Großes Stichschutzwesten-Lexikon: Varianten, Schutzklassen & Kaufberatung!

Stichschutzwesten

Inzwischen sind Stichschutzwesten nicht nur bei Polizisten oder Securitys anzutreffen, auch Rettungssanitäter sowie Privat- und Geschäftsleute schützen sich vor Angriffen mit Messern, Nadeln und anderen spitzen Gegenständen.

Doch welche Arten von Stichschutzwesten gibt es überhaupt, wie werden sie klassifiziert und worauf kommt es beim Kauf eigentlich an? Das sind nur einige Fragen, die wir in diesem umfangreichen Guide behandeln werden.

Stichschutzweste: Alle wichtigen Infos!
Stichschutzwese

Schutz-Varianten: stichhemmend, Stichschutz ohne / mit Ballistikschutz.

Tragweise: Überzieh- und Unterziehschutzwesten.

Verwendung: diverse Behörden, Sicherheitsdienste sowie Geschäfts- und Privatleute.

Schutzklassen: K (Klinge), I (Injektionskanüle), D (Dorn), W (Würfel, Schlagkörper) sowie K1 bis K4.

Wichtige Features:

  • Klett- und Reißverschlüsse zur individuellen Anpassung
  • ergonomischer Schnitt
  • atmungsaktives Innenfutter
  • Wechselhüllen

Gut zu wissen:

  • dämpfen Tritte und Schläge deutlich ab.

Stichschutzwesten: Welche Varianten gibt es?

Teure Modelle werden mithilfe eines speziellen Kunstfasergemischs namens Aramid hergestellt. Bei günstigeren Westen wird oft auf Metall- oder Kunststoffeinlagen zurückgegriffen.

Alle haben dabei eines gemein. Die verwendeten Materialien verhindern das Durchdringen mit spitzen und scharfen Gegenständen völlig oder hemmen den Versuch zumindest stark. Das bedeutet also, dass es stichfeste, aber auch nur stichhemmende Varianten am Markt gibt.

Letztere sind die günstigen Einsteigermodelle, die man bereits für unter 100 Euro erwerben kann. Wer hingegen ein stichfestes Modell sucht, muss mindestens 150 Euro einplanen. Je nach Qualität, Features und Schutzstufe können dabei bis zu 1500 Euro fällig werden.

Es gibt außerdem noch Stichschutzwesten mit ballistischem Schutz. Diese helfen nicht nur gegen Stichwaffen, sondern sind zudem auch noch kugelsicher. Hauptsächlich greifen Polizei- und Militäreinheiten auf diese Modelle zurück. Gelegentlich werden sie auch von speziellen Sicherheitsdiensten wie der DB Sicherheit eingesetzt.

Gut zu wissen:

Stichschutzwesten dämpfen aufgrund der integrierten Schutzplatten auch Tritte und Schläge deutlich ab. Manche Modelle sind zudem noch mit einer Schutzpolsterung gegen Schläge mit stumpfen Gegenständen ausgestattet.

Welche Klassifizierungen existieren?

Stichschutzwesten-Klassen

Stichschutzwesten können sowohl nach ihrem Hauptzweck als auch nach ihrer Belastungsgrenze in Joule eingeteilt werden. Verfügt ein Modell über keinerlei Zertifizierung wird es grundsätzlich als stichhemmend geführt.

K, I, D oder W:

Zu Beginn widmen wir uns den Schutzklassen, die nach dem Hauptzweck der Abwehr erstellt wurden. Es existieren hier die Schutzklassen K (Klinge), I (Injektionskanüle), D (Dorn) und W (Würfel, Schlagkörper).

Klasse K:

Hierunter fallen z. B. handelsübliche Küchenmesser, Taschenmesser und auch Kampfmesser. Im Grunde also alles, was ein oder zwei Klingenseiten besitzt.

Klasse I:

Diese Schutzklasse bezieht sich auf gefährliche Gegenstände mit scharfer Spitze wie z. B. Spritzen, Nägel oder auch Nadeln.

Klasse D:

Hierbei wird sich z. B. um angespitzte Schraubenzieher, Eispickel und andere Waffen mit sehr dünnen Spitzen gekümmert.

Klasse W:

Diese Klasse handelt sich um Wurfgegenstände mit scharfen oder spitzen Kanten, wie z. B. Flaschen oder Steine.

