Shaolin Kung Fu: Geschichte, Waffen, Geheimnisse & FAQ

Shaolin-Kung-Fu

Nicht nur für spektakuläre Vorführungen, die absolute Körperbeherrschung und das Sprengen des Unvorstellbaren ist die chinesische Kampfkunst der Shaolin Mönche bekannt. Sie gilt sogar als immaterielles Kulturerbe der Volksrepublik China. Ganze 360 Stile gehören zu der Kampfkunst aus der Provinz Henan.

In diesem Ratgeber verraten wir dir alles über die Entstehung, die benutzen Waffen sowie die 3 Stufen. Außerdem gehen wir auf die Kampftechniken, die aktuelle Situation und das Erlernen dieser faszinierenden Kampfkunst ein. Zu Beginn aber haben wir eine kleine Tabelle erstellt, damit du dir einen Überblick über das Wichtigste verschaffen kannst.

Übersetzung:Shaolin Kung Fu setzt sich aus den Begriffen Shaolin für kleiner Wald und Kung Fu für hart arbeiten zusammen. Weiterhin wird als Synonym Shàolín Quánfǎ oder dessen Abkürzung Shàolín Quan benutzt. Übersetzt bedeutet sie so viel wie Shaolin-Faust-Fähigkeiten.
Entstehung:Schöpfer war der Mönch Bodhidharma, der sich im 6. Jahrhundert für ein paar Jahre im Shaolin Kloster niederließ.
Kampftechniken:Hand-, Ellbogen-, Knie-, Vitalpunkt- und Bodenkampftechniken. Aber auch Tritte, Würfe, Griffe und der Einsatz von Waffen gehören dazu.
Waffen:Schwert, Stock, Speer, Hellebarde und viele weitere.

Was ist Shaolin Kung Fu?

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Auf der ganzen Welt gibt es Vereine und Schulen, die einem die hohe Kunst der Shaolin-Mönche beibringen. Wer möchte, kann auch direkt in China eines der Klöster besuchen und sich dort unterrichten lassen. Die alte, chinesische Kampfkunst ist zu einer sprudelnden Geldquelle geworden. Nichtsdestotrotz sind wir fasziniert von den vielen Ausbildungsinhalten.

Die Grenzen des Unvorstellbaren werden überschritten:

Besonders die harte Arbeit, die absolute Körperbeherrschung sowie die hohe Präzision sind charakteristisch für das Shàolín Quánfǎ. Gemeint sind damit das Zerbrechen einer Eisenstange auf dem Kopf oder auch ein sich verbiegender Speer, der mitsamt seiner scharfen Spitze gegen die Kehle eines Shaolin-Mönches gedrückt wird. Aber auch das Zerschlagen von Steinplatten auf dem Bauch gehört zu einer der Übungen.

Die Bewegungsmeditation steht im Vordergrund:

Das ist aber noch lange nicht alles, was man über diese Kampfkunst sagen kann. Sie gilt als körperlich anstrengend aufgrund ihrer fordernden Bewegungsabläufe. Allerdings ist das Shaolin Kung Fu keine Sportart. Auch die Selbstverteidigung steht nicht im Fokus.

Viel mehr geht es um die Bewegungsmeditation. Aufgrund dessen sind viele Übungen auch nicht zum Eigenschutz einsetzbar. Sie dienen lediglich der Stärkung von Geist und Körper. Damit ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass keine Übungskämpfe oder gar richtige Wettkämpfe existieren. Das liegt nicht zuletzt auch daran, dass die zum Kampf geeigneten Techniken zu effizient sind.

Man würde bei deren Anwendung ernsthafte Verletzungen oder gar den Tod des Gegners in Kauf nehmen. Die Hand-, Ellbogen-, Knie-, Vitalpunkt- und Bodenkampftechniken, aber auch die Tritte, Würfe und Griffe sind weit effektiver als man meinen könnte. Zudem erschweren die verwendeten Waffen wie Schwerter, Säbel, Speere, Langstöcke und viele weitere das verletzungsfreie Kämpfen. Außerdem passt das Konzept von Sparrings nicht in die Philosophie dieser Kampfkunst.

