür übt man in unkritischen Situationen.

Praktische Anwendung des Erlernten:

Oft werden wir in verschiedenen alltäglichen Situationen Dinge gefragt wie: Darf es noch etwas mehr Käse sein oder wollen sie noch einen Kaffee? Darauf antworten wir in Zukunft einfach konsequent mit Nein.

Das Ganze bedarf mehr Übung als man meinen könnte. Schließlich steht uns unsere freundliche Art und die Sozialisierung hier schnell im Wege. Wer jetzt schon mit voller Überzeugung in solchen Situationen nein sagen kann, tut sich auch in schwierigen Situationen deutlich leichter.

Kleiner Hinweis:

Was wir dir hier nicht sagen wollen ist, dass du ab jetzt unfreundlich durch die Welt da draußen gehen sollst. Wir möchten dich nur dazu ermuntern deine Rechte und Grenzen auch durchzusetzen.

Bleib daher aber bitte stets freundlich und denke daran, dass es sich hier nur um eine Übung dreht. Und wenn du noch einen Kaffee möchtest, weil dir danach ist, dann genehmige ihn dir auch. Schließlich soll man sich auch an den kleinen Dingen im Leben erfreuen oder etwa nicht?

Ein lautes Nein ist die Königsdisziplin:

Wie man nein sagt, weißt du. Wie man es überzeugend herüberbringt, ist dir in Fleisch und Blut übergegangen. Doch für die Selbstbehauptung im Rahmen der Selbstverteidigung reicht das noch nicht.

Man muss „Nein, Stopp oder lassen Sie das“ laut sagen können. Auch dafür gibt es wieder verschiedene Methoden. Wir empfehlen auch hier wieder den Spiegel. Stelle dich wieder hin und schrei den Spiegel richtig laut an.

Gelingt dir dies nicht. Dann sorge für Krach. Stelle den Fernseher auf volle Lautstärke oder spiele laute Musik ab. Versuche diese nun zu Überschreien. Setze dich gegen den Krach durch!

Und glaube uns, das lohnt sich. Lautes reden und schreien, erst recht in der Öffentlichkeit ist, nach wie vor ein Tabu-Bruch. Daher sorgt dies meist für Aufsehen und das hassen Angreifer. In der Regel lassen sie so sofort von dir ab.

Deeskalation & Selbstbehauptung vor der Selbstverteidigung:

Deeskalation

Ein lautes Nein kann Angreifer abschrecken und zeigt deine Grenzen auf. Doch was macht man, wenn das Gegenüber noch immer nicht von einem ablässt? Wie kann man bestimmte Situationen mit Worten deeskalieren und was sagt man da überhaupt?

Eines gleich vorweg: Kann man sich einer kritischen Situation durch Flucht entziehen, ist dies immer der bessere Weg. Deeskalationsmethoden kommen erst zum Zug, wenn wir uns nicht mehr aus dem Gefahrenbereich entfernen können. So viel dazu.

Deeskalation funktioniert oft sehr unterschiedlich und ist ein sehr weites Feld. Alles können und wollen wir in diesem Ratgeber nicht abdecken. Das Wichtigste rund um Selbstbehauptung & Selbstverteidigung sprechen wir aber an.

Erwartungen sollte man nicht entsprechen:

Wichtig ist, dass man nicht den Erwartungen des Angreifers auf keinen Fall entspricht. Doch was ist damit genau gemeint?

Die meisten potenziellen Angreifer haben einen Film im Kopf, wie das Opfer zu reagieren hat. Verhält es sich genauso, wie es sich der Aggressor im Voraus ausgemalt hat, kommt es nun zum Angriff.

Daher lautet die wichtigste Regel: Entspreche nicht den Erwartungen und Vorstellungen deines potenziellen Angreifers. Mache etwas, womit das Gegenüber nicht rechnet, um es aus der Verfassung zu bringen.

Theoretisch klingt das ganz gut, doch was heißt das in der Praxis? Umarmt dich als Frau jemand gegen deinen Willen, kannst du ihn natürlich mit voller Wucht wegstoßen. Das führt meist aber nur zu einer körperlichen Gegenreaktion. So beginnen Kämpfe in der Regel.

Stattdessen kannst du ja an seinen Oberkörper fassen und ihn fragen, ob er schon mal mit einem Transgender geschlafen habe oder das heute sein erstes Mal wird.

Alternativ kannst du dich aus der Umklammerung versuchen zu lösen und ihn ganz verwirrt fragen, ob er eine Frau ist. Schließlich siehst du ja so schlecht und lesbisch bist du auch.

