Worin unterscheiden sich Kickboxen, Muay Thai und klassisches Boxen?

Unterschiede-Thaiboxen-Kickboxen

Das klassische Boxen ist ein Kampf zwischen zwei Teilnehmern, die sich mit gepolsterten Handschuhen schlagen und je nach Körpergewicht in unterschiedliche Klassen eingeteilt sind. Ein Ringrichter überwacht den Kampf. Dieser ist aufgeteilt in mehrere Runde zu ein bis drei Minuten.

Das Kickboxen ist dem klassischen Boxen extrem ähnlich, nur dürfen hier auch die Füße zum Schlagen eingesetzt werden. Beim speziellen Muay Thai Stil Boran kommen zu dem Kickboxen noch die erlaubten Waffen, wie Kurz- und Langwaffen, Degen, schert, Stock mit kurzem Schwertaufsatz und Schild.

Dabei ist das klassische Boxen die älteste Sportart, erste nachweisbaren Boxkämpfe gab es bereits 3.000 v. Chr. in Ägypten. Im Jahr 688 v. Chr. wurden die 23. Olympischen Spiele der Antike ausgetragen und der Faustkampf war ein Teil dieser Spiele. Während das Muay Thai aus den 1920er-Jahren stammt und das Kickboxen aus den 1970er-Jahren.

Doch worin unterscheiden sich die Kampfsportarten im Detail und gibt es gar spannende Gemeinsamkeiten? Die Antworten auf diese Fragen und noch vieles mehr erhältst du beim Lesen des Artikels. Zudem stellen wir eine Vielzahl interessanter Fakten vor, damit du noch detaillierter in die jeweiligen Sportarten und deren Alleinstellungsmerkmale eintauchen kannst.

Die Unterschiede auf einen Blick:

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Auch wenn die drei Kampfsportarten sich auf den ersten Blick extrem unterscheiden, so groß sind die Unterschiede nicht. Die größte Differenz liegt zwischen dem klassischen Boxen und den beiden anderen Kampfsportarten darin, dass beim klassischen Boxen nur die geschlossenen Fäuste eingesetzt werden dürfen.

Wirft man aber einen genaueren Blick auf die jeweilige Sportart, werden die Unterschiede bei den Techniken größer. Beim Kickboxen werden im Vergleich zum Boxen auch die Füße als Waffen benutzt. Hier findet man hauptsächlich Tritttechniken aus verschiedenen asiatischen Kampfsportarten.

Beim Thaiboxen existieren neben Schlägen und Tritten auch diverse Techniken mit den Knien sowie dem Ellenbogen. Zudem darf es zum Clinch kommen. Währenddessen ist es möglich Hebel- und Wurftechniken auszuführen. Das Repertoire der Techniken ist also um ein Vielfaches größer.

Die weiteren Unterschiede liegen dann fast ausschließlich in den Feinheiten, wie zum Beispiel den Ringgrößen. Es gibt wichtige Punkte, die bei allen drei Kampfsportarten gleich sind, wie keine Tiefschläge, keine Kopfstöße, keine Schläge auf den Hinterkopf oder kein Schlagen einer am Boden liegenden Person.

Die Bekleidung der Sportler ist recht ähnlich. Auch die Zeiten der Wettkämpfe. In allen drei Sportarten wird in mehreren Runden von wenigen Minuten Dauer gekämpft. Es gibt immer drei Kampfrichter, die den Kampf bewerten und einen Ringrichter, der den Kampf leitet. Bei diesem Punkt findet man keine Unterschiede.

Im Großen und Ganzen lässt sich festhalten, dass beim Kickboxen alles erlaubt ist, was auch beim Boxen möglich ist. Die Sportler des Muay Thai nutzen alle Techniken des Kickboxens und viele weitere eigene Techniken.

Technische Unterschiede:

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Geht man tiefer ins Detail und beschäftigt sich länger mit den jeweiligen Kampfsportarten, erkennt man schon in der Technik ein paar Unterschiede. Manche von ihnen sind sogar recht gravierend. In den folgenden Abschnitten behandeln wir alles Wichtige zu diesem Punkt.

