Vovinam – Kampfkunst aus Vietnam mit der koordinierten Wechselwirkung der Gegensätze!

Vovinam

Diese Kampfkunst stammt aus dem fernen Vietnam und wird dort Viêt Võ Dao geschrieben. In Deutschland ist sie unter dem Begriff Vovinam bekannt. Gekämpft wird hier sowohl mit als auch ohne Waffen. Die Techniken sind dabei stark auf die Selbstverteidigung gegen bewaffnete und unbewaffnete Angreifer ausgelegt.

Die Kampfkunst an sich konzentriert sich aber auch auf die Gesunderhaltung des Körpers und die persönliche Entwicklung. Dabei steht alles unter dem Prinzip der Harmonie zwischen hart und weich. Gemeint ist hiermit vor allem die Yin-und-Yang Theorie, die besagt, dass alle Geschehnisse im Universum durch das ständige Wechselspiel von Yin (negativ) und Yang (positiv) bewirkt werden.

Im Vovinam setzt man sowohl auf weich als auch hart. Einen Schwerpunkt wie bei anderen Kampfkünsten sucht man hier vergebens. Stattdessen muss man in jeder Situation und bei jedem Problem entscheiden, ob hart oder weich das richtige Vorgehen ist. Ziel dieser Kampfkunst ist es eine koordinierte Wechselwirkung der Gegensätze zu bewirken. Im Kampf oder im Alltag sollen beide Mittel im bestmöglichen Verhältnis kombiniert werden.

Namensbedeutung:Vo (Võ) bedeutet übersetzt Kampfkunst und das Wort Vinam steht für „Vietnam“.
Entstehung:Entwickelt wurde die Kampfkunst von vietnamesischen Großmeister Nguyễn Lộc. Er stellte Vovinam zum erst mal 1938 offiziell vor.
Techniken:Hand- & Ellenbogentechniken, Fußfeger, Fußtritte, Würfe sowie Hebeltechniken.
Waffen:Langstock, Messer, Schwert, Breitschwert, Säbel, Machete, Fächer, Hellebarde als auch Axt.

Wie wird gekämpft?

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Der Fokus des Vovinam liegt ganz klar auf der Verteidigung gegen bewaffnete und unbewaffnete Gegner. Damit dies auch gelingt werden sowohl Angriffs- als auch Abwehrtechniken trainiert. Kombiniert werden diese mit sehr effizienten Befreiungstechniken.

Damit das Ganze in einem realen Kampf auch funktioniert, gibt es verschiedene Trainingsmöglichkeiten. Da wären Formen, der Freikampf sowie der traditionelle Ringkampf. Je nach Ausbildungsstand der Schüler wird dabei mit und ohne Waffen trainiert.

Die Techniken im Vovinam sind sehr vielseitig. Viele der Methoden können sehr gut zur Abwehr gegen Würgen, Festhalten, Messer- sowie Schwertangriffe eingesetzt werden. Das Repertoire eines Vovinam-Sportlers umfasst diese Kampftechniken:

  • Handtechniken
  • Ellenbogentechniken
  • Fußtritte
  • Fußfeger
  • Würfe
  • Hebeltechniken
  • Befreiungstechniken
  • Waffenkampf

Großer Wert wird bei der Ausbildung und im fortgeschrittenen Stadium darauf gelegt, dass die Techniken sinnvoll kombiniert werden. Wer auch Waffen einsetzen möchte, muss die Trainerstufe erreichen. Erst hier kann man sich mit traditionellen Waffen, wie Langstock, Messer, Schwert, Säbel, Machete, Fächer, Hellebarde und Axt auseinandersetzen.

Dabei wird mit diesen Mitteln nicht nur trainiert, um ein breiteres Portfolio an Techniken zu erlangen. Ziel ist es mithilfe des Waffentrainings eine optimale Körperbeherrschung zu erlangen. Damit dies auch wirklich gelingt und das Training nicht blutig endet, braucht es höchste Konzentration und Willensstärke.

Spezielle und bekannte Techniken:
Im Vovinam gibt es gleich mehrere individuelle Kampftechniken. Sehr bekannt ist hierbei der Vierkampf (Tu Dau). Es handelt sich dabei um einen einstudierten Kampf zwischen 4 Meistern. Aber auch die Technik Da Canh ist vielen geläufig. Bei dieser Methode handelt es sich um einen quer angewandten Fußtritt mit der Fußaußenseite.