Keine Gürtel und Grade:

Auch Graduierungen sucht man hier vergebens. Es gibt keine verschiedenfarbigen Gürtel oder Patches, die eine Auskunft über den Ausbildungsstand des Gegenübers geben. Das liegt in der Philosophie begründet. Im Training geht es darum sich stetig zu verbessern und neues zu lernen. Das Erreichen eines neuen Grades wäre hierbei nur hinderlich.

Die 3 Stufen und deren Bedeutung:

Das Shaolin Kung Fu kann in drei unterschiedliche Stufen eingeteilt werden. Dabei konzentriert sich die erst hauptsächlich auf das Trainieren von Form und Ausdruck. Die nächsthöhere Stufe kümmert sich um Faust und Geist. Ziel ist das Verbinden beider miteinander.

Dann soll der Angreifer mithilfe des Chi (innere Kraft) vollends kontrolliert werden. Die 3. Stufe legt dabei keinen Wert auf eindeutige Regeln oder bestimmte Bewegungsmuster. Viel mehr geht sie davon aus, dass man sich vom Herz führen lassen soll. Dabei steht das Formlose im Fokus. Wer mit voller Inbrunst trainiert, legt den ersten Schritt auf dem Weg zu den Weisheiten des Buddhismus.

Shaolin Kung Gu und seine Tierstile:
Wie bereits angesprochen, werden hier stolze 360 verschiedenen Stile zu einer Kampfkunst zusammen gefasst. Bekannt sind dabei vor allem Tierstile wie die „Fünf Tierfäuste – Wuqinquan“. Sie bestehen aus Drachen, Schlange, Tiger, Leopard und Kranich.

Des Weiteren existieren noch andere Tierstile wie Gottesanbeterin, Adler, Affen oder auch Löwen. Grundsätzlich gilt dabei, dass kein Tier zu gering ist um nicht von ihm lernen zu können.

Was zeichnet die Kampftechniken aus?

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Bereits zu Beginn wird beim Shaolin Kung Fu viel Wert darauf gelegt, dass man auch bei einem Angriff stets verteidigungsfähig bleibt. Das bedeutet, dass der Kämpfer niemals vergessen darf, auch bei einem Angriff, sich selbst zu schützen. Im Falle eines Gegenangriffs geschieht dies am besten mithilfe einer schnellen und präzisen Technik.

Dabei sollte man penibel darauf achten, sein Gleichgewicht zu jedem Zeitpunkt vollends unter Kontrolle zu haben. Dabei darf man aber keinesfalls unflexibel sein. Der Stand muss stabil sein, wobei die Beinarbeit eher tief ist.

Nur so ist während eines Ausweichmanövers eine gute Beinarbeit gewährleistet. Diese wiederum sorgt dafür, dass Bewegungen schnell und präzise durchgeführt werden können. Ziel der Techniken ist stets die Kombination aus Angriff und Verteidigung in einem. Daher gibt es hier viele Tricks und Sprünge.

Alle Kampftechniken des Shaolin Kung Fu basieren auf der Kombination von Geschwindigkeit, Kraft, Flexibilität sowie der perfekten Koordination aller Bewegungen. Dies und der Einsatz von Waffen machen die Techniken so effektiv und die deren Vorführungen so atemberaubend.

Wie ist diese Kampfkunst entstanden?

Als Geburtsstätte des Shaolin Kung Fu gilt das legendäre Shaolin Kloster. Es befindet sich am Berg Songshan in der chinesischen Provinz Henan. Dabei liegt es auf dem mittleren der fünf heiligen Berge des Daoismus. Den Grundstein für diese chinesische Kampfkunst legte der indische Mönch Bodhidharma, der sich im Jahre 527 für ein paar Jahre im Shaolin Kloster niederließ. Er gilt als der Begründer des Shaolin Kung Fu.

In den letzten 1500 Jahren entwickelte sich diese Kampfkunst stetig weiter. Während der japanischen Invasion, dem chinesischen Bürgerkrieg und der Kulturrevolution wurde das Kloster immer wieder zu Teilen zerstört und die Mönche vertrieben. Mit ihnen verschwand auch das Wissen über die religiösen Kunstschätze und die Kampfkunst. Selbst die Schriften des Tempels waren verloren.

Allerdings wurde die Kampfkunst wieder entdeckt. Zu verdanken ist dies den amerikanischen Martial Arts Film „Shaolin Temple“ mit dem Hauptdarsteller Jet Li. Dieser sorgte nach der Veröffentlichung 1982 dafür, dass sich immer mehr Leute auf den Weg machten, um das Kloster zu besuchen.

