Schreckschusswaffen: Selbstverteidigung, Führen & häufige Fallstricke!

Selbstverteidigung-mit-Schreckschusswaffen

In Deutschland steigt die Zahl der Kleinen Waffenscheine im Vergleich zu den Vorjahren sprunghaft an. Immer mehr Bürger führen in Deutschland also eine Schreckschusswaffe mit sich. Der Grund dafür ist simpel, aber auch etwas erschreckend. Es geht nämlich um die Selbstverteidigung gegen einen oder auch mehrere Angreifer. Das Vertrauen der Bevölkerung in den Staatsschutz scheint also immer mehr zu schwinden.

Eigentlich kann das aber nicht der Fall sein. Immer wieder betonen zahlreiche Studien und ein Großaufgebot an Experten, dass die Zahl der Straftaten seit Jahren konstant zurückgeht. Wie auch immer denn nun der aktuelle Stand ist, Schreckschusswaffen werden zum neuen Megatrend in der Selbstverteidigungszene. Doch als erfahrener Selbstschutztrainer weiß ich genauestens über die Schattenseiten dieser Waffen Bescheid.

Sind sie vielleicht gar nicht zum Eigenschutz geeignet oder werden sie nur falsch eingesetzt? Wie verteidigt man sich mit ihnen und wo beginnen die Grenzen? Schrecken sie erfahrene Täter ab oder provozieren diese sogar noch zu einer härteren Gangart? All diese Fragen und noch einige mehr werde ich in diesem Ratgeber beantworten. Nachdem lesen weißt du ganz genau, worauf es in puncto Selbstverteidigung mit Schreckschusswaffen ankommt.

Alles Wichtige zu Beginn kurz zusammengefasst:

Den Anfang dieses sehr Beitrags macht unsere Kurzübersicht. Hierin sind bereits die wichtigsten Fragestellungen beantwortet und du kannst dir im Handumdrehen einen Überblick rund um Schreckschusswaffen und deren Selbstverteidigungsfähigkeiten verschaffen:

  • Vorteile: Der Aggressor kann durch das bloße Ziehen vom Angriff abgeschreckt werden und das subjektive Sicherheitsgefühl verbessert sich.
  • Nachteile: Das Führen und Transportieren fällt unter das Waffengesetz, viele Hausordnungen verbieten solche Waffen, die Reichweite und Wirkung der Reizmunition ist gering, die Kosten für Waffe, Munition und Kleiner Waffenschein liegen schnell bei 300 bis 400 Euro & heran eilende Sicherheitskräfte könnten die Lager falsch interpretieren und von einer Schießerei ausgehen.
  • Alternativen: Hier bieten sich vor allem Pfefferspraypistolen und günstige Tierabwehrsprays an. Man unterliegt hier nicht dem Waffenrecht und hat aufgrund dessen mit deutlich weniger Regulierungen zu ringen. Zusätzlich dazu empfiehlt sich der Besuch eines Selbstverteidigungskurses, um ein paar grundlegende SV-Techniken zu erlernen.
Welche Arten von Munition für Schreckschusswaffen gibt es?
Die meisten Menschen kennen in Bezug auf Schreckschusswaffen nur Platzpatronen. Diese knallen lediglich und haben keine weitere Wirkung. Besser fährt man bereits mit CS-/CN-Munition. Hierin ist ein Reizgas enthalten, welches die Atemwege und Augen des Angreifers reizt. Das gleiche Prinzip macht sich die Pfeffermunition zunutze. Man kennt sie natürlich aus handelsüblichen Tierabwehrsprays.

Relativ selten erhältlich ist noch die sogenannte Pyromunition. Diese ist aber nicht zur Selbstverteidigung gedacht. Man benutzt sie als Feuerwerk oder Attraktion. Zum Abfeuern dieser Spezialpatronen benötigt man einen Abschussbecher, der vorne an der Waffe montiert wird. Manche kennen diesen auch unter dem Begriff Zusatzlauf. Ihren Einsatz haben solche Patronen an Silvester oder auf Geburtstagsfeiern.

