Tang Soo Do – Koreanisches Karate unter die Lupe genommen!

Tang Soo Do

Die Kampfsportart Tang Soo Do ist vielfältig und dabei gleichzeitig als relativ modern zu bezeichnen. Obwohl sie eine Jahrtausende alte Tradition hat, ist sie in Deutschland relativ unbekannt. In ihrem Ursprungsland Korea hingegen üben deutlich mehr Sportler diese Kampfkunst aus.

Was Tang Soo Do auszeichnet, wie diese Sportart entstanden ist, wie man sie ausübt und was man sonst noch alles wissen sollte, verraten wir dir in diesem umfangreichen Guide. Eines aber gleich vorweg: Tang Soo Do setzt sich aus mehreren Stilen zusammen und kombiniert dabei sowohl harte als auch weiche Elemente.

Namensbedeutung:Wörtlich übersetzt bedeutet der Begriff „Philosophie der chinesischen Hand“. Dabei steht Tang für China, Soo bedeutet Hand, Faust oder Block und Do steht für Weg oder Philosophie.
Entstehung:Etwa vor 2000 Jahren entstand diese Kampfkunst in Korea. Sie entwickelte sich stetig weiter und war daher auch unter anderen Namen bekannt, wie Moo Sul, Kyuck Too Ki, Soo Bahk Ki, Soo Bahk Do, Soo Byuck Ki & Taek Kyun.
Techniken:Hauptsächlich Fußtechniken & Handtechniken. Beim Ho Sin Sul (=Selbstverteidigung) werden Hebel und Befreiungstechniken aus Griffen und Umklammerungen sowie Abwehrtechniken gegen Fuß-, Faust- & Messerangriffe trainiert.
Waffen:Langstock (Bong), Messer (Dan Gum) & Schwert (Jang Kum). Sie werden allerdings nicht im echten Kampf eingesetzt.
Trainingsinhalte:Hyeong (Formen), Gicho (Grundtechniken) & Daeryon (Partnerübungen).
Wettkampfformen:Waffen, Formen, Freikampf (Leichtkontakt), Kreativität & Bruchtest.

Was ist Tang Soo Doo?

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Diese Kampfkunst wird häufig als Schmelztiegel verschiedenster Stile bezeichnet. So nahmen im Laufe der Jahrhunderte diverse Kampfstile Einfluss auf die Entwicklung dieser sehr vielseitigen und modernen Kampfsportart. So erkennt man hier nicht nur den koreanischen, sondern auch den chinesischen Einfluss.

Letzterer ist verantwortlich für die weicheren Chill Sung Katas. Aber auch die Verwandtschaft zum Okinawa Karate lässt sich nicht leugnen. Er wird deutlich durch die Heian-Katas, die Naihanchis sowie die Waffenkatas. Macht man sich die Mühe und klassifiziert die verschiedenen Stile dieser Kampfkunst, kommt man dabei etwa auf eine Zusammensetzung von 60 % Soo Bahk Do, 30 % nord- und 10 % südchinesischen Stilelementen.

Welche Tang Soo Do Techniken gibt es?

Charakteristisch für diese Sportart sind die effektiven Fußtechniken. Aber auch die Handtechniken eignen sich sehr gut zum Kämpfen als auch Verteidigen. Wer möchte, kann beim Training einen großen Schwerpunkt auf die Selbstverteidigung legen. Dort werden Hebel und Befreiungstechniken aus Griffen und Umklammerungen sowie Abwehrtechniken gegen Fuß-, Faust- & Messerangriffe trainiert.

Fortgeschrittene Schüler ab dem Grüngurt können zudem mit Waffen trainieren. Zwar werden diese nicht in einem Kampf eingesetzt, aber sie eignen sich sehr gut zum Verbessern der eigenen Fähigkeiten. So kann das Raumgefühl, die Koordination sowie die Konzentration starkt verbessert werden.

Wie werden Geist und Seele trainiert?

Obwohl wir hier öfter von Kampfsportart sprechen, ist dies nicht ganz korrekt. Die Tang Soo Do Ahtleten selbst sprechen ausschließlich von einer Kampfkunst. Hier geht es nämlich um weit mehr als nur den Kampf zwischen 2 Kontrahenten.