Weniger geläufig wären noch die Beinscheren (Don Chan). Allerdings sind diese mit beiden Beinen gesprungene Tritte oder Klammergriffe, die den Gegner zu Fall bringen, mehr als effizient. Auch der Dam Lao ein geschwungener Faustschlag mit den Knöcheln der Handoberseite ist weit effektiver als man meinen könnte.

Welche besonderen Traditionen gibt es?

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Auch bei dieser Kampfkunst gibt es 10 wichtige Prinzipien, wie bei fast allen aus Vietnam stammenden Kampfsportarten. Die 10 Regeln lauten, wie folgt:

  1. Strebe die höchste Stufe der Kampfkunst und der menschlichen Haltung an.
  2. Das Vovinam muss stets weiterentwickelt, gepflegt und verbreitet werden.
  3. Respektiere deine Meister und Trainer. Sorge für Hilfsbereitschaft und Zusammenhalt zwischen den Mitgliedern.
  4. Kümmere dich um Erhaltung der Disziplin und Ordnung.
  5. Respektiere jede Kampfkunst und setze sie lediglich zur Selbstverteidigung ein.
  6. Kümmere dich um einen starken Geist. Schärfe und kultiviere ihn, um stark für ein sinnvolles Leben zu sein.
  7. Verinnerliche die Werte Fairness und Gerechtigkeit.
  8. Stärke deinen Willen und überwinde jedes Hindernis.
  9. Löse Probleme klug und entwickle Ausdauer und Zielstrebigkeit.
  10. Sei bescheiden und tolerant, aber im richtigen Moment auch mutig.

Neben den Prinzipien wird viel Wert auf die traditionelle gegenseitige Begrüßung „die starke Hand auf dem gütigen Herzen“ gelegt. So soll jedem Schüler der Gedanke hinter dieser Kampfkunst vor Augen geführt werden. Zudem wird hier auf das Ziel des Vovinams angespielt, nämlich die Kraft und Reaktion des Gegners zum eigenen Vorteil zu nutzen. Also mit geringem eigenen Kraftaufwand eine maximale Wirkung zu erzielen.

Die geistige Haltung hat Tradition:
Vovinam legt bei der inneren Arbeit viel Wert auf die Überwindung des eigenen Egos. Das bedeutet, dass Werte, wie Großzügigkeit und Toleranz großen Stellenwert genießen. Schließlich lautet das Endziel, nicht nur sich selber helfen zu können, sondern auch den Mitmenschen. Das bedeutet, dass Harmonie und Friede mit der Umwelt das oberste Gut darstellen.

Welche Vovinam Gürtel gibt es?

Vovinam-Gürtel

Das Graduierungssystem dieser Kampfkunst ist sehr überschaubar und damit einfach gehalten. Schüler beginnen mit einem hellblauen Gürtel, der damit auch die gleiche Farbe wie der Anzug hat. Dieser Gürtel sagt aus, dass es sich hier um einen Schüleranwärter handelt.

Erst mit dem dunkelblauen Gürtel ist man dann ein richtiger Schüler. Bezeichnet wird diese Graduierung als Mon Sinh. Nun gilt es drei Prüfungen zu absolvieren, um den dunkelblauen Gürtel die gelben Streifen hinzufügen zu können.

Im nächsten Schritt kommt nun die Prüfung, um einen gelben Gürtel tragen zu dürfen. Hierbei handelt es sich bereits um die Trainerstufe. Man spricht ab dieser Stufe schon davon, dass die erlangten Fähigkeiten in den Körper eingedrungen sind.

Wer diesen Gürtel trägt, muss nun wieder 3 Prüfungen erfolgreich durchlaufen. Für jede bestandene gibt es hier einen roten Streifen auf den gelben Gurt. Jeder der Streifen entspricht dem ersten, zweiten und dritten Dang.

Nun folgt die Meisterprüfung. Wer einen roten Gürtel sein Eigen nennen kann, hat das Vovinam verinnerlicht. Daher steht Rot auch für das Blut oder die intensive Flamme. Wer nun weitere Stufen erklimmt, bekommt wieder einen Streifen. Diesmal in der Farbe Weiß. Es sind bis zu 6 weiße Streifen möglich.

Es gibt theorethisch sogar noch einen weißen Gürtel. Dieser steht für die Unendlichkeit und als Symbol für die Tiefe. Wer diesen Gürtel verliehen bekommt beherrscht das Vovinam völlig. Allerdings hat bis heute nur eine Person den weißen Gürtel tragen dürfen. Die Rede ist vom Großmeister Le Sang. Schließlich ist die Gürtelfarbe weiß nur dem Präsidenten vorbehalten.

