Shōtōkan Karate: Diese 6 Dinge musst du unbedingt wissen!

Shotokan-karate

Wer sich etwas näher mit Karate auseinandersetzt, wird schnell über die verschiedenen Stilrichtungen stolpern. Heute schauen wir uns den Klassiker schlechthin im Karate-Dō an.

Was man alles über Shōtōkan Karate wissen muss, wie sich die Kampfkunst und der sportliche Zweig unterscheiden und auf welchen 3 Säulen diese Richtung fußt, verraten wir dir in diesem gigantischen Ratgeber.

Was ist Shōtōkan-Karate?

Hier handelt es sich um den weitesten verbreiteten Stil im Karate-Dō. Unterschieden wird hierbei zwischen dem sportlichen Bereich und der reinen Kampfkunst.

Fangen wir aber bei den Wurzeln an. Erfunden wurde Shotokan – Das „Haus des Shotos“ vom Vater des Karate. Die Rede ist von Funakoshi Ginchin. Anfang des letzten Jahrhunderts entwickelte er diese Stilrichtung und lehrte diesen faszinierenden Stil.

Shotokan-Karate wird geprägt durch den tiefen Stand, der einem kraftvolle und dynamische Bewegungen erlaubt. Hauptsächlich geht es bei dieser Richtung um den Distanzkampf. Dabei kann jede Technik als Verteidigungs- oder Angriffsmethode eingesetzt werden.

Praktiziert wird der tiefe Stand in der Grundschule Kihon und der Kata. Aber auch in den Basisformen der Kumite (Kihon-Kumite) wird er praktiziert. So werden die Bänder stark gedehnt, um im Kampf eine möglichst hohe Reichweite zu ermöglichen.

Gut zu wissen:

Bei uns in Deutschland ist Shotokan Karate sehr beliebt. Das gilt sowohl für jung als auch alt. Diese Karate-Stilrichtung hält einen nämlich gelenkig und fit. Außerdem werden Werte wie Disziplin und gegenseitiger Respekt nicht nur vermittelt, sondern auch zelebriert. So lautet das höchste Gebot: „Vervollkommne Deinen Charakter“

Worin unterscheiden sich beide Shotokan-Stile?

Beim sportlichen Stil wird viel Wert daraufgelegt in einer möglichst weiten Distanz zum Gegner (Sport-Kumite) zu arbeiten. Aber auch der Nahkampf wird hier nicht ausgelassen. Allerdings liegt der Schwerpunkt auf der Distanz.

Im sportlichen Bereich wird auch mit Fußtritten zum Kopf gearbeitet. Diese findet man zum Beispiel in der Kampfkunst überhaupt nicht.

Die Kampfkunst hingegen liegt viel mehr Wert auf den Nahkampf. So wird hier dem Gegner möglichst die Distanz genommen um den ganzen Körper für den Kampf einsetzen zu können. Auch Würfe sind so um ein Vielfaches effizienter einsetzbar.

Gut zu wissen:

Der Begründer des Shotokan-Karate Funakoshi Gichin benutzte den Namen Shoto als ein Pseudonym, wenn er seine Gedichte und Kalligrafien unterschrieb. Shotokan übersetzt hingegen bedeutet Folgendes: „Haus des Pinienrauschens“

Wie wird diese Stilrichtung gelehrt?

Beim Shotokan Karate werden 3 Säulen benutzt, um die Technik anständig zu vermitteln. Die einzelnen Säulen heißen Kihon, Kata und Kumite. Mehr zu jeder einzelnen erfährst du nun.

Kihon – Die Grundschule:

Hier werden die technischen Grundlagen vermittelt. Es handelt sich hierbei also um die Grundschule des Shotokan-Karate. Viel Zeit wird in der Grundschule damit verbracht, die Körperspannung korrekt zu halten.

Auch die Fußarbeit wird hier vermittelt. Natürlich lernt jeder Karateka in der Kihon auch die Grundtechniken, sprich Schlag-, Hieb- und Tritttechniken.