So sind auch Kunst, Philosophie und die Lebenseinstellung wichtige Inhalte. Es geht also um das optimale Zusammenspiel von Geist und Seele. Dabei lebt man die Werte nicht nur im Training, sondern auch im ganz normalen Alltag. Ziel ist es so eine reifere Persönlichkeit zu entwickeln, die ruhiger und ausgeglichener wird. Dabei sollte man sich an die folgenden 8 Grundsätze halten:

  • Redlichkeit
  • Konzentration
  • Ausdauer
  • Rücksicht
  • Gehorsamkeit
  • Selbstbeherrschung
  • Demut
  • Eiserner Wille
Wenn es um den Aspekt kämpfen geht, wird auf 3 bestimmte Inhalte wert gelegt. So ist der größte Kampf, der mit einem selbst. Zudem dient ein Kampf nur der Selbstverteidigung und diese ausschließlich im Notfall. Der beste Kampf ist nämlich der Vermiedene.

Wie & was wird trainiert?

Das Tang Soo Do Training gliedert sich in 3 unterschiedliche Bereiche. Da wären Hyeong (Formen), Gicho (Grundtechniken) & Daeryon (Partnerübungen). Zwar wird sehr viel Wert auf die Schulung von Geist und Körper gerichtet, dabei vergisst man aber keinesfalls die Lehre der Techniken.

Charakteristisch für das Tang Soo Do Training ist die obligatorische Kurzmediation zu Beginn und Ende jeder Trainingseinheit. Hierbei soll man zur Ruhe kommen. Häufig wird aber auch länger meditiert, um die Prozesse, Abläufe und Techniken besser verinnerlichen zu können.

Wird eine bestimmte Trainingsetikette eingehalten?

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Es gibt einige Benimmregeln bei dieser Kampfkunst. So werden verschränkte Arme gegenüber dem Lehrer als respektlos betrachtet. Aber auch in die Hüfte gestützte Hände oder das Zeigen der Fußsohlen sind absolute No-Gos.

Zudem wird viel Wert auf den korrekten Ablauf bei der Begrüßung und der Verabschiedung gelegt. Bei der Begrüßung stellt man sich sauber in Reihe auf. Sortiert wird hierbei nach Grad und Trainingsdauer. Die eigentliche Begrüßungszeremonie wird dann vom ranghöchsten Schüler durchgeführt.

Dabei wird nach dieser Reihenfolge vorgegangen:

  • Charyeot: Jeder schließt die Beine und Hände. Sie werden flach an der Seite angelegt.
  • Gukgi Bae Rye: Nun wird die Flagge gegrüßt, indem man die rechte Faust zum Herz bewegt.
  • Baro: Der Flaggengruß wird beendet, indem die Faust zurück zur Ausgangspostion geht.
  • Anja: Alle setzen sich nun hin.
  • Muk Nyeom: Hier wird eine kurze Meditation durchgeführt, um sich auf das Training zu besinnen.
  • Baro: Nun steht jeder Schüler wieder auf.
  • Sabeom-nim e gyeong-nye: Zum Schluss verbeugen sich alle Anwesenden vor dem Lehrer.

Was ist eine Hyeong (Form)?

So wird beim Hyeong (=Bewegungsform, Schrittmuster) ein stilisierter Kampf gegen mehrere nicht reale Angreifer vorgeführt. Dabei sind die Bewegungen und der Ablauf klar vorgegebenen. Jede Form hat dabei einen bestimmten Charakter und ein festes Thema. Wer sich etwas tiefer mit Kampfsportarten auskennt, wird schnell merken, dass die Hyungs des Tang Soo Do den Katas des traditionellen Okinawa Karate sehr ähnlich sind.

So werden hauptsächlich diese Hyeongs beim Tang Soo Do gelehrt:

  • 5 Pyong Ahn
  • Bassai
  • Naihanchi
  • Sip Soo
  • Kong Sang Koon
  • Chintō
  • Rohai
  • Wanshu
  • Jion
  • Oh Sip Sa Bo

Was sollte man über die Gicho (Grundtechniken) wissen?

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Bei den Gicho (Basis, Fundament) werden die effizienten Fuß- und Handtechniken gelehrt. So existieren inzwischen etwa 10 Grundfußtechniken sowie weitere 15 Grundhandtechniken. Diese können abgewandelt und mit den 3 Grundstellungen kombiniert werden. Ziel ist es hierbei eine der 5 Trefferebenen zu bearbeiten.

Die Durchführung der Grundschule läuft meist so ab, dass auf Befehl eine oder mehrere Techniken vorgeführt werden. Das Ganze hat einen Hintergedanken. Nämlich, dass man alle Techniken verinnerlicht und damit blind und ohne nachzudenken, ausüben kann.