Kann man sich auch gegen mehrere Angreifer verteidigen?
Setzt man die Waffe mit all ihren Vorzügen richtig ein, kann man sich durchaus auch als schwache Person gegen mehrere Angreifer zur Wehr setzen. Vor allem die abschreckende Wirkung einer gezogenen Schusswaffe kann hier schlimmeres verhindern. Was aber eher nicht gelingen wird, ist das Treffen mehrerer sich bewegender Angreifer auf kurzem Raum.
Welche Gefahren lauern beim Abfeuern eines Schusses?
In geschlossenen Räumen sind Schreckschusswaffen eine denkbar schlechte Option. Der Knall ist dann nämlich besonders laut und Reizmunition verletzt leicht die umstehenden Personen. Auch die Windrichtung kann gefährlich werden. Ein starker Windstoß oder etwas Gegenwind kann die komplette Ladung Reizmittel in dein eigenes Gesicht befördern. Und zu guter Letzt kann ein Schuss auf eine Entfernung von unter einem Meter zu schweren äußeren als auch inneren Verletzungen führen.
Wie lässt sich der Umang mit Schreckschusswaffen trainieren?
Prinzipiell ist es möglich mit den Waffen auf abgesperrten Grundstücken und dies mit Erlaubnis zu trainieren. Allerdings könnte dies vorbeikommende Passanten zum Alarmieren der Polizei verleiten. Besser und sicherer ist es daher einen Schießlatz aufzusuchen. Oftmals kann man dort sogar einen Trainer samt Stand günstig buchen. Dieser hilft einem ungemein beim Erlernen des sicheren Umgangs.
Revolver oder doch lieber eine Pistole?
Diese Frage klingt so als würde es hier um den Geschmack gehen. Dem ist aber nicht so. Revolver sind weniger anfällig für Störungen und können damit im Ernstfall die bessere Wahl sein. Allerdings kommen Ladehemmungen bei Schreckschusspistolen selten vor. Man sollte allerdings wissen, wie man diese behebt. Der Vorteil von Pistolen ist eigentlich nur die größere Magazinkapazität.

Was spricht gegen den Einsatz von Schreckschusswaffen?

Die einschlägigen Läden sind voll mit diesen täuschend echt aussehenden Pistolen und Revolvern. Allerdings bleibt es in puncto Ausstattungsmerkmale in erster Linie nur bei der Optik. Je nach Munition können die Waffen zwar noch laut knallen oder etwas Pfeffer oder CS-Gasverschießen, aber damit hält man meist keinen (bewaffneten) Angreifer auf. Warnschüsse haben zum Beispiel längst keinen so abschreckende Wirkung, wie man als Laie meinen könnte.

Aber auch mit Pfeffer- oder CS-Gaspatronen fährt man kaum besser. Die Konzentration des Wirkstoffes ist nämlich sehr gering. Noch dazu wird er in Nebelform verschossen. Daher sollte es im Angriffsfall windstill sein und man muss sehr nahe an den Gegner heran, damit er auch etwas abbekommt. Aus unserer Erfahrung nach sprechen hier von einer Distanz von gerade einmal 2 bis 3 Metern. So nah sollte man Aggressoren aber nicht an sich heranlassen.

Schließlich könnte dieser in Anbetracht einer gezogenen Waffe selbst eine echte Kurzwaffe ziehen oder zumindest einen Angriff mit einem Messer wagen. In beiden Szenarien hat man denkbar schlechte Karten. Die abschreckende Wirkung hat nicht funktioniert, ein Warnschuss macht die Lage nicht besser und der Pfeffernebel bremst den Angreifer nicht schnell genug. In so einer Situation hat man die Lage also selbst eskaliert und nicht mehr unter Kontrolle.