Gut zu wissen:

In der Praxis wird aber meist nur die Klasse K angegeben, da es sich hierbei um den Hauptzweck von Stichschutzwesten handelt. Eine Unterscheidung anhand dieser Klassen ist also relativ schwierig, aufgrund der schlechten Herstellerangaben. Mehr Informationen über diese Klassen und das verwendete Prüfverfahren findest du in diesem PDF.

K1 bis K4:

Dies ist aber auch nicht weiter schlimm, da die meisten Stichschutzwesten anhand ihrer Belastungsgrenze in Joule klassifiziert werden. Hierfür gibt es die Schutzklassen K1, K2, K3 sowie K4.

Klasse K1:

Hier handelt es sich um die niedrigste Stufe und damit auch um den geringsten Schutz. Verfügt eine Weste über diese Klassifikation, hält sie bis zu 25 Joule Auftreffenergie aus.

Klasse K2:

Westen mit dieser Zertifizierung halten einer Belastung von bis zu 40 Joule aus. Damit übertreffen sie die Klasse K1 um ganze 15 Joule an Auftreffenergie.

Klasse K3:

Bei Westen mit dieser Klassifizierung ist man bereits mehr als gut geschützt. Bis zu 65 Joule an maximaler Auftreffenergie werden hier absorbiert.

Klasse K4:

Hierbei handelt es sich um die höchste Schutzklasse am Markt. Westen, die über eine solche Zertifizierung verfügen, halten also mindestens 65 Joule an Auftreffenergie aus.

Worauf gilt es beim Kauf zu achten?

Selbstverteidigung-weglaufen

Möchte man eine Stichschutzweste kaufen, sollte man sich ein paar Gedanken machen. Grundsätzlich gilt es bei der Anschaffung auf die folgenden Dinge zu achten.

Klassifizierung muss ein:

Möchte man eine Weste erwerben, muss diese klassifiziert sein. Nur so ist der Schutz vor Angriffen auch zu 100 % gewährt. Es gibt zwar einige gute Modelle ohne Schutzklasse, aber es existieren doch deutlich mehr schlechte Produkte ohne Zertifizierung.

Daher lohnt der Kauf einer stichhemmenden Weste nicht. Viele Produkte hemmen den Angriff nämlich kaum und haben daher nur eine geringe Schutzwirkung gegen Messer und andere spitze Gegenstände.

Passgenauigkeit ist Trumpf:

Neben der Klassifizierung sollte man zu Beginn auch auf die Passform achten. So darf eine Stichschutzweste die Bewegungsfreiheit auf keinen Fall einschränken. Tut sie es doch, kann man sich im Ernstfall nur schlecht gegen Angriffe aller Art verteidigen.

Außerdem sollte sie den kompletten Bauchraum sowie alle lebenswichtigen Organe beim Stehen sowie beim Sitzen bedecken. Dabei darf sie aber nicht zu weit nach unten reichen, da sie ansonsten beim Tragen zu starken Beschwerden führt.

In diesem Zusammenhang sollte man daher auf die Klettverschlüsse achten. Um die Weste möglichst passgenau anlegen zu können, sollte sie mit vielen Klettverschlüssen zur Arretierung ausgestattet sein.

Gerade bei Unterziehwesten, die verdeckt getragen werden, ist eine möglichst enganliegende Tragweise kaufentscheidend. Schließlich soll die Weste unter der normalen Berufs- oder Alltagskleidung nicht auffallen.

Zu guter Letzt sollte man noch auf das Gewicht achten. Jedes eingesparte Gramm sorgt für einen besseren Tragekomfort. Allerdings gilt hier folgendes: Umso höher die Schutzwirkung, umso schwerer die Weste.

Wichtige Features für Profis:

Möchte man die Weste noch schnell an und ausziehen können, sollte sie über einen Reißverschluss an der Vorderseite verfügen. So lässt sie sich wie eine normale Jacke anziehen und die Klettverschlüsse müssen nicht jedes Mal neu eingestellt werden.

Der Weste wird noch das i-Tüpfelchen aufgesetzt, wenn sie über mehrere Wechselhüllen verfügt. Gerade im Sommer wird man dieses Feature lieben lernen.

Eines können wir dir nämlich garantieren: Eine Stichschutzweste funktioniert besser als jede mobile Sauna am Markt. Das wirst du aber noch selbst merken. Darauf gibt es unser Ehrenwort!