Wie läuft eine Daeryon (Partnerübung) ab?

Meist wird mit einem einzigen Partner gemeinsam trainiert. Ab und an kann man aber auch mit mehreren Trainingspartnern üben. Jede Partnertrainingseinheit hat dabei verschiedene Ziele. So können im Hosinsul Befreiungen, Hebel, Würfe, Feger und die Fallschule trainiert werden.

Aber auch das Abwehren eines Angriffs mit einer oder mehrerer Gegentechniken wird häufig geübt. Beim Sambo Daeryon werden 3 Angriffe nacheinander vom Angreifer ausgeführt und der Verteidiger muss diese erfolgreich blocken, erst dann kann er schließlich kontern.

Allerdings geht es hier nicht primär, um das Kontern eines Angriffs. Der Fokus wird viel eher auf die Verbesserung der Augen-Hand-Koordination gelegt. Zudem verbessert man natürlich seien Geschwindigkeit bei der Ausführung von Blöcken.

Beim Ilbo Daeryon hingegen geht es nicht um das Blocken. Hier ist das Ziel ein anderes. So soll hier ein Angriff abgewehrt und sofort mit einer oder mehreren Gegentechniken beantwortet werden.

Gut zu wissen:
Neben diesen Varianten kann das Training noch um weitere Elemente erweitert werden. So bietet sich das Waffentraining ab dem Grüngurt an. Es sorgt für verbesserte Fähigkeiten beim Raumgefühl, der Koordination sowie der Konzentration. Allerdings werden Waffentechniken (Mugisul) nicht in jedem Verband ausgeübt.

Weiterhin lernt man beim Ho Sin Sul (=Selbstverteidigung) diverse Hebel und Befreiungstechniken kennen, um sich aus Griffen und Umklammerungen zu befreien. Auch Abwehrtechniken gegen Fuß-, Faust- und Messerangriffe sind Teil der Ausbildung.

Welche Tang Soo Do Gürtel gibt es?

Tang Soo Do Gürtel

Meist werden die Schülergrade nach schulinternen Regeln abgenommen. Es gibt aber auch Verbände, die ein Verfahren vorgeben. Bei dieser Kampfkunst sind nicht nur die Techniken ausschlaggebend für das Bestehen einer Prüfung. Auch die Charakterentwicklung des Athleten spielt eine große Rolle.

Derzeit existieren rund 10 Schülergrade. Begonnen wird dabei mit der 10 Stufe. Je nach Graduierung bekommt man einen anders farbigen Gürtel verliehen. Begonnen wird dabei stets mit der Farbe Weiß. Danach folgen orange, grün, braun, rot und blau. Ab und an wird auch der Kragen nach der entsprechenden Gürtelfarbe gefärbt.

Bevor man einen Dan-Grad verliehen bekommt, muss man erst eine Zwischenstufe meistern. Beim Tang Soo Do gibt es hierfür den Cho Dan Bo (Dan-Anwärter). Man muss seinen Meister erst davon überzeugen, dass man zum Unterrichten fähig ist. Dabei wird sowohl das Geistliche als auch die Beherrschung der Techniken kontrolliert. Der Dan-Anwärter bekommt einen dunkelblauen oder roten Gürtel mit Längsstreifen verliehen.

Ist man nun endlich Meister, erhält man einen schwarzen Gürtel. Anhand der weißen Streifen lässt sich dann der Dan-Grad ablesen. Allerdings tragen viele Trainer ab dem 4. Dan meist einen schwarzen Gürtel samt roten Längsstreifen.

Zudem gibt es Verbände, wie die World Tang Soo Do Association, wo man ab dem 6. Dan zwei rote Längsstreifen trägt. Oft tragen Großmeister auch weiß-rote oder schwarz-rot-geblockte Gürtel. Dies stellt aber noch immer eine große Ausnahme dar.

Gut zu wissen:
Die Schülerprüfungen werden meist nach schulinternen Regeln abgenommen. Oft sind sie auch vom Verband genormt. Bei den Dan-Graduierungen hingegen ist alles deutlich strenger reguliert.

Bereits ab der Cho Dan Bo Prüfung gibt es Vorbereitungslehrgänge, die nicht jeder Sportler erfolgreich absolviert. Es wird also schon vorsortiert. Kommt es dann zu einer Prüfung, ist diese meist überregional. Es müssen nämlich mehrere Danträger verschiedenster Herkunft anwesend sein.

Welche Kleidung wird getragen?