Alleine diese Beispiele zeigen schon auf, weshalb die Selbstverteidigung mit Schreckschusswaffen eher kritisch betrachtet werden sollte. Nicht zuletzt, da heran eilende Sicherheitskräfte von einer echten Schießerei ausgehen und damit schneller zur eigenen Waffe greifen werden. Dies kann bereits bei einem nervösen Finger schwere Folgen für alle Beteiligten haben. Zudem sind auch Gerichte kein Fan der SSW.

Warum wir von Schreckschusswaffen abraten:
  • Das Waffenrecht sorgt für zahlreiche Fallstricke und Regularien
  • Man setzt in erster Linie auf eine abschreckende Wirkung
  • Mit keiner Munitionsart kann sich wirklich verteidigen
  • Sicherheitskräfte werden die Situation als Schießerei einstufen
  • Die SSW sollte stets verdeckt getragen werden, um kein Aussehen zu erregen
  • Staatsanwälte und Richter haben für die Verwendung meist kein Verständnis
  • Der Kleine Waffenschein samt Waffe und Munition ist sehr teuer

Was gilt es beim Führen zu beachten?

Beginnen wir mit den absoluten Grundlagen. Wer eine Schreckschusswaffe in der Öffentlichkeit tragen möchte, benötigt dazu einen Kleinen Waffenschein. Dieser erlaubt einem das Führen von Gas-, Schreckschuss- und Signalwaffen außerhalb der eigenen 4 Wände. Allerdings nur dann, wenn die Waffe über ein PTB-Prüfzeichen verfügt. Wo man die Schreckschusswaffe aber letztendlich legal dabei haben kann, bestimmt nicht nur die der Kleine Waffenschein.

So verbieten viele Gebäudebesitzer das Führen oder Transportieren von jeglichen Waffen in ihren Räumlichkeiten. Selbst die Deutsche Bahn hat eine Klausel in ihren AGBs, dass Schreckschusswaffen stets draußen bleiben müssen. Aber auch Vater Staat wartet noch mit ein paar Einschränkungen auf. So ist das Mitführen solcher Waffen bei öffentlichen Versammlungen, Aufzügen oder öffentlichen Veranstaltungen gänzlich untersagt.

In der Praxis fallen darunter unter anderem: Volksfeste, Sportveranstaltungen, Messen, Ausstellungen, Märkte, Theater-, Kino- und Diskothekenbesuche sowie Tanzveranstaltungen. Und als wäre das noch nicht genug, werden in Deutschland immer mehr Waffenverbotszonen eingeführt. In diesen sind Schreckschusswaffen meist gänzlich verboten, wenngleich es auch hier wieder regionale Unterschiede gibt.

Wer meint die Kosten für einen Kleinen Waffenschein einsparen zu müssen oder sich über geltendes Recht hinwegsetzen zu dürfen, wird hierzulande hart bestraft werden. So wird beispielsweise das Führen ohne Waffenschein mit einer Freiheitsstrafe von bis zu 3 Jahren geahndet. Das deutsche Waffengesetz gehört eben zu einem der härtesten der Welt und wird noch dazu oft verschärft.

Gut zu wissen:
Der Kleine Waffenschein kann auf der zuständigen Gemeinde beantragt werden. Dort wird allerdings sowohl die Zuverlässigkeit als auch die persönliche Eignung kontrolliert. Zur Beantragung wird des Weiteren noch ein gültiger Personalausweis oder Reisepass benötigt. Da auf dem Kleinen Waffenschein kein Lichtbild vorhanden ist, sondern nur der Name steht, muss man sich bei Kontrollen aufweisen können.

Worauf kommt es in der Praxis wirklich an?

Jahrelang musste ich mit einer schweren, großen und damit sehr unbequemen Pistole meinen Dienst verrichten. Die Waffe zog die Koppel auf der einen Seite ständig nach unten und beim Sitzen schob sie meine Schutzweste ständig ein klein wenig nach oben. Natürlich muss man als Berufswaffenträger mit solchen nervigen Kleinigkeiten leben. Man hat schließlich keine andere Wahl und es gibt auch schlimmeres auf der Welt.

