Eignet sich Taekwondo im Ernstfall zur Selbstverteidigung?

Taekwondo-zur-Selbstverteidigung

Taekwondo ist eine koreanische Kampfkunst, die ihren Fokus hauptsächlich auf Schnelligkeit und Dynamik legt. Dies ist vor allem den immer beliebter werdenden Wettkämpfen geschuldet. Da hier durchaus einige Zuschauer vorhanden sind, rückt die koreanische Kampfsportart immer mehr in den Fokus der breiten Bevölkerung. Außerdem werben inzwischen viele Anbieter mit den effektiven Selbstverteidigungstechniken.

Allerdings sollte man in puncto Eigenschutz wissen, dass beim modernen Taekwondo fast ausschließlich Bein- und Fußtechniken trainiert werden. Da man für deren Ausführung einiges an Platz braucht, fragen sich zu Recht viele Menschen, ob sich Taekwondo überhaupt zur Selbstverteidigung eignet. Diese Frage ist nicht ganz einfach zu beantworten und deshalb haben wir dem Thema gleich einen ganzen Ratgeber gewidmet.

Im Folgenden erfährst du, wie Selbstverteidigung und das koreanische Taekwondo zusammen passen. Im Zuge dessen gehen wir intensiver auf die Disziplin Hosinsul ein. Dort lernt man nämlich, wie man sich gegen einen oder auch mehrere Angreifer durchsetzt. Dabei spielt es auch keine Rolle, ob die Angreifer Waffen haben oder es mit ihren bloßen Fäusten probieren. Ob das Ganze in der Praxis funktioniert, erfährst du nun.

Alles Wichtige auf einen Blick:
  • Die Selbstverteidigungstechniken des Taekwondo werden mit dem gesamten Körper ausgeführt. Werden die Griffe richtig eingesetzt, kann man sich gegen Umklammerungen oder auch Waffen zur Wehr setzen.
  • Um sich im Ernstfall auch sicher verteidigen zu können, muss man regelmäßig am Training teilnehmen. Wer sich also grundsätzlich für Kampfsportarten zur besseren Selbstverteidigung interessiert, sollte ausreichend Zeit mitbringen.
  • Als Alternative zu Taekwondo bieten sich diese Kampfsportarten und Selbstverteidigungssysteme an: MMA, Krav Maga, Systema, Ju Jutsu, Hapkido sowie Muay Thai.

Was zeichnet Taekwondo in puncto Selbstschutz aus?

Bevor wir uns auf die besten Techniken stürzen, möchten wir erstmal den Begriff Selbstverteidigung klären. Hierunter fällt nämlich nicht nur die körperliche Verteidigung gegen einen oder mehrere Angreifer. Viel mehr geht es um die Vermeidung von gefährlichen Situationen und das Erkennen potenzieller Gefahren. Gerade die Deeskalation spielt in diesem Zusammenhang eine große Rolle.

Da man sich bei allen Kampfsportarten aber hauptsächlich auf Selbstverteidigungs-Techniken konzentriert, muss man das fehlende Wissen anderweitig nachholen. Hier bieten sich vor allem Selbstbehauptungskurse an. Manchmal schadet aber auch ein Blick über den Tellerrand nicht und der Besuch eines Selbstverteidigungskurses kann neue Erkenntnisse mit sich bringen.

Wer Taekwondo zur Selbstverteidigung erlernen möchte, sollte seine Entscheidung nicht nur von den zahlreichen Techniken und deren Effektivität auf der Straße abhängig machen. Grundsätzlich gilt nämlich, dass man hier seine Kondition immens verbessert. Nicht selten genügt Kraft allein, um unbeschadet aus einer misslichen Lage zu entwischen. Außerdem kämpft man regelmäßig und entwickelt so ein Gespür für Kampfsituationen.

Wie schlagen sich Taekwondo-Techniken in der Selbstverteidigung?