Der Anzug im Tang Soo Do wird als Dobok bezeichnet. Er ist komplett weiß und besteht aus einer Hose und einer Jacke. Letztere wird durch einen Gürtel zusammen gehalten. Außerdem kann der Gürtel als Befestigung für das Messer oder das Schwert benutzt werden. Aufgrund dessen ist er sehr beständig und robust. Charakteristisch für die Hose ist der Gummi- oder Schnürbund.

Gut zu wissen:
Für Jacke und Hose gilt natürlich, dass sie nicht zu dünn sein sollten. Ansonsten droht beim Packen, nämlich absolute Reißgefahr. Ein zu dicker Stoff ist aber auch ungünstig, wegen der größeren Anstrengung.

Was sollte man noch wissen?

FAQ

Ab und an erreichen uns Fragen über diese Kampfkunst. Wir beantworten diese sehr gerne. Allerdings möchten wir, dass all unsere Leser von den Fragen und deren Antworten profitieren. Daher haben wir hier ein kleines FAQ zum Abschluss des Artikels erstellt.

Gibt es bekannte Persönlichkeiten, die Tang Soo Do ausüben?
Selbstverständlich! Jedem ist wohl Chuck Norris ein Begriff. Der bekannte Martial-Arts-Schauspieler lernte in Korea bei Großmeister Jae Chul Shin diese Kampfkunst. Außerdem besitzt er einige Schulen in den USA und war der erste Träger des 8. Dan außerhalb von Asiens.
Worin liegt der Unterschied zwischen Tang Soo Do und Taekwondo?
Diese Frage beschäftigt viele unserer Leser und wir bekommen sie daher recht häufig gestellt. Die Unterschiede sind eher fein und daher werden beide Kampfkünste häufig miteinander verwechselt.

Grundsätzlich lässt sich festhalten, dass sich die Formen unterscheiden und beim Tang Soo Do der Fokus viel stärker auf den Hand- und Fußtechniken liegt. Zudem wird hier mehr Wert auf Geist und Seele gelegt und Wettkämpfe finden nicht so häufig statt.

Wie ist Tang Soo Do in Deutschland organisiert?
In Deutschland gibt es mehrere Verbände, die jeweils wenige Schulen miteinander vereinen. So gibt es den 1995 gegründeten Verband Deutsche Tang Soo Do Vereinigung. Ganze 15 Schulen haben sich dieser von Klaus Trogemann gegründeten Organisation angeschlossen. Trogemann gilt als Koryphäe in dieser Kampfkunst.

Weiterhin gibt es im Deutschen Karateverband eine eigene Gruppe für diesen Kampfsport. Geführt wird diese hauptsächlich von Norbert Kraus. Hierbei handelt es sich um einen ehemaligen Schüler von Klaus Trogemann. Zu dieser Gruppe gehören momentan 5 Tang Soo Do Schulen.

Welche Titel gibt es derzeit?
Momentan sind 3 verschiedene Titel im Sprachgebrauch zu finden. Da wäre der Schulleiter. Er wird als Gwanjang-nim bezeichnet und wird meist als Leiter eines bestimmten Stils verstanden. Weiterhin gäbe es noch den Sabeom-nim (Meister). Dieser hat mindestens den 4. Dan und führt eine eigene Schule.

Wer hingegen nur unterrichtet, also Lehrer ist, wird als Gyosa-nim bzeichnet. Seine Aufgabe ist es, regelmäßige Trainings zu veranstalten und seine Schüler in den Künsten dieser Kampfkunst zu unterrichten.

Welche Wettkämpfe oder Turniere werden durchgeführt?
Bei diesem Kampfsport findet man verschiedene Disziplinen bei Wettkämpfen vor. So gibt es zum Beispiel Sparring, Hyeong, Mugi-Hyeongs und Gyeokpa (Bruchtest).

Aufgrund der geringen Anzahl an Athleten in Deutschland, gibt es momentan keine Ligen, Bezirksmeisterschaften oder andere ähnliche Veranstaltungen. Allerdings gibt es eine offene Nationalmeisterschaft, wie die der deutschen Tang Soo Do Vereinigung.

Über Fabian Wüst, Coach & Berufswaffenträger 98 Artikel
Er ist erfolgreicher Trainer in Sachen Selbstverteidigung und sammelte wichtige Erfahrungen als Geldtransporterfahrer, Bahnschutzmitarbeiter und Objektschützer für das Militär. Auf dieser Webseite teilt er sein erlangtes Know How mit dir. Sein Motto lautet: Schütze Dich und Deine Liebsten.