Expertenrat:

Der Fantasie sind hier natürlich keine Grenzen gesetzt. Da man in solchen Situationen nicht immer auf schlagfertige Wortspielchen kommt, solltest du dir vorher ein paar Gedanken machen in welche Situationen du geraten könntest und wie du sie verbal lösen kannst.

Passiv, aggressiv oder lieber latent desinteressiert?

Oft wird auch empfohlen sich passiv zu verhalten. Einfach alles zu ignorieren und sich normal zu verhalten als wäre nichts. Leider ist diese Abwehrmethode in die Jahre gekommen und wird inzwischen von vielen als stilles Einverständnis zum weiter machen aufgefasst.

Das genaue Gegenteil, den Angreifer mit Aggressivität entgegenzukommen, bringt genauso wenig. Man motiviert ihn so nur, einen erst recht anzugreifen. Aggressives Verhalten kann also genauso wie passives Verhalten oder auch ignorieren schnell zu einer Eskalation führen.

Den Königsweg gibt es natürlich nicht. Aus eigener Erfahrung können wir eine Variante, aber ganz besonders empfehlen. Das Spielen von latenten Desinteresse mit einer Leck-mich-am-Arsch-Einstellung.

Gemeint ist damit, dass man sich zwar inhaltlich etwas auf das Gegenüber einlässt, aber mehr als Small Talk nicht zulässt. Zudem sollte man den Small Talk möglichst langweilig dahin laufen lassen. So verliert der Angreifer oft das Interesse.

Expertenrat:

Ob nun passives, aggressives oder desinteressiertes Verhalten richtig ist, kannst nur du mithilfe deiner Intuition entscheiden. Eines steht aber fest: Übe diese Methoden mit einem Partner, überlege dir verschiedene Abwehrreaktionen und dann geht es ans Eingemachte.

Wo Deeskalation keinen Sinn macht:

Nicht immer ist Deeskalation der richtige Weg. So gibt es auch Situationen, wo man einfach das macht, was das Gegenüber von einem will. Beispiel hierfür wäre ein Raub. Möchte jemand deine Wertsachen, gibst du ihm diese einfach umgehend.

Prinzipiell kann so eine Situation zwar deeskaliert werden, aber das damit verbundene Risiko einer körperlichen Schädigung steht in keinem Verhältnis zu den Wertgegenständen.

Diese lassen sich schließlich ersetzen. Die Gesundheit hingegen nicht. Wir haben nämlich nur eine. Schwere Schädigungen und Verletzungen bleiben nämlich oft für immer.

Körperhaltung – Worauf es ankommt:

Körperhaltung Selbstbehauptung

Nicht immer wird ein Opfer aufgrund seines verbalen Verhaltens ausgesucht. So haben viele Studien ergeben, dass viele Opfer nach ihrer nonverbalen Kommunikation ausgesucht werden. Sprich wie sie gehen und wir ihre Haltung ist.

Doch was heißt das nun für uns? Zuerst einmal sollten wir aufrecht, selbstbewusst und mit gehobenem Hauptes gehen. So signalisieren wir, dass wir kein potenzielles Opfer sind.

Allerdings sollte man darauf achten, dass man dabei nicht arrogant wirkt. Eine kurze Übung vor dem heimischen Spiegel schadet also auch hier nicht. Achte darauf, dass du deine Schultern nach hinten nimmst, aufrecht gehst und dein Blick etwas angehoben ist.

Unser Fazit zur Selbstbehauptung im Rahmen der Selbstverteidigung:

Wer sich mit der Selbstbehauptung und nicht nur mit der reinen Selbstverteidigung beschäftigt, hat auf alle Fälle alles richtig gemacht. So lassen sich Angriffe erfolgreich verhindern, kritische Situationen deeskalieren und das Wörtchen nein kann man vernünftig benutzen.

Kleiner, aber feiner Tipp zum Schluss:

Wenn du dich draußen bewegst, achte nicht nur auf deine Körperhaltung. Lass deinen Blick schweifen und beobachte alles um dich herum. So erkennst du gefährliche Situation frühzeitig und kannst ihnen aus dem Weg gehen.
Über Fabian Wüst, Coach & Berufswaffenträger 72 Artikel
Er ist erfolgreicher Trainer in Sachen Selbstverteidigung und sammelte wichtige Erfahrungen als Geldtransporterfahrer, Bahnschutzmitarbeiter und Objektschützer für das Militär. Auf dieser Webseite teilt er sein erlangtes Know How mit dir. Sein Motto lautet: Schütze Dich und Deine Liebsten.