Boxen:

Beim Boxen darf man den Gegner nur am Oberkörper treffen. Es gibt unterschiedliche Techniken, die dafür erlaubt sind:

  • linker Jab, gerade mit der Führhand
  • rechte Gerade
  • linker Haken auf Kopf oder Körper
  • rechter Haken auf Kopf oder Körper
  • linker Aufwärtshaken (Uppercut)
  • rechter Aufwärtshaken
All diese Schläge können verschieden miteinander kombiniert werden. Letztendlich sorgt genau dieser Punkt für den übermäßig großen Erfolg bei bekannten Boxern.

Kickboxen:

Beim Kickboxen hat man zwei Schläge, die Gerade und den Haken. Dazu kommen einige Tritttechniken, wobei die volle Kraft in dem Moment zur Verfügung steht, wo das Bein komplett ausgestreckt ist und den Gegner trifft. Das Knie wird bei jedem Tritt schnellstmöglich hochgezogen. Die Körperbewegungen sollten nicht den geplanten Tritt verraten.

Als Angriffsfläche das die Verse, der Ballen, die Sohle, der Rücken und die Kante des Fußes genutzt werden. Erlaubte Tritte sind der Front-Kick (Vorwärts-Fußtritt), der Side-Kick (Seitwärts-Tritt), der Back-Kick (Rückwärts-Tritt), der Roundhouse-Kick (Halbkreis-Fußschlag), der Hook Kick (einwärts oder auswärts Fußkantenschlag), der Axe-Kick (Schlag mit dem Fuß von oben), der Fußfeger und Kicks aus der Drehung außer dem Fußfeger (Techniken aus der Drehung).

Thaiboxen:

Beim Muay Thai sind sechs Techniken erlaubt, wobei es sich um Tritttechniken mit dem Schienbein, dem Fuß oder der Ferse handelt. Es gibt Fausttechniken und Handrückenschläge. Knie- und Ellbogentechniken sind möglich.

Das Bein des Gegners darf festgehalten werden, wenn anschließend eine Technik durchgeführt wird. Der Gegner darf festgehalten werden. Selbst Schläge zum Kopf sind zugelassen. Des Weiteren darf man clinchen und dabei versuchen den Gegner mithilfe von Hebel- und Wurftechniken zu Boden zu bringen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Muay Thai das größte Repertoire an Techniken verfügt. Gerade dieser Aspekt macht die Kampfsportart so unterhaltsam und die Duelle so spannend. Man kann sich nämlich nie sicher sein, wer am Ende als Sieger hervorgeht.

Unterschiede im Regelwerk:

Unterschiedliche Regeln beim Muay Thai, Kickboxen und Boxen.

Bei den Ausführungen der Techniken hat man es schon bemerkt. Bei allen 3 Sportarten existieren verschieden Regeln. Was beim Kickboxen verboten ist, kann beim Muay Thai den Unterschied zwischen Sieg und Niederlage ausmachen. Zudem sorgen die verschiedenen Regeln für klare Leitlinien, was im Kampf problemlos machbar ist und wo eine Grenze überschritten wird.

Das Regelwerk des Boxens:

Das Regelwerk sagt ganz eindeutig, welche Schläge erlaubt sind, z. B. nur mit der Faust nicht mit der flachen Hand. Es wird festgelegt, wohin geschlagen werden darf, beispielsweise nicht unter der gedachten Gürtellinie in Höhe des Bauchnabels.

Es ist festgelegt, welche Schläge Punkte bringen, wie ein Schlag auf die Vorderseite des Kopfes, den Hals oder den Oberkörper. Trifft der Schlag dagegen den Arm, wird er nicht als Punkt gezählt. Kommt es zu einem Treffer in einer verbotenen Region, wie zum Beispiel unterhalb der Gürtellinie, gibt es keinen Punkt.

Es könnte sogar ein Foul sein. Dieses kann einen Punkteabzug nach sich ziehen. Auch das oft gesehene Klammern ist eigentlich verboten, wird aber im gewissen Ausmaß geduldet. Häufig dient es dazu, den Kampf zu unterbrechen, um die paar Sekunden zur Regeneration zu nutzen.