Für Frauen gibt es spezielle Modelle, die an die weibliche Anatomie angepasst sind. Allerdings findet man solche Westen nur im gehobenen Preisbereich und daher werden sie hauptsächlich im professionellen Umfeld eingesetzt.

Preis-Leistungs-Verhältnis:

Westen für Einsteiger, bekommt man bereits für weniger als 100 Euro. Allerdings verfügen diese Modelle meist über keinerlei Zertifizierungen und sind daher nur stichhemmend.

Außerdem ist der Tragekomfort oft sehr schlecht. Weder gibt es Polster, noch sind die dünnen Metallplatten anatomisch geformt. Oft kommen noch sehr grobe Größenangaben dazu.

Aus diesem Grund sollte man im semiprofessionellen Bereich etwa 150 bis 200 Euro einplanen. Innerhalb dieser Preisklasse bekommt man langlebige Modelle, die man als Türsteher, Geschäfts- oder Privatmann sorgenfrei einsetzen kann.

Des Weiteren sind solche Stichschutzwesten in der Regel klassifiziert, lassen sich besser an die eigene Körperform anpassen und bieten Befestigungsmöglichkeiten für Equipment.

Unterziehwesten in dieser Preisklasse glänzen durch atmungsaktive Stoffe und eine dünne Bauform. Zudem bekommt man hier meistens noch eine Transporttasche obendrauf.

Wer ein Modell für den professionellen Einsatz sucht, muss mit mindestens 280 Euro rechnen. Nach oben sind hier kaum Grenzen gesetzt. Allerdings bekommt man hier Westen mit Stich- und Ballistikschutz.

Zudem gibt es hier auch spezielle Frauenwesten und der Tragekomfort ist sehr gut. Dank des im Inneren verwendeten Aramids gibt es hier keine stören Platten und damit verbundene Kanten, die ins Fleisch schneiden.

Gut zu wissen:

Wer ein Schnäppchen machen möchte, kann sich einmal den Gebrauchtmarkt anschauen. Oft werden Behördenwesten nach einigen Jahren aussortiert und dann günstig verkauft. Allerdings kann die Schutzwirkung stark beeinträchtigt oder gar erloschen sein.

Wo kann man eine Stichschutzweste erwerben?

shopping

Die Auswahl an Modellen ist inzwischen recht groß geworden, für die Anzahl der Händler gilt dies allerdings nicht. So gibt es nur wenige Fachgeschäfte, die eine kleine Auswahl vor Ort haben.

Daher muss man eigentlich auf den Onlinehandel ausweichen. Hier gibt es für jeden Bedarf den passenden Shop. Außerdem ist das Zurücksenden, solle die Stichschutzweste nicht passen, in der Regel kostenlos.

Sollte ein Fachhändler in der näheren Umgebung vorhanden sein, schadet ein Besuch überhaupt nicht. Das Anprobieren vor Ort ist auf jeden Fall ratsam. Nicht zuletzt aufgrund der hohen Preise. Schließlich möchte man wissen, ob der Preis und die dafür gebotene Qualität zusammen passen.

Wo und durch wen werden Schutzwesten getragen?

Diese Frage hört man im Zusammenhang mit Stichschutzwesten sehr oft, daher haben wir uns dazu entschieden, sie innerhalb dieses umfangreichen Guides zu beantworten.

Die meisten Träger kommen sicherlich aus dem professionellen Bereich und gehören Sicherheitsdiensten oder Behörden wie der Polizei an. Auch bei der Bundeswehr gehören Stichschutzwesten inklusive Ballistikschutz seit einigen Jahren zur Standardausrüstung.

Inzwischen tragen aber auch Rettungssanitäter, Notärzte und Fahrkartenkontrolleure Stichschutzwesten, um sich vor Angriffen schützen zu können. Sogar Privatleute und Geschäftsleute greifen immer häufiger zum Eigenschutz auf solche Westen zurück.

Zu guter Letzt noch ein interessantes Video, das man gesehen haben sollte:

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Über Fabian Wüst, Coach & Berufswaffenträger 51 Artikel
Er ist erfolgreicher Trainer in Sachen Selbstverteidigung und sammelte wichtige Erfahrungen als Geldtransporterfahrer, Bahnschutzmitarbeiter und Objektschützer für das Militär. Auf dieser Webseite teilt er sein erlangtes Know How mit dir. Sein Motto lautet: Schütze Dich und Deine Liebsten.