Die Regierung Chinas erkannte die finanziellen Möglichkeiten und sorgte dafür, dass das Kloster wieder zum Leben erwachte. Es wurde wieder komplett aufgebaut und restauriert. Schließlich siedelten sich wieder Mönche an und heute gehört das Shaolin Kloster zum Weltkulturerbe Chinas.

Die aktuelle Lage ist geprägt durch drei Phänomene. Einerseits gibt es die staatlich geförderte Wiederbelebung der alten Shaolin-Kampfkunst, andererseits die weltweite Weiterentwicklung durch verschiedenste Kampfkunstschulen. Dazu kommt dann noch der Einfluss der Hongkonger Filmindustrie, der zu einem weiteren kulturellen Diskurs führt.

Was muss man noch wissen?

FAQ

Shaolin Kung Fu ist eine weltweit bekannte Kampfkunst. Daher ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass wir ab und an Fragen via Mail bekommen. Die interessantesten von ihnen haben wir samt unserer Antwort im Folgenden aufgelistet. So profitierst auch du und nicht nur der Fragesteller von unserer Antwort.

Wie kann man Shaolin Kung Fu lernen?
In Deutschland existieren viele Vereine und Kampfsportschulen, die einem diese Kampfkunst beibringen können. Alternativ kann man auch nach China reisen und sich dort von den Mönchen unterrichten lassen.

Um sich ein paar Grundlagen aneignen zu können, kann man sich aber auch ein Buch oder eine passende DVD kaufen. Allerdings lassen sich so nur die absoluten Grundlagen erlernen.

Gibt es Filme mit dieser Kampfkunst?
Selbstverständlich und nicht gerade wenig! Sehr empfehlenswert sind dabei diese Filme: die 36 Kammern der Shaolin, Shaolin und Shaolin Kickers. Allesamt sind sehr unterhaltsam. Wer eher an klassischen Martial Arts Filmen interessiert ist, kann die gesamte Shaolin Kung Fu Filmpalette der 70er-Jahre ansehen. Da werden sozusagen Kindheitserinnerungen wach.

Allerdings sollte man darauf achten keine reinen Kung Fu Filme anzusehen. Hierbei handelt es sich schließlich um den offiziellen Begriff für alle chinesischen Kampfkünste. Bekannte Vertreter dieses Filmgenres sind Bruce Lee, Jet Li und Jackie Chan.

Für wen ist Shaolin Kung Fu geeignet?
Grundsätzlich kann jeder diese Kampfkunst ausüben. Weder das Geschlecht, noch die Größe oder gar das Fitnesslevel spielen hierbei eine Rolle. Möchte man allerdings eine Kampfkunst zur Selbstverteidigung erlernen, ist man hier Fehl am Platz. Möchte man sich hingegen mit Bewegungsmeditation und traditionellen Kampftechniken beschäftigen, ist man hier richtig aufgehoben.
Gibt es verwandte Kampfkunststile?
Ja und zwar eine ganze Menge. Aus China stammen zum Beispiel noch Weng Chun, Wing Chun, Hung Kuen und Tang Lang Quan. Letzterer ist hierzulande als Mantis Kung Fu bekannt.
Existieren Tempel außerhalb von China?
Ja. Aufgrund der staatliche Förderung der Shaolin-Tradition sowie der Emigration von Meistern in andere Länder gibt es heute weltweit mehrere anerkannte Tempel:

  • 1992: New York City, Meister Shi Yan Ming.
  • 2000: London, Meister Shi Yanzi.
  • 2002: Wien, Shi Heng Xin.
  • 2005: Hongkong, Meister Shi Yan Wang.
  • 2005: Berlin, Abt Shi Yong Chuan.
  • 2011: Wien, Großmeister Shi Yan Liang.
Über Fabian Wüst, Coach & Berufswaffenträger 101 Artikel
Er ist erfolgreicher Trainer in Sachen Selbstverteidigung und sammelte wichtige Erfahrungen als Geldtransportfahrer, Bahnschutzmitarbeiter und Objektschützer für das Militär. Auf dieser Webseite teilt er sein erlangtes Know-how mit dir. Sein Motto lautet: Schütze dich und deine Liebsten!