Die Leitlinien des Boxsports:

Es ist genau festgelegt, wie groß der Boxring sein muss. Ring heißt es, weil die Zuschauer früher einen Ring und die Boxer bildeten. Der heutige Ring ist quadratisch in einer genau festgelegten Größe. Der Ringboden ist elastisch und mit Zeltplane bespannt.

Es gibt in jeder Ecke ein Polster, ein blaues, ein rotes und zwei weiße Polster. Zwischen den Ecken befinden sich weitere Pfosten, zwischen denen ein Seil aufgehängt wird. Das Seil wird in drei oder vier verschiedenen Höhen angebracht. Nach dem Seil muss noch mindestens 50 Zentimeter Boden kommen.

Im Profibereich ist ein Boxkampf in vier bis zwölf Runden aufgeteilt, die jeweils drei Minuten lang sind. Drei Kampfrichter bewerten jeder für sich den Kampf. Erfolgt der Sieg durch K.O. erklärt der Ringrichter den Sieger. Ansonsten werden die Punkte zusammengezählt und die Ergebnisse der Kampfrichter entscheiden über Sieg und Niederlage.

Es ist genau festgelegt, wofür ein Boxer Punkte erhält und wann er die Runde gewinnt. Ein Boxer kann den Kampf gewinnen, weil alle drei Kampfrichter ihn vorne sehen. Er kann gewinnen, weil zwei Kampfrichter ihn vorne sehen und der dritte den Gegner vorne sah oder ein unentschieden errechnet hat. Wenn zwei Kampfrichter jeweils die gleiche Punktzahl für beide Boxer errechnet haben und der dritte hat ein unentschieden errechnet, ist der Kampf unentschieden.

Ein Boxer kann auch qualifiziert werden, wenn er absichtliche einen angesehenen Kopfstoß verteilt, wenn er sich unsportlich verhält, also beißt oder tritt, wenn er mit Schlagwirkung nachschlägt, wenn er wiederholt seinen Mundschutz ausspuckt oder ein Sekundant vor Rundenende den Ring betritt, egal ob das Betreten absichtlich oder versehentlich erfolgt.

Regeln beim Kickboxen:

Beim Kickboxen haben die Verbände die Regeln klar definiert. Hier finden sich Angaben dazu, welche Aktionen im Ring verboten sind, wie Schläge auf den Hinterkopf und rücken, das Anmeckern oder Beleidigen des Schiedsrichters oder wegrennen im Ring.

Die Ringgröße ist festgelegt und wann es Punkte gibt. Beim Semikontakt wird nach jedem Treffer kurz unterbrochen. Wenn die drei Kampfrichter sich einig sind, gibt es einen Punkt und der Kampf geht weiter. Je nach verwendeter Technik kann ein Kämpfer zwischen einem und drei Punkten bekommen.

Beim Leichtkontakt wird nicht nach jedem Punkt unterbrochen. Die Richter werten hier jede Runde aus. Der Vollkontakt wird im Boxring ausgetragen. Auch der Vollkontakt wird über Punkte oder mit einem K. o. entschieden. Der Boxer kann zwischen ein und drei Punkten bekommen. Trifft er im Bereich des Schrittes, also unter der Gürtellinie wird ein Punkt abgezogen.

Bestimmungen beim Muay Thai:

Die Regeln sind umfassend, hier ist sogar geregelt, wer welche Kosten übernimmt und wie die Unterbringung zu erfolgen hat. Hier ist geregelt, welche Techniken erlaubt sind, wie Faustschläge zum Kopf oder Oberkörper des Gegners und welche Techniken nicht erlaubt sind, wie das Treten und Schlagen eines Gegners am Boden.

Der Kampf kann durch einen K.O. gewonnen werden, durch einen Punktsieg, durch die Aufgabe des Gegners, durch die Disqualifikation des Gegners oder er wird durch Abbruch des Ringrichters beendet. Die Bekleidung ist genauso genau festgelegt wie die Gewichtsklassen. Die Kampfzeiten betragen je nach Klasse und Wichtigkeit 3 x 2 Minuten in der D-Klasse bis zu 5 x 3 Minuten beim Titelkampf der A-Klasse.