Allerdings wird diese Gürtelfarbe in Deutschland sehr häufig bei Kindern verwendet. Um den nächsthöheren Gurt zu bekommen, muss man sechs Prüfungen absolvieren. Für jede erfolgreich abgelegte Prüfung bekommt man dann einen jeweils einen blauen Streifen verliehen.

Wie entstand Vovinam?

Als Begründer dieser Kampfkunst gilt der Vietnamese und Großmeister Nguyễn Lộc. Er stelle Vovinam zum ersten Mal im Jahr 1938 offiziell vor. Den weltweiten Siegeszug verdankt dieser Kampfsport den in Frankreich ansässigen Flüchtlingen aus Vietnam.

Aber auch sein Nachfolger Großmeister Le Sang, der 1960 die Pflege und Weiterentwicklung nach dem Tod von Nguyễn Lộc übernahm, ist stark an der weltweiten Verbreitung beteiligt gewesen. Bis zu seinem Tod im Jahre 2010 war diese Kampfkunst weit über die Grenzen Vietnams bekannt.

Inzwischen ist auch Le Sang verstorben und heute wird Vovinam nicht mehr von einem Großmeister alleine geführt, sondern von einer größeren Organisation. So hat die Vovinam Viet Vo Dao die World Vovinam Viet Vo Dao Federation (WVVF) mit Sitz in Saigon übernommen und ist somit der führende Dachverband.

Zudem gibt es in Europa noch die European Vovinam Viet Vo Dao Federation (EVVF). Dieser wiederum gehört der Deutsche Vovinam Viet Vo Dao Fachverband e.V. an. Er ist die deutsche Dachorganisation in puncto Vovinam. Allerdings existieren noch viele weitere Organisationen. So gibt es in Deutschland zum Beispiel noch die Föderation Vovinam Viet Vo Dao Deutschland.

Was gilt es noch zu wissen?

FAQ

Ab und an bekommen wir von unseren Fragen rund um diesen Kampfsport gestellt. Daher haben wir uns dazu entschieden an dieser Stelle einen kleinen Bereich mit den wichtigsten Fragen samt Anworten zu veröffentlichen. So bekommst du noch zusätzliche Informationen über die aus Vietnam stammende Kampfsportart.

Welche Farbe hat ein Vovinam-Anzug?

Ab dem Jahre 1973 waren die Anzüge schwarz. Allerdings fand bereits 17 Jahre später ein Treffen der Vovinam-Meister statt, um eine eigenständige Organisation für Vovinam, außerhalb Vietnams zu gründen. Dort wurde unter anderem beschlossen, dass alle Anzüge ab sofort blau sein sollten. An dieser Farbe hat sich bis heute nichts mehr geändert.

Warum haben die Namensschilder unterschiedliche Farben?

Die Antwort auf diese Frage ist relativ einfach. Zu jeder Gürtelfarbe gibt es ein farblich angepasstes Schildchen. So trägt man zu einem blauen Gürtel ein blaues Namensschild mit gelber Schrift. Bei einem gelben Gürtel wird natürlich ein gelbes Schildchen mit roter Farbe getragen.

Wer im Besitz eines roten Gürtels ist, bekommt ein rotes Namensschild mit weißer Schrift. Der Patriarch trägt ein weißes Namensschild mit roter Schrift. An diesem befinden sich am oberen und unteren Rand jeweils noch drei dünne horizontale Streifen in den Farben blau, gelb und rot.

Gibt es ein spezielles Logo?

Selbstverständlich, wie sollte es auch anders sein. Die verwendeten Formen symbolisieren die Vollendung des Guten, Wahren und Schönen. Zudem befinden sich im Logo die beiden Pole Yin (rot) und Yang (marineblau).

Wer genau hinschaut entdeckt in der Mitte der beiden Pole eine gelbe Landkarte von Vietnam. Zudem werden die beiden Pole von einem weißen Kreis umschlossen, was den Grundgedanken hinter dem Dao symbolisieren soll. Also die Vermittlung zwischen Ying und Yang.

Über Fabian Wüst, Coach & Berufswaffenträger 85 Artikel
Er ist erfolgreicher Trainer in Sachen Selbstverteidigung und sammelte wichtige Erfahrungen als Geldtransporterfahrer, Bahnschutzmitarbeiter und Objektschützer für das Militär. Auf dieser Webseite teilt er sein erlangtes Know How mit dir. Sein Motto lautet: Schütze Dich und Deine Liebsten.