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Auf vielen Webseiten von Verbänden und Vereinen liest man, dass man sich mithilfe der erlernten Griffe in so gut wie allen Lagen verteidigen kann. So soll man mit Würge-, aber auch mit Messerangriffen fertig werden. Auch Baseballschläger und andere Stoßwaffen seien kein Problem. Schließlich wisse man, wie man sich schnell und wirksam einen Angriff entzieht oder diesem zumindest abwehrt.

Möglich gemacht werden soll all dies hauptsächlich durch Fuß-, Bein- und Hebeltechniken. Zudem sei der Kraftaufwand gering und so könne wirklich jeder die Techniken zum Selbstschutz anwenden. All das stimmt grundsätzlich betrachtet auch. Leider ist das Repertoire an Techniken sehr überschaubar und zudem noch stark reglementiert. Man lernt gar nicht erst, wie man empfindliche Ziele am Gegenüber bearbeitet.

Zudem wird der Bodenkampf vollkommen vernachlässigt und Schläge sowie Tritte sind sehr soft in der Ausführung. Da es sich hier um eine Sportart handelt, ist dies aber auch nicht weiter verwunderlich. Schließlich soll es selbst beim Kampf nicht zu ernsthaften Verletzungen kommen. Auf der Straße entfalten solch kastrierte Techniken, aber keine große Wirkung bei erfahrenen Angreifern.

Gut zu wissen:
Übt man eine Kampfsportart aus, lernt man sehr gut abzuschätzen, ob wegrennen oder kämpfen die bessere Option ist. Entscheidet man sich dafür die im Hosinsul gelernten Techniken einzusetzen, sollte man einen Punkt im Hinterkopf behalten: Taekwondo ist eine Mode- und Designkampfsport mit starkem Fokus auf Regularien und fairen Wettkämpfen. Auf der Straße gibt es aber keinen Ringrichter.

Unser Fazit zur Frage:

Taekwondo ist eine moderne und interessante Kampfsportart, die hierzulande immer beliebter wird. Es handelt sich hier um eine edle Form des Kämpfens, die aber auf der Straße nicht immer funktionieren wird. Allerdings sind Techniken aus dem Taekwondo besser als gar nichts, um sich im Ernstfall zu verteidigen. Man sollte dann bloß alle Regularien über Bord werfen und wirklich Vollgas geben.

Und Letzteres wird dir auch gelingen. Schließlich entwickelst du durch das regelmäßige Taekwondeo-Training einen guten Kampfinstinkt, wirst fitter und auch noch selbstbewusster. Du solltest dir aber vor Augen führen, dass man auf der Straße nicht im Anzug kämpft, sondern beispielsweise in einer engen Jeans. Da sind hohe Kicks nämlich ziemlich schwierig zum Ausführen.

Viele der sportlichen Techniken bringen auf der Straße aber eher weniger. Im Vergleich zu einem ungeübten Angreifer bist du aber sehr flink und hast gute Reflexe. Allein dadurch hast du einen großen Vorteil. Wenn du jetzt aber noch ein oder zwei Techniken im richtigen Moment nutzt, stehen deine Chancen auf einen glimpflichen Ausgang sehr gut. Taekwondo lässt sich also im Rahmen der Selbstverteidigung gut nutzen.

Gut zu wissen:
Wer Kampfsport und Selbstverteidigung kombinieren möchte, sollte sich nach Alternativen umschauen. Der Hauptfokus liegt beim Taekwondo ganz klar auf dem sportlichen Aspekt. Wer an Selbstschutz interessiert ist, dem sei Krav Maga oder das russische Systema ans Herz gelegt. Als Alternative zu den Nahkampfsystemen gibt es noch diese Kampfsportarten: Hapkido, Ju Jutsu & Thaiboxen.
Über Timo Meyer, Judoka (1. Dan) 34 Artikel
Er ist seit mehreren Jahren begeisterter Judoka und verfügt über ein breit gefächertes Fachwissen in Sachen Kampfkünste und Kampfsport. Als Experte schreibt er hier über alle möglichen Themen rund um Kampfsport. Sein Motto lautet: Man kann dir den Weg weisen, doch gehen musst du ihn selbst.