Geschichtliche Unterschiede:

Geschichtliche Unterschiede

2 der 3 Kampfsportarten können auf eine langjährige Tradition zurückblicken. Eine von ihnen ist noch relativ neu. Welche das ist und wie Kickboxen, Muay Thai sowie Boxen entstanden sind, erklären die folgenden Zeilen. Außerdem erkennt man hier ganz klar, zu welchem Zweck die Sportart ins Leben gerufen wurde.

Die Entstehung und Geschichte des Boxens:

Bereits 7.000 Jahre alte Darstellungen zeigen Faustkämpfe. Diese Faustkämpfe gab es wohl zu allen Zeiten in allen Kulturen. Natürlich haben die Faustkämpfe der Antike nicht viel mit dem modernen Boxen zu tun. Die Ursprünge des heutigen Boxens liegen im 17. Jahrhundert in England. 1681 gab es den ersten schriftlich belegten Kampf, organisiert von Herzog von Albemarle.

Im Londoner King´s Theatre gibt es seit 1698 regelmäßig Boxkämpfe. Da hier die Fingerknöchel noch frei lagen, nannte man es Bare-nuckle-Boxen. 1719 gewann der Fechtmeister James Figg das erste offizielle Boxturnier. 1743 kam das erste Regelwerk, hier wurden Tiefschläge verboten und Schläge gegen einen am Boden liegenden Gegner. 1838 wurden diese Regeln abgelöst.

Jetzt gab es einen Boxring und die Hände wurden bandagiert, um das Verletzungsrisiko zu minimieren. In den 20er-Jahren wurde dann eingeführt, dass der Boxer, der seinen Gegner niedergestreckt hat, in eine neutrale Ecke gehen soll und nicht sofort wieder zuschlagen darf, wenn der Gegner sich aufrappelt.

Die Geschichte sowie Entstehung des Kickboxens:

Kickboxen ist eine recht neue Kampfsportart. Sie entstand wahrscheinlich 1961 als der Deutsche Georg Frederic Brückner, mit einer Kampfsportschule in Berlin-Wilmersdorf den Amerikaner Mike Anderson kennenlernte und dieser ihm das amerikanische Sportkarate näherbrachte.

1977 wurde die World All-Style Karate Organisation (WAKO) gegründet. Als sich der neue Sport Jahre später vom Karate absetzen wollte, entstand der neue Name der WAKO: World Association of Kickboxing Organistations. Heute nennt die Organistation sich „World Karate and Kickboxing Assoiation“ kurz WKA.

Die Vergangenheit des Muay Thais:

Das Muay Thai ist eine alte Kampfkunst. Es entwickelte sich in Thailand über Jahrhunderte. Wenn es einen Kampf gab und andere Waffen unbrauchbar waren, nutzten die Krieger ihre Beine, Ellbogen und Fäuste.

Diese traditionelle Art wird Muay Thai Boran genannt. 1921 wurde der erste offizielle Ring für einen Thaibox-Wettkampf genutzt. 1929 wurden das erste Mal Boxhandschuhe genutzt, davor wurden die Hände nur bandagiert. Etwa 1930 wurden die Rundenzeiten genormt auf 2 x 2 Minuten bis maximal 5 x 3 Minuten, je nach Wettkampfklasse.

Während Thai-Boxer sowie klassische Boxer eine Kampfsportart mit langer Tradition ausüben, gibt es Kickboxer erst seit den 70er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Trotzdem haben alle 3 Sportarten ihren eigenen Reiz. Sie machen sowohl beim Zusehen als auch beim Ausüben große Freude.
Über Timo Meyer, Judoka (1. Dan) 29 Artikel
Er ist seit mehreren Jahren begeisterter Judoka und verfügt über ein breit gefächertes Fachwissen in Sachen Kampfkünste und Kampfsport. Als Experte schreibt er hier über alle möglichen Themen rund um Kampfsport. Sein Motto lautet: Man kann dir den Weg weisen, doch gehen musst du ihn selbst.