Als Privatmann agiert man anders. Ist die Waffe nämlich zu groß und nervt damit bei der Fortbewegung, wird sie irgendwann immer zu Hause gelassen. Die Bequemlichkeit siegt also schneller als man denkt. Daher sollte man eine möglichst kleine und leichte Schreckschusswaffe kaufen. So ein Exemplar lässt sich auch deutlich angenehmer verdeckt tragen. In der Praxis kommt es zudem nicht auf die maximale Magazinladung an.

Damit man die Waffe im Ernstfall aber auch dabei hat, braucht man ein Holster. Und damit sind nicht etwa Gürtelholster gemeint, wie sie Polizisten oder Soldaten nutzen. Zwar kann man die Schreckschusswaffe so unter einer Jacke oder einem dicken Pulli verdeckt tragen, aber schnell kommt man so nicht mehr an die Schutzbewaffnung. Zudem muss die Bekleidung nur etwas nach oben rutschen und schon sieht jeder die Koppel und das Holster.

Unauffällig geht also anders. Gerade im Sommer, wenn man nur ein weites T-Shirt anhat, braucht man eine elegantere Lösung. Und die gibt es natürlich auch. Zudem kann man die SSW so viel angenehmer tragen. Die Rede ist von einem sogenannten IWB-Holster. Diese sitzen innerhalb des Hosenbundes und werden meist vorne rechts getragen. Ein netter Nebeneffekt dieser Trageweise ist der feste Sitz. In einem Handgemenge kann einem die Waffe so nicht einfach entrissen werden.

Gut zu wissen:
Insideholster sind also die beste Wahl, um eine Waffe sicher, angenehm und verdeckt zu tragen. Zumindest gilt dies, wenn man sie im Appendix Carry, sprich vorne rechts oder links trägt. Am Rücken hingegen kann einem die SSW in Sekundenbruchteilen und noch dazu unbemerkt abgenommen werden. Und Schulterholster funktionieren nur, wenn man die Jacke stets zumacht. Ansonsten reicht ein Windstoß und jeder sieht die Gurte.

Wie funktioniert denn jetzt die Selbstverteidigung?

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Nun wurden die wichtigsten Grundlagen in Bezug auf Schreckschusswaffen angesprochen und endlich kann es mit der Praxis losgehen. Wird man auf der Straße angegriffen oder die Lage spitzt sich rasant zu, muss man erstmal für ausreichend Abstand zum Gegenüber sorgen. Wir reden hier von einer Distanz von 5 bis 7 Meter. Es schadet außerdem auch nicht für etwas Aufmerksamkeit zu sorgen.

Dann geht es aber auch nicht sofort mit dem Ziehen der Waffe los. In der Regel hat man nämlich immer noch etwas Zeit, um es mit der Deeskalation der Lage zu versuchen. Dabei muss man von Situation zu Situation andere Taktiken anwenden. Was man aber als Grundlage beherrschen sollte, ist ein deutliches und insgesamt ruhiges Sprechverhalten. Weder sollte man zu laut noch zu leise reden.

Damit der Aggressor die Botschaft auch ernst nimmt, sollte man aufrecht stehen seine Hände aus den Hosentaschen holen. So kommt man im Ernstfall schneller an die Waffe heran und kann gleichzeitig auch mit waffenlosen Techniken im Nahkampf arbeiten. Wichtig ist beim Deeskalieren, dass man keine Gewalt androht und auch nicht auf die Waffe hinweist. Beides würde das Gegenüber nur dazu verleiten, selbst den ersten Angriff vorzunehmen.

Darüber hinaus kann man in dieser Phase noch nach einer Fluchtmöglichkeit suchen. Es ist nämlich immer besser einem Kampf durch Flucht oder Deeskalation zu entkommen. Man spart sich so einerseits viel rechtlichen Ärger und andererseits den Einsatz von Gewalt oder der Schreckschusswaffe als Hilfsmittel der Notwehr. Oftmals genügt bereits eine kurze Ablenkung durch ein Fahrzeuggeräusch, um noch schnell die Flucht ergreifen zu können.