Kata – Der Technik-Fluss:

In der Kata bringt man alle in der Kihon gelernten Techniken in den praktischen Einsatz. Man lernt also die Techniken vernünftig zu kombinieren und dadurch im Fluss zu kämpfen.

Gut zu wissen:

Im Shotokan-Karate gibt es rund 28 verschiedene Katas:

Taikyoku shodan (大極初段), Bassai dai (抜塞大), Gankaku (岩鶴), Heian shodan (平安初段), Bassai shō (抜塞小), Nijūshiho (二十四歩), Heian nidan (平安二段), Empi (燕飛), Chinte (珍手), Heian sandan (平安三段), Jion (慈恩), Sōchin (壮鎮), Heian yondan (平安四段), Hangetsu (半月), Wankan (王冠), Heian godan (平安五段), Kanku dai (観空大), Meikyō (明鏡), Tekki shodan (鉄騎初段), Kanku shō (観空小), Gojūshiho dai (五十四歩大), Tekki nidan (鉄騎二段), Jitte (十手), Gojūshiho shō (五十四歩小), Tekki sandan (鉄騎三段), Ji’in (慈蔭), Unsu (ウンス) und Ten no Kata (天の形).

Kumite – Jetzt wird es ernst:

Hierunter versteht man sowohl den freien Kampf im Training als auch den sportlichen Kampf zwischen zwei Gegnern bei einem Wettkampf. Im Kumite lernt man den Einsatz der vielen Techniken unter realen Bedingungen. Aus Selbstverteidigungssicht gesehen, ein sehr guter Aspekt.

Shotokan: Was zeichnet die Techniken aus?

Jede im Shotokan verwendete Technik kann als Angriffs- oder Verteidigungstechnik benutzt werden. Werden Stände benutzt, werden diese fast ausschließlich vom hinteren Fuß initiiert.

Im Großen und Ganzen ähneln alle verwendete Techniken denen anderer Stilrichtungen. Bei wenigen Block-, Stoß- und Schlagtechniken fallen die Unterschiede etwas größer aus. Die Trefferflächen bleiben stets gleich, nur die Ausführung variiert zu anderen Stilen etwas mehr.

„Das höchste Ziel im Karate-Do ist nicht der Sieg oder die Niederlage, sondern die Perfektion des menschlichen Charakters“  

Gichin Funakoshi (Begründer des Shotokan-Karate)

Wie kam der Karate-Stil nach Europa?

Nachdem Japan im Zweiten Weltkrieg besetzt wurde, fand eine Auswanderungswelle in die USA und natürlich auch nach Europa statt. Im Zuge dessen soll sich Shotokan-Karate in Deutschland verbreitet haben. Und das mit großem Erfolg. Diese Karate-Stilrichtung ist ein großer Randsport in Deutschland.

Verbände: Welche gibt es?

Weltweit existieren eine Vielzahl von unterschiedlichen Verbänden. Aber auch in Deutschland gibt es eine Vielzahl von Organisationen rund um den beliebten Karate-Stil.

So soll es 28 weltweite Organisationen, rund 18 Verschiedene in Deutschland und sogar ganze 11 Verbände in der Schweiz geben. Der Großteil lässt sich hierbei eindeutig dem Shotokan Karate zuordnen.

In Deutschland gibt es 2 große Karate-Verbände, die sich mit dieser Stilrichtung auseinandersetzen:

  • Deutscher Karate Verband (DKV)
  • Deutscher JKA-Karate Bund (DJKB)

Weltweit kümmern sich mehrere große Organisationen um diese Stilrichtung im Karate. Einige Beispiele wären diese Verbände:

  • World Karate Federation (WKF)
  • World Shotokan Karate-Do Association (WSKA)
  • Shotokan Karate-Do International Federation (SKIF)
  • World Karate Confederation (WKC)
Über Timo Meyer, Judoka (1. Dan) 34 Artikel
Er ist seit mehreren Jahren begeisterter Judoka und verfügt über ein breit gefächertes Fachwissen in Sachen Kampfkünste und Kampfsport. Als Experte schreibt er hier über alle möglichen Themen rund um Kampfsport. Sein Motto lautet: Man kann dir den Weg weisen, doch gehen musst du ihn selbst.