Die Schreckschusswaffe in der Selbstverteidigung richtig einsetzen:

Steht der Angriff unmittelbar bevor oder ist bereist im vollen Gange, kann man seine SSW nun im Rahmen der Notwehr einsetzen. Wichtig ist dabei vor allem ein Aspekt. Die Rede ist natürlich von der Verhältnismäßigkeit der Mittel. Man selbst darf es bei der Selbstverteidigung also nicht übertreiben. Die Strategie oder genauer gesagt die eingesetzten Techniken müssen angemessen sein. Dies behalten wir einmal im Hinterkopf bei der Fülle an Möglichkeiten.

1. Die Schreckschusswaffe ziehen und in Anschlag bringen:

Um die SSW auch erfolgreich zum Eigenschutz nutzen zu können, muss man sie im Ernstfall ziehen und in Anschlag bringen können. Wer dabei sehr professionell vorgeht, zeigt dem Angreifer 2 wichtige Dinge: Man ist bestens gewappnet und hat noch dazu die volle Kontrolle über die Situation. Dem Aggressor soll so bewusst werden, dass ein Angriff ihm nichts nützt und er im Zweifel unterliegen würde.

Allerdings bleibt die Wirkung nur dann erhalten, wenn man die Waffe nicht erst aus einem Rucksack oder einer Handtasche herauskramen muss. Auch ein Straucheln beim Ziehen sollte man vermeiden. Daher gilt es die Selbstverteidigung mit einer Schreckschusswaffe regelmäßig zu trainieren. Das Ziehen aus einem Holster ist nämlich nicht so leicht, wie es oft ausschaut. Manchmal scheitert es nämlich schon am Lösen der Verriegelung oder am Erreichen der Waffe.

Das Ziehen und in Anschlag gehen mit einer Schreckschusswaffe hat bereits eine abschreckende Wirkung. Allerdings kommt diese noch viel besser zur Geltung, wenn man zeitgleich den Gebrauch im Kommandoton bekannt gibt. So macht man dem Angreifer unmissverständlich klar, dass man nun das Sagen hat. Aber auch hier sollte man noch nach Fluchtmöglichkeiten suchen.

2. Den Angriff mit der Schreckschusswaffe erfolgreich abwehren:

Gelingt es nicht mehr das Gegenüber auf Abstand zu halten oder es kommt zu einem Kampf, hat man nun 2 konkrete Optionen. Man kann versuchen einen Warnschuss abzugeben oder die Waffe im Nahkampf als Hilfsmittel der einfachen körperlichen Gewalt einzusetzen. Selbstredend kann man nach dem Warnschuss, sollte der Abstand zum Angreifer noch immer ausreichend groß sein, noch ein paar Schuss Pfeffer- oder CS/CN-Munition zu verschießen.

Lässt sich der Angreifer nun noch immer nicht von einem ab, muss man etwas rabiater werden. Dafür muss man aber nicht gleich mit richtigen Selbstverteidigungstechniken loslegen, wie man sie aus bekannten Kampfsportfilmen kennt. Zwar schadet es nie ein paar Griffe und Techniken zu beherrschen, aber bereits die SSW ist ein nützliches Hilfsmittel im Nahkampf. Sie kann nämlich als Schlagverstärker dienen.

Je nach Notwehrlage sind also gezielte Schläge auf die grünen, gelben und roten Zonen des Körpers möglich. Grundsätzlich gilt hierbei, dass große Muskelgruppen ein gutes Ziel darstellen. Sie sind leicht zu treffen und es entstehen in der Regel keine bleibenden Schäden. Bespiele für diese Bereiche am menschlichen Körper, wären der Oberschenkel- oder auch der Oberarmmuskel.

Gelbe Zonen wären zum Beispiel Gelenke oder Rippen. Als rote Zone werden alle Areale am Körper bezeichnet bei denen ein Treffer meist bleibende und in seltenen Fällen sogar tödliche Schäden hervorrufen kann. Im Nahkampf will man daher beispielsweise weder den Kopf, Hals noch die Wirbelsäule treffen. Daher raten wir von Schläge gegen die Schläfe oder die Schlagader mit dem Schlitten oder Griffstück der Schreckschusswaffe ab.

Ebenso nicht empfehlenswert sind Techniken, wo man die Mündung als Schlagverstärker nutzt. Hier muss man nämlich nur einmal aus Versehen den Abzug betätigen und schon hat der Angreifer Verbrennungen bis hin zu lebensbedrohlichen Fleischwunden. Dies gilt übrigens auch, wenn sich ein Schuss aus sehr kurzen Entfernungen löst. Liegt der Abstand zum Beispiel bei weniger als einem halben Meter muss man mit dem schlimmsten rechnen.

Je nach Notwehrlage kann ein so hartes Einschreiten gerechtfertigt sein oder bereits eine gefährliche / schwere Körperverletzung darstellen. Denkbar wäre auch eine strafmildernde Verurteilung zu einem Notwehrexzess. So oder so wird gegen einen aber auf jeden Fall wegen gefährlicher Körperverletzung ermittelt werden. Nicht selten muss man sich hierbei von einem Rechtsanwalt im Verfahren beraten oder gar verteidigen lassen.

Unser kleines Fazit zum Abschluss des Ratgebers:

Die Selbstverteidigung mit einer Schreckschusswaffe ist sehr kompliziert, relativ teuer und noch dazu braucht es einiges an Übung im Umgang mit der Waffe. Oftmals kommt man zudem nicht um den Einsatz spezieller Griffe und Techniken herum. Sieht man einmal von den rechtlichen Fallstricken ab, lässt selbst die hohen Kosten für den Kleinen Waffenschein und die Waffe samt Munition außen vor, kann man SSW nicht zum Eigenschutz empfehlen.

Man muss den Umgang nämlich regelmäßig trainieren, die Waffe immer verdeckt führen und allzeit damit rechnen, dass eine Sicherheitskraft die Lage falsch einschätzt und von der eigenen, scharfen Waffe Gebrauch macht. Aufgrund dessen raten wir vom Kauf solcher Schrecker ab. Wer unbedingt eine Waffe mit sich führen möchte, kann sich näher mit Pfeffersprühpistolen auseinandersetzen.

Der Rest nutzt einfach ein Tierabwehrspray und besucht einen mehrtägigen Selbstverteidigungskurs, wo man auch waffenlose Techniken erlernt. Schließlich kann man auch dann Opfer von Gewalt werden, wenn man einmal keine Selbstverteidigungsmittel am Leibe trägt. Daher kann und soll eine Waffe im Allgemeinen immer nur als Ergänzung gesehen werden. Selbst mit Reizstoffmunition ist die Nützlichkeit einer Schreckschusswaffe umstritten.

Ebenfalls unterschätzt wird der Aufwand den das regelmäßige Trainieren und säubern der Waffe mit sich bringt. So muss man nach jedem Übungsschießen die komplette Waffe zerlegen und diese dann gründlich putzen. Hierfür braucht es nicht nur Erfahrung, sondern auch reichlich Waffenöl und spezielles Reinigungsequipment. Man wird sich beim Besitz so einer Waffe in Zukunft öfter mit ihr beschäftigen müssen. Einmal im Jahr putzen ist nämlich stets Pflicht.


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Über Fabian Wüst, Coach & Berufswaffenträger 105 Artikel
Er ist erfolgreicher Trainer in Sachen Selbstverteidigung und sammelte wichtige Erfahrungen als Geldtransportfahrer, Bahnschutzmitarbeiter und Objektschützer für das Militär. Auf dieser Webseite teilt er sein erlangtes Know-how mit dir. Sein Motto lautet: Schütze dich und